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Flüchtlinge neben Bierleichen?

Eine Freundin, Dani Schönberger, hat mich auf Facebook auf die Diskrepanz angesprochen und sie hat mich sehr nachdenklich gemacht. Meine Frage an euch: dürfen wir auf der einen Seite feiern als gäbe es kein Morgen, wenn auf der anderen Seite viele Tausend Menschen nicht wissen, wo sie hin sollen und was der morgige Tag bringt? Ganz klar, viele Menschen sind enorm hilfsbereit und haben mit Sachspenden, mit Geld und tätiger Hilfe an den Anfahmezentren dazu beigetragen, eine echte Willkommenskultur zu leben. Das war unfassbar toll – ich hatte hier am Hauptbahnhof in München Tränen in den Augen, als ich sah, wie die Menschen aus den Zügen aus Budapest mit Kuchen, Willkommensbannern und unendlich viel Freundlichkeit empfangen worden sind. Wie schnell und großzügig die Münchner gehofen haben.

Aber mir ist nicht so richtig wohl bei dem Gedanken, wenn aufgebrezelte Menschen die Sau rauslassen, während es anderen total dreckig geht. Sollen jetzt die Bierleichen neben den syrischen Flüchtlingen ihren Rausch ausschlafen, wie soll das funktionieren?  Ihr könnt jetzt sagen, bislang hat es das immer gegeben, nur war das Elend weiter weg. Stimmt schon. Nur – jetzt ist das Elend eben da. Gut sichtbar. Ihr könnt sagen: auch deutschen Rentnern und Obdachlosen etc ist es immer mies gegangen, und trotzdem hast du nichts dabei gefunden mit “Hey Baby” auf einer Bierbank im Käfer zu stehen. Und ihr habt recht damit.

Was ist eure Meinung dazu? Was wären die Alternativen?

Deswegen: ich bitte um eure Kommentare! DANKE VORAB!

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Das egozentrische Weltbild hat ausgedient

BFF_1508_ButtonBlau2-300x300Ich bin schuld am Flüchtlingsdrama. Du auch. Und du. Weil wir uns nur um unseren eigenen Scheiss gekümmert haben. Beziehungen, Karriere, Kinder, die Familie. Alles wichtig, keine Frage. Aber wir haben dabei den Rest der Welt vergessen. Wir haben uns selbst optimiert, Diät gehalten, Sport gemacht, Cupcakes gebacken, uns mit Shabby Chick eingerichtet, Modebloggerfotos geliket, haben gepunktete Kissen genäht, Mascaras rezensiert, sind gereist mit dem Rucksack oder der Designertasche, wir haben Pulled Pork gebraten und unseren Smoker getestet, unseren Garten gepflegt und dabei vergessen, dass es außerhalb auch noch eine Welt gab. Eine Welt, in der derzeit kaum ein Stein auf dem andern bleibt. Das Internet ist wie Hefe, die den Erdkuchen schier zerreißt. Arabischer Frühling hieß die Bewegung, die mit Hoffnung begann und nun im Terror der ISIS mündet, das Experiment Europa und Euro bringt immer mehr Volkswirtschaften an den Rand der Pleite. In Afrikas Läden morden Islamisten, beuten Firmen die reichen Rohstoffvorkommen aus, die sie in den Fabriken Chinas zusammenbauen, damit auch jeder ein Smartphone habe auf diesem Planeten. In Bangladesh hockt man im Müll und in zusammenbrechenden Fabriken für unsere Designerkleider. All diese Dinge konnten wir lange ausblenden. Uns ging und geht es gut. Unsere Wirtschaft floriert. Unser Leben floriert. Unsere Selbstoptimierung floriert. Während wir niedliche Katzenbilder liken, bricht für andere Menschen deren Welt unwiderruflich zusammen. In Syrien, Nigeria, in Lybien oder im Sudan warten keine Internetmemes, da wartet nur der Tod.

Jetzt bricht sich die Welt Bahn in unsere heile Welt hinein. Und wir merken mit Erstaunen, dass es anderes gibt als das, was uns bislang interessiert hat. Huch! Was ist da außerhalb unseres Vorgartens passiert? Wieso bringen die Syrer ihr Leben und Sterben jetzt mit in unsere heile Welt? Viele reagieren so, dass ich tief den Hut ziehe, helfen unermüdlch mit Rat, Tat und Spenden. Andere Menschen reagieren mit Ablehnung und Hass – so viel Ablehnung und Hass, dass wir auch darüber erstaunt sind, weil wir das auch nicht haben kommen sehen vom Gartenzaun aus. Aber gut, wenn wir jetzt raustreten aus dem Gartentor. Es ist ja noch nicht zu spät. Wir haben es in jeder Sekunde in der Hand, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Legen wir also die Selfiekamera kurz aus der Hand und schauen uns die Welt an, wie sie ist. Im Guten wie im Schlechten. Machen wir was draus. Wer spenden will, kann das über #BloggerfuerFluechtlinge tun, dort wird auch genau aufgelistet, wo das Geld hingeht.

