Verdammt, wo bekomme ich fair gehandelte Kleidung her?

Ich habe ein Problem. Kik kann ich nicht boykottieren, weil ich da noch nie was gekauft habe. So richtig gut gefällt mit die Mode von Hess Natur nicht, auch meine Begeisterung für Kuyishi und Armed Angels hält sich in Grenzen. Vor allem, weil diese Firmen davon auszugehen scheinen, dass nur sehr dünne Teenies fair gehandelte Jeans und T-Shirts kaufen wollen. Und bei anderen Firmen? Gut, es gibt Trigema, die damit werben, in Deutschland zu produzieren, so wie American Apparel in den USA herstellt. Doch der Gründer von American Apparel ist durch angebliche sexuelle Belästigung seiner Mitarbeiterinnen ins Gerede gekommen, auch nicht dass, was ich unter „fair“ verstehe. Das Augsburger Label Manomama ist schon mal ein toller Ansatz, aber noch nicht schrankfüllend.

Bei allen anderen Marken bin ich schon am Ende mit meiner Weisheit, ich weiß nicht, ob ich den Preis nur für das teuere Label und Markenimage zahle, oder ob die Firmen tatsächlich einen Teil des Gewinns in eine faire Behandlung ihrer Arbeiter in der zweiten und dritten Welt fliessen lassen. So richtig glauben kann ich das nicht. Denn gibt es eine Firma, die nicht in Sweatshops produzieren lässt? Soweit ich weiß – nein. Mit Ausnahme von Hermès, die sich zugute halten, alles in Frankreich produzieren zu lassen, tappe ich auch bei Glamour-Labels im Dunkel.

Und das läßt mich sehr misstrauisch werden. Denn wäre nicht eine Fair Trade Certification auch bei Nobelmarken ein echter Bonus? Würden sich nicht gerade die betuchten Käuferinnen freuen, wenn sie ihre Mode mit gutem Gewissen tragen können und sagen: „Ja, das kostet was, das Zeug, dafür stirbt wegen mir keine Näherin an Hunger.“

Deswegen bringt es auich nix, Kik allein zu boykottieren. Denn so gut wie jeder Laden, der die heimischen Fußgängerzonen ziert, hängt genauso drin wie der Textildiscount. Nur, das die geradezu offen damit umgehen, weil die auch zusätzlich ihre Angestellten hierzulande misshandeln und so dass Elend sichtbar machen, dass man sonst so gut in Bangladesch verdrängt hat. Sklaven sitzen in China, in Indien, arbeiten auf den Baumwollfeldern – nur damit unsere Kleider möglichst billig werden. Sklaven produzieren unser Essen, Kinder sterben für unsere Schokolade an den Pestiziden der Plantagen – wollen wir wirklich so einen Planeten?

Was wir brauchen, ist erstmal eine Bestandsaufnahme – wer läßt wo produzieren, was zahlen die Unternehmen und was würde es den Kunden kosten, damit die Näherinnen, die Baumwollernter bis hin zur Verkäuferin fair bezahlt werden würden, so dass allen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht wird? Ich könnte wetten, mehr als ein, zwei Euro pro T-Shirt mehr würde das nicht kosten. Ist uns fremde Sklavenarbeit so egal, dass wir nicht einen Euro erübrigen können, das zu verhindern? Eine Organisation, die seit Jahren die Missstände anprangert, ist Clean Clothes. Ich bitte euch alle ganz herzlich, lasst Kik nicht allein dafür bluten. Dieser Drecksladen ist nur die Spitze des Eisbergs. Machen wir alle gemeinsam Druck auf den Handel, damit sie so billig nicht mehr durchkommen.  Ich bin überzeugt, dass wir alle gemeinsam etwas ändern können.

