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Klicknuttenjournalismus

Buzzfeed - das Internet als kreischbunter Bonbonladen mit schnell konsumierbaren Häppchen.

Buzzfeed – das Internet als kreischbunter Bonbonladen mit schnell konsumierbaren Häppchen.

“25 Dinge, die sie über Stil wissen müssen”, “Was diese Hollywoodstars für ein dunkles Geheimnis haben”, “die lustigsten Tweets mit denen Du Schluss machen kannst” “So irre Torten, das glaubst du nie”….und mitten drin ist man in einer Buzzfeed-Klickstrecke, bei der man vor lauter Werbung den richtigen Next-Button gar nicht mehr findet. Und den auch gar nicht finden soll…

Die Medienwelt starrt gebannt und fasziniert auf dieses grell-schrille Universum, in der jede Überschrift eine Sensation verspricht und meistens nur Rohrkrepierer liefert. In der alles von Rankings und Listen lebt, die in den USA so beliebt sind. Alles wird gezählt, bewertet, gerankt, alles ist Wettbewerb und alles konkurriert um Aufmerksamkeit.

Häppchen statt Onlinejournalismus
Und die Verlage finden das geil und wollen alle auch so einen Journalismus, der Traffic und Riesengewinne zu garantieren scheint. Auch der von mir geschätzte Richard Gutjahr will unbedingt, dass das alles noch viel knalliger “snackable” wird. Für Leute, denen 140 Zeichen zu viel Text sind. Bei mir offenbart sich die Krux schon daran, dass mich die ganzen in Gutjahrs Beitrag eingebetteten Videos stören. Vermutlich bin ich zu alt, aber mich nervt das, ich will in meinem Tempo was lesen, und nicht ein Video gucken – in der Bahn muss ich dann Kopfhörer aufsetzen, im Büro sowieso. Ist das echt so bequem? Find ich nicht.

Ist das überhaupt Journalismus?

Aber auch Video ist schon fast wieder passe – nur noch winzige Gifs, Snippets, Meercat- oder Periscope-Sachen sind der neueste heiße Scheiss. Aber Moment mal, ist das noch Journalismus? Ein klares Nein von Medienspezialist und Netzpolitiker Jens Best:
“Der ganze digitale Hype geht nicht um Inhalte, Wissen und Aufklärung, sondern darum “Content” zu verchecken, es ist die Optimierung des Phamplets an der Wand der Spelunke, aber kein Journalismus. Mit Spelunke will ich verdeutlichen, dass es “niedere” Beweggründe geben kann, um etwas zu veröffentlichen. Schlechte, einfache Unterhaltung oder tendenziöses Berichte über die Realitäten “da draußen” – und all diese Beweggründe haben ihre Berechtigung in der simplen Unterhaltung, aber es ist eben kein Journalismus”
So schön auf den Punkt hätte ich es nicht bringen können. Nein, es ist kein Journalismus, sondern Klicknuttentum, Anzeigenhurerei der schlimmsten Art. Die bunteren Verlage, Burda oder Springer, sind schon ganz emsig dabei, ihre Seiten nach diesem Vorbild auszurichten…aber ich bin sehr sicher, dass sie damit scheitern werden. Denn Menschen, die hierzulande auf Newsseiten gehen, erwarten auch News zu finden und keine nervigen Bilderstrecken ohne echte Substanz. (Die Diskussion, ob das, was auf diesen Seiten bis jetzt zu finden ist, Substanz hat, will ich an der Stelle nicht führen). Stern.de beweist, dass ein Vertiefung von Content auch zum Erfolg führen kann – da bin dann auch ich wieder gern an Bord.
Wenn es nicht mehr um Journalismus geht, sondern um Gewinnmaximierung, sollten die Verleger vielleicht in den Drogenhandel einsteigen, da gibt es noch mehr Gewinn und bunte Bilder sieht der Konsument auch, um es mal überspitzt auszudrücken.

