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Ich möchte keine Gefühlsverstärker, bitte!

So muss Romantik - und im Hintergrund juchzen Chöre und Geigen  Bild: SAT!

So muss Romantik – und im Hintergrund juchzen Chöre und Geigen Bild: SAT!

Geschmacksverstärker gelten in Foodkritischen Kreisen als nicht gut. Die haben in Lebensmitteln nix verloren. Denn damit schmeckt alles süßer, schärfer, tiefer, intensiver. Und es braucht immer mehr mehr davon, die Dosis muss erhöht werden, bis der normale Geschmack gar nicht mehr an kann dagegen, wenn jede noch so geile frischgekochte Brühe unbedingt Maggi reinbraucht, damit das Geschmackserlebnis stimmt. Irgendwann ist jeder auf Geschmacksverstärker süchtig und glaubt, nur wenn ganz viel davon drin ist, ist die Sache perfekt. Vor allem für die große Masse, denen es schon zu mühsam ist, Spaghetti Bolognese auszusprechen und die nur noch “Bolo” sagen.

Musik ist der Gefühlsverstärker in den Medien. Bei den Privaten gibt es kein Programmfitzel mehr, das nicht mit mehr oder weniger passender Musik unterlegt ist. Bei Liebesschnulzen schrummern die Geigen, heulen die Frauenchöre und sanfte Stimmen hauchen “Stay with me”, während zwei Hände, in Goldglanz getaucht, sich gegenseitig in Slowmotion Ringe anstecken. Oder zwei relativ ungeschickte Bauern, die zu “Love is all around” oder zu “The Power of Love” ihre Leberwurst-Picknickkörbe verzehren. Da wird einem doch ganz warm ums Herz. Soll es auch. Hemmungslos wird mit unseren Gefühlen gespielt, wir werden manipuliert, sehen Romantik da, wo sonst nur Brache liegt. Nur wenn die Musik romantisch ist, wissen wir, dass auch echte Liebe im Spiel ist, oder?

Vorreiter sind da – wie sonst auch im Showgeschäft – die Amis. Ich brauche nur die Coca Cola Weihnachtswerbung “Make someone Happy” ansehen, um zu wissen, wie der Hase läuft. Der absolute Gefühlsoverkill mit Chören, Schneeglitzer, Glitzerglitzer, glücklichen Kindern, schönen Eltern, nur, um ein paar Flaschen Brause zu verkaufen. Und Tchibo und Konsorten drehen kaum weniger auf. Die nächste Eskalationsstufe kann zünden. Ich warte jetzt, dass demnächst die 20 Uhr Nachrichten mit Musik unterlegt werden. Drohende Musik beim ISIS-Angriff, heitere Musik bei guten Nachrichten. Damit auch alles wirklich so richtig ans Herz geht.

Geht euch das auch so auf die Nerven?

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Was sich wirklich ändern muss in Frauenmagazinen

Die Meedia berichtet heute: “Eine Neustrukturierung, die es in sich hat: Im Zuge des verlagsweiten Sparkurses haben Geschäftsführung und Chefredaktion des G+J-Frauenmagazins Brigitte am heutigen Mittwoch angekündigt, alle schreibenden Redakteure zu entlassen. Betroffen sind insgesamt 11 Planstellen, davon 9 in den Redaktionen. Mit den Anfang des Jahres zu erwartenden Kündigungen einher geht eine Neuordnung der Produktion bei Brigitte, Brigitte Women und Brigitte Mom.”

