Rund ist gesund – ein kurzer Trend oder wirklicher Wandel?

Ich mag Crystal Renn. Wenn ich das Model sehe, weiß ich, wie Kleider an mir aussehen, denn sie und ich teilen eine fast identische Figur. Und das, obwohl ich beileibe keine Modelmasse habe und nie im Leben Size Zero, weil da vermutlich sogar meine Knochen zu fett dafür wären. Dennoch muss ich mich selbst an den Anblick runderer Models in Zeitschriften gewöhnen. Zu vertraut ist die elegante, ätherische Silhuette von zarten Frauen in Größe 32 bis 36.  Diese heuschreckenartige Eleganz werden wir Runden nie hinbekommen.

Die Frage ist, ist nur dünn schön? Das haben bis jetzt alle Modefrauen mit entsetzter Miene bejaht. Dick? Das heißt dicke Muttis mit Chips vor dem Fernseher, die verblödet Spaghetti Bolo vom Wanst des Freundes fressen. Nur Unterschicht ist dick. In gewissen Moderedaktionen werden Frauen über Größe 36 nicht eingestellt, in anderen ihnen jeder Bissen vorgezählt und in der Kantine nachgerechnet, was die andere nun verputzt hat.

Aber ganz, ganz langsam und vorsichtig knospt eine neue Einstellung. Nicht eine Änderung des Schönheitsideals – da sind wir noch weit weg davon, solange sich eine Hollywoodschaupielerin vor jeder Rolle erstmal 5-10 Kilo abtrainieren muss – , aber eine Akzeptanz, dass es Schönheit jenseits Größe 38 gibt und dass sogar – welche Überraschung – der Großteil der Frauen Größe 40 und mehr trägt. Endlich haben die Designhäuser begriffen, dass auch diese Frauen sich gerne schön kleiden, dass Größe 40 noch lange nicht verfettet heißt. Karl der Große hat es als erster gecheckt, mit Beth Ditto posiert, Crystal Renn auf den Laufsteg geholt und – schwupps – seine ätzenden Aussagen über Dicke sind vergessen. Marc Jacobs designt nun eine Kollektion „Above Average“Saks kauft ein bis Größe 48. Ich als 42 finde das super.

Aber wie nachhaltig ist die Verwendung von Plus Size? Ist es nur ein kurzlebiger Trend, bis die nächste Diätwelle auf uns zurollt? Oder hat sich wirklich was getan in den Köpfen? Ich denke, es geht weniger um die Erkenntnis, dass man  42 tragen kann, sondern ums liebe Geld. Denn es ist unbestritten, dass diese gewichtigen Frauen auch das Geld haben, Mode zu kaufen, statt immer nur träumend vor Puppenjäckchen zu stehen. Denn wer die Größen einschränkt, schränkt die Kaufer ein und läßt sogar die runden Damen vom Golf, die nun wirklich Kohle haben, einsam mit ihren Designertaschen im Regen (oder besser Wüstenwind) stehen. Das kann sich derzeit niemand mehr erlauben. Selbst wenn die Mode nur als erweiterte PR-Massnahme dazu da ist, mit ihrem Image Kosmetik und Accessoires zu vertickern, kann man auf Plus Sizler nimmer verzichten. Weil die sich mit beachtlicher Renitenz weigern, die Parfums derjenigen zu kaufen, die ihnen die Kleider verweigern. Prada, Dior, Valentino – zieht euch warm an, wenn ihr noch keine Größe 42 und mehr auf Lager habt.  Wir Runde haben Modeluft und Modelust geschnuppert und lassen uns nicht mehr vertreiben! Wie seht ihr diese Frage? Ist Plus Size nur ein kurzer Trend oder ein echter Wandel?

8 comments

  1. Ein Kleidungsstück in Größe 36 ist kein Puppenjäckchen, weil schlanke und dünne Frauen (und Teenies) keine Puppen sind.

    Den Dicken, die die Dünnen abwerten müssen (und z.B. als Heuschrecken, Kleiderständer, Hungerhaken beschimpfen), damit es ihnen gut geht, kaufe ich ihr demonstratives Selbstbewusstsein überhaupt nicht ab.

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  2. Liebe Irene,zum einen sind Frauen mit Größe 40/42 meiner Definition nach noch nicht dick, zum anderen steht beim „Puppenjäckchen“ keine Größe. Wenn du das auf dich beziehst, tut es mir leid.

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  3. Ich beziehe es nicht auf mich, darum geht es nicht. Ich finde einfach Puppenkleid für kleine Größen (egal ob jetzt 32 oder 36 gemeint ist) genauso unpassend wie Zirkuszelt für große Größen (egal ob 44 oder 58 gemeint ist).

    zum einen sind Frauen mit Größe 40/42 meiner Definition nach noch nicht dick

    Das wolle ich mit meinem Kommentar auch gar nicht ausdrücken.

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  4. @Irene:
    Wo genau im Text siehst du jetzt diese Abwertungen den Dünnen gegenüber?
    Selbst dies:
    „Zu vertraut ist die elegante, ätherische Silhuette von zarten Frauen in Größe 32 bis 36. Diese heuschreckenartige Eleganz werden wir Runden nie hinbekommen“ finde ich, hört sich fast eher bewundernd an.

    Und demonstratives Selbstbewusstsein kann ich jetzt in dem Text auch nicht so viel entdecken…

    Es geht doch mehr um die Frage, ob (etwas) dick(er) nicht auch schön sein kann, und ob es nicht gut wäre, wenn auch auf Dauer modische Kleidung für Frauen mit Größe 40+ erhältlich wäre.
    Und da bin ich absolut dafür, bzw. hoffe es ganz stark! Aber wie Katrin auch schon vermutet, da ist wohl mehr das liebe Geld der Grund, als ein neues Schönheitsideal…
    Und leider sind diese Tendenzen auch noch nicht so weit in den mir zugänglichen/erschwinglichen „normalen“ Klamotten-Läden und -Ketten verbreitet.

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