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Die erleuchtete Handtasche

Foto: SOI Taschenlicht - Damit geht den Frauen jetzt ein Licht auf!

Foto: SOI Taschenlicht – Damit geht den Frauen jetzt ein Licht auf!

Wer hat sowas eigentlich berechnet? Aber was mich anbelangt, ist es vermutlich noch viel länger: Durchschnittlich 76 Tage ihres Leben ist eine Frau damit beschäftigt, in ihrer Handtasche zu wühlen und Zeug zu suchen. Vor der Haustüre, in der Kneipe, auf dem Rücksitz den Taxis – immer gibt es was zu suchen. Aber jetzt geht uns Frauen ein Licht auf: Damit Schlüssel, Lippenstift und Handy immer griffbereit sind, wurde das praktische Taschenlicht SOI entwickelt. soiDurch Annäherung oder leichte Berührung der Hand leuchtet SOI auf und bringt Licht ins Dunkel. Wie sagte schon Bruce Darnell: Die Handetasche musse erleuchtet sein” (oder so ähnlich) Dabei ist SOI so klein, schmal und leicht, dass es in jede Handtasche passt. Dann muss man nur noch danach suchen : ) Das n Deutschland gefertigte Licht hat ein zeitloses und elegantes Design.

Doch SOI ist nicht nur in der Handtasche nützlich! Jeder, der viel unterwegs ist, wird dieses Problem kennen: In der ungewohnten Umgebung findet sich nachts nicht immer sofort der Lichtschalter. Dieses Problems hat sich SOI angenommen und das Licht weiterentwickelt. Dank des SOI Base-Rings lässt sich SOI ganz einfach auf dem Nachttisch platzieren und dient damit sofort als greifbare Lichtquelle. Der Ring sorgt für sicheren Stand ohne Rutschen und komfortables Platzieren selbst auf leichten Schrägen. Ich finde das Teil, das 25 Euro kostet, sehr nützlich und werde es mir zulegen.

 

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Der dicke Junge im Blondinenbonbonladen

Foto: RTL

Foto: RTL

Nach dem Feminismus gestern jetzt das Gegenteil. Heute ist die letzte Folge des Bachelors. Das Sixpack aus Düsseldorf Oliver Sanne vergibt seine letzte Rose an eine von zwei Blondinen, die sich so ähnlich sind, dass die Vergabe eigentlich nur sie selbst interessiert und vielleicht den Bachelor, wenn überhaupt. In den letzten Staffeln standen sich im Finale wenigstens zwei Gegensätze gegenüber, zwei Prinzipien: Sexbombe versus Kumpeltyp. Bis jetzt hat immer die Sexbombe gewonnen, gehalten hat es nie. (Ob die Sendung jemals darauf ausgerichtet war, dass da was halten soll, lassen wir mal offen). Ich muss gestehen, ich hab die Sendung gern gesehen – vor allem dank der Twittercommunity mit ihren vielen lustigen Tweets dazu. Ich weigere mich, die Frage zu erörtern, ob der Bachelor frauenfeindlich ist, denn die Frauen, die da mitmachen, kennen das Format und wissen genau, worauf sie sich einlassen. Die ganze Situation mit der Auswahl aus 22 Models ist so konstruiert, dass ich sie nicht auf den Alltag übertragen will und den Bogen zur Stellung der Frau in der Gesellschaft schlagen. Es ist ein TV Märchen meist ohne Happy End. Es ist einfach eine Tünche Glamour auf sehr normalen Existenzen.

Oliver Sanne kam mir die ganze Sendung über so vor wie ein kleiner dicker Junge, dem man den Schlüssel für den Bonbonladen überlassen hat und der sich nun da austobt. Und das ist in zweierlei Hinsicht wahr – zum einen war Oliver Sanne nicht immer so schön, und er macht den Eindruck, er kann das immer noch nicht so recht fassen und nimmt mit, was er kriegen kann an medialem Ruhm und an der Bewunderung der Frauen. Er ist nicht so ausgebufft, wie es der Glatzenbachelor vor ihm war, er erzählt mit Begeisterung, er suche wahre Werte, pickt aber dann nur die wasserstoffgebleichten Playboybunnies raus, egal welchen Charakter die haben. Das macht ihn auf der einen Seite unsympathisch bei vielen Zuschauerinnen, ich finde so viel ehrliche (schwanzgesteuerte) Wahl irgendwie erfrischend.