So, jetzt entlässt die Brigitte also alle ihre Textredakteure – also die Redakteure, die aussschließlich schreiben. Was ein Redakteur ja eigentlich so macht. Die Manager, Maketingmenschen, Heftplaner, Budgetverwalter dürfen bleiben und diese Stellen werden sogar noch aufgestockt. Verkehrte Welt. Wieso glaubt jemand, so eine bessere Zeitschrift hinzubekommen? Wer soll dann das Heft füllen? “Nach dem Personalabbau, so der Plan des Managements, solle wie es im Haus heißt, ein “agiles und flexibles Kompetenzteam” die Heftproduktion leiten. Dieses besteht aus Chefredaktion CvD, der geschäftsführenden Redakteurin, Textchef sowie den Ressort- und Redaktionsleitern. Darüber hinaus soll eine weitere Führungsebene aus Stellvertretern eingezogen werden. Für diese werden sechs Stellen geschaffen, die intern besetzt werden sollen. Die Chefredaktion  erhoffe sich dadurch mehr “Vielfalt und Potenzial” von außen und neue Impulse für die Zeitschriften.” Das erinnert mich irgendwie an den Witz mit dem langsamen Ruderboot, wo statt weiterer Ruderer weitere Leute mit Anfeuerungsmegaphonen hingesetzt werden. Ich halte den Schritt für grundverkehrt. Denn wer nur Texte von außen holt, hat keine Ressourcen für aufwändige Recherchen – und die machen nun mal gute Geschichten aus. Freie sind in zweierlei Hinsicht fatal: 1. wer nach Worten bezahlt wird, kann sich aufwändige Recherchen nicht leisten. 2. Freie MÜSSEN positiv schreiben, weil sie sich sonst selbst die Lebensgrundlage entziehen.

Was richtig ist, ist, dass sich in der Printbranche was ändern muss. Die großen Flagschiffe wie die Brigitte, einst mit Milllionenauflage, haben Flaute. Nur noch (oder immerhin) 550.000 Leserinnen wollen wissen, was drin steht. Meine Mutter hat noch regelmäßig die Brigitte gelesen, sie sogar im Abo gehabt. Ich lese sie nicht mehr. Aus meinem eigenen Empfinden deswegen, weil mich die ewig ähnlichen Themen “Diät, Beziehung, Mode” in der Form nicht mehr interessieren. manchmal kaufe ich Hefte wegen spezieller Servicethemen “20 Radtouren durch Deutschland”, oder “100 beste Plätzchenrezepte” Ansonsten? Finde ich ein Thema spannend, will ich mehr lesen als das, was ich da finde, interessiert es mich nicht, sind 2 Magazinseiten auch zu viel. Ich vermisse auch die Interaktion, ich will diskutieren mit den Leuten, so wie es in Blogs möglich ist, ich will nachfragen können. Online macht Brigitte ja auch sehr viel richtig.

Aber ich hab immer das Gefühl, dass das, was in dieser Zeitschrift steht, eher so ein potemkisches Dorf ist, eine heile Welt, die nicht so existiert. Die echten Probleme von meinen Freundinnen und mir, die kommen nicht vor. Und die sind – eben auch – dass nun Leute aus ihren Jobs entlassen werden, um billig als Freie arbeiten zu “dürfen”. “Vielfalt und Kompetenz von Aussen” heisst das euphemistisch. Dass Frauen ab 45 es schwer haben, wieder einen Job zu finden, dass Familie, Liebe und Kinder eben nicht nur rosa Plätzchen backen ist. Dass Gleichberechtigung immer noch nicht funktioniert. Auch die Aktion mit den Nichtmodel-Modeln hat mich vor den Kopf gestoßen. (dass der Verlag das später genauso sah, war mir tiefe Befriedigung) Die Realität hat kaum Platz in den Magazinen, die findet sich in den Blogs und in Zeitschriften wie Brand1, die intelligent für intelligente Menschen schreiben und ihre Leser nicht für dümmer halten als sie sind.

