Mode und Kleidung – ein deutsches Mißverständnis

Niemand käme auf die Idee, dass die Kochkreationen, die Ferran Adria molekular zelebriert, irgendetwas sind, was eine Hausfrau täglich auf den Tisch bringen kann. Es sind Ausnahmen von der Regel, Spielereien, Vorstöße, Versuche.

Genausowenig kommt man in Frankreich auf die Idee, dass all die Mode, die auf einem Laufsteg zu sehen ist, auch tatsächlich getragen werden soll. Nein, auch das sind Ideen, Inspirationen, das ist im besten Fall nicht Kleidung, sondern Kunst. Natürlich gibt es Leute, die das dann auch tragen – alltagstauglich ist es kaum. Und soll es ja auch gar nicht sein. Maximal Lady Gaga trägt sowas in ihren Videos.  Deswegen ist es nur logisch, dass die Nicht-Alltagsmode auch an nicht Alltags-Frauen gezeigt wird. Alles, was zu erdnah ist, was beult und wackelt, stört nur den Fall des Stoffes. Das mag sich gemein anhören – aber so ist es eben. Auf Modenschauen zeigen Kleiderständer Kreationen der Meister. Eigentlich wäre es völlig konsequent, auf menschliche Models zu verzichten und die Mode dafür an Puppen zu zeigen – was einige Modeschöpfer schon praktiziert haben. Aber das kommt halt ziemlich langweilig daher.

Doch diese Tatsache scheint sich hierzulande nicht herumgesprochen zu haben. Immer noch hörte ich bei Schauen „Wer soll das denn tragen?“ „Die sind ja alle viel zu dünn.“ Niemand soll das tragen -und, nein, das passt schon so so. Wenn es um Mode geht.

Anders verhält es sich mit Kleidung. Das ist das, was man täglich trägt – das muss nicht unbedingt modisch sein, sondern trägt viel mehr dem individuellen Empfinden Rechnung. Kleidung ist das, was S.Oliver oder Esprit machen. Und hier ist es schon sinnvoll, dass die Designer und Schnittmeister sich angucken, wer das tragen soll. Aus Kostengründen wird bei diesen Marken etwa eine Größe 36 nur hochgerechnet – aber das Frauen mit Größe 40 und mehr andere Proportionen haben, dem wird nicht Rechnung getragen. Hier sollte die Modeindustrie ansetzen. Ich bin gespannt, wann sich die neuen Vermessungen des deutschen Durchschnittskörpers auch bei den Schnitten niederschlagen. Wenn ich nun lese „Gelten Frauen mit Größe 38 bald wieder als normal?“ dreht es mir die Fußnägel hoch. Normal ist 40 und drüber.  Wer durch eine Fußgängerzone geht, der weiß, dass die meisten Menschen vom Magerwahn so weit weg sind wie  Rainer Calmund von Karl Lagerfeld.  Magerwahn ist nicht das Problem, meist eher das Gegenteil.

3 Kommentare

  1. Hallo Katrin,

    ja Laufstegmode und Kleidung, da besteht schon ein Unterschied, aaaaber :

    Modedesigner sind kreative Leute, wenn wir die nicht hätten, wäre auch die tragbare Kleidung ziemlich fad, öd. Ich finde es toll, was denen alles einfällt. Vieles wird ja in Ansätzen auch in die tragbare Mode – Kleidung mit aufgenommen. Nicht alles, sondern eben nur Akzente.
    Ich liebe die Mode, egal von wem. Manchmal denke ich auch, vielleicht kann ich die eine oder andere Idee auch in meine, tragbare Mode, aufnehmen, nur um einen Akzent zu setzen.
    Ganz klar, das meiste vom Laufsteg ist untragbar, aber das macht doch nichts!! Und wenn es nur der Hut zu einem grauen, unauffälligen Anzug ist 🙂

    Aber, seid doch mal ehrlich, warum kann man nicht alles tragen? Man muss doch nur dazu stehen können. Klar, es kommt auf die Gelegenheit an, wann und wo. Aber warum nicht ein bisschen auffallen?
    Wir trauen uns doch viel zu wenig!
    Wir gehen dann doch in der allgemeinen Masse unter?
    Also … :-))) traut euch!!!
    ( hihi…ich auch )

    lg
    Petra

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