Und wir müssen weiter den Mund aufmachen. Den Druck auf Merkel und Co erhöhen, damit sie endlich eingreift. Dass Deutschland keine Waffen mehr liefert in Krisenregionen, dass wir eine bessere Einwanderungspolitik bekommen und zwar eine, die den Namen verdient. Dass Elend nah und fern nicht mehr nur verwaltet wird, sondern die Ursachen bekämpft. Dass sich alle Staaten zusammentun, um dem Wahnsinn in Syrien, Nigeria oder im Sudan ein Ende zu setzen. Wir haben es in der Hand. Jeder einzelne hat eine Stimme. Nutzen wir sie.

Sorry für die Unterbrechung meiner Israel-Reise-Artikelserie. Am Montag geht es weiter mit Ausgrabungen in Israel und mit Jerusalem…

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Warum Syrer und Nazis einen gemeinsamen Feind haben

1632 Die letzten Tage waren bitter für Deutschland. Mit den Bildern aus Heidenau wurden Erinnerungen an allerdunkelste Zeiten wach. Die Bilder von den Nazis, die besoffen vor einem Flüchtlingslager randalieren, sind nicht nur ein hässlicher Schandfleck. Sie sind Ausdruck einer hilflosen und seit Jahren völlig verfehlten Politik. Es wäre jetzt so einfach zu sagen: pfui, böse Rechte. Natürlich haben sich die Leute in Heidenau aus dem Konsens unserer Wertegemeinschaft verabschiedet. Natürlich sind das Idioten. Da könnte ich jetzt weiterschimpfen und draufknüppeln und alle würden mir recht geben und applaudieren. Nur so einfach ist alles nicht. Unser Problem liegt im Suchen allzu einfacher Feindbilder- und die Schuldigen kommen immer davon.

Und genau da liegt das Problem. Denn auch die Leute in Heidenau sind abgehängte Loser und Opfer einer Globalisierungspolitik, genau wie die syrischen Flüchtlinge. Beide haben nur nicht erkannt, dass sie eigentlich einen gemeinsamen Feind haben, gegen den sie gemeinsam aufstehen müssten. Gemeinsam mit den Griechen, den Spaniern, der englischen Unterschicht…und wegen des Öls und den Geschäften mit den Saudis wird weitgehend tatenlos zugesehen, wie der Nahe Osten im Chaos versinkt. Die Syrer und Sudanesen, die Libyer und Algerier sind Kollateralschäden der Gier.
Seit Jahren tobt der entfesselte Raubtierkapitalismus durch Europa, reißt ganze Volkswirtschaften in den Abgrund und destabilisiert ganze Regionen.
Es gab im letzten Jahr einen Film, der in der Zukunft spielt, in dem sich die Reichen auf einer Insel verschanzt haben und den Rest der Erde sich selbst überlassen haben. Ich habe den Film nicht gesehen, aber das Bild passt. Denn die Wirtschaft und die Oberschicht haben sich entkoppelt vom Rest der Bevölkerung. Und die Medienmächtigen und die Politiker haben sie mitgenommen auf ihre Insel. Da sitzen sie nun und tun so, als ob sie der Rest der Menschheit nichts angeht. Währenddessen geht sich Arm gegen Ärmer an die Gurgel.

