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Alles Fake im deutschen Fernsehen?

Rosen für die große Liebe? Doch im deutschen TV findet man meist nur Gefaktes Foto:RTK

Rosen für die große Liebe? Doch im deutschen TV findet man meist nur Gefaktes

In Amerika haben sie bei Live-Shows eine 5sekündige Verzögerung bei der Übertragung, damit, falls mal wieder wem ein Busen aus der Bluse hüpft, schnell reagieren zu können und den Menschen vor dem Bildschirm dieses traumatische Erlebnis zu ersparen. In Deutschland dagegen wird die Zensurschere gleich viel früher angesetzt. Es wird getrickst und gescriptet, es wird sich totgecastet, damit eines am Ende garantiert nicht herauskommt: etwas Echtes.

Bei der “Bachelorette” wird aufgeschrien “alles Fake” und so ist es ja auch. Dieses Format ist von vorne bis hinten durchinszeniert, jeder spielt die Rolle, die ihm zugedacht ist. Auch wenn man das irgendwann nur noch besoffen durchhält. Auch die Bauern und ihre Liebsten bei “Bauer sucht Frau” sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Da wird schon mal ein Hof angemietet oder eine Dame, da hat wer einen anderen Beruf oder sogar schon Weib und Kind im echten Leben. Das Liebeswerben, die “Ideen” der Bauern, mit Picknick auf dem zum Herz umgeformten Misthaufen sind auf dem Mist der TV-Treibenden gewachsen. Damit wird das Ergebnis zwar unglaublich öde, aber es ist wenigstens handlebar für die TV-Redakteure und ihre Vorgesetzten, die sich vor Überraschungen fürchten wie der Teufel vor dem Weihwasser. Es könnte ja zu Entgleisungen kommen, da könnten die Zuschauer wegbleiben, oder – noch viel schlimmer – die Werbetreibenden, die sich eine möglichst berechenbare Umgebung für ihre Produktplatzierung wünschen. Deswegen muss alles so schick und glänzend und zuckergussübergossen wie möglich sein. Das Problem ist aber, dass, wenn negative Überraschungen ausbleiben, auch positive ausbleiben. Dass irgendwann ein Kandidat ganz unvorhergesehene Starqualitäten aufweist und die Zuschauer wirklich fesselt. Dass ein Format, eine Talkshow echte Emotionen zutage fördert. Dass ein Bachelor und eine Bachelorette mit all ihren gelackten Prinzen und Prinzessinnen tatsächlich die wahre Liebe findet (ja, sie auch nur sucht) glaubt mittlerweile kein Mensch mehr.

Und die Öffentlich-Rechtlichen? Ja, da wird auch auf Teufel komm raus beschissen, um sich bei seinen Gönnern in Politik und Wirtschaft einzuschleimen. Da kommt ein Beckenbauer von Platz 36 bei den beliebtesten Deutschen schnell auf Rang 9. Äh, ja gut, sicher. Auch hier wird alles dem Proporz angepasst und dem bescheuerten Glauben, dass Zuschauer lieber kuratiertes wahres Leben haben wollen. Nein. wollen sie nicht. Authentisch ist wesentlich besser, weil spannender als gescriptete Kackscheisse. Wie heisst es? “Das Leben schreibt die spannenendsten Geschichten”. Eben. Aber damit tut sich Deutschland schwer. Auch im Printbereich werden, wie eine Freundin von mir in ihrer Doktorarbeit herausfand, signifikant öfter mit hübschen Symbolbildern verziert und nicht mit den realen Protagonisten. In England ist ein Bericht zu “Love in Gambia” tatsächlich mit Muttis aus Birmingham bebildert, die sich schwarze Lover anglen, in Deutschland mit einem weißen Model in romantischer Umarmung mit einem schwarzen Model. Ich weiß, wie ichs lieber hätte. Echte Menschen, echte -emotionen, echtes Leben. Das ist so viel spannender als poliertes Drehbuch.

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Blackmail im TV – warum hat das noch keiner umgesetzt?