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Eingeordnet unter Konsum, Medien

Warum ich um #Faketopia froh bin

Es sollte ein Sozialexperiment sein - nun ist es ein Mediendebakel "Newtopia" - Foto: SAT1

Es sollte ein Sozialexperiment sein – nun ist es ein Mediendebakel “Newtopia” – Foto: SAT1

So, endlich war mal wer so blöde oder so besoffen, sich öffentlich zu verplappern. #faketopia – bei newtopia gab eine Redakteurin live und öffentlich den Kandidaten Regieanweisungen. Endlich müssen auch die naivsten Zuschauer und fanatischsten Fans kapieren: sie werden im großen Stil veräppelt. All die Shows, bei denen ihr glaubt, dass Herr Zufall regiert, laufen in Wahrheit nach einem festen Drehbuch ab. Kandidaten spielen festgelegte Rollen, Handlungsstränge werden absichtlich ausgebaut oder fallengelassen, und ist mal zu wenig los, wird ein Konflikt inszeniert.
Nichts ist echt. Gar nichts. Nicht die Kandidaten, nicht die Gefühle, nicht die Wahl der Jury irgendeiner Sendung.
Ich bin froh, dass es nun öffentlich ist. Weil es einem nie wer so recht geglaubt hat, außer andere Medienschaffende.
Wird es Konsequenzen geben? Vermutlich nicht. Die Zuschauer erwarten Drama, erwarten Kitsch – das wird weiter bedient werden. Und das Gedächtnis ist kurz. Morgen wird schon wieder aufs nächste Tränendrüsen-Format reingefallen.

Eine Kollegin meinte eben, auch der Anruf zum Faken könnte gefakt gewesen sein, um das unliebsame Format frühzeitig zu beerdigen. Auch ne Möglichkeit.

So wird im TV gefakt:

Der Vollfake: Berlin Tag und Nacht, Frauentausch, Gerichtsshows etc folgen einem fixen Drehbuch, nur die Leute tun so, als wäre alles echt. Hier eine Liste deutscher Vollfakeformate.

Der Fake on the go: Man guckt mal, wie sich die Dinge entwickeln, was gut und was schlecht ankommt und brieft dann die Kandidaten entsprechend. (wie bei Newtopia)

Eine typische Kandidatin, die vom TV-Sender auf Aufmischen gecastet wurde Foto: RTL

Eine typische Kandidatin, die vom TV-Sender auf Aufmischen gecastet wurde Foto: RTL

Die Agent Provokateurs: Ein Teil der Kandidatinnen spielt eine feste Rolle. Die Zicke, die Verwöhnte, die Supertussi – Formate wie GNTM oder der Bachelor werden so belebt. Diese “Kandidatinnen” müssen bis zu einem gewissen Punkt in de Sendung mitgeschleift werden, damit das Geschehen bunt bleibt. Die anderen Kandidatinnen wissen oft nicht, wer fake ist. Bei Bauer sucht Frau werden die Ränge mit Leuten aufgefüllt, die nicht unbedingt viel mit Landwirtschaft zu tun haben.

Der Fake durch den Schnitt: Durch gezieltes Filmen von z.B. dreckigen Ecken in Wohnungen oder geschickte Schnitte in Interviews etc wird das Bild, das der Zuschauer von Kandidaten hat, bewußt beinflusst. Das wird in allen Formaten gerne gemacht.

 

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Eingeordnet unter Medien, Promis, TV Serien

Jerusalem durch die Jahrtausende – was für ein episches Buch

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Jerusalem, Felsendom, im Hintergrund die Grabeskirche Foto: wikipedia/Berthold Werner

Es ist ein beachtlicher Wälzer, über 700 Seiten hat die Paperback-Ausgabe von “Jerusalem – the Biography” von Simon Sebag Montefiori. Aber das ist dem Inhalt durchaus angemessen, denn das Buch will nicht weniger als die Frage beantworten, warum ausgerechnet Jerusalem die Stadt ist, die für drei Weltreligionen das Allerheiligste darstellt. Und dazu braucht es eben überbordene Geschichten und Geschichte – von der Zeit Davids (der mittlerweile als eine historische Persönlichkeit bestätigt ist) bis zu der heutigen Zeit zeichnet der Autor die Geschichte in Blut und Glanz und Gloria. Zwar erklärt der Autor, die Geschichte der Stadt chronologisch erzählen zu wollen, doch er beginnt im Prolog mit einer ihrer dunkelsten Kapitel – der Zerstörung des Tempels durch Titus.