Was sich ändern muss:

  • Aufhören mit dem Werbejournalismus in Mode und Kosmetik. Dort wird alles bejubelt, was die Anzeigenkunden befehlen zu bejubeln. Unkritisch. Damit muss Schluss sein. Wenn ein Produkt schlecht ist, sollte das auch gesagt werden. Die Leser erwarten Meinungen von Magazinen, keine weitere Werbung
  • Aufhören mit dem Gierjournalismus: Redakteure, die abgreifen, was abzugreifen geht. Und dann Berichte über Autos, teure Handtaschen und Luxusressorts schreiben, die der Blattzielgruppe ziemlich am Allerwertesten vorbei gehen
  • Aufhören mit der Annahme, alle Leser könnten sich jeden Monat Outfits im Wert mehrerer Kleinwagen kaufen. Stattdessen soll die Brigitte ran an die Realität
  • Mehr Themenvielfalt: Frau sein ist mehr als Kinder, Diät, Küche, Beziehung. Oder Promis, die als reiche Helfer durch die Elendsgebiete der Welt turnen und dort dann interviewt werden. Wo bleiben spannende Alltagsgeschichten? Wo hat man den Eindruck, dass die Redakteure das Leben der Leserinnen wirklich verstehen und nicht nur in einer erfundenen Pilcher-Zuckerwattewelt leben?
  • Noch mehr Service. Um mit den Blogs mithalten zu können, ist die ganze Kompetenz gefragt. Bessere Reisereportagen, bessere Kosmetiktests, bessere Modetipps, besser, besser besser – und nicht billig produziert mit armen freien Redakteuren, die gut über eine Destination schreiben müssen, weil sie drauf angewiesen sind, wieder eingeladen zu werden.

 

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Warum gebt ihr euch dafür her – Kay One sucht seine “Prinzessin”

Kay One, der Rapper ist, wie das Bild zeigt, auf der Suche nach wahrer Liebe Foto:RTL2

Kay One, der Rapper ist, wie das Bild zeigt, auf der Suche nach wahrer Liebe Foto:RTL2

Frauenfeindlicher geht es kaum. Und das Schlimmste, die Frauen machen den Scheiss begeistert mit…aber bevor ich in den Gernot-Hassknecht-Modus schalte, ein kurzer Abriss des Grauens: Kay One, schon unangenehm sexistisch aufgefallen bei DSDS, hat jetzt seine eigene Datingshow. “Prinzessin gesucht” – weil der Provinzrapper vom Bodensee sich Prince Kay One nennt. Dem wurde von einer anderen Castinggröße, Mandy Capristo, das Herz gebrochen, als sie Kay für (wundert es wen?) Mesut Özil verliess. Doch die Trauerphase ist vorbei, eine neue Liebe muss her. “Ich schau vor allem auf den Charakter“, und deswegen läßt er gleich drauf die Busen der Kandidatinnen vermessen, von einem kleinwüchsigen Butler, weil nur Frauen allein demütigen ist ja zu wenig.

Gepiercte und tätowierte Schönheiten, die dem RTL”-Klischee einer Traumfrau durchaus entsprechen, dürfen um die Gunst buhlen. Die vier Natürlichsten werden sofort vor die Tür gesetzt, da hat der Menschenkenner bestimmt sofort den Charakter gesehen…Aber wer das Rennen auch macht – das soll sich echt lohnen “Die Villa und der Lamborghini auf Mallorca sind zwar geliehen, aber zuhause warten meine Villa am Bodensee und mein Lamborghini. Die Frauen sollen wirklich mein Leben und mich kennen lernen”. okay, kennen lernen bedeutet, das gleiche Auto fahren wie daheim…

Warum macht bei der Kay One Bezirzung wer mit?

Es ist mir ein Rätsel. Ist es der Wunsch nach medialem Ruhm, ein billiger Mallorca-Urlaub, die echte Möglichkeit, den ziemlich doofen und optisch maximal durchschnittlichen Rapper zu umgarnen, nur weil er reich ist? Weil: Nett ist der Kerl nicht. Und an Liebe ungefähr so interessiert wie Darth Vader an Umweltschutzstandards. Egal, da wird der Depp umschwirrt, als hätte er den letzten Platz im Rettungsboot der Titanic angeboten. Wie devot und anbiederisch darf es noch werden? Die zicken um ihn, ziehen sich aus für ihn, schwenken Hintern und Brüste für ihn (Charakter, anyone?)