Klar ist, das Playboybunny Sarah wird im nächsten Dschungelcamp zu sehen sein, Oliver Sanne wird beim Promiboxen mitmachen und ab jetzt werden die beiden einen festen Platz haben im Promi-Olymp der Republik. Wie die beiden anderen Finalistinnen abschneiden, keine Ahnung. Das kommt jetzt auf ein geschicktes Management an, Promidinner und Promishoppinqueen ist sicherlich drin, Dschungelcamp womöglich auch und jede Menge Galas und die Bambi-Verleihung.

Vom Unterhaltungsfaktor ist der “Bachelor” ziemlich weit vorne, aber ich denke, es wäre schlau, das nächste Mal einen Mann auszusuchen, der einen Hauch mehr zu sagen hat, ein paar Facetten mehr bieten kann als einfach nur schön und Mr. Germany zu sein und der für etwas mehr Drama sorgt. Und man sollte dem ganzen Liebesrummel mehr Raum geben, da geht noch was an Drama-Inszenierung. Ich fand die kurzen 1 Stunden Folgen definitiv einen Fehler. Zu kurz.

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Die fruchtlose Feminismusdebatte im TV

Gestern war wieder Genderpopender in der ARD bei “Hart aber fair”. Es war eine Diskussionsrunde aus der Hölle: die dauerbeleidigte Anne Wizorek, die postfeministische Sophia Thomalla,  die “Frauen sind doof”-Frau Birgit Kelle, der wandelnde Herrenwitz Kubicki und Frauenversteher Anton Hofreiter von den Grünen. Traumhaft. Nicht. Weil wieder alles durcheinandergeschmissen und geschrieen und gekeift wurde, dass danach garantiert nix bei rumkommt. Außer, dass wir uns solche Diskussionen echt schenken können.

Dabei wären sie notwendig. Denn natürlich ist es eine Sauerei, wenn Ärztinnen in einem Krankenhaus 15 Prozent weniger verdienen als Männer, klar gibt es eine Ungleichheit in vielen Bereichen. Und klar ist auch, dass wir Frauen dringend lernen müssen, unsere Rechte stärker einzufordern. Aber warum mixt man diese klaren Forderungen mit so wachsweichen wie “sexueller Belästigung”? Denn gerade eine so total subjektive Sache kann man nicht objektiv beurteilen. Wann und vor allem von wem sich eine Frau sexuell belästigt fühlt hängt nun mal extrem damit zusammen, ob ihr der “Belästiger” gefällt oder nicht. Der kleine, dicke Antänzer in der Disco ist eine Belästigung, der sexy Antänzer kann der Beginn einer rosa Wolke sein. Auch wenn beide das Gleiche machen, sagen und tun bedeutet das nicht, dass die Taten gleich beurteilt werden. Sagt Frau einmal, dass sie das stört, hat ein Mann das zu lassen. Danach ist es klar Belästigung. Aber einen “Angrabversuch” hat jeder Mann zu haben, weil er nicht wissen kann, ob er bei der Frau hop oder top ist.

Und dass wir Frauen Optik einsetzen, um uns Vorteile zu verschaffen, ist auch etwas, was in solchen Sendungen gern geleugnet wird. Aber es ist trotzdem richtig. Wenn eine Politikerin gut aussieht, sichert ihr das Vorteile gegenüber männlichen Mitbewerbern. Das ist einfach so. Wenn eine FPDlerin ihre Beine nicht zeigen wollte, würde sie keinen Rock anziehen oder sich als sexy Karate-Braut präsentieren. Nur: das macht sie nicht dümmer als Männer. Und es bedeutet nicht, dass sie nur an ihrem Aussehen gemessen werden will. Ich sage – die Frau, die das nutzt, ist schlau. Und wer wäre so blöd, freiwillig eine Waffe aus der Hand zu geben? Übrigens haben es auch gutaussehende Männer wesentlich leichter in Job etc.