34 comments

  1. Du hast Recht.

    Zwar habe ich gestern beim Shitstorm fleißig mitgestürmt *g*, aber das hatte einen Grund: Ich habe noch nie bei KiK gekauft, kann dem Mistladen deshalb durch Boykott nix und hoffe deshalb, wenigstens ein paar nicht nachdenkende KiK-Käufer zu bekehren. 😉

    Weil: Irgendwo muss man doch anfangen. Und dann weitermachen und noch weiter und noch weiter.

    Es bleibt zu hoffen, dass auch bei anderen Billiglabels die sicherlich vorhandenen Missstände offengelegt werden – aber bei KiK weiß man’s nun mal eben und kann doch direkt handeln (bzw. boykottieren)! Dagegen finde ich nichts zu sagen. Noch besser wäre natürlich, wenn alle Textiler so durchschaubar wären. Irgendwann laufen wir halt dann alle nackt rum oder weben unsere Klamotten aus Schilf … 😉

    Ich danke Dir jedenfalls für den Hinweis mit Clean Clothes; das werde ich mir mal ansehen und meinen Horizont entsprechend erweitern.

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    1. Es kann nix schaden, dass Kik gekickt wird. Aber wer glaubt, damit schon ein gutes Gewissen haben zu können ist eindeutig zu kurz gesprungen. Nur das wollte ich zum Ausdruck bringen. Vielleicht wäre ein Denkansatz, dass man das, was man besitzt, als etwas Wertvolles ansieht, nicht als einen billigen Wegwerfartikel.

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      1. Hömma, dafür könnte ich Dich jetzt knutschen! ❤

        Genau das ist es nämlich:
        Einfach mal zufrieden sein.
        Einfach mal das Hirn einschalten und nachdenken, was man mit seiner Art von Konsum bewegt.
        Einfach mal um ein paar Ecken mehr denken.

        Ach ja … I have a dream …

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  2. du sprichst mir aus der seele ! es ist so schwer überhaupt faire mode zu finden, ich wüsste jetzt im ort keinen laden! fast alles wird nicht fair produziert oder ist sauteuer , und nicht jeder kann sich das leisten. für besserverdiener ist es immer einfacher zu urteilen und zu sagen , ich geh da nimmer hin. aber es gibt nun mal viele die es sich nicht aussuchen können !
    lg

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  3. Den Hersteller vom Label ALBERT KREUZ – Business-Herren-Unterwäsche – kenn ich persönlich und weiß, daß er in Deutschland, in Chemnitz fair produzieren läßt. Die Unterwäsche ist bezahlbar und absolut durchdacht. Doch wenn ich versuche, bei Herren-Boutiquen bzw. Herrenausstattern die Unterwäsche zu präsentieren, werde ich nur abgewiesen, weil diese nur bekannte Label wie Calvin Klein, Boss, … in ihr Sortiment aufnehmen.
    Ich finde es grundsätzlich gut, daß auf die Mißstände wie bei KiK aufmerksam gemacht wird, aber wäre es nicht auch gut, mal einen Beitrag zu bringen über Firmen, die fair in Deutschland produzieren!?

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    1. Wie gesagt, ich sammle die Tipps, erlaube mir, sie übers WE zu überprüfen udn werde dann gerne all die Label vorstellen. Hier auf meinem Blog tue ich das schon, Kay Rainer oder Bruce La Cruz produzieren hier in München. Das ist aber auch kein Massenmarkt.

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      1. ALBERT KREUZ ist auch bei Facebook vertreten. Dort findest du z.B. Fotos von der Produktion. Über die Vorstellung auf deinem Blog würde ich mich freuen. Und wenn jemand an einem Gutschein über 5,- € für den Ersteinkauf interessiert ist, einfach bei mir melden.

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  4. Hi,

    …die beste Methode ist doch, sich Mode mit dem eigenen Namen „machen zu lassen“ 😉 Thanx God for Klingel(-ing) ! Bin ich leider erst neulich drüber gestolpert…
    generell bin ich aber auch eer der Typ Frau, der nicht gerne etwas von der Stange trägt – ausgefallen und individuell mag ichs eigentlich lieber.