Berufsbild Casting-Trulla

Aber egal, das scheint ja mittlerweile ein echter Beruf zu sein “Casting-Trulla”, die von Format zu Format pendeln, mal bei “Mama Mia” Schwiegermütter überzeugen oder bei “Take me out” ihre Dates wegbuzzern, beim “Bachelor” oder dem “Millionaire” dabei sind, die “Liebe fürs Leben” zu finden. Sicha, sicha. Was sagt eigentlich eure Umgebung dazu? Eure Freunde, Eltern, Geschwister? Schämen die sich nicht ein bisschen? Schämt ihr euch nicht selbst ein bisschen, wenn ihr euch díe Plastikbrüste einölen lasst zur Primetime? Macht euch das nichts, wenn das ganze Internet über euch lacht?

Waren wir nicht schon mal weiter beim Frauenbild? 

Waren Frauen nicht mal stolz, diese Art der Anbiederung an Männer hinter sich gelassen zu haben? Wollten wir nicht mal weg von “immer sexy für meinen Männe sein müssen” wie in den 50er Jahren? Es wird immer behauptet, als sexy Frau hätte man alle macht der Welt. Willenlos sabbern die Männer hinter unserem Hintern her, wir stöckeln vorneweg. Was für ein Quatsch. Macht bedeutet, sich nehmen zu können, was man will, nicht, durch Manipulation jemanden dazu zu bringen, es einem zu geben.

Wer steckt da dahinter? Will das die Generation der Frauen um die 20 so, oder meint RTL, dass die das so zu wollen haben? Das ist meine  Frage an die Redaktionen und meine Zweite – ich stelle sie immer wieder gerne: warum nicht mal echte Menschen in echten Wohnungen und echten Leben so etwa suchen lassen wie echte Liebe? Ist das zu bizarr, zu verrückt, zu viel verlangt? Hab nur ich die Schnauze voll von Plastikmenschen? (Ich hab mir heute das ganze nur im Schnelldurchlauf gegeben)

 

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Körperkult in den Medien – blöder, böser Druck

Darf die das überhaupt? Model auf der Curvy is Sexy Fashionweek

Darf die das überhaupt? Model auf der Curvy is Sexy Fashionweek

“Jennifer Love Hewitt – Frust mit den Baby-Kilos”, “Charlene – wo ist der Babybauch?” “Jennifer Aniston – ist sie schwanger?” “Victoria von Schweden – ist sie schwanger?” Das ist die Kurzauswertung der Bunte online. Mit ein wenig Stöbern würde ich sicher noch mehr finden. Immer wieder geht es um die Frage, ob eine Frau schwanger ist oder nur  zu viel gegessen hat. “Burger oder Baby?” lautet die gehässige Frage. Da wird mit der Briefwaage des öffentlichen Interesses auf jeden Körper geschaut, seziert mit den Augen und mit dem Photoshop wird nachgeholfen, mal schöner, mal mehr Cellulitisdellen reingearbeitet, je nachdem, welche Aussage man erzielen will. Irgendwie darf es für Promis keinen Blähtag geben, an dem nicht ein Paparazzi aus der Hecke hüpft und den gerade nicht flunderflachen Bauch ablichtet. Die müssen ja mittlerweile in Oscarroben den Müll raus bringen, damit die Journallie zufrieden ist und nicht etwas von “gehen lassen” faselt. Jeden Tag gestylt, jeden Tag frisch und hübsch. Was für ein blöder, böser Druck.