Erst wenn Feministinnen wie Anne Wizorek zugeben, dass es auch sehr, sehr vorteilhaft sein kann, eine Frau zu sein, aber auch, wenn alte Reaktionäre wie Kubicki sehen, dass es immer noch große Ungleichbehandlung gibt, die es zu beseitigen gilt, dann kommen wir vielleicht an einen Punkt, an dem es sich lohnt, mit der Diskussion anzufangen.

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Ich fahre mal wieder auf die CeBIT

Früher war die CeBIT eine Pflichtveranstaltung, die echt jeder aus der Branche mitmachen musste. Und wollte. Es gab gigantische Stände, irre Messeparties, da war die ganz große Kohle am Start. Heerscharen von Menschen strömten durch die Hallen, nur um Goodies abzugreifen.Ich erinnere mich noch an die Messeparty eines chinesischen Herstellers mit Buffet. Die Mitarbeiter aus dem Reich der Mitte waren weder mit dem hiesigen Essen noch mit dem Konzept Buffet vertraut und luden sich wahllos Dinge auf ihre Teller, zum Schluss landete dann immer die Vanillesauce vom Dessert über dem Schweinebraten oder die rote Grütze verfeinerte den Leberkäse. Ich habe viel gelacht an dem Abend. Dieses Jahr ist China Partnerland, ich hoffe, mittterweile haben sies drauf mit dem Essen. (Aber sie haben es definitiv drauf mit den Goodies, die haben immer tollen Kitsch am Start)

Wenn man früher am Abend durch die Hallen ging, kam man von einer Party zur nächsten, teilweise mit prominenten Unterhltungskünstlern am Start, wichtigen Branchengesichtern unter den Besuchern und vielen Politiern am Buffet. Und was gab es nicht für Innovationen zu bestaunen: das erste Schnurlostelefon für daheim für schlappe 1700 Mark, den ersten Laptop mit nur 9 Kilo oder Disks, auf denen gigantische 50 MB Arbeitsspeicher drauf waren. Irre!

Das ist mittlerweile anders, die Messe ist immer noch wichtig, aber kein Pflichtprogramm mehr. Und gigantomanisch ist sie mittlerweile auch nicht mehr. Das sind Events wie die CES in Las Vegas oder die Veranstaltungen von Herstellern Apple selbst, die ihre Produktinovationen wie eine Messe auf dem Petersplatz inszenieren, ein quasireligiöses Erlebnis vor Jüngern und Gläubigern. Auf der CeBIT herrscht halt Realität: Lösungen für den Mittelstand, Digitaler Wandel, Cloudservices. Das ist wichtig, aber eben nicht so sexy wie einst die Produktnews von Apple oder Samsung live und zum ersten Mal zu sehen. Und wenn man genau hinguckt, findet sich durchaus noch einiges an spannenden Innovationen: In der Halle 9 ist alles “Research und Innovation” gewidmet. Mit “Turnmatten mit IQ” und ähnlichem. Ich werde dieses Jahr trotzdem mal wieder für einen Tag hinfahren, denn ich arbeite für Kunden wie die Telekom, da sollte ich schon schauen, was die so treiben auf der Messe. Die Telekom ruft das “Wirtschaftswunder 4.0″ aus, zeigt alles, was die schöne neue digitale Welt bringen soll, von vernetzten Fabriken bis zum Supermarkt der Zukunft (der drüben, jenseits der holländischen Grenze, schon Realität ist, dort scannt der Kunde selbst). Die Zukunft war früher auch besser, im Jahr 1972 hatte das ZDF kühne Vorstellungen von unserer technisierten Zukunft, im Beitrag Richtung 2000 zeigte man eine hoch technisierte Zukunft mit nur noch 25 Arbeitsstunden, happy Pills und einem erstaunlich richtigen Kommunikationsverhalten

 

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Klar, es ist nur der Neid….

