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Der schlimmste Schlager des Internets

Wer hat das verbrochen? Surfen, Surfen, Tag und Nacht auf der Datenautobahn” so besang das Quartett der “EuroCats” 1996 in der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix das Internet. Der Song “Surfen Multimedia” ist so unfassbar mies, dass ich mich echt wunder, dass er kein kultiges Meme ist bisher. Geschrieben hat ihn, wie könnte es anders sein, Ralf Siegel. Der war ja thematisch immer gerne am Puls der Zeit, der kannte sich voll aus:”du findest mich bei Email.” Äh, ja…anschauen, lachen, fremdschämen, weitersurfen. Und hier noch eine Ergänzung des Grauens: google di google da…schaut einfach selbst.

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18. Mai 2014 · 8:45 vormittags

Laut GEMA muss ich Geld bezahlen, um Musik empfehlen zu dürfen?

gemaJournalisten und Blogger schreiben über alles mögliche. Auch über Waren, wie Mode, Kosmetik oder neue Gadgets. Dinge, die andere Leute hergestellt haben und von denen sie hoffen, dass sie sich verkaufen. So ein Verkauf läuft vor allem dann super, wen Menschen davon erfahren, dass so eine Ware existiert. Ja, die Hersteller der Waren sind sogar bereit, Geld dafür zu bezahlen, dass andere darüber schreiben. Wenn Firmen dafür Geld fordern würden, dass jemand ihre, sagen wir mal, Lippenstifte oder Handtaschen bekanntmachen DARF, wäre das Gelächter groß.

Nur bei einer Ware soll das auf einmal alles ganz anderes sein. Der Ware Musik. Da hat offensichtlich niemand ein Interesse daran, dass das, was Menschen dort “herstellen”, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Niemand soll Musik kennenlernen dürfen, niemand darf sie anderen Menschen empfehlen. Denn hier sollen laut GEMA die Blogger und Verlage, die darüber schreiben, plötzlich Geld dafür bezahlen, wenn sie Videos und Musikdateien vorstellen.

Hä? Seid ihr alle wirklich so merkbefreit, dass ihr diesen Widersinn nicht checkt? Begründung ist, dass der “fremde” Content nicht sofort als fremd zu erkennen ist. Nein, er hat ja auch nur immer fett ein YouTube-Logo eingebettet. Ein Umstand, der vielen, auch dem Spiegel, unbekannt zu sein scheint.  Und vom Inhalt der Videos könnte man auch schliessen, dass es nicht der Blogger ist, der das darbietet.

http://t3n.de/news/gema-kosten-youtube-videos-526707/

Ich sehe in all diesen Aktionen (nennt mich Verschwörungstheoretiker) eine klare Linie: es soll das Erstellen von privatem Content auf Blogs, Facebook, Twitter oder Google+ so unsicher und schwer wie möglich gemacht werden. Es scheint nicht gewünscht zu sein, dass Blogger eine Konkurrenz werden zu den üblichen Medien. Sei es, dass die klassischen Verlage (zu Recht) ihre Felle wegschimmen sehen oder die Politik Angst hat vor Gegenwind im Netz. Wir sollen durch unsichere (und womöglich teure)  Abmahndrohungen am Posten gehindert werden. Das wird nicht funktionieren.

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Kawaiiiiiiii! Kawaiiiiiiiiii!

Kätzchen und Suppenschüsseln. Kätzchen in Suppenschüsseln, eine schlumpfmäßige Fassung des eh schon grauenvollen Beatlessongs Obladi-Oblada. Kreischende Japaner. Dies scheint eine Sendung des japanischen Fernsehens zu sein und ich muss gestehen, ich würde das lieber gucken als Dschungeltausch, the Biggest Bauer, Extrem Loser oder der Schwächste sucht Frau. Einfach ein Sender, der nur süße Tierformate zeigt, bei denen sich Tiere in Töpfe setzen. Quotenhit! (Kawai heißt übrigens niedlich auf Japanisch. Und Japaner finden alles Kawai, von Kätzchen über Louis Vuitton Taschen bis zum Oktoberfest)

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17. Januar 2014 · 8:45 vormittags

