Früher war die Boheme genau das, was der Berliner Bürgermeister so klasse umschrieben hat: arm, aber sexy. Kreative Köpfe, Schwärmer, Nachtgestalten – ein unglaublicher Pool an Potential, die gemeinsam träumten, tranken, philosophierten – und dabei gigantische Kunstwerke entstehen ließen. Anfang des letzten Jahrhunderts war die Hauptstadt der deutschen Boheme München. Und wir haben ganz gute Chancen, das in diesem Jahrhundert wieder zu schaffen: Die Auferstehung der bayerischen Boheme. Einer, der dieses ehrgeizige Ziel vorantreibt, ist Designer Patric Weiler. Vordergründig designt er erstmal T-Shirts. Sein neues Label „Bavarian Boheme“ ist derzeit der Renner in den Szeneclubs. Doch die T-Shirts sind mehr. Sie sind Ausdruck eines neu erwachten Bewusstseins und einer Rückbesinnung auf das, wofür Bayern wirklich steht: „Die meisten verbinden München mit Bier, Weißwurst, Lederhosen und Oktoberfest. Ein einziges Klischee – das nur teilweise stimmt. Und das Klischee wird vom Tourismusamt auch noch gefördert, weil es sich so gut vermarkten lässt“, meint Weiler im Interview, “Dabei haben wir so viel mehr zu bieten. Im Ausland werde ich immer gefragt – du stammst doch nicht wirklich aus München, du wirkst viel zu cool dafür. Da wurde mir klar, dass ich etwas für das Image meiner Heimat tun muss.“

Seine Antwort sind erstmal die T-Shirts. Aufwendig designt, cool, lässig, sehr durchdacht in der Symbolik und mit Anklängen an das Design vergangener Epochen – Rokoko, Jugendstil, Art Deco. „Eigentlich wollten wir mit den T-Shirts schon zur Wiesn starten, doch dann gab es in der Türkei, wo wir die T-Shirts produzieren lassen, einen Überschwemmung und die erste Kollektion wurde in den Bosporus gespült. Da mussten wir wieder von vorn anfangen“. So wurde die Premiere eben auf die Premiere des Vice-Clubs gelegt.

Als „Paten“ hat Weiler den glamourösesten Bayern aller Zeiten gewählt: Kini Ludwig II. „Der war ein echter Rockstar auf dem Thron. Exzentrisch, romantisch, geheimnisvoll, eigenwillig, mit fantastischen Visionen. Er war radikal für Frieden, er hat absolutistisch seinen Willen durchgesetzt, seine Bauprojekte verwirklicht. Dem war egal, was die anderen gedacht haben, der wollte seine Träume verwirklichen“, so Weiler. „Der verkörpert für mich Bayern.“

Moderne Testimonials sind Münchner Originale wie Ali Khan, Musiker, Designer, Schauspieler wie Doreen Dietel – es soll rund um die Idee „Bavarian Boheme“ ein ganzes Netzwerk entstehen, Parties, Kunstprojekte, Konzerte. „Die T-Shirts sind nur ein Ausgangspunkt, die Idee ist, Bavarian Boheme immer weiter voranzutreiben, etwas ganz Besonderes zu schaffen und damit ein Gegengewicht zu schaffen zu dem lahmen Bild als konservativer Bierdimpfl, das die Welt von uns hat.“

Den Coolness-Test haben die T-Shirts schon bestanden. Beim Shooting in Los Angeles wurden die T-Shirts auch an diverse Originale vom Venice Beach verteilt – und die liebten sie „Das war cool: alte Bodybuilder, Surfer, Stripperinnen, Tätowierer – alle waren begeistert.“

Einen Vergleich hört Weiler allerdings nicht so gern: den mit Ed Hardy. „Derzeit werden ja alle bedruckten T-Shirts mit Ed Hardy verglichen. Der macht viel einfachere Motive, Tattoos sind jedermann leicht verständlich, da ist die Botschaft ganz einfach. Aber das ist mir viel zu grell, zu bunt, zu beliebig. Es gibt Prominente, die viel mit Ed Hardy gesehen werden, die möchte ich nicht so gerne in meinen Shirts sehen.“

Man darf gespannt sein, was von Bavarian Boheme so in Zukunft kommt – ich bin sicher, so einiges…

http://www.bavarian-boheme.com/

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