So, ich weiß, ich habe lange nicht mehr in meinem Blog gepostet. Hatte viele Gründe. Vor allem private. Ich habe wieder einen neuen Job, bei Palmer Hargreaves in Köln. Der macht mir viel Spaß, kostet mich aber durch das Pendeln auch viel Zeit. Und da bin ich abends einfach oft froh, mir eine harmlose Sendung wie den „Bachelor“ ins Gehirn zu dübeln oder mich mit Freunden zu treffen – aber nicht noch schreiben.

Manchmal muss es allerdings sein. Wie jetzt, nachdem ich den Kommentar von Sibylle Berg gelesen hatte. Sie erklärt, dass es die niedrigste Stufe des TV-Ruhms darstellt, wenn man sich auszieht und damit Geld verdient. Der Kommentar ist okay, aber was mich echt sauer macht, sind die Kommentare darunter. Sie sei ja nur neidisch, keifen die Leute. „auf die knackige Jugend“ der Damen, die da so bereitwillig ihr getuntes Fleisch zu Markte tragen.

Hallo? Wieso soll eine erfolgreiche Schriftstellerin, eine anerkannte Geistesgröße der deutschen Literatur, neidisch auf solche Hühner sein? Weil sie nicht mehr 20 ist? Ja und? Was ist denn das für ein Frauenbild, das glaubt, eine Frau dürfe allein deswegen andere Frauen nicht kritisieren, weil sie älter ist als diese udn damit nicht mehr optisch so leistungsfähig? Geht es eigentlich noch? Abgesehen davon, dass Sibylle Berg sehr attraktiv ist, was ist das denn für eine Weltsicht, dass alles, was eine Frau zu sein hat, schön ist, und wenn sie nicht mehr schön genug ist für den Playboy, dann hat sie zu schweigen, und darf nicht jeden Ausbund an jugendlicher Dummheit benennen, weil das ist ja garantiert “Neid“. Wie mich das anwidert. Dieses Altherrengesabber, dass wir „alten Weiber“ den „feschen jungen Dingern“ den Ruhm nicht gönnen.

Ja, es ist durchaus nicht dumm, zu versuchen, mit dem wenigen Bisschen, dass die Natur einem mitgegeben hat, das Maximale rauszuholen und das ist Geld und Präsenz in den Medien. Wenn eine Frau das machen möchte, bitte. Aber es muss auch erlaubt sein, diese Medien dafür zu kritisieren, dass so wahnsinnig wenig reicht, ein bisschen Haut und ein bisschen Silikon und ein bisschen besoffenes Aufgedrehe in einem Castingformat, dass man es schafft zu Prominenz. Und das anzumerken, hat nix mit Neid zu tun…

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Ich möchte keine Gefühlsverstärker, bitte!

So muss Romantik - und im Hintergrund juchzen Chöre und Geigen  Bild: SAT!

So muss Romantik – und im Hintergrund juchzen Chöre und Geigen Bild: SAT!

Geschmacksverstärker gelten in Foodkritischen Kreisen als nicht gut. Die haben in Lebensmitteln nix verloren. Denn damit schmeckt alles süßer, schärfer, tiefer, intensiver. Und es braucht immer mehr mehr davon, die Dosis muss erhöht werden, bis der normale Geschmack gar nicht mehr an kann dagegen, wenn jede noch so geile frischgekochte Brühe unbedingt Maggi reinbraucht, damit das Geschmackserlebnis stimmt. Irgendwann ist jeder auf Geschmacksverstärker süchtig und glaubt, nur wenn ganz viel davon drin ist, ist die Sache perfekt. Vor allem für die große Masse, denen es schon zu mühsam ist, Spaghetti Bolognese auszusprechen und die nur noch “Bolo” sagen.