Es ist mir unbegreiflich – haben Endemol, Tresor TV, RTL, SAT1 total geschlafen? Diese Show wäre fieser als das Dschungelcamp, unterhaltsamer als der “Bachelor” oder “Joko und Klaas” und könnte Leute leichter in den Wahnsinn treiben als jede Enthüllungstalkshow oder “Bauer sucht Frau” und an alle niedrigen Instinkte appellieren. Mit anderen Worten, die Quoten wären unermesslich. Der Skandal – und damit die Presse – und damit wieder die Quoten – unglaublich. Der Spiegel würde bestimmt etwas total hippes und postmodern Ironisches finden, die Bild würde darüber keifen und genauso begeistert mitmachen. Die Sendung wäre bald Kult.

Es geht um Blackmail, eine Showidee von Monty Python aus den 70er Jahren. Die Idee ist bestechend einfach: das TV zeigt Ausschnitte aus kompromittierendem Material und die Leute müssen anrufen, um die völlige Veröffentlichung zu verhindern. Dazu kommt ein prominenter Gast mit Tüte über dem Kopf, die Zuschauer dürfen abstimmen, ob dessen pikante Details veröffentlicht werden oder nicht.

Erpressungsmaterial lässt sich ja leicht finden, im Internet oder von Exfreunden eingesandt. Oder aus veröffentlichten Polizeiberichten etc. Wäre vielleicht sogar hilfreich, um momentan den Jugendlichen zu erklären, warum es keine so gute Idee ist, Saufbilder ins Internet zu stellen.

Eine Moderatorin wie Sonja Zietlau kündigt die Beiträge launig mit lustiger Stimme an: “Hallo an Dennis aus Halle, du hast morgen ein Bewerbungsgespräch, nicht? Wenn du nicht willst, dass dein künftiger Arbeitgeber diese Bilder (zeigt auf verpixelte Großleinwand) sieht, ruf uns an – 50 Euro und der Job ist gerettet…”

Dazwischen dürfen Promis vergangene Sünden beichten und werden mit weiterem Belastungsmaterial konfrontiert.

Politiker dürfen ihre “Parteifreunde” mit fiesem Material aus der Konkurrenz um den begehrten Posten hauen…im Sinne der Transparenz ja sogar eine moralisch “hochwertige” Aktion.

Monty Python war da echt prophetisch. Und bei RTL druckt gerade ein Redakteur diesen Blogartikel aus…

Habt ihr auch noch geniale Ideen zu TV-Formaten, die es eigentlich geben müsste? Schreibt’s in die Kommentare.

 

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21. Juli 2014 · 11:48 vormittags

Der Schleimbeutel – eine Bachelorstaffel in 5 Minuten

Walulis sieht fern – und er sieht ziemlich genau hin. (hier z.B Landwirt sucht Liebe)  Hier eine wunderbare Persiflage auf den Bachelor – “der Schleimbeutel”.  Eigentlich kann man sich nach diesen 5 Minuten die Sendung sparen, (aber ich guck gerne weiterhin)

Man kann sie ja kreativ nutzen. Als Trinkspiel: Jedes Mal, wenn der aktuelle Bachelor vom Aussehen einer Kandidatin oder deren Augen schwärmt, einen Eierlikör trinken – 2 Liter einplanen pro Folge!

Oder- das machen wir gerade – schliessen Wetten ab, welche Frauen diesesmal nur dafür gecastet wurden, Futter für das kommende Dschungelcamp abzugeben (stammt beides von derselben Produktionsfirma). Meine Favoritinnen Angelina und die Ela. Bei deren Vorbau beim Kuchenbacken wundert es mich aber, wie die in der ersten Sendung mit dem Gesicht zuerst gegen eine Glasscheibe donnern konnte…

PS: RTL wir haben heute im Büro beschlossen, wir wollen einen Bachelor wie den Typen aus Australien sehen!

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30. Januar 2014 · 8:25 nachmittags

Warum sind Frauen die Opfer im Dschungelcamp?

maroltIch muss gestehen, ich hab mich sehr amüsiert über Larissa, die Sendezeitkönigin des Dschungels. Es hat mir gestern imponiert, dass sie beim Gruppendruck nicht einknickt, sondern ihr Ding durchzieht. Und die Geschichte mit der Vogelspinne, der Oma und dem Hausknecht war eine der Komischten, die ich je gehört habe. Irgendwie mag ich die – das kann daran liegen, dass ich als Bayerin eine größere Affinität zu den Ösis habe und außerdem immer mehr auf der Seite der Außenseiter und Durchgeknallten stehe.