Irre Hobbits besingen den Hobbit

The Esgaroth Three ist, wie der Name schon sagt, ein Duo aus Neuseeland. Sie und ihre Freunde schauen nicht nur aus, als ob sie sich ihre Geld als Kleindarsteller im Herrn der Ringe verdienen, nein, sie sind natürlich die totalen Fans und besingen den Hobbit. Leicht kritisch, indem sie all das aufzählen, was im Film vorkommt und im Buch nicht “Who the hell is Tauriel?” (Was alle stört: Zauberer mit Vogelkacke am Kopf, zu viele Orks, zu viele Elben, die im Buch nicht vorkommen, zu viel Drama) Zum Schreien komisch, auch wenn ich nicht 100% alles verstehe (das wäre so, wie wenn ein Engländer Hubert von Goisern hört) . Und natürlich zitieren sie den bekanntesten Herrn der Ringe Song “They taking the Hobbits to Isengard“. Dazu hüpft eine vergessene Kommune Altachtundsechziger, die verrückte Katzenlady, little Miss Sunshine und diverse Ökos durchs Bild und man möchte unbedingt dabeisein.

Ich muss unbedingt nach Neuseeland – die Leute will ich alle kennenlernen. Danke @peter Wenz, ohne den ich dieses Juwel nicht gefunden hätte :)

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3. Januar 2014 · 5:38 nachmittags

Musik vom Müllkippenorchester

Ich hab heute irgendwie meinen Slumtag – aber ich kann euch diesen tollen Film nicht vorenthalten. Ich finde ihn inspirierend, aber auch sehr traurig. Leute, die in und von unserem Wohlstandsmüll leben, sollte es auf der Welt nicht geben. Aber es ist bewundernswert, dass die Leute nicht verzweifeln, sondern Wege finden, ihre Würde zu wahren.

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3. Dezember 2013 · 1:01 nachmittags

Herrenwitz auf Speed: Steel Panther sind Sex, Drugs und Spandex

Steel Panther im Gibson

Steel Panther im Gibson

Es war Ende der 80er, Anfang der 90er – ich trug ein “Kill your Idols”-Shirt, ein rotes Bandana oder manchmal eine Jeansweste oder Karohemden. Die perlentragenden Komilitoninnen vom kunsthistorischen Institut waren entsetzt. Aber das war mir egal – ich war nun mal Freund der Musik von Bands wie Guns’n’Roses, Motley Crue, Def Leppard, Poison, Twisted Sister und anderen Bands des Hair-Metals. Die Musik hat Spaß gemacht, die Klamotten haben Spaß gemacht, die anderen Fans haben Spaß gemacht. Ja, es war und ist uncool, Fan dieser Musik zu sein. Und?

20131105-134035.jpgWährend sich die anderen zu softer Lounge-Musik langweilen, packe ich immer noch lieber die Luftgitarre aus und hopse über einen Dancefloor. Es scheint vielen anderen genauso zu gehen, denn nur so ist der Erfolg von Steel Panther zu erklären. Steel Panther ist eine Gruppe, die wie durch ein Wurmloch aus der Zeit des Hair Metal gekrochen gekommen scheint. Spandex Hosen, lange Wallemähnen, unfassbare Bühnenoutfits. Und die Musik ist mindestens genauso hinterher. Da dröhnen und wimmern die Gitarrenriffs wie bei den Scorpions, da ruckeln die Bässe wie bei Motley Crue und der Sänger legt seine ganze Leidenschaft in Powerballaden vom Allerfeinsten. Nur: nichts daran ist echt.

Keine Frage, Steel Panther hat höchst talentierte Musiker, Gitarrist Satchel im besonderen, oder Sänger Michael Starr. Aber die ganze Band ist so etwas wie Amerikas Antwort auf Guildo Horn. Denn hört man genauer auf die Texte, die Sex, Drugs und Rock’n’Roll glorifizieren, wird einem schnell klar, dass da was nicht stimmen kann. “My cock is community poperty” ist kaum das Liebeslied, auf das Frau in romantischen Stunden hofft, oder “I like drugs but they don’t like me”, “Fat girl – thar she blows” sind auch nicht wirklich die harten Metalhymnen. Zwei Platten gibt es mittlerweile: “Feel the Steel” und “Ball’s out” – Message angekommen. Aber großartig. Saukomisch. Und guckt man genauer hin, sind die langen Haare nur Perücken, die Beulen in den Spandexhosen Socken. Es ist eine sehr…ähm…platte Form des Humors, ein bißchen wie ein vertonter Herrenwitz auf Speed, aber ich steh drauf.