In Deutschland sind wir reich, dennoch gibt es viele, die bereits den kalten Atem der Armut im Nacken spüren. Und noch mehr, die unbewusst fühlen, dass gerade alles in eine Schieflage gerät. Dass unsere Politiker die Weichen falsch stellen Richtung Zukunft. Der digitale Wandel wird verschlafen, die Zukunft Deutschlands als Innovationsstandort verspielt. Wir sind kein Land der Rohstoffe, wir sind ein Land der Erfindungen. Das wird so nicht gesehen. Und das ist schrecklich für die Zukunft unserer Kinder.
Stattdessen werden Angst-Szenarien aufgebaut, es wird subtil gehetzt, nur um nicht zugeben zu müssen, wie weit das Versagen geht. Da werden Rentner und Hartz IV Bezüge gegen Flüchtlinge ausgespielt. Arbeitnehmer gegen Arbeitslose. Es wird ein erbarmungsloses Konkurrenzdenken gefördert, vielleicht auch nach dem lateinischen Spruch “Divide et impera” – “Teile und herrsche”, damit die Leute nicht anfangen zu denken, wo der wirkliche Feind sitzt und sich nicht zusammentun. Das Gesicht des Stillstands trägt die Züge von Frau Merkel. Sie will als Kanzlerin Europas in die Geschichte eingehen, wird aber vermutlich als Totengräberin dieser Idee in den Geschichtsbüchern zu finden sein.
Natürlich müssen wir zusammenhalten und Flüchtlinge willkommen heißen. Und eine Zukunft planen, die weiter sieht als bis zum eigenen Vorgarten. Vermutlich sind diese Zusammenhänge zu groß für einen kleinen Blogbeitrag. Zu groß für mich.

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Jerusalem durch die Jahrtausende – was für ein episches Buch

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Jerusalem, Felsendom, im Hintergrund die Grabeskirche Foto: wikipedia/Berthold Werner

Es ist ein beachtlicher Wälzer, über 700 Seiten hat die Paperback-Ausgabe von “Jerusalem – the Biography” von Simon Sebag Montefiori. Aber das ist dem Inhalt durchaus angemessen, denn das Buch will nicht weniger als die Frage beantworten, warum ausgerechnet Jerusalem die Stadt ist, die für drei Weltreligionen das Allerheiligste darstellt. Und dazu braucht es eben überbordene Geschichten und Geschichte – von der Zeit Davids (der mittlerweile als eine historische Persönlichkeit bestätigt ist) bis zu der heutigen Zeit zeichnet der Autor die Geschichte in Blut und Glanz und Gloria. Zwar erklärt der Autor, die Geschichte der Stadt chronologisch erzählen zu wollen, doch er beginnt im Prolog mit einer ihrer dunkelsten Kapitel – der Zerstörung des Tempels durch Titus.

jerusalem-m_1806846fEindringlich schildert Montefiori das unfassbare Massaker, geschichtlich genau und präzise. Nach diesem Prolog ist man gefesselt, liest atemlos weiter. Es ist ein Sachbuch, aber es ist so unterhaltsam wie ein gutgeschriebener Roman. Der Autor stellt Bibel – für diese Stadt eine unverzichtbare Quelle – und neueste Forschung gegenüber. Nach dem römischen Prolog geht weiter durch die Jahrtausende, Assyrer, Seleukiden, Römer, Kreuzzüge, Osmanen…bis in die heutige Zeit. Der Autor hangelt sich an den jeweiligen Herrschern der Stadt die Historie hinan, ohne das große Ganze aus dem Blick zu lassen. So haben nicht nur glorreiche Feldherren ihren Platz, sondern auch das Leiden der Bevölkerung. Alle Kapitel sind von Historikern gegengecheckt und auf Korrektheit überprüft – das ist ist wichtig in einer Geschichte, bei der ein falsches Wort wieder jemanden beleidigen kann. Immer wieder überlagern vor dem geistigen Auge die Bilder der derzeitigen blutigen Auseinandersetzungen in der Nahostregion die historischen Bilder – denn immer schon war die Region und Jerusalem im Besonderen umkämpft. Ein seit 3000 Jahren währender Kampf um Unabhängigkeit – was für ein Epos.

Was ich so unfassbar hilfreich finde: “Jerusalem – a biography” macht einen Konflikt transparenter und verständlicher, der unsere Welt entscheidend prägt und der uns doch in seinen Wurzeln rätselhaft erscheint. Ich möchte das Buch allen empfehlen, die Spaß haben an Geschichte und die verstehen wollen, wiedie vergangenen Jahrtausende unsere Gegenwart prägen.

Es ist eine großartige Lektüre und ich freue mich, im Mai diese Stadt nach langem wieder besuchen zu dürfen. So bin ich überhaupt zu dem Buch gekommen: ich hab es in der Münchner Bahnhofsbuchhandlung liegen gesehen und gedacht, es könnte eine gute Idee sein, mich für die Reise einzulesen…

PS: Ich hab es auf Englisch gelesen, es gibt es natürlich auch auf Deutsch .)

