Deutsche Prominenz – ein Trauerspiel

Jetzt, nachdem das Oktoberfest wieder vorbei ist, muss mal eine Bestandsaufnahmen zum Thema Prominenz gemacht werden. Viele Leute fragen mich: Warum sind denn immer die gleichen Hanseln in den Medien und wieso ausgerechnet die? Dann muss ich sagen – das sind die, die eben in den Medien stehen möchten.
In den Zeiten, als Baby Schimmerlos noch durch München streifte, gab es eine Handvoll Medien. Die hatten Zugang zu Promis und Partys, man kannte sich, schätzte sich und wußte, dass, wenn mal was Brisantes zu klären wäre, das auch auf dem kleinen Dienstweg erledigt werden kann. Dann wurde es geschrieben oder  mal nicht. Heutzutage gibt es dank Privatfernsehen, Internet und Zeitschriftenschwemme eine Unzahl von leerem Papier, Platz udn Sendezeit die gefüllt werden müssen. Schnell und bunt und effektiv. Da bleibt kaum Zeit für Recherche oder für den sorgfältigen Aufbau tragfähiger Beziehungen – abgesehen davon, dass der Societyposten nicht unbedingt mit guten Redakteuren besetzt wird, sondern immer häufiger mit der Betriebsnudel, die sich danach sehnt, selbst ein wenig Glanz abzubekommen.
Deswegen wird oft der schnellste Weg gewählt – die Spalten werden mit bewährten Gesichtern gefüllt, die zwar nicht viel mehr anzubieten haben außer sich selbst, aber die eben überall zu sehen sind und deswegen bestimmt nicht so falsch sein können. Wer wirklich rein will in die Medien, die optischen Voraussetzungen mitbringt oder operieren läßt und bereit ist, das mit entsprechendem Druck und Aufgabe der eigenen Persönlichkeit zu unterstreichen, dem gelingt das erschreckend einfach. Und schwupps haben wir eine neue Prominenz: Gina Lisa, Daniela Katzenberger, Tatjana Gsell, Verena Karth oder Verona Pooth sind die Rollenmuster.
Da wenden die, die wirklich was können, sich mit Grausen. Wer will als ernstzunehmender Schauspieler, Künstler, Schriftsteller, Industrieller oder Regisseur sich mit solchen Leuten auf einer Stufe stehen, im selben Artikel erscheinen? Nicht so viele. Deswegen beißt sich die Katze in den Schwanz, mit zunehmender Nullnummerndichte werden die echten Schwergewichte seltener und machen sich noch rarer. Dann müßte man eben als Redakteur ran und nachforschen – aber das kostet wertvolle Zeit.  Zu recherchieren, was derzeit Oscargewinner Florian Gallenberger macht? Unwichtig, die Brüste von Daniela Katzenberger sind doch abendfüllend. Was machen die deutschen Großinstustriellen? Egal, Tatjana Gsell macht Werbung für irgendeine Sexmesse. Die ernsthaften Leute lassen sich in dem Zirkus nur noch widerwillig blicken, wenn gerade ein neuer Film oder ein Buch ansteht. Es wird bedauert, deutsche Promis hätten keinen Sinn fürs Leichte – ja wie denn, wenn man dann in einer Schublade mit Teppichludern, Halbprofessionellen oder Liliana Mattäus steckt?

So graben sich die Medien langsam aber sicher das Wasser ab, von dem sie leben. Weil irgendwann der dümmste Leser checkt, dass nur noch purer Schaum geschlagen wird, ohne Substanz und Gehalt. Dass, wenn man mit nix ein Star werden kann und jeder einer ist – eben keiner mehr einer ist.

4 Kommentare

  1. …passend beschrieben!!!;)
    Das eigentlich traurige sind jedoch nicht die Protagonisten, sondern vielmehr das öffentliche Interessean ihnen, das unsere Journaille dazu motiviert immer neue unterbelichtete Plastikmonster zu erschaffen.

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  2. Stimmt – es scheint egal zu sein, ob du wirklich Leute interviewst, die was zu sagen haben oder alles mit den „Plastikmonstern“ zu füllen. Gekauft werden die Hefte ja alle

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  3. Solange sich die Leser dem voyorismus hingeben und die Schlagzeilen haben möchten wird den Gestalten, die du beschreibst leider Tür und Tor geöffnet:( Wer fühlt sich nicht geschmeichelt wenn die unzähligen Fotografen, die es inzwischen an den Roten Teppichen gibt wie verrückt knipsen und den entsprechenden Namen über eben jene ehemals begehrte „Promi-Meile“ rufen? Ich finde die momentane Entwicklung nicht nur bizarr, sondern extrem gefährlich! Viele versuchen den Pseudosternchen zu folgen und sind bereit schon in jungen Jahren (fast) alles zu machen und meinen oft es reicht sich einen Promi zu angeln und dann ist man wer…

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  4. Guter Beitrag zum Problem der deutschen Prominenz. Lassen wir sie doch alle links liegen, diese Möchtegerns. Ich komme gerade von der Buchmesse, und hab dort in meinen Augen „echte“ Prominente gesehen – z.B. Helmut Kohl, Peer Steinbrück und Ingrid Betancourt. Aber über die lese ich nicht in den Klatschspalten, sondern in Politik, auf den Literaturseiten oder in Reportagen. Ich merke gerade, dass ich es selbst in der Hand habe, wen ich mir antue, und wen nicht. (Fällt auch leicht, weil ich gerade kaum fernsehen kann, mehr Bücher, Zeitschriften und Zeitungen lese, auch kein Radio mehr höre, sondern nur noch surfe.)

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