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Ein Wunder des Lebens am Toten Meer

Hattet ihr jemals das Gefühl, inmitten eines Wunders zu stehen? So ging es mir in En Gedi. Inmitten der lebensfeindlichen Wüste rund um das tote Meer ist hier ein Paradies entstanden. Der wunderschöne Kibbuz mit einem botanischen Garten gehört zu den traumhaftesten Flecken dieser Erde, an denen ich je war. Im Garten wachsen Pflanzen aus allen Klimazonen und allen Erdteilen friedlich nebeneinander, die Bäume wachsen unerklärlich schnell, werden so groß wie man es sich nicht vorstellen kann. Ich kann mir vorstellen, eine Woche in En Gedi und man ist ganz nah dran an der Erleuchtung.
Ein alter Mann aus dem Kibbuz führt uns durch das Wunder dieses Gartens. Er ist noch einer der Pioniere, die an die komnunistische Idee des Kibbuz geglaubt haben. Mittlerweile hat sich alles geändert, die Mitarbeiter bekommen auch individuelle Löhne, nicht mehr wie früher alles in die Gemeinschaftskasse.
Beim gartenspaziergang lerne ich eine Katze kennen, die mir dann bis zum Schluss nicht mehr von der Seite weicht. Ich hab das Gefühl, dass sie zum Abschied winkt. Wie gesagt, der Garten ist voller wunderbarer Dinge, nicht nur traumhafter Pflanzen.

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Schlecht gelaunt in Akko

Ich bin großer Geschichtsfan und habe mich deswegen auf Akko gefreut. Umso saurer war ich, dass wir vor der alten Kreuzfahrerstadt zuerst dauernd  Fotopausen gemacht haben und anschliessend stundenlang im Stau gestanden sind. Ich hasse Foto Pausen, weil die nur vortäuschen, man wäre irgendwo gewesen. Auto auf, knipsknips und weiter. Bullshitart zu reisen..,ich schweife ab…Deswegen war bei unserer Ankunft in Akko alles geschlossen, und es blieb sowieso kaum Zeit, denn es sollte am Abend noch weitergehen an den See Genezareth. Mist. Ich hätte gerne die unterirdischen Tunnel besucht, die die Templer angelegt haben. Die Araber, die die Stadt erobert haben, haben die Gewölbe mit Sand gefüllt und ihr Akko darauf errichtet. Bislang sind nur Bruchteile des unterirdischen Akko ausgegraben – da ist noch Arbeit für Generationen von Archäologen. Ich latschte missmutig durch den Markt, der gerade zumachte und wollte nur weg, weil es mich extrem frustriert, nix ansehen zu können. Die Altstadt ist Unesco-Weltkulturerbe, es gibt angeblich auch ein Franziskanerkloster und eine Synagoge mit tollen Mosaiken. Hab ich aber alles nicht bewundern dürfen. Statt Kreuzfahrerstadt fotografierte ich alle Kinderspieltiere und Katzen in Akko, die ich finde. Das sind erstaunlich viele. Sorry für den unhistorischen Beitrag  aus historischer Kulisse.

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Tanzen über den See Genezareth

1896Halleluja! Ein Hauptgrund, warum viele Leute nach Israel reisen, ist die Religion. Pilgern ins heilige Land ist für Christen seit den Kreuzzügen eine beliebte Tätigkeit, mittlerweile geht das auch nicht mehr mit Tätlichkeiten einher. Das Herz des modernen Pilgertums liegt – neben Jerusalem – am See Genezareth, wo sich gerade die Tourismusindustrie auf diese Art Reisende besonders gut eingestellt hat. In den örtlichen Souveniershops bekommt man gleich neben Badekappen und Sonnenhüten Dornenkronen oder Kreuzigungsnägel, man kann Mhyrre, Weihrauch und andere Spezereien kaufen oder Sand aus dem heiligen Land (den es vor dem Laden allerdings kostenlos gibt, aber halt nicht in so hübschen Fläschchen). Die Taufstelle Jesu liegt nahe Tiberias am Jordan, der Weg, den Jesus ging, um von Galiläa nach Jerusalem ging, ist immer noch nachwanderbar. Ein paar echte Glücksfälle haben den Fremdenverkehr hier wirklich bereichert. Zum einen hat man in der Uferregion des Sees ein uraltes Boot gefunden, ein Fischerboot aus der Zeit Jesu. Und zum anderen entpuppt sich die Ausgrabung des antiken Maggdala, des Ortes, wo die geheimnisumwitterte Freundin von Jesus herkam, zu einer archäologischen Sensation, nicht nur für Gläubige, sondern auch für Geschichtswissenschaftler. Aber dazu später mehr.