Auf dem Weg zum Steel Panther Konzert - moi

Auf dem Weg zum Steel Panther Konzert – moi

Besonders genial ist das Ganze live, ich war mittlerweile zweimal bei Steel Panther und solche Konzerte sind selten geworden. So viel Spaß, Stimmung, Mitsingen und Rumblödeln mit den anderen Konzertbesuchern hat man sonst fast nirgends mehr. Sehr viele haben sich genauso aufgetakelt wie die Band auf der Bühne (ich auch). viele Mädels kommen sexy gekleidet, ziehen blank oder werfen Unterwäsche auf die Bühne (ich nicht) Ich bin im Februar in Köln sicher wieder da. Da kommt auch das neue Album raus “all you can eat”. Ich hätte jetzt gerne die neue Single daraus verlinkt, aber da hat die GEMA was dagegen. Ich habe auch bei der Pledge für das Album mitgemacht. Steel Panther tun was gegen die Konformität und die Langeweile – ein hehres Ziel, das ich gerne unterstütze. Keep on Rocking!

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Die Bottle Boys und ihre Bierflaschenpanflöten

Die dänischen Bottle Boys (bekannt aus Britain got talent”) haben sich den Soundtrack von Disney`s Arielle ausgesucht und erfreuen mit einer ganz besonderen Version von “Under the Sea“.

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7. November 2013 · 10:19 vormittags

Kein Glamour bei Glam in der Schirn

Glamour fehlt in der Glam-Ausstellung; holy Ghost Show, Foto Tim Köck

Glamour fehlt in der Glam-Ausstellung; holy Ghost Show, Foto Tim Köck

Was hab ich mich auf diese Ausstellung in der Frankfurter Schirn gefreut: Glam- The Performance of Style. Das war meine früheste Kindheit, aber etwas, was mir 40 Jahre lang im Gedächtnis hängen geblieben ist: Popstars in goldenen Plateaustiefeln, Laméanzügen mit Federboas, Zylinder, Samtjackets, lange Haare. Marc Bolan, Roxy Music,  David Bowie – das war großartig. Ich sass gebannt vor dem Fernseher und dachte mir “Wenn ich groß bin, will ich sowas auch tragen”. Als ich groß war, waren die 80er in und Glam war out. Und die Popstars standen bis auf wenige Ausnahmen in total öden Klamotten auf der Bühne. Bis auf Adam Ant und diverse Hairmettler, da bin ich auch sowas wie ein Fan gewesen. Die goldenen Stiefel sind irgendwann wieder in Mode gekommen, seitdem hab ich welche.

Jedenfalls gibt es jetzt zur Glamära eine Ausstellung in der Schirn. Nur ist da wenig vom Glam zu spüren, sondern die Ausstellung ist so dröge wie das Katerfrühstück nach dem Diskofasching. Die Deko ist noch da, der Zauber ist weg. Die Räumlichkeiten der Ausstellung sind toll, mit Glitzervorhängen, mit Warhols Heliumkissen im Lichthof und spieglenden Buchstaben. Aber die Ausstellung selbst ist dürftig. Gefallen haben mir die zwei (!) Bühnenkostüme, aber das wars auch schon. Es fehlt die Musik dazu, die dem ganzen Leben gegeben hätte, es fehlt an mehr Kostümen, man hätte Outfits der Fans der damaligen Zeit nachstellen müssen, nicht nur in Fotos zeigen. Wenn ich schon Fotos von Osmond-Fans zeige, will ich auch sehen, was die Osmonds getragen haben.

Man hätte die Partyathmosphäre einer Party in Warhols-Factory  nachbeleben müssen, mit Bodennebel, Federboas, und eben… Musik. Und Thema mit Gegenwartskünstlern wie Lady Gaga, The Darkness oder Daft Punk wieder hineinholen ins Jetzt. Es fehlen Bezüge in der Kultur, eine Einordnung. Ein paar Plattencover an den Wänden, ein schwarz-weiß-Video von Warhol und -immerhin – eine lasziv Banane essende Dragqueen, auch gefilmt von Warhol. Dazu alte Starmagazine und ein paar Schlaglichter auf die Kunstszene, bei denen ich nur bedingt einen Zusammenhang zu Glam herstellen konnte. Eine Transe macht noch keinen Glamour aus.