Zu viel mager ist auch wieder schlecht

Aber Vorsicht, nicht übertreiben.  “Heidi Klum – wo sind ihre Brüste”  – da hat sich jetzt schon eine brav dem Druck gebeugt und sich auch noch das letzte Gramm Fett von den Knochen gehungert. Und jetzt? Auch wieder nicht richtig. Jetzt wird was von zu dünn gemault, zu hager und verbissen. Dabei hat Heidi eigentlich alles richtig gemacht und hat  dauernd Bilder auf Instagram gepostet, bei denen sie sich Essen vor den Mund hält, um zu zeigen, sie beißt bestimmt gleich rein. Oder morgen, oder übermorgen. Weil Kasteien ist auch unsexy. Das soll alles ganz unangestrengt wirken “ich esse, was ich will”, jubeln die Promis. Kann sein, wenn man täglich nur einen Salat will, ist ja alles super. Ne, auch bei zu mager, zu verbissen muss die Presse beschwichtigt werden. Syvie Meis ist  zu künstlich, Sabia zu fett, Kim Kardashian beides, Kate zu dünn, Victoria nicht…in was für einer Welt leben wir eigentlich?

Köperkult – ans Hirn wird nicht gedacht

Warum ist der Körper so ein Kult geworden? Auf die Überschrift, die nach der Intelligenz fragt, warte ich noch. Auf Zeitschriften, die in einem gesunden Rahmen für Wohlfühlen plädieren auch. Klar, ein permanent optimierter Körper ist ein Körper, für den Geld ausgegeben wird. Mit so einem kann die Industrie was anfangen, da wird investiert. Wohlfühlen kostet im Zweifelsfall gar nichts. doch wenn wir permanent mit den unrealistisch dünnen und durchtrainierten Promikörpern vergleichen werden, fällt es schwer, sich wirklich wohlzufühlen mit ein paar Moppelkilos. Da kann auch der Gedanke an den Photoshop nichts dran ändern. Man könnte ja. Fasten, trainieren, mehr fasten, mehr trainieren, mehr Geld ausgeben dafür. Aber wie teuer uns und die Umwelt die ganze Beautyscheisse zu stehen kommt, ist wieder eine andere Geschichte.

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Eingeordnet unter Gesellschaft, Konsum, Mode, Plussize, Promis

Weil wir bei Musik-Comedy sind: Hier was von Fraktus und Spinal Tap

Es gibt ein Genre, das ich überdimensional toll finde: Mocktumetarys. Also Dokumentarfilme über Dinge, die es nie gegeben hat. Der Witz lebt davon, dass die Sachen zwar fiktiv sind, aber eben nur grade so haarscharf an der Realität vorbeischrammen. Man merkt den Filmen an, dass sie sind von Leuten geschrieben worden sind, die die wirkliche Szene enorm gut kennen und die nun alle erlebten Absurditäten in einem Film verarbeiten. In der Musik ist das bekannteste Mocktumentary “This is Spinal Tap” rund um die fiktiven Heavy Metal Band Spinal Tap. Die Band wird dabei auf einer immer glückloser verlaufenden Tour durch Amerika gefilmt.

This-Is-Spinal-Tap-006Sie streiten sich mit ihrer Plattenfirma über das sexistische Cover der neuen LP “Smell the glove”, mäkeln am Catering herum, müssen Begegnungen mit viel erfolgreicheren Kollegen meistern und natürlich – wir sehen die Bühnenauftritte, die auch nicht immer nach Plan verlaufen. Eigens für den Film wurden wunderbare Songs geschrieben, wie die “Rockoper” “Stonehenge”, das Liebeslied “Hellhole” und vieles mehr. Ich kann euch den Film nur ans Herz legen. This one goes up to eleven!