Aber wirklich zum Nachdenken gebracht hat mich ein Tweet meiner Freundin Elle, die konstatierte, dass es sie nerven würde, dass immer Frauen, bevorzugt jung, hübsch und ehrgeizig, das Mobbing-Opfer der Fernsehcommunity und ihrer Mitcampinsassen werden würden. Da hat sie einfach recht, Caroline Beil, Giulia Siegel, Sarah Knappik, Georgina Fleur, irgendwie hat das ein Muster. Und eigentlich kann man sogar den Küblböck in diese Reihe setzen.

Es gibt eine Dramaturgie, mit immer dem gleichen Personal: diverse Schnarchnasen zum Auffüllen, die Stimme der Vernunft (Jochen Bendel oder Olivia Jones), den nölenden Alten (Helmut Berger, Winnfried Glatzeder), der vom ehemaligen Ruhm zehrt, den Testosteronhengst, der während des Staffel zum Würstchen schrumpft (Wendler, Silva Gonzales, Jay), die willige Sexbiene (Melanie Müller, Fiona Erdmann, Indira, Micaela) – und das Opfer. Immer gibt es zwei junge Frauen. die das Potential für diese Rolle haben, wer zuerst zickt, wird es. Ich glaube nicht, dass die Serie gescriptet ist, aber bei 24 Stunden Aufzeichnungen kann man von jedem und jeder die Szenen aussuchen, die zur Rolle passen. Wenn du 23, 5 Stunden schläfst und eine halbe Stunde rumnervst, dass das Essen schlecht ist – was wird dann wohl gezeigt? Eben. Keine Frage, itv Studios, die die Serie für RTL produzieren, verstehen ihr Handwerk perfekt. Hut ab vor dem Casting.

Trotzdem: Ich halte es für bedenklich, die Nation auf ein Opfer zu hetzen, sie Prüfung um Prüfung machen zu lassen. Wobei sich dieses Mal das Opfer sich super hält – aber wie es in ihr drinnen aussieht, weiß ich nicht. Und ich weiß nicht, warum es immer die Frau sein muss, die als Opfer ausersehen wird. Es wird Zeit für eine neue Dramaturgie. Vielleicht mal nur Männer in den Dschungel? Hätte was…

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Welcome to the Dschungel

Webseite rtl.de

Webseite rtl.de

Nachdem “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” vergangenes Jahr die “Grimme”- Weihen der deutschen Intelektuellen bekommen hat, geht es nun wieder los. Wieder machen sich diverse “Prominente” aus dem Bodensatz der deutschen Society auf, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und doch noch bei RTL zum “Recall” geladen zu werden, um dann weitere TV-Formate zu versemmeln oder ihren Busen gewinnbringend weiter auf dem roten Teppich schwenken zu dürfen. So eine echte Prominenz, auf die man sich wirklich freut, gibt es dieses Mal nicht, außer vielleicht den Schlagersänger “der Wendler”, der mit Frohsinnskantaten wie “sie liebt den DJ” Discofoxtänzer von Wuppertal bis Traunstein beflügelt. Der wird auch 90 Prozent der Aufgaben und damit der Sendezeit bekommen.

wendlerDschungelcamp ist ein schmaler Grat. Da gibt es die, die auf ihrer Liege dahindämmern und nach der Sendung so schnell wie möglich wieder in ihrer Sozialwohnung verschwinden wollen, mit genug Geld, um die Privatinsolvenz zu tilgen. Aber ich bewundere die Leute, die sehenden Auges ins Fegefeuer laufen und im Dschungel die Rampensau geben. Wohl wissend, dass sie mit Fischaugen essen und Känguruhhoden tracktiert werden. Und je prominenter, umso wahrscheinlicher, auf so eine Dschungelmahlzeit gebeten zu werden. Da muss der Hunger nach Ruhm größer sein als alle Ekelgefühle der Welt. Witzig ist auch, dass schon bei den Kandidatinnen vom Bachelor sich leicht die ausmachen lassen, die im kommenden Jahr ins Dschungelcamp müssen um dort für Erotik zu sorgen und sich tapfen den Schafshoden stellen müssen – dnenen auf dem Tisch oder denen der Mitbewohner, wer weiß das schon? Ein Schelm, wer RTL da Kalkül unterstellt.