jerusalem-m_1806846fEindringlich schildert Montefiori das unfassbare Massaker, geschichtlich genau und präzise. Nach diesem Prolog ist man gefesselt, liest atemlos weiter. Es ist ein Sachbuch, aber es ist so unterhaltsam wie ein gutgeschriebener Roman. Der Autor stellt Bibel – für diese Stadt eine unverzichtbare Quelle – und neueste Forschung gegenüber. Nach dem römischen Prolog geht weiter durch die Jahrtausende, Assyrer, Seleukiden, Römer, Kreuzzüge, Osmanen…bis in die heutige Zeit. Der Autor hangelt sich an den jeweiligen Herrschern der Stadt die Historie hinan, ohne das große Ganze aus dem Blick zu lassen. So haben nicht nur glorreiche Feldherren ihren Platz, sondern auch das Leiden der Bevölkerung. Alle Kapitel sind von Historikern gegengecheckt und auf Korrektheit überprüft – das ist ist wichtig in einer Geschichte, bei der ein falsches Wort wieder jemanden beleidigen kann. Immer wieder überlagern vor dem geistigen Auge die Bilder der derzeitigen blutigen Auseinandersetzungen in der Nahostregion die historischen Bilder – denn immer schon war die Region und Jerusalem im Besonderen umkämpft. Ein seit 3000 Jahren währender Kampf um Unabhängigkeit – was für ein Epos.

Was ich so unfassbar hilfreich finde: “Jerusalem – a biography” macht einen Konflikt transparenter und verständlicher, der unsere Welt entscheidend prägt und der uns doch in seinen Wurzeln rätselhaft erscheint. Ich möchte das Buch allen empfehlen, die Spaß haben an Geschichte und die verstehen wollen, wiedie vergangenen Jahrtausende unsere Gegenwart prägen.

Es ist eine großartige Lektüre und ich freue mich, im Mai diese Stadt nach langem wieder besuchen zu dürfen. So bin ich überhaupt zu dem Buch gekommen: ich hab es in der Münchner Bahnhofsbuchhandlung liegen gesehen und gedacht, es könnte eine gute Idee sein, mich für die Reise einzulesen…

PS: Ich hab es auf Englisch gelesen, es gibt es natürlich auch auf Deutsch .)

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Akzeptiert, dass es immer einen Weg gibt – oder: garantierte Sicherheit is nicht

Ich liebe diese Farbe

Alles verammeln, damit es garantiert sicher wird…

Menschen lieben Sicherheit. Sicherheit versprachen schon die Höhlen der Neanderthaler, die dicken Burgmauern des Mittelalters oder die dicken Bodyguards der Promis. Sicherheit wird auf allen Flughäfen beschworen, im Auto, überall. Es wird geheiratet, um die Liebe zu besiegeln und abzusichern.

Und doch – totale Sicherheit gibt es nicht. Nirgends. Neanderthaler wurden von Höhlenlöwen gefressen, Burgen erstürmt und Promis erschossen. Ehen werden wieder geschieden. Täglich gibt es Autounfälle und ab und an stürzt ein Flieger ab. Technisches Versagen oder Menschen, die unter Einsatz des eigenen Lebens so viel Schaden wie möglich anrichten wollen. Und das auch schaffen. Weil es immer einen Weg gibt, wenn man nur entschlossen und verzweifelt genug ist.

Das hat auch das Flugzeugunglück gezeigt. Hier wurden die Schutzmechanismen, die vor Verbrechen schützen sollen, genutzt, ein Verbrechen zu schützen*. Und wenn jetzt gefordert wird , im Cockpit müssen immer zwei sitzen, der Sicherheit willen – wer sagt denn, dass nicht ausgerechnet der, den man als zweite Person ins Cockpit lässt, nicht gerade der oder die ist, die schon den nächsten irren Plan verfolgt?
Deswegen – vergesst totale Sicherheit. Gibt es nicht. Wir sind nämlich Menschen, keine Roboter. Und auch Roboter haben mal einen Kurzschluss.

Und – wie sähe die denn das, die maximale Sicherheit? Von Geburt an in Watte gebettet, am besten die vertraute Umgebung nicht verlassen, so wenig Kontakt wie möglich mit anderen Menschen, Internet gefiltert oder am besten gar nicht, urlaub auch nicht (unsicher), immer einen Buzzer um den Hals, mit dem man Ordnungskräfte rufen kann, wenn sich ein Fremder in die vertraute Umgebung verirrt. Wäre das ein Leben? Eben. Zum Leben gehört Risiko dazu.

*ich geh jetzt mal von der offiziellen Version aus, Für Verschwörungstheorien gibt es andere Blogs.

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Komm, wir spielen Leute aussortieren!

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Bild: Playmobil

Als Frank Krings dieses Bild auf Twitter gepostet hat, hab ich es noch für einen Scherz gehalten. Nach Cowboy, Feuerwehr, Bauernhof und Zirkuszelt können sich jetzt schon die Kleinsten vorbereiten auf die wunderbare Medienwelt – mit dem Playmobil Set “City Life – Model Casting”. Da weiß das “MEEEEDEL” (O-Ton Heidi Klum) schon ab 5, wie der richtige Walk geht, dass die Handtasche lebendig sein muss und dass “10 Meter gehen” mittlerweile ein erstrebenswerter Beruf ist.