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Akzeptiert, dass es immer einen Weg gibt – oder: garantierte Sicherheit is nicht

Ich liebe diese Farbe

Alles verammeln, damit es garantiert sicher wird…

Menschen lieben Sicherheit. Sicherheit versprachen schon die Höhlen der Neanderthaler, die dicken Burgmauern des Mittelalters oder die dicken Bodyguards der Promis. Sicherheit wird auf allen Flughäfen beschworen, im Auto, überall. Es wird geheiratet, um die Liebe zu besiegeln und abzusichern.

Und doch – totale Sicherheit gibt es nicht. Nirgends. Neanderthaler wurden von Höhlenlöwen gefressen, Burgen erstürmt und Promis erschossen. Ehen werden wieder geschieden. Täglich gibt es Autounfälle und ab und an stürzt ein Flieger ab. Technisches Versagen oder Menschen, die unter Einsatz des eigenen Lebens so viel Schaden wie möglich anrichten wollen. Und das auch schaffen. Weil es immer einen Weg gibt, wenn man nur entschlossen und verzweifelt genug ist.

Das hat auch das Flugzeugunglück gezeigt. Hier wurden die Schutzmechanismen, die vor Verbrechen schützen sollen, genutzt, ein Verbrechen zu schützen*. Und wenn jetzt gefordert wird , im Cockpit müssen immer zwei sitzen, der Sicherheit willen – wer sagt denn, dass nicht ausgerechnet der, den man als zweite Person ins Cockpit lässt, nicht gerade der oder die ist, die schon den nächsten irren Plan verfolgt?
Deswegen – vergesst totale Sicherheit. Gibt es nicht. Wir sind nämlich Menschen, keine Roboter. Und auch Roboter haben mal einen Kurzschluss.

Und – wie sähe die denn das, die maximale Sicherheit? Von Geburt an in Watte gebettet, am besten die vertraute Umgebung nicht verlassen, so wenig Kontakt wie möglich mit anderen Menschen, Internet gefiltert oder am besten gar nicht, urlaub auch nicht (unsicher), immer einen Buzzer um den Hals, mit dem man Ordnungskräfte rufen kann, wenn sich ein Fremder in die vertraute Umgebung verirrt. Wäre das ein Leben? Eben. Zum Leben gehört Risiko dazu.

*ich geh jetzt mal von der offiziellen Version aus, Für Verschwörungstheorien gibt es andere Blogs.

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Die fruchtlose Feminismusdebatte im TV

Gestern war wieder Genderpopender in der ARD bei “Hart aber fair”. Es war eine Diskussionsrunde aus der Hölle: die dauerbeleidigte Anne Wizorek, die postfeministische Sophia Thomalla,  die “Frauen sind doof”-Frau Birgit Kelle, der wandelnde Herrenwitz Kubicki und Frauenversteher Anton Hofreiter von den Grünen. Traumhaft. Nicht. Weil wieder alles durcheinandergeschmissen und geschrieen und gekeift wurde, dass danach garantiert nix bei rumkommt. Außer, dass wir uns solche Diskussionen echt schenken können.

Dabei wären sie notwendig. Denn natürlich ist es eine Sauerei, wenn Ärztinnen in einem Krankenhaus 15 Prozent weniger verdienen als Männer, klar gibt es eine Ungleichheit in vielen Bereichen. Und klar ist auch, dass wir Frauen dringend lernen müssen, unsere Rechte stärker einzufordern. Aber warum mixt man diese klaren Forderungen mit so wachsweichen wie “sexueller Belästigung”? Denn gerade eine so total subjektive Sache kann man nicht objektiv beurteilen. Wann und vor allem von wem sich eine Frau sexuell belästigt fühlt hängt nun mal extrem damit zusammen, ob ihr der “Belästiger” gefällt oder nicht. Der kleine, dicke Antänzer in der Disco ist eine Belästigung, der sexy Antänzer kann der Beginn einer rosa Wolke sein. Auch wenn beide das Gleiche machen, sagen und tun bedeutet das nicht, dass die Taten gleich beurteilt werden. Sagt Frau einmal, dass sie das stört, hat ein Mann das zu lassen. Danach ist es klar Belästigung. Aber einen “Angrabversuch” hat jeder Mann zu haben, weil er nicht wissen kann, ob er bei der Frau hop oder top ist.