Das Dschungelcamp beweist eindrucksvoll, was viele Menschen vor dem TV nicht glauben: in Deutschland sind nur wenige Stars so vermögend, dass sie für immer nach ihrer Karriere ausgesorgt hätten. bachelorAnders als in den USA, wo Serienstars hohe sechsstellige Beträge pro Folge einstreichen,bekommen deutsche Serienstars ein Gehalt wie ein Angestellter im mittleren Management. Nicht schlecht, aber weit vom Reichtum entfernt. Da muss wirklich draufgesattelt werden: mit Bezahlungen für Partyauftritte (C-Promis kann man für ca 1.500 Euro pro Abend mieten), ein Nacktshooting für den Playboy oder mit einer leidlich selbst designten Kollektion auf QVC. Insofern bedeutet das Dschungelcamp eine wahre Geldspritze und Balsam fürs geplagte Konto. Und wir kucken ja auch alle nur allzu gerne hin. Und der Boulevard hat wieder ein paar Sternchen mehr, mit denen sich Geschichten und Geschäft machen läßt. Eigentlich eine Win-Win-Win-Situation…auf der Strecke bleibt nur das Niveau. Aber wer braucht das schon?

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Sylvie, das Gegenteil von Edward

Sylvie van der Vaart ist das Gegenteil von Edward Snowden: Sie hat, im Gegensetz zu ihm, überhaupt nichts zu sagen, dafür hören ihr die Medien bei diesem Nichts bereitwillig zu. Edward Snowden hat was zu sagen, ihm zuhören will eigentlich kein deutscher Journalist. Zu wenig Glamour, zu viel wahres Leben, vermutlich.

Ich hab Sylvie nur einmal getroffen, da präsentierte sie in München einen Zusatz zur xBox. Ich war damals überrascht, wie winzig sie war, und mit den damals kurzen, aufgeplusterten Haaren wirkte sie wie eine Wackelkopfpuppe mit überdimensionalem Kopf auf einem winzigen Körper. Dafür macht die Frau sich seit Wochen extrem breit in der deutschen Medienlandschaft.  Es ist nicht ihr Fehler, sondern der Fehler eines Systems, in dem systematisch Nullmeldungen zu wichtigen News aufgeblasen werden und die eigentlich relevanten News (NSA, VDS, Große Koalition) in den Hintergrund gespielt werden. Überwachung, da da sollten wir doch…ach ne, guckt mal da, die Sylvie hat ein Model aufgerissen….

Jeden Tag halten Sylvie oder ihre Ex-Beste-Freundin Sabia Boulahrouz eine neue Volte der Geschichte für die willige Medienwelt bereit, immer wieder neue Exen erzählen immer wieder neue Geschichten von Sylvies aufregendem Liebesleben, immer und überall wo Frau van der Vaart sich tummelt, tummeln sich mirakulöserweise die Paparazzi. Kein Schuhzubinden des Sprösslings, kein Badeurlaub, kein Restaurantbesuch scheint unwichtig genug, um es nicht doch der nach diesen News darbenden Bevölkerung zukommen zu lassen.

Ich hab einen Verdacht: Frau van der Vaart ist samt ihrem ganzen Clan in Wirklichkeit von der NSA bezahlt, um abzulenken von allem, was sonst in der Zeitung stehen müsste. Das würde auch erklären, woher die Paparazzi immer wissen, wo die Dame gerade ihren Auftritt hat.

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“Wir Frauen sind so” – Nein, sind wir nicht

Je nachdem, in welcher Filterblase man lebt, ist das Thema Sexismus und #aufschrei entweder übermächtig oder nur ein Thema von vielen, das durch die Talkshows getrieben wird. Manche Frauen sprechen von nix anderem mehr, andere tun es mit einem Schulterzucken ab. Das ist okay so, und das sollten auch die bedenken, die sich in Talkshows herausnehmen, im Namen aller Frauen zu sprechen. Das halte ich für ein Unding, denn es gibt bei allen Frauen grundverschiedene Auffassungen davon, wie ein Mann mit einer Frau umzugehen hat, wie das Machtverhältnis tatsächlich verteilt ist, wie definiert wird, was okay ist und was nicht.