1857Eines der nettesten Hotels der Umgebung ist der sehr familienfreundliche Kibbuz Nof Ginosar, zu dem auch das Bootsmuseum mit dem antiken Schiff gehört. Wunderbar am Seeufer gelegen, im hübschen, skandinavischen Stil eingerichtet, mit weilläufigen Parkanlagen, Pool und Badestrand am See gefällt es mir dort extrem gut. Als ich um sechs Uhr morgens aufstehe (ich war einfach schon wach) geht gerade die Sonne über dem See auf. Es ist noch kühl, Reiher fliegen in Formation über das Ufer. Das ist wunderbar und trotz kalten Wasser macht es Spaß , im klaren See Genezareth zu schwimmen. Um diese Uhrzeit, wenn alles, was man hört, die Vögel sind, ist man sehr nahe bei Gott an diesem See – gläubig oder nicht.
Das mit der Stille ändert sich schnell. Viele Pilgergruppen aus den USA oder gar Indien sind da, um den See zu besuchen, über den Jesus angeblich ging und wo er mit seinen Aposteln gemeinsam predigte und fischte (und diverse Wunder wirkte, whatever). Ich bin großer Jesus-Fan. Ich glaube, dass dessen Lehre “seid nett zueinander” die ist, an die ich mich halten möchte. Und wenn wir uns alle dran halten würden, vor allem die Parteien mit dem C, wäre die Welt ein besserer Platz. Insofern bedeutet mir der See Genezareth durchaus etwas. Aber das finde ich eben nur um 6 Uhr früh.

Das antike Boot ist nicht nur rekonstruiert zu bewundern, es wurde auch nachgebaut. Richtig oft – zu einer kleinen Flotte, mit der Pilgergruppen über den See Genezareth fahren können und so das Tagwerk von Jesus und dessen Fischerkumpels wieder aufleben lassen. Die amerikanischen und indischen Reisegruppen hissen erstmal ihre Fahnen auf den Booten, schmeissen die richtigen CDs in die bereitstehende Musikanlage und ab gehts mit passender Musik über den See. Da wird dann getanzt und gebetet auf den Booten. Wie das dann klingt, hab ich für euch auf Video aufgenommen:

Deutsche Fahnen und deutsche Musik gab es glücklicherweise nicht, wir bekamen ein Potpurri aus “Hava Nagila” und “Shalom Alechem” und anderen jüdischen Klassikern. Nach der kleinen Bootstour ging es dann ins Vogelreservat und nach Maggdala…

Maggdala und Maria von sind vor allem seit den Dan Brown Romanen eine feste Größe in der Vorstellung der Welt. Die angeblich rothaarige Schönheit war vielleicht die Frau von Jesus, zumindest aber eine sehr, sehr enge Freundin, wie eng, das entscheidet der einzelne Glaube. Ich hoffe für Jesus, sehr eng, ich bin kein Fan des Zölibats. Auf alle Fälle wird neben dem Kibbuz das antike Maggdala ausgegraben und es entpuppt sich als wahre Wundertüte für die Archäologen. Es wurde eine antike Synagoge gefunden, teilweise noch reich bemalt und mit einem besonderen Altarstein.  Es wurden antike jüdische Mikwen gefunden,  rituelle Reinigungsbecken, es wurde die antike Fischverarbeitung gefunden, wo Fische gereinigt, getrocknet und verkauft wurden. Und es wurde der antike Marktplatz  gefunden. Alle Fischer der damaligen Zeit kamen sicher zu diesem Marktplatz, um ihren Fang abzugeben. Und die Fischer hießen nunmal Petrus, Simon, Judas….also dass Jesus über diese Steine gewandert ist, dort in die Kneipe ging und sich mit seinen Freunden getroffen hat, darf als gesichert gelten. Wenn er wo war, dann hier. Deswegen hat man den Marktplatz jetzt mit einer (ziemlich kitschigen) Kirche überbaut, die Maria aus Maggdala gewidmet ist. Und mit ihr allen Frauen der Bibel, deren Bedeutung immer heruntergespielt wurde. Das wiederum finde ich sehr schön. Ich sitze noch eine Weile allein unten auf den Steinen des Marktplatzes, lasse die Magie des Ortes auf mich wirken.