    Tschüß
    Laura

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  5. darf ich etwas Werbung für unsere Firmenliste zu ausbeuterischer Kinderarbeit machen?
    Wir stellen dar, wie die Unternehmenspolitik dazu ist, ob und wie kontrolliert wird und ob schon konkrete Fälle öffentlich geworden sind. Von A wie Adidas bis Z, wie Zotter.

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  6. Danke für den „Anfang“. Und wir werden mit der zeit schrankfüllend. Dafür, dass es uns nun drei Monate gibt, finde ich eigentlich eine Grundkollektion mit 48 Einzelteilen schon ganz sportiv. Wir werden weitermachen mit Jeans, Hemden und Unterwäsche. Aber eben langsam. Schließlich müssen wir zum einen hier in unserer Region immer die richtigen Lieferanten finden, die uns die Stoffe weben bzw. stricken, und meien Näher/innen müssen immer komplexere Schnitte zu nähen erst wieder lernen.

    Aber – wird sind dabei,

    liebe Grüße
    Sina

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  7. Die Linkliste ist eine gute Idee, bin gespannt!
    Ich guck öfters auf die Labels in Kleidungsstücken, aber das Produktionsland steht nicht immer drin. Aber, um mal einen anderen Namen als KIK zu nennen: T-Shirts für 4,99 „Made in Bangladesh“ gestern bei H&M gesichtet. Das wäre dann wohl mal ein Laden, den die nicht-kik-Käufer unter uns unter die Lupe nehmen können.
    Ich habe eine Jeansjacke von Comma, made in Turkey – wie sieht es denn da aus?
    Viele Grüße!

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    1. Die Linkliste ist jetzt online. H&M hat sich z.B. verpflichtet, den Mindestlohn in Bangladesh und anderen Produktionsländern zu zahlen – dass der für die Lebenshaltung meist nicht ausreicht, ist einen andere Geschichte. Die 3.Welt-Länder liefern sich einen Konkurrenzkampf, indem sie ihre Mindestlöhne gegenseitig unterbieten und die sich meist bei 40% – 60% der Lebenshaltungskosten bewegen.

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  8. Ja also mir ist die Freude am Einkauf eh schon vergangen. Es macht einfach keine Spass zu wissen, dass man nicht weiß, wo und unter welchen Bedingungen die Kleidung so hergestellt wird.Außerdem sparen die Billigdiscounter immer mehr an Material ein und die Klamotten z.B von H$M sehen aus wie schon mal getragen und herunter gewirtschaftet. manchmal, wenn ich durch die Geschäfte gehe, fällt mir ein jaaa solche Hosen hat mein Opa auch getragen und solche Stoffe hat meine Oma auch getragen. Die Modefarben sind langweilig, einfallslos und immer die gleichen. die Mode ist einfach langweilig geworden. Na ja die Produktion muss ja schnell gehen. Entweder die Mode ist sehr jugendlich gemacht oder total altmodisch. Für den sportlich und sportlich eleganten Typ gibt es sehr wenig zu kaufen und wenn dann nur Standards , die es schon über 40 Jahre lang gibt. Also wen ich mehr zeit habe, nähe ich mir meine Sachen wieder selber und stricken ist für mich auch kein Problem. Es macht Spass, wenn man Zeit dafür hat. Ich mag es einfach nicht, dass meine Sachen die ich trage, irgendwo in einer armen Provinz hergestellt werden. Die Vorstellung ist doch graußam für einen“Eitlen Deutschen Bürger

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  9. Hallo Leute, ich finde es wichtig dieses Thema immer und immer wieder anzusprechen! In den Sweatshops der großen Firmen, herrschen oftmals miserable Bedingungen. Die vielen jungen Näherinnen, in den Fabriken, bekommen teilweise weniger Lohn als eine Näherin des 19. Jahrhunderts. Sie müssen in der Stunde 200 Shirts nähen, damit eins am Ende 4,95,- kosten kann. Warum ist das so? Weil die Verbraucher in Zeiten von
    „GEIZ IST GEIL“ nur noch auf BILLIG schauen und nicht mehr auf Qualität, Nachhaltigkeit oder fairen Handel.