Allein der Blick ins Fernsehprogramm gestern beweist – da ist noch viel, was zu debattieren und definieren ist. Der Fernsehabend in RTL startet mit Bohlen, da werden Männer und Frauen gleichermassen fertiggemacht, dann geht es weiter mit dem Bachelor. Ein Mann, umbuhlt von diversen Frauen, die alle versuchen, ihn für sich einzunehmen. Hier ist die Geschlechterwelt noch in Ordung. Oder? Naja, nicht ganz. Geht man einen Schritt weiter, dann ist die Motivation der Frauen, bei dieser Sendung teilzunehmen, weniger die Hoffnung auf den Traummann, sondern viel mehr die verwertbare mediale Aufmerksamkeit, die damit einhergeht. Die Frauen präsentieren sich schön, sexy, willig – und hoffen, das Fernsehpublikum honoriert das und macht aus ihnen kleinere bis größere Medienstars, Moderatorinnen, Soapdarstellerinnen, professionelle Partybesuchererinnen mit Abo auf den roten Teppichen dieser Republik. Der eigentlich ganz nette Kerl, den es auch noch zu gewinnen gibt, ist bestenfalls das Sahnehäubchen. Ich glaube nicht, dass sich eine Frau davon von der #aufschrei-Bewegung vertreten fühlt. Die versuchen, dank Aussehen und dem Ausspielen weiblicher Reize Aufmerksamkeit zu erzielen – beim Bachelor und vor allem beim Zuschauer. Die (und alle anderen, denen diese Frauen als Rollenmodell dienen) würden sich schön bedanken, wenn kein Mann sie mehr ansähe. Das kann man gut oder schlecht finden, ich sehs mal wertfrei, auch wenn es nicht mein Weg ist.

Im krassen Gegenteil dann dazu die Initiatorinnen der #aufschrei-Bewegung bei sternTV. Die versteigen sich sogar soweit, dass Sexismus nur von Mann zu Frau möglich sei, weil die Machtverhältnisse unserer Gesellschaft den Mann über die Frau stellen. Grundsätzlich. Das finde ich falsch. (Ich möchte bei meinem Beitrag zur Debatte noch einmal ganz klar jeden sexuellen verbalen oder tätlichen Übergriff ausnehmen, oder Fälle, in denen Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt werden. Das ist indiskutabel, darum geht es mir nicht.) Aber mir geht es um diese unendlich komplizierte Grauzone der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die mit Online-Dating, Casual-Sex-Webseiten, Swinger-Communities in einer übersexualisierten und unterfickten Gesellschaft nicht einfacher wird. Wann ist die Frau ein Objekt? Wann der Mann?

Denn im Rahmen der Beziehungsanbahnung ist es anders: Gerade bei der Beziehung zwischen Mann und Frau hat die Frau mehr Macht als der Mann, sie kann sich zurücklehnen und abwarten, ablehnen und gewähren, das kann ein Mann nicht so leicht. Der Mann ist meist der, der den ersten Schritt zu machen hat. Außer in so Sondersituationen wie Bachelor, was vielleicht auch ein Reiz dieser Sendung ist. Ich behaupte sogar, viel Grobheit der Männer entsteht aus diesem Ungleichgewicht der Macht, aus der Frustration darüber, dass der Mann meist derjenige zu sein hat, der den ersten Schritt tut, der die Körbe kassieren muss. Frau wählt aus – oder eben auch nicht.

Wir kommen wir da wieder raus? Ganz einfach: einfach mal wieder durchatmen. Die Dinge mit Abstand betrachten. Harmloses von Nichtharmlosen für sich selbst unterscheiden und jede Frau für sich selbst eine Grenze setzen lassen und nicht in ihrem Namen sprechen. Nicht  die eigene Befindlichkeit zum Maßstab nehmen. Ich möchte selbst die Wahl haben, ob ich etwas als Unverschämtheit empfinde oder als Kompliment.  Wie seht ihr das?

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Mein erstes Interview auf RTL Hessen

Man ist zwar immer völlig entsetzt, wenn man die eigene Stimme zum ersten Mal hört, aber so isses eigentlich ganz cool geworden. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass andere Aussagen von mir auch noch genommen werden, aber das ist eben Fernsehen.  Ach ja, ganz vergessen zu erwähnen, worüber es ging: natürlich zum Thema Piraten

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Mehr Gehalt und Parties für Politiker und Firmenbosse!!!

Es ist schon komisch, wie anfällig eigentlich reiche und mächtige Männer für Lob und ein bißchen Glamour sind. Ich hab ja mal in einer sehr großen deutschen Firma gearbeitet, da war klar zu erkennen, dass Sponsoring nicht nur nach objektiven Gründen vergeben wurde, sondern auch danach, dass sich führende Männer der Firma begeistert bei der Formel1 mit den Gridgirls haben fotografieren lassen. Es war immer ein bißchen peinlich. Aber die Kunden und Journalisten, die zu den Events eingeladen wurden, fanden das toll, die Manager fanden das toll. Ob die Gridgirls und Hostessen die Busengrabscher so toll gefunden haben, weiß ich nicht, es gehört wohl zur Jobbeschreibung.

Es war auch faszinierend, zu beobachten, dass auch Events mit deutschem Starpersonal für die grauen Herren der oberen Etagen immer etwas ganz besonderes hatten. Die standen dort verschüchtert rum, hielten sich verkrampft an ihren Champagnergläsern fest und die provinziell gestylten Gattinnen staunten den Soapstars nach. Aber sie gingen alle glücklich heim, sicher, für einen Abend mal das Licht gesehen zu haben.

Irgendwie musste ich an all diese Szenen wieder denken, als ich über die Geschichten rund um Bundespräsident Wulff gelesen habe. Da hatte ich auch das Gefühl, einer will auch mal ran ans Dolce Vita. Urlaub in schicken Feriendomizilen, mit Champagner, Jachten, einer neuen, schönen, blonden, jungen Frau. Hatte man sich nicht mühevoll in der grauen Partei hochgerabeitet, langweilige Politiksitzungen durchgestanden, damit man jetzt ein bißchen was abhaben kann vom echten Leben? Das steht einem doch zu, verdammt! Hey, wenn man mir das anbietet. Es sind doch alles Freunde…der Carsten, der weiß doch, wie das läuft…Carsten Maschmeyer hat überall mitgemischt und ist selbst ein lupenreiner Vertreter dieses Typus. Mit einer neuen, blonden, schönen Schauspielerin liiert, hat er sich in die deutsche Society geschoben und wird von Blättern wie Bunte hofiert. In seiner Definition hat er es sicher geschafft.

Ich glaube gar nicht, dass da wirklich groß nachgedacht wird. Es geht darum, dass viele eine Belohnung erwarten für ihr Amt, ihre Bemühungen. Anerkennung, Spaß..insofern speisen sich die Sexparties für verdiente Mitarbeiter bei Versicherungen, Sponsoringbesuche bei internationalen Events oder Urlaubsreisen von Politikern letzlich aus dem gleichen Gefühlsbrei der meist männlichen Protagonisten: sie wollen irgendwann die Früchte ernten, die man sich verdient hat. Den Status als Alphamännchen unterstreichen. Dazugehören, geniessen.

Deswegen wäre es vielleicht sinnvoll, die Parteien würden ihren Politikern mehr Gehalt bezahlen, mehr Parties schmeissen, intern, damit sie gefeit sind vor den Verlockungen derer, die von ihren Verbindungen profitieren wollen. Da hatte das italienische Modell was für sich, Bunga Bunga. Aber selbst bezahlt.

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Katharina Saalfrank – Opfer oder Täter?

Eigentlich eine gute Nachricht: eine der Protagonistinnen des Ekel-TV wirft hin. Zu viel geskriptete Realität, zu überinszeniert auf Kosten aller Beteiligten, vor allem der Kinder. Und macht lautstark auf diese Misstände aufmerksam.

Katharina Saalfrank, Supernanny, und Erfinderin der “Stillen Treppe”, hat gezeigt, dass sich Probleme in Problemfamilien auch ab und an durch Reden, Zuhören und ein bißchen mehr Empathie lösen lassen statt durch Schläge. Eigentlich ein gutes Konzept. Trotzdem hatte man als Zuschauer den Eindruck, wenn sich das so leicht lösen lässt, kann’s ja alles nicht so schlimm gewesen sein. Wie es nach dem Supernannybesuch in den Familien weiterging, erfuhr man ja nur selten. Außerdem erschien einem vieles gestellt. Schon lange.

Viele “eigentlich” im Text. Das liegt daran, dass ich nicht glauben mag, dass erst jetzt die Skripte überhand genommen haben. Warum beschwert sich Frau Saalfrank erst so spät? Schon längst hatten sich Teilnehmer beschwert, ihnen wäre Text in den Mund gelegt worden, Szenen nachgestellt und inszeniert gewesen. Das hätte ihr doch schon längt auffallen müssen? Ist die Supernanny eine echte Idealistin, die wirklich geglaubt hat, sie könnte etwas Gutes tun und dem verschlingenden Moloch der geskripteten Realität echte Emotionen und echte Hilfestellung entgegensetzen? Das wäre eigentlich ein toller Gedanke, dass in dem Zirkus noch nicht alle total abgekocht wären…eigentlich….aber letztendlich konnte sich das moralische Gewissen doch nicht durchsetzen. RTL wird schon wen finden, der mit süßlichem Lächeln und Musikkitsch alles niedermodriert…

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Dschungelcamp versus Alm – RTL kann es besser

Diese Woche startet wieder ein “Promi in ekligen Situationen”-Format. Statt in den australischen Dschungel geht es in die Alpen “Promischweiß und Edelweiß“, auf eine archaische Hütte. Statt auf RTL auf Pro7, statt mit Dirk Bach und Sonia Zietlow mit Daniel Aminati und Janine Kunze. Alles ist wie eine Antwort auf das RTL-Camp: statt mit Peer Kusmak mit seiner Exfrau Charlotte Karlinder, statt mit Assi-Model Sarah Knappig nun mit ihrer Ex-Busenfreundin und Neu-Intimfeindin Gina Lisa. Dazu Tessa, die schon in vielen Formaten für Ärger sorgen sollte und das nie hinbrachte.

Es ist eine Antwort und ein Abklatsch zugleich. Pro7 hat sowas einfach nicht drauf. Die können nicht besonders gut casten. Die Moderatoren wirken so perfide wie Tweety, das Küken und sind so langweilig wie Butterbrot. Ganz abgesehen davon, dass Janine Kunze eigentlich ein Kandidat fürs ausmisten auf der anderen Seite ist. Die Prominenten sind auch nicht wirklich spannend. Von denen hat man schon alles gelesen, gesehen, gehört – da ist keine Überraschung drin. Gina Lisa wird über ihre Lesbenerfahrungen quaken, Tessa wird nöhlen, der Ludolf bei der Hütte kucken, was er verticken kann und die Kalinder wird als Hardcore-Tierschützerin sich rettend in den Kuhdung werfen udn beim Essen zumzicken. Karsten Spengemann soll das Oberteil ausziehen und den Mund halten. Und wo ist lillliana Matthäus, oder Harald Glööcker? Ach ja, bei RTL…

RTL hingegen hat ein perfid-perfektes Moderatoren-Paar aus Duffy Duck und Schweinchen Dick, die sich plötzlich in tasmanische Teufel verwandeln. Sie haben abgehalftertes Promimaterial, das aber immer für Überraschungen gut ist (zumindest hinter den Kulissen wissen die Redakteure genau, welcher “Promi” echtes Potential hat, vor der Kamera zum Wahnsinn zu mutieren).

Das sollte Pro7 sich zu Herzen nehmen und nachmachen – aber die denken zu viel über hübsche Optik nach, über Massentauglichkeit, über irgendwelche Marktforschungen – und liegen so immer daneben. Traut euch was, sonst holt ihr RTL nie ein.

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