Und dass wir Frauen Optik einsetzen, um uns Vorteile zu verschaffen, ist auch etwas, was in solchen Sendungen gern geleugnet wird. Aber es ist trotzdem richtig. Wenn eine Politikerin gut aussieht, sichert ihr das Vorteile gegenüber männlichen Mitbewerbern. Das ist einfach so. Wenn eine FPDlerin ihre Beine nicht zeigen wollte, würde sie keinen Rock anziehen oder sich als sexy Karate-Braut präsentieren. Nur: das macht sie nicht dümmer als Männer. Und es bedeutet nicht, dass sie nur an ihrem Aussehen gemessen werden will. Ich sage – die Frau, die das nutzt, ist schlau. Und wer wäre so blöd, freiwillig eine Waffe aus der Hand zu geben? Übrigens haben es auch gutaussehende Männer wesentlich leichter in Job etc.

Erst wenn Feministinnen wie Anne Wizorek zugeben, dass es auch sehr, sehr vorteilhaft sein kann, eine Frau zu sein, aber auch, wenn alte Reaktionäre wie Kubicki sehen, dass es immer noch große Ungleichbehandlung gibt, die es zu beseitigen gilt, dann kommen wir vielleicht an einen Punkt, an dem es sich lohnt, mit der Diskussion anzufangen.

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Ich fahre mal wieder auf die CeBIT

Früher war die CeBIT eine Pflichtveranstaltung, die echt jeder aus der Branche mitmachen musste. Und wollte. Es gab gigantische Stände, irre Messeparties, da war die ganz große Kohle am Start. Heerscharen von Menschen strömten durch die Hallen, nur um Goodies abzugreifen.Ich erinnere mich noch an die Messeparty eines chinesischen Herstellers mit Buffet. Die Mitarbeiter aus dem Reich der Mitte waren weder mit dem hiesigen Essen noch mit dem Konzept Buffet vertraut und luden sich wahllos Dinge auf ihre Teller, zum Schluss landete dann immer die Vanillesauce vom Dessert über dem Schweinebraten oder die rote Grütze verfeinerte den Leberkäse. Ich habe viel gelacht an dem Abend. Dieses Jahr ist China Partnerland, ich hoffe, mittterweile haben sies drauf mit dem Essen. (Aber sie haben es definitiv drauf mit den Goodies, die haben immer tollen Kitsch am Start)

Wenn man früher am Abend durch die Hallen ging, kam man von einer Party zur nächsten, teilweise mit prominenten Unterhltungskünstlern am Start, wichtigen Branchengesichtern unter den Besuchern und vielen Politiern am Buffet. Und was gab es nicht für Innovationen zu bestaunen: das erste Schnurlostelefon für daheim für schlappe 1700 Mark, den ersten Laptop mit nur 9 Kilo oder Disks, auf denen gigantische 50 MB Arbeitsspeicher drauf waren. Irre!

Das ist mittlerweile anders, die Messe ist immer noch wichtig, aber kein Pflichtprogramm mehr. Und gigantomanisch ist sie mittlerweile auch nicht mehr. Das sind Events wie die CES in Las Vegas oder die Veranstaltungen von Herstellern Apple selbst, die ihre Produktinovationen wie eine Messe auf dem Petersplatz inszenieren, ein quasireligiöses Erlebnis vor Jüngern und Gläubigern. Auf der CeBIT herrscht halt Realität: Lösungen für den Mittelstand, Digitaler Wandel, Cloudservices. Das ist wichtig, aber eben nicht so sexy wie einst die Produktnews von Apple oder Samsung live und zum ersten Mal zu sehen. Und wenn man genau hinguckt, findet sich durchaus noch einiges an spannenden Innovationen: In der Halle 9 ist alles “Research und Innovation” gewidmet. Mit “Turnmatten mit IQ” und ähnlichem. Ich werde dieses Jahr trotzdem mal wieder für einen Tag hinfahren, denn ich arbeite für Kunden wie die Telekom, da sollte ich schon schauen, was die so treiben auf der Messe. Die Telekom ruft das “Wirtschaftswunder 4.0” aus, zeigt alles, was die schöne neue digitale Welt bringen soll, von vernetzten Fabriken bis zum Supermarkt der Zukunft (der drüben, jenseits der holländischen Grenze, schon Realität ist, dort scannt der Kunde selbst). Die Zukunft war früher auch besser, im Jahr 1972 hatte das ZDF kühne Vorstellungen von unserer technisierten Zukunft, im Beitrag Richtung 2000 zeigte man eine hoch technisierte Zukunft mit nur noch 25 Arbeitsstunden, happy Pills und einem erstaunlich richtigen Kommunikationsverhalten

 

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