Musik ist der Gefühlsverstärker in den Medien. Bei den Privaten gibt es kein Programmfitzel mehr, das nicht mit mehr oder weniger passender Musik unterlegt ist. Bei Liebesschnulzen schrummern die Geigen, heulen die Frauenchöre und sanfte Stimmen hauchen “Stay with me”, während zwei Hände, in Goldglanz getaucht, sich gegenseitig in Slowmotion Ringe anstecken. Oder zwei relativ ungeschickte Bauern, die zu “Love is all around” oder zu “The Power of Love” ihre Leberwurst-Picknickkörbe verzehren. Da wird einem doch ganz warm ums Herz. Soll es auch. Hemmungslos wird mit unseren Gefühlen gespielt, wir werden manipuliert, sehen Romantik da, wo sonst nur Brache liegt. Nur wenn die Musik romantisch ist, wissen wir, dass auch echte Liebe im Spiel ist, oder?

Vorreiter sind da – wie sonst auch im Showgeschäft – die Amis. Ich brauche nur die Coca Cola Weihnachtswerbung “Make someone Happy” ansehen, um zu wissen, wie der Hase läuft. Der absolute Gefühlsoverkill mit Chören, Schneeglitzer, Glitzerglitzer, glücklichen Kindern, schönen Eltern, nur, um ein paar Flaschen Brause zu verkaufen. Und Tchibo und Konsorten drehen kaum weniger auf. Die nächste Eskalationsstufe kann zünden. Ich warte jetzt, dass demnächst die 20 Uhr Nachrichten mit Musik unterlegt werden. Drohende Musik beim ISIS-Angriff, heitere Musik bei guten Nachrichten. Damit auch alles wirklich so richtig ans Herz geht.

Geht euch das auch so auf die Nerven?

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Was sich wirklich ändern muss in Frauenmagazinen

Die Meedia berichtet heute: “Eine Neustrukturierung, die es in sich hat: Im Zuge des verlagsweiten Sparkurses haben Geschäftsführung und Chefredaktion des G+J-Frauenmagazins Brigitte am heutigen Mittwoch angekündigt, alle schreibenden Redakteure zu entlassen. Betroffen sind insgesamt 11 Planstellen, davon 9 in den Redaktionen. Mit den Anfang des Jahres zu erwartenden Kündigungen einher geht eine Neuordnung der Produktion bei Brigitte, Brigitte Women und Brigitte Mom.”

So, jetzt entlässt die Brigitte also alle ihre Textredakteure – also die Redakteure, die aussschließlich schreiben. Was ein Redakteur ja eigentlich so macht. Die Manager, Maketingmenschen, Heftplaner, Budgetverwalter dürfen bleiben und diese Stellen werden sogar noch aufgestockt. Verkehrte Welt. Wieso glaubt jemand, so eine bessere Zeitschrift hinzubekommen? Wer soll dann das Heft füllen? “Nach dem Personalabbau, so der Plan des Managements, solle wie es im Haus heißt, ein “agiles und flexibles Kompetenzteam” die Heftproduktion leiten. Dieses besteht aus Chefredaktion CvD, der geschäftsführenden Redakteurin, Textchef sowie den Ressort- und Redaktionsleitern. Darüber hinaus soll eine weitere Führungsebene aus Stellvertretern eingezogen werden. Für diese werden sechs Stellen geschaffen, die intern besetzt werden sollen. Die Chefredaktion  erhoffe sich dadurch mehr “Vielfalt und Potenzial” von außen und neue Impulse für die Zeitschriften.” Das erinnert mich irgendwie an den Witz mit dem langsamen Ruderboot, wo statt weiterer Ruderer weitere Leute mit Anfeuerungsmegaphonen hingesetzt werden. Ich halte den Schritt für grundverkehrt. Denn wer nur Texte von außen holt, hat keine Ressourcen für aufwändige Recherchen – und die machen nun mal gute Geschichten aus. Freie sind in zweierlei Hinsicht fatal: 1. wer nach Worten bezahlt wird, kann sich aufwändige Recherchen nicht leisten. 2. Freie MÜSSEN positiv schreiben, weil sie sich sonst selbst die Lebensgrundlage entziehen.