Nun hat mich mein Kumpel Andreas auf einen ähnlichen Film aufmerksam gemacht, “Fraktus”, ein Dokumentarfilm, der die Reunion der fiktiven Neue Deutsche Welle Band “Fraktus” zeigen soll. Die Band hatte sich aufgelöst, nachdem durch einen Kurzschluss im Theremin (!) die Halle Feuer fing. Der Film von 2012 ist großartig, nicht nur die Musik von “damals aus den 80ern” – die Songs sind perfekt imitiert und hätten, wären sie damals rausgekommen, gute Chancen gehabt, vorne in den Charts zu landen. Auch die doof-elitäre Haltung und die Outfits sind göttlich. “All die armen Menschen”ist ganz oben im Artikel verlinkt. Und wer die “Videos” von Fraktus sieht, fühlt sich den 80ern ganz, ganz nah. Aber auch das Genörgel und Gezänk, die verletzten Eitelkeiten und die peinlichen Interviews und der gefloppte Auftritt beim Festival, die ehemaligen “Stars”, die jetzt Optiker, gefrusteter Dance-DJ oder Hilfskraft im Internet-Cafe sind, geben präzise beobachtet wieder, was Musikredakteure manchmal so hinter den Kulissen erleben. Ich war ja damals bei dem völlig zerstrittenen Unheilsinterview von TicTacToe dabei und kann euch nur versichern, wir sassen komplett perplex im Saal und waren anfangs ziemlich sicher, dass gleich ein Typ von “Verstehen sie Spaß” aus den Kulissen springt. Erst als ein Bandmitglied heulend hinter die Mülltonnen flüchtete, und das geschockte Management hinterher, war uns klar, dass das gerade kein Witz war. So ähnlich geht es bei Fraktus zu. Extrem cool auch, dass die gesamte deutsche Musikszene mitmacht und den Einfluss der Band auf ihr musikalisches Schaffen schildert.

Wer Spaß an Musik hat, sollte sich beide Filme geben, diese DVD oder wo immer ihr sie herkriegt, sind Pflicht.

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30. August 2014 · 5:08 vormittags

Gut zu vertragen: Unverträglichkeitsladen

IMG_0680Und, was vertragt ihr nicht? Laktose, Gluten, Histamin, Fruktose – oder gleich alles miteinander? Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind mittlerweile ein gängiges Problem. Auf Laktoseintoleranz hat sich die Industrie mittlerweile eingestellt, aber mit den anderen Unverträglichkeiten tut man sich schwer. Vor allem, weil ja nicht klar ist, was genau in unseren Nahrungsmitteln steckt…Und wer nicht in der der Großstadt wohnt, hat sowieso das Nachsehen. Deswegen will ich euch unbedingt eine tolle Webseite vorstellen, die ich über Twitter entdeckt habe und die ich für vorbildlich halte, was Übersichtlichkeit und Information anbelangt: der Unverträglichkeitsladen. Der Laden führt ein großes Sortiment an Bioprodukten, hinter jedem Produkt steht, wer es verträgt. Und – das finde ich sehr clever, man kann auch umgekehrt suchen: Allergiker finden kompakt und übersichtlich alle für sie passenden Produkte. Auch für Veganer ist der Laden ein Paradies. Der Inhaber, Tobias Höhne, ist selbst mit einer Histaminintoleranz geplagt und kennt die Sorgen und Nöte, die Allergiker plagen, aus eigener leidvoller Anschauung. p9231544Was mir gut gefällt: die Sachen im Unverträglichkeitsladen sind alle Bio und sie sind vor allem lecker. Denn auch wenn Menschen mit Allergien geplagt sind, heißt das noch lange nicht, dass sie fades, langweiliges Essen bekommen müssen. Der Unverträglichkeitsladen hat liebevoll ausgesuchte, außergewöhnliche Produkte im Angebot. Ich schwöre auf die Brotaufstriche von Feinzeit oder Eisblümerl, es gibt ungewöhnliche Saucen oder Pestos wie Zucchini-Minze, Cranberry-Bärlauch, Erdnussmus mit Chilli oder Mangochutney. Es gibt auch ein sehr großes Angebot für Leute mit Glutenunverträglichkeit: Tempurateig, Buchweizenbrot oder Maispanade, damit bekommt man auch ein tolles Wiener Schnitzel oder Chicken McNuggets hin – damit auf gar nix verzichtet werden muss. Ich persönlich habe nur eine Laktoseintoleranz, aber ich kaufe Produkte wie die aus dem Unverträglichkeitsladen allein deswegen, weil ich merke, dass sie mir gut tun und weil sie gut schmecken. Und das ist doch schon mal Grund genug.