1882 1889

 

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Transen und Turbulenzen – das wilde Nachtleben in Tel Aviv

Das Nachtleben von Tel Aviv ist legendär. Zu Recht. Rund um den Rothschild-Boulevard reihen sich an Bars an Bars,  in vielen Clubs feiert man unter freiem Himmel. Wir haben eine sehr wilde Tour durch die Clubs gemacht, dank eine tollen Insiderin, Einat Rotfus, danke und 1000 Küsse nach Tel Aviv. Dabei habe ich mit Transen in einem Gayclubs gesungen und getanzt, in wunderschönen Open Air Clubs unter Bougainvillas geflirtet und geknutscht und mir doch ganz schön einen angesäuselt. Fotos hab ich davon wenige gemacht. Muss ja nicht sein. Manche Dinge sind einfach privat und sollen es bleiben. Nicht verheimlichen will ich euch die Namen der Clubs, wenn ihr dort hingeht, könnt ihr nichts falsch machen und werden sowieso selbst Anschluss finden, dort eure eigenen Erfahrungen machen und richtig viel Spaß haben, das garantiert.

1797397_1407080296216750_1920173247_nMein persönlicher Lieblingsclub war das Kuli Alma, ein Club halb drinnen, halb draußen in einem verwunschenen Garten, wunderschön lässig, sehr coole Musik. Der Club ist ein kleines Festival für sich, das Publikum angenehm gemischt. Dort gibt es immer wieder Kunst Performances, Ausstellungen, internationale DJs legen auf. Kann ich euch wärmstens ans Herz legen!

Jimmy who ?

Das Jimmy Who ist in einer ehemaligen Bank untergebracht – das macht den Laden nicht nur im Hauptraum ziemlich originell, sondern das Jimmy Who hat einen geheimen Keller im ehemaligen Tresorraum. Der wurde z.B. von Bar Raffaeli genutzt, die dort ihren Geburtstag feierte. Also seeeeeeeehr exklusiv….

POLLY

EVITA (GAY CLUB)

ARIA

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Shoppingspaziergang durch Tel Aviv

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Ich wandere durch die Strassen des Textilviertels (DIY-Mekka) und gehe Richtung des Suzanne Dellal Centers. In den Strassen rundum sind wunderbare kleine Shops – schicke Kleider, süße Boutiquen. Ich schmeiß einfach mal ein paar Bilder rein – das Einkaufserlebnis kann man eh so schlecht nachempfinden – hier ein kleiner Bummel durchs Neve Tsedek Viertel. Ich denke, ihr kriegt ein Gefühl dafür. classic-recipes-for-modern-people-9781616288129_lgIn einem Buchladen sehe ich ein Kochbuch auf Englisch, das mich sofort anspricht “Classic recipes for modern people” der amerikanisch-jüdischen Köche Eli und Max Sussmann, das ich mir auch gleich kaufe. Super Kochbuch, aus dem einige meiner neueren Standards (Maisbrot mit Käse und Brisket gefüllt) stammen.  Das Buch werd ich vielleicht mal gesondert besprechen.

Ich bedaure, schon wieder aufbrechen zu müssen, auch wenn ich mich auf die weiteren Stationen der Rundreise freue. Nach Tel Aviv geht es an der Küste entlang Richtung Norden, nach Galiläa. Die nächste Station, ist ein kurzer Aufenthalt in Cäsarea, der alten Stadt von Herodes dem Großen. Da gibt es aber noch ein gesondertes Kapitel dazu.

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Touren durch Tel Aviv

Wer Tel Aviv kennenlernen will, fängt am besten am Strand an. Hotels wie das Herods, in dem wir wohnen durften, sind eine super Ausgangsbasis. Von da ist man sofort am Strand, kann schwimmen gehen oder in einer der zahlreichen Strandbars herumlungern. Oder unternimmt einen Spaziergang entlang des modernen Hafenboulevards, der bei den Hotels wie zB. dem Herods beginnt und wo sich Cafes an Cafes reihen, Foodcourts und Boutiquen zum Shoppen einladen.  Ich bedaure, in einer Reisegruppe mit engem Zeitplan unterwegs zu sein – aber im Oktober will ich zurück…
In der entgegengesetzten Richtung muss man erstmal 10 Minuten mit dem Taxi fahren, um ins Shoppingvietel rund um das Suzanne Dellal Center, einer Tanzschule, zu gelangen, an den Rothschild-Boulevard oder zum Carmelmarkt. Noch ein Stück weiter ist der alte Hafen von Jaffa. Wer sich an den Film “Kampf der Titanen” erinnert, mit dem Meeresungeheuer, das die Prinzessin fressen will – die Sage hat genau hier gespielt. Die Steine vor der Küste sind noch die Reste des Titanen, den Perseus dank Medusa-Kopf in Stein verwandelt hat. Aber gefressene Prinzessinen interessieren heute nicht mehr, eher “Was gibt es zu essen?”