Ich mein, ich hab meine Barbies geliebt und auch keine bleibenden Schäden davon getragen (glaube ich zumindest), es ist auch nicht das rosa Gedöns, dass mich nervt. Was mich nervt, ist, dass es bei dem Spiel eine Jury gibt, die den anderen Puppen rote oder grüne Karten präsentieren kann. Also bewerten, aussortieren, Menschen beurteilen spielen. Gefällt mir nicht.

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Eingeordnet unter Gesellschaft, Medien

Deutschlands schönste Frau – ein Alptraummärchen

deutschlands-schoenste-frauEs war mal ein Modemacher, der entwarf elegante Abendkleider, in denen alle Frauen ganz wunderschön aussahen, er war auch nett und witzig und kommentierte bei einer Fernsehshow, bei der Frauen Kleider einkaufen mussten, immer so liebevoll-giftig, dass alle Frauen, die diese Sendung gesehen haben, ihn wirklich mochten. Er war nie richtig böse und man merkte ihm an, er litt mit, wenn sich die Frauen Kleidung kauften, die ihnen nicht stand. Der Modemacher hatte immer eine ziemlich gute Hand zu sehen, was den Frauen richtig stand und wurde deswegen auch sehr berühmt. Bald wollten alle Frauen ihn kennen und alle Medienmacher wollten ihn in ihrer Show. Er moderierte Umstylings oder Shows, in denen mehr oder weniger berühmte Frauen Kleider einkaufen mussten.

Eines Tages kam man auf die Idee, ihm eine ganze Abendshow zu geben. Die Show sollte darum gehen, dass alle Frauen schön sind und dass es nicht darauf ankommt, die perfekten Masse zu haben oder faltenlos zu sein. Die Show wurde von vielen Produkten unterstützt, vor allem von einer Kosmetikfirma, die auch allen Frauen erzählte, wie schön sie eigentlich seien (um sie mit ihren anderen Produkten, wie der Deomarke Axe, wieder fertig zu machen) Und Guido, so heißt der Modeschöpfer, sollte das den Frauen vermittleln, weil der so nett ist und alle ihn gern haben. Dann sind die auch nicht böse, wenn sie dann doch rausfliegen. Soweit klang das alles gut.

Aber die Sendung war heimlich von einer bösen Fee RTLLA verzaubert worden. Denn die Fee hatte Angst, dass eine Sendung, in der alle nett sind und sich mögen, niemand sehen will. Deswegen musste viel Drama her und viel Gemeinheit, denn das gucken die Menschen viel lieber. Angeblich. So ging es gar nicht darum, dass alle Frauen irgendwie schön sind – nein. Im Gegenteil. Die Frauen, die mitmachten, waren alle bösartig und gehässig und waren darauf bedacht, dass nur Frauen weiterkamen, die auch dem gängigen Schönheitsideal entsprachen. Der Endpreis war auf einmal ein Shooting mit einer Wäschefirma und da war allen klar, dass das sicher keine Frau wird machen dürfen, die nicht dem Ideal entspricht. Zu runde, zu alte, zu wilde Frauen wurden deswegen aussortiert. Und auch der nette Guido war gar nicht mehr nett, sondern sehr bösartig und spielte den ganzen bösen Zauber der bösen Fee bereitwilig mit, denn sie hatte ihn gut dafür bezahlt. Schön war gar nichts mehr an der Sendung. Es wurde getrennt in unter 30 und über 30 und die unter 30 durften tolle Sachen machen und die über 30 dabei zugucken und heulen.

Die Sendung entwickelte sich wie das Märchen Cinderella, nur dass am Schluss die böse Schwester mit dem Prinzen davonfährt und alle Aschenputtels weinend in der Ecke sitzt. Und der Prinz ein Modeschöpfer ist, der fiese Kommentare zu den Kleidern abgibt…Gewonnen hat übrigens eine Frau, die aussieht wie Sylvie Meis und die ein ganz trauriges Schicksal hat. Hatte, jetzt ist sie auf der Sonnenseite, Wäschemodel und darf sich öffentlich ausziehen. Ein Happy End 2015.

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Eingeordnet unter Medien

Das Video hat mich zu Tränen gerührt…

…echt lang her, das ein Viralvideo das geschafft hat. Wunderbare Idee. Es ist zwar ein Werbevideo für Samsung, macht aber wunderbar auf die Situation von Menschen mit Behinderung aufmerksam.

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12. März 2015 · 5:00 nachmittags