Was richtig ist, ist, dass sich in der Printbranche was ändern muss. Die großen Flagschiffe wie die Brigitte, einst mit Milllionenauflage, haben Flaute. Nur noch (oder immerhin) 550.000 Leserinnen wollen wissen, was drin steht. Meine Mutter hat noch regelmäßig die Brigitte gelesen, sie sogar im Abo gehabt. Ich lese sie nicht mehr. Aus meinem eigenen Empfinden deswegen, weil mich die ewig ähnlichen Themen “Diät, Beziehung, Mode” in der Form nicht mehr interessieren. manchmal kaufe ich Hefte wegen spezieller Servicethemen “20 Radtouren durch Deutschland”, oder “100 beste Plätzchenrezepte” Ansonsten? Finde ich ein Thema spannend, will ich mehr lesen als das, was ich da finde, interessiert es mich nicht, sind 2 Magazinseiten auch zu viel. Ich vermisse auch die Interaktion, ich will diskutieren mit den Leuten, so wie es in Blogs möglich ist, ich will nachfragen können. Online macht Brigitte ja auch sehr viel richtig.

Aber ich hab immer das Gefühl, dass das, was in dieser Zeitschrift steht, eher so ein potemkisches Dorf ist, eine heile Welt, die nicht so existiert. Die echten Probleme von meinen Freundinnen und mir, die kommen nicht vor. Und die sind – eben auch – dass nun Leute aus ihren Jobs entlassen werden, um billig als Freie arbeiten zu “dürfen”. “Vielfalt und Kompetenz von Aussen” heisst das euphemistisch. Dass Frauen ab 45 es schwer haben, wieder einen Job zu finden, dass Familie, Liebe und Kinder eben nicht nur rosa Plätzchen backen ist. Dass Gleichberechtigung immer noch nicht funktioniert. Auch die Aktion mit den Nichtmodel-Modeln hat mich vor den Kopf gestoßen. (dass der Verlag das später genauso sah, war mir tiefe Befriedigung) Die Realität hat kaum Platz in den Magazinen, die findet sich in den Blogs und in Zeitschriften wie Brand1, die intelligent für intelligente Menschen schreiben und ihre Leser nicht für dümmer halten als sie sind.

Was sich ändern muss:

  • Aufhören mit dem Werbejournalismus in Mode und Kosmetik. Dort wird alles bejubelt, was die Anzeigenkunden befehlen zu bejubeln. Unkritisch. Damit muss Schluss sein. Wenn ein Produkt schlecht ist, sollte das auch gesagt werden. Die Leser erwarten Meinungen von Magazinen, keine weitere Werbung
  • Aufhören mit dem Gierjournalismus: Redakteure, die abgreifen, was abzugreifen geht. Und dann Berichte über Autos, teure Handtaschen und Luxusressorts schreiben, die der Blattzielgruppe ziemlich am Allerwertesten vorbei gehen
  • Aufhören mit der Annahme, alle Leser könnten sich jeden Monat Outfits im Wert mehrerer Kleinwagen kaufen. Stattdessen soll die Brigitte ran an die Realität
  • Mehr Themenvielfalt: Frau sein ist mehr als Kinder, Diät, Küche, Beziehung. Oder Promis, die als reiche Helfer durch die Elendsgebiete der Welt turnen und dort dann interviewt werden. Wo bleiben spannende Alltagsgeschichten? Wo hat man den Eindruck, dass die Redakteure das Leben der Leserinnen wirklich verstehen und nicht nur in einer erfundenen Pilcher-Zuckerwattewelt leben?
  • Noch mehr Service. Um mit den Blogs mithalten zu können, ist die ganze Kompetenz gefragt. Bessere Reisereportagen, bessere Kosmetiktests, bessere Modetipps, besser, besser besser – und nicht billig produziert mit armen freien Redakteuren, die gut über eine Destination schreiben müssen, weil sie drauf angewiesen sind, wieder eingeladen zu werden.

 

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