Ohne Models – doppelt frustrierend?

Was haben die Macher der Brigitte nicht alles versprochen – ein Heft ganz ohne Models, sondern mit Frauen wie du und ich. Wie du vielleicht, denn so wie ich sind sie nicht. Gut, es kann niemand gezwungen werden, unfotogene Anfangsvierziger abzulichten, aber ein bißchen realer hätten die Frauen schon sein dürfen. Mir ist ziemlich egal, ob es ein Model ist, das nebenbei studiert, oder einen Studentin, die nebenbei modelt. Auch die Teilnehmerinnen bei Germanys next Topmodel sind ja meist auch nicht von Anfang an professionelle Abgelichtetwerderinnen. Dass es jetzt alle reale Menschen sein sollen, erhöht den Druck auf uns Realos, den die Zeitung ja eigentlich brechen wollte.  SO haben Frauen auszusehen – alle schlank, alle topgestylt, ganz natürlich und trotzdem höchst modellike. Ich finde, Magermodels machen keinen Druck, denn die sind weit von der Realität entfernt. Aber die Bilder in der Brigitte nehmen für sich in Anspruch, das ganz normale Leben abzubilden – für mich sehen die meisten Menschen in der Realität anders aus. Und das frustiert.

Aber damit wir auch alle so unnormal normal aussehen sollen, hat die Brigitte auch gleich eine Diät als zweites „fettes“ Hauptthema. War das Absicht oder einfach nur unfassbbar unsensibel? Was soll das alles? Ich fühle mich von Brigitte und der Kampagne veralbert. Für wie dumm hält diese Zeitung ihre Leserinnen? Wie reale Leute aussehen – attraktiv, aber eben dennoch nicht genormt, sieht man an der mehrseitgen Dove-Werbung am Anfang des Heftes. Da wurde dieser Gedanke ja schon vor einiger Zeit umgesetzt und – zumindest für mich – wesentlich glaubhafter und konsequenter.

Bei den erkennbar irrealen Bildern der Hochglanzmagazine wie Vogue oder Elle kann man träumen. Bei der Brigitte bleibt nur ein schaler Nachgeschmack. Hergott, traut euch doch mal, Mode tatsächlich denen anzuziehen, die sie tragen sollen – Frauen mit Größe 40 und drüber. Oder bleibt bei Models – da hab ich auch kein Problem. Aber Frauen zu casten, die genausogut Models sein könnten und es nur zufällig nicht sind (aber nach ihrem Auftritt in der Brigitte bald werden) – das ist Beschiss.  Auch die Horizont sieht es mit gemischten Gefühlen.

6 Kommentare

  1. Hab Deinen Beitrag auch getweetet – danke für die Vorwarnung, denn die Brigitte-Werbung war mir auch schon aufgefallen. Vielleicht gerade, weil das Titelbild der Brigitte auf den Werbeplakaten in der U-Bahn diesmal zwar kein Model sein sollte, aber trotzdem so aussah.

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  2. Liebe Katrin,

    so wie du oben schreibst, kann ich das komplett verstehen, nachvollziehen und bin da auf deiner Seite.
    Jetzt bin ich allerdings immer noch auf der Suche nach Fotos im Netz von den neuen „Models“. (Hab die erste Ausgabe noch nicht in der Hand gehabt)
    Die einzigen, die ich gesehen habe, waren die Frauen im TV, “ ich heiße Brigitte“.
    Hier muss ich sagen, diese Frauen sahen NICHT wie Models aus. Würden auch nie ausgewählt werden, nun ja…denke ich mal. Dennoch sind es sympatische Frauen, mit denen man sich vergleichen könnte.
    Es ist ja immer die Krux, dass sich Menschen mit anderen vergleichen. Mir gehts nicht anders!! Du hast da schon recht, ich kann mich nicht mehr mit einem Model vergleichen, 20 Jahre. BMI von vielleicht 17/18. Die Zeiten sind längst vorbei. Aber dennoch versuchen wir uns doch gesund zu ernähren, „versuchen“ genügend Sport zu machen, uns fit zu halten. Das klappt nicht immer. Da ist der viel zitierte innere Schweinehund. Manchmal denke ich mir, ein kleiner Vergleich schadet nicht, wenn man dann dadurch selber wieder in die richtige Richtung denkt. Man darf nur eines nicht tun – sich aufgeben, nur weil man es nicht so schafft wie andere auszusehen!!! Jeder ist anders gestrickt, hat andere Gene.
    Solange man sich wohl fühlt ist doch alles in Ordnung.
    viele Grüße Petra

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    1. Hi Petra,
      ja in der Werbung wird mit „normalen“ Menschen geworben. Die sieht man allerdings nicht in der Zeitung. Da sehen sie wesentlich modelmäßiger aus. 🙂
      Mich stört bei der Brigitte nicht, dass schöne Menschen eingesetzt werden, was mich stört, ist, dass so getan wird, als sei das die Norm. Das stimmt einfach nicht. Da fühle ich mich für einen Werbegag verscheißert. Und dann noch ein Diätplan als zweites großes Thema in einem Heft das damit wirbt: „ihr seid toll so, wie ihr seid“ – da passt einfach gar nix zusammen!

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  3. OhneModels war eben leider auch nur OhneModelsMitModelkarteiEintrag. Ziemlich traurig, nachdem ich mir bei der ersten Ankündigung damals wirklich viel davon versprochen hätte.
    Dabei würde zumindest ich doch lieber Mode kaufen, die mir an Durchschnittsmenschen präsentiert wird, weil ich dann weiß, daß ich auch Chancen habe reinzupassen, statt zu denken, daß der Hersteller eh bei 36 aufhört zu produzieren.

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