1591Jaffa war einst arabische Enklave, das hat sich geändert. Mittlerweile ist die Nachbarschaft gemischt, jüdisch und arabisch. Sehr viele junge Leute suchen hier eine Wohnung, aber die Gegend ist nicht gerade billig. Vermutlich, weil die tollen Läden, die Beachfront und der samstägliche Flohmarkt echte Attraktionen sind. Die mittelalterliche Altstadt mit engen Gäßchen und Treppchen etc ist liebevoll restauriert und lädt zum Bummeln ein. Viele Künstler haben ihre Stände rund um den zentralen Brunnen aufgebaut. Es ist zugegebenermassen touristisch, aber trotzdem wunderhübsch. Wir sind am Abend dort langspaziert, es war noch ein wenig kühl. Aber wir sassen trotzdem draußen und genossen die Küche in einem kleinen Fischlokal. Hübsche Kellner (wie überall)

An nächsten Abend waren wir in einem Lokal, das mir besonders Freude gemacht hat:

1725Eine Baba Yaga ist eine russische Hexe. Diese Hexe gibt einem sehr tolles Restaurant in Tel Aviv ihren Namen. Und nicht nur das: die Bäume des Garten, die Speisekarte etc, alles ist (dezent) mit kleinen Hexen verziert. Das Restaurant war nicht weit von unserem Hotel entfernt. Und wir konnten die gesamte Palette klassischer jüdischer Spezialitäten geniessen, die es in den Steteln des Ostens gab.

Natürlich Gefielte Fisch, eingesalzener Hering, Hähnchenleberpastete, Bortscht, Solyanka, Ente in Pflaumensauce, Gänsebraten…für mich ein Traum, denn viele Gerichte kannte ich aus der Küche meiner polnischen Großmutter. Für alle, die es nicht ganz so rustikal mögen, gibt es auch viele Seefoodspezialitäten, italienische Pasta und Salate. Für mich ist das Baba Yaga ein perfekter Vertreter für die die reiche kulinarische Szene in Tel Aviv, in der sich Tradition mit neuen Einflüssen mischt und alles in wunderbaren Lokalen zusammenkommt. Wer Lust auf wirklich jüdisches Essen hat, ist hier an der absolut richtigen Adresse.

Märkte sind immer ein zweischneidiges Schwert im Urlaub, einerseits toll zum Ansehen, aber so richtig einkaufen kann ich nicht, denn wo soll ich die Sachen zubereiten? Auf dem Hotelzimmer über einem Gaskocher ist keine Lösung. Egal. 1686 - KopieDer Carmel-Markt im Herzen Tel Avivs ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Unbedingt die Dim Sum in der Marktmitte probieren. Es gibt viel Frittirtes, Falafel, Teigkringel oder ein Hefegebäck, das an Krapfen erinnert, aber pikant mit Lammhack gefüllt ist. Extrem süßes Halwa, gepresste Blöcke aus Zucker und Sesam, gibt es in Varianten von Pistazien (traditionell) bis zu Smarties (nicht traditionell), Obst und Gemüse in jeder Variante. Viele Gemüse sind in Israel angebaut und wunderbar frisch. Baklava ist lecker,  mir aber immer zu süß. In einer Parallelstrasse des Marketes gibt es jede Menge Coffeshops und Healthfoodstores. Ich bestelle mir einen Cold Brew, die neuen Kaffeetrends sind also auch schon nach Israel gedrungen. Um mich rum alles voller Hipster und  ich fühle mich wohl. Am Nachbartischchen lerne ich eine junge Mutter mit ihrer Kleinen kennen, die Kleine übt gerade erste Schritte und ist gut gelaunt und das ganze Viertel scheint sie zu kennen, jeder grüßt und bleibt für einen Ratsch. Ich beschließe, jetzt doch Hebräisch zu lernen (noch nicht umgesetzt) :)