    Ich habe auf http://www.rotholz-clothing.com schon ein paar Sachen bestellt.
    Diese Textilien sind Fair gehandelt und zum Teil aus biologischen Stoffen.

    Gerade Kleine Labels sind in der Hinsicht auf Nachhalichkeit oft weiter als die großen Modekonzerne.

    Keep up the good work!

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  10. Hi Leute,
    gerade gestern kam eine kurze Doku über die Textilindustrie in Indien auf ZDF- kann man sich im Internet noch anschauen. Habe eben auch etwas nach Fair produzierter Kleidung gegoogelt und diese Seite entdeckt: http://www.ecotopten.de- dort gibt es eine Liste mit Unternehmen und zugehörige Homepages.
    Liebe Grüße,

    Merle

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  11. Hallo,

    ich plane im Laufe des Jahres ein Label für fair hergestellte Mode (GOT-Textilien und made in Germany). Ein Konzept schwebt mir bereits vor nur befindet sich derzeit alles noch in Planung…es wird langsam wachsen. Ich bin dabei jedoch Idealistin, und mir steht das Konzept im Vordergrund. Einen kleinen Einblick in meine Philosophie könnt ihr unter facebook ( http://www.facebook.com/profile.php?id=100003723397565 ) einsehen. Es ist zwar noch als Nähkurs aufgemacht, jedoch möchte ich die dort angebotenen Schnitte auch als Shop vertreiben. Es wird sich um zeitlose Basics handeln, auch feminin aber trendunabhängig…das ist mir sehr wichtig.

    Viele Grüße,

    Kati

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  12. Es ist toll, dass sich hier so viele Leute mit dem Thema fair gehandelter Mode beschäftigen. ich wollte mir auch schon lange was kaufen und durchforste schon seit Anfang des Jahres das Internet. Schade, das die Auswahl doch noch relativ klein ist.

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  13. Es ist vielleicht etwas spät um hier noch zu antworten, aber ein weiteres Fair-Trade Label ist auch kleiderhelden: http://www.kleiderhelden.com

    Von den kleiderhelden gibt es nur Männerwäsche. Die sieht aber ziemlich gut aus und trägt sich mindestens genauso gut 😉

    Die Produktion ist ausschließlich in Deutschland, die Baumwolle ist Bio von Fair-Trade Bauern aus Indien. Außerdem engagiert sich das Unternehmen sehr im CSR Bereich und ein Teil der Umsätze gehen an die Organisation ChildFund.

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  14. http://www.kraxl.eu
    Kraxl Kletterbekleidung verwendet Biostoffe aus Deutschland. Auch die Fertigung ist zu 100% in Deutschland
    Der Stoff ist aus einem GOTS-zertifiziertem Garn. Global Organic Textile Standard (GOTS), ist das bislang vertrauenswürdigste Siegel für Bio-Materialien und faire Arbeitbedingungen. Die Baumwolle kommt aus unterschiedlichen Ländern, überwiegend aus der Türkei. Gewebt, gefärbt und ausgerüstet wird ausschließlich in Deutschland nach Öko-Tex Standard 100 Produktklasse I. Der Stoff besteht aus 97% Bio- Baumwolle und 3% Elasthan. Durch das Elasthan wird das Material sehr stretchig. Der Stoff ist äußerst robust aber für eine Kletterhose nicht zu dick und auch nicht zu dünn. Durch ein ganz besonderes unbedenkliches Färbeverfahren erzielen wir brillante Waschfeste Farben mit unglaublich hoher Sättigung. Die Zutaten wie Bänder, Garn usw. beziehen wir von regionalen Lieferanten aus Bayern. Wir produzieren somit in einer ökologischen und regionalen Wertschöpfungskette! http://www.kraxl.eu

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