Genauso enttäuschend wie die Ausstellung ist der Katalog, der sehr lieblos gemacht ist und auch der läßt nichts spüren vom Spaß, vom Glanz der Zeit, es wirkt wie Jahrmarktsrummel bei Tageslicht. Traurig und elend. Schade um ein Superthema, das eine Superausstellung verdient hätte.

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Schräge Coverversionen – meine Sammelleidenschaft

HeinoIch habe ein ziemlich verrücktes Hobby: ich sammle schräge Coverversionen. Das mochte ich schon immer, Musik ist etwas wunderbares und wird noch viel wunderbarer, wenn man damit spielt. Es gibt Death Metal Versionen von Abba, Rockversionen von Disco-Klassikern wie “Stayin alive” und jede Menge Polkaversionen von Sex Bomb oder Bohemian Rhapsody. Wer Lust hat, sich mal in die Materie reinzuhören: Die Globay Kryner spielen Popklassiker als Version der Original Oberkrainer nach. Die Baseballs und Dick Brave verwandeln moderne Songs in den Rock’n’Roll der 50er Jahre, The King singt Nirwana im Elvis-Stil, die Popolskis machen polnische Polkas aus “Sex Bomb” oder Balladen aus “Cryin’ at the Discotheque”.  JBO mischt Rammstein mit Nicole,  Weird Al Jankovitch macht aus allem Polkanummern (Polka ist beliebt bei den Coverversionen). Otis Redding, Devo, Britney Spears und die Geilen aus Mallorca haben “Satisfaction” -Cover aufgenommen, die Version von Britney ist übrigens die schlimmste Coverversion, die ich besitze. Fürchterlich. Ich liebe es. Und bin damit nicht allein: ein Mann in München, Kalle Lahr, sammelt alle Versionen von LaPaloma, er hat über 2000 Stück, darunter sogar die Bahnhofsuhr von Ulan Bator, die das Lied spielt.

Und ein ziemlich durchgeknallter Konditor, mit dem ich meinen Geburtstag teile, teilt offenbar auch mein Hobby: Heino. Es war völlig klar, dass ich wirklich heiß war auf sein neues Album “Mit freundlichen Grüßen – das verbotene Album”, denn der Schlagerveteran covert dort moderne deutsche Hits von Rammstein bis Westernhagen. Das gelingt mal supergut, mal verheerend. Spaß macht es auf alle Fälle. Ich finde schon mal mutig, dass er das überhaupt startet. Was nicht stimmt: Er macht keine Volkmusik daraus, wie oft geschrieben wird. Nein. Ein Volksmusiksänger singt Rammstein. Es bleibt Rammstein und wird nicht mit Blaskapelle gespielt. Seltsam unlustig ist das Westernhagen-Cover “willenlos”. Das kommt so zackig daher, diese Willenlosigkeit nimmt man Heino nicht ab. Wirklich lustig ist “Junge” von den Ärzten, denn die doppelte Brechung nimmt dem Lied den einen Witz und gibt ihm einen anderen. Jetzt singt wirklich der spießige Vater selbst. Haus am See ist unschön mit zu viel rollendem Rrrrrrrrrrrrrrrrrr. Aber MFG von den Fanta4 hat was. Da wird die Kombination aus Schlageropa und Rap interessant, die Interpretation erinnert mich an die 70er mit “großen Samstagabendshows”, als Moderatoren Entertainer waren, die ihre Moderation gesungen haben. So klingt das.  Rammstein gewinnt mit Heino- wie so oft, wenn sich ein Sänger den Liedern der Band annimmt – und wird besser als das Original. Rammstein ist eine Band, deren Liveauftritte kaum zu toppen sind, die jedoch auf CD irgendwas Künstlich-peinliches haben in meinen Ohren. Und ich finde “Sonne” mit Heino ein wahnsinnig gelungenes Cover. Heinos Platte war für mich ein absoluter Pflichtkauf zum Erweitern meiner Sammlung und ich habe viel Spaß damit!

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Das Formatradio fordert ein neues Opfer

Schade, die Radioshow von Ali Khan gibt es nicht mehr. Sie wurde – als zu unangepasst, zu unkontrollierbar, zu originell aus dem Programm von Radio Charivari (Charivari heißt übrigens Katzenmusik auf französisch) verbannt. Ein Münchner Sender verliert damit ein echtes Münchner Original. Sowas macht mich traurig und wütend, weil bald nur noch der weichgespülte Scheißdreck die Ohren umsummt. Ich hab bei Ali gern reingehört, hab vor kurzem selbst ein Interview gegeben. 10 Minuten, live. Hat unglaublich Spaß gemacht. Machs gut, Ali. Ich bin sicher, nicht alle Programmchefs sind derartig bescheuert.