Der Unverträglichkeitsladen liefert schnell, die Ware ist frisch und alles kommt gut verpackt, aber nicht mit übertriebenem Verpackungswahn an – das ist ja auch schon mal ein guter Ansatz zum Biokonzept.

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Von Harry bekomme ich nie genug

Jetzt werde ich mal intim – viele nutzen ja ihre Blogs, um Privatestes zu enthüllen, das sollte ich eigentlich bleiben lassen. Aber ich kann nicht anders. Ich bin einfach total begeistert. Denn heute will ich euch von dem Typen erzählen, mit dem ich derzeit abends ins Bett steige und wieder aufwache, den ich mitnehme in die Badewanne, ins Cafe oder auf das Sofa an einem verregneten Wochenende. Es ist ein bisschen verlottert, trinkt zuviel (na gut, er hat ein ernsthaftes Alkoholproblem), hat aber dafür einen ganz guten Humor und ist vor allem ziemlich intelligent. So alt wie ich – und groß, so um die 1,95. Und blonder Skandinavier, sieht recht gut aus, auch wenn man ihm das Saufen ansieht. Er ist einfach toll.

Er heißt Harry, Harry Hole. Und ist Kommissar. Er ist die Erfindung von Jo Nesbo, Mein Freund Matze Nerdecker hat ihn mir vorgestellt. Und es war Liebe auf den ersten Blick. Harry Hole ist nicht so moralisch persilsauber wie Commissario Brunetti, der mit ständigem Heiligenschein durch Venedig ermittelt. Er ist auch nicht so derartig gruselig wie andere skandinavische Ermittler, deren Täter sich sadistisch durch die Fjorde morden. Mit ihm gemeinsam zu ermitteln macht Spaß, mit ihm einen saufen zu gehen oder ihm zuzugucken, wie er sich durch seinen Alltag schlägt. Seine ewige Nemesis ist Tom Waaler, ein Streber im Polizeipräsidium, der aussieht wie David Hasselhoff und auch sonst eine ziemlich zwielichtige Person ist. Mit den Frauen hat Harry Hole eher Pech. Die haben eine fatale Neigung zum Frühableben. Oder sie halten es mit Harrys Saufeskapaden nicht mehr aus. Kann ich nachvollziehen. Ich bin mittlerweile bei Band 5. Anders als bei anderen Literaturkommissaren bauen die Bücher aufeinander auf, Hole löst zwar einen Fall, aber die Rahmenhandlung im Präsidium von Oslo oder in Harrys Privatleben läuft weiter. Ich bin begeistert zu sehen, dass Hole noch viele Bücher weiter durch Oslo geistert. Was mir gefällt, ist, dass die Bücher nicht in sadistisch ekliger Breite grauenvolle Morddetails breittreten, dass die Fälle zwar kompliziert und verschachtelt sind, aber nie völlig unlogisch und Spaß machen, mitzuverfolgen. Es spricht für Nesbo, dass ich nicht immer gleich weiß, wer der Täter ist. Es werden auch gezielt falsche Fährten gelegt. Man darf nicht immer dem ersten Augenschein trauen…

Es gab schon mal einen Harry, dessen Abenteuer ich begeistert verfolgt habe. Wie Milliarden anderer auch. Harry Potter. Da war ich Späteinsteiger, also die Welt hat schon gelesen und ich bin erst später dazu gekommen. Anders als bei Game of Thrones – da gehöre ich zu den verzweifelten Fans, die sechs Jahre auf ein Buch warten, nur um dann wieder nichts genaues von irgendwelchen Figuren zu hören. Aber mei, so sind Fans eben. Bis im Oktober der 10. Band von Harry Hole, “Koma” erscheint, bin ich mit den anderen durch. Und dann heißt es warten auf Band 11…

 

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