 

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Herzensheimat Tel Aviv

Ich bin euch was schuldig – ich habe ja im Mai einer Rundreise durch Israel machen dürfen.Doch zum einen war es derart viel Material, das ich das Gefühl hatte, dem nicht gerecht zu werden. Zum anderen überschlugen sich, wie so oft, die Ereignisse in meinem Leben. Jobwechsel, Chaos allerorten. Da brauchte ich erstmal ein bißchen Zeit, mich zu sortieren. Aber jetzt ist alles soweit wieder auf Spur – soweit das bei mir eben möglich ist. Und es ist auch die richtige Zeit, um im Herbst eine Reise in dieses wunderbare Land zu buchen. Ich möchte es euch ans Herz legen. Ich weiß, für Deutsche ist es keine einfache Reise. Aber wer sie macht, wird mit Vielem belohnt, unter anderem auch mit dem Abbau von Vorurteilen und vielen Begegnungen mit einigen der tollsten Menschen dieser Erde. Verpaßt das nicht.

1616Jedesmal, wenn ich in Israel – und vor allem in Tel Aviv – bin, geht mir das Herz auf. Es ist mehr als ein touristisches Gefühl, mehr als dieses, hey, die haben hier alles, was es braucht, Strand, warmes Meer, tolles Nachleben, super Einkaufstrassen, exzellentes Essen…es ist ein Gefühl von Freiheit. Einer Freiheit, die hart erkämpft wurde und die immer noch nicht selbstverständlich ist, bedroht von innen und außen. Tel Aviv, das ist eine Enklave der freien Welt im nahen Osten, umgeben von Krieg und Terror, von religiösem Fanatismus und belastet von einem schweren Erbe. Und gerade deswegen ist Tel Aviv eine der tollsten Städte dieser Erde. Mit den offensten und nettesten Menschen, die man sich nur vorstellen kann.

1708Ich weiß, viele Deutsche haben Muffe, nach Israel zu fahren, zu drückend wirkt die Vergangenheit. Aber ich kann versichern, wer selber ein offener Kopf ist und frei von Vorurteilen, wer bereit ist, auf Menschen zuzugehen, der hat in Tel Aviv die Zeit seines Lebens. Nicht umsonst versammelt sich dort eine wilde Mischung aus Nachtlebens- und Modeszene, aus Gays und Geeks, die etwas außerhalb von Tel Aviv das Silicon Valley des nahen Ostens errichten. Tel Aviv, das ist Berlin mit warmem Wetter, mit Meer und viel mehr Freundlichkeit  als in Deutschland.

Tel Aviv ist relativ neu. Auch wenn die Basis der Stadt die uralte Hafenstaft Jaffa ist. In den 30er Jahren entstand rund um den alten Hafen das neue Tel Aviv, viele Häuser errichtet im Bauhaus-Stil. Wenn man den Rothschild-Bouleverd entlangmarschiert, läßt sich diese Periode der Geschichte gut nachverfolgen. Tel Aviv sollte etwas Neues werden, frei von den alten Traditionen, das Herz des modernen Israel. Und das ist es auch. Tel Aviv hält sich tapfer gegen die Versuche der Orthodoxen, wie Jerusalem ein Zentrum der Gläubigkeit zu werden. Tel Aviv ist modern, offen und tolerant – und das soll es bleiben. Vielen ist das ein Dorn im Auge. Ich finde es wunderbar. Bemerkenswert sind die vielen Graffittos überall in der Stadt, kunstvoll statt Schmirage verzieren sie die Wände.

Tel Aviv  ist eine grüne Stadt, mit vielen Bäumen, die Schatten über den Cafes auf den Boulevards spenden, mit Höfen, in den kleine Springbrunnen sprudeln, überall laden Bänke zum Verweilen ein. Es ist eine junge, lässige Stadt, der Dresscode ist locker und stylish zugleich. Wenn Israels Mode ein Herz hat, dann sitzt es in Tel Aviv. Am Strand spielen wunderschöne Menschen miteinander Frisbee, paddeln auf Standup Boards im Meer oder holen sich einen Kaffee an einer Strandbar. Geht nicht besser. In den kommenden Kapiteln gebe ich einige Tipps für erste Touren. Aber so richtig entdecken müßt ihr eurer eigenes Tel Aviv. Ich kann versprechen, es lohnt sich.

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