Ich erinnere mich noch an einen Stunt von Ali Khan im Fernsehen, als er mit einem Michael Jackson Double kurz vor der erwarteten Ankunft des damals noch lebenden Superstars im Hotel Bayerischer Hof eintraf und anstandslos mit Kamerateam in dessen Suite gelassen wurde, wo lebensgroße Plüschtiere warteten…Unbezahlbar entlarvend und komisch. Solche Leute mit solchen Ideen brauchen wir weiterhin in unserer stromlininienförmigen Medienlandschaft.

http://kingdomofkhan.wordpress.com/2012/12/25/ganz-staad-sei-ein-nachruf-von-ali-khan-uber-radio-fur-munchen-stadt-beliebig-einsetzbar-der-beste-mix-munchens-hitradio-slogan-frei-wahlbar/

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Radio killed the Musicstar

Wenn es ums Urheberrecht geht, geht es auch immer um die sinkenden Gewinne der Musikindustrie. Ja, es kann sein, dass durch Downloads der eine oder andere Euro nicht in den Taschen von Konzernen wie Universal, EMI, Sony BMG landet. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, warum diese Industrie nicht mehr so blüht wie es mal der Fall war. Wahr ist vielmehr, dass die Musikkonzerne seit Anfang der 90er lieber auf Gewinnmaximierung setzten denn auf wirkliche Kunstförderung, die sich die Produzenten so gerne auf die Fahne schreiben.

Der Anfang vom “Ende” war nämlich das sogenannte Formatradio. „Format“ bedeutet, dass Radiosender seit Einführung des Privatradios im großen Maßstab darauf setzen mussten, Werbung zu verkaufen. Und die wird dann sehr gut verkauft, wenn die Zuhörer nicht umschalten. Amerikanische Studien hatten ergeben, dass Leute bei einem relativ gleichförmigen, ihnen schon gut bekannten Klangteppich ohne Irritationen als Hintergrundgeräusch weniger leicht umschalten. Ein Computer errechnet dann diesen Einheitsbrei und den spielt der Moderator nur noch ab, nix mehr mit selbst aussuchen. (deswegen spielen Radiosender von Gruppen wie Queen fast nur Another One bites the Dust, weil dieses Stück vom Stil und Rhythmus besser zu den modernen Stücken passt). Statt einem Musik-enthusiastischen DJ gab es nun Computeralgorhytmen, die die Musikauswahl berechneten, um das Radio so langweilig und damit als Hintergrundgeräusch so angenehm wie möglich zu machen. So entstand der allseits verhasste Dudelfunk, der nur wenige Newcomer pro Woche zulässt. Und nicht nur das: es werden keine ganzen Alben mehr gespielt, sondern ausschließlich ausgewählte Hitsingles der Künstler.

Die Musikindustrie war somit ihrer damals größten Werbeplattform beraubt. Sie reagierte prompt (wir schreiben Mitte bis Ende der 90er): Weniger Experimente, mehr Geld in aufwändige Musikvideos als Promotion stecken, statt aufwändig produzierte Alben lieber Schnellschüsse mit zwei, drei Hitsingles und dem Rest Füllmaterial. Nachwuchsförderung? Ein Künstler, dessen Album nach der 2. Singleauskopplung noch kein Hit war, wurde wieder rausgeschmissen. Und man begann, Formatradio-gerechte Gruppen & Stars in größerem Maßstab zu planen und zu erschaffen. Boygroups, Girlgroups, berechenbare Castingkandidaten waren das zombiegleiche Ergebnis.

Pro Platte nur ein, zwei drei Hits, das fiel sogar dem Massenpublikum auf – die schnellen Schrottalben verkauften sich nicht so gut wie ehedem aufwändig produzierte Konzeptalben. Doch statt an dieser Schraube zu drehen, was riskant und teuer gewesen wäre, hatten die Firmen eine bessere Idee: Mitte der 90er entstanden die Sampler im großen Stil (Kuschelrock, Best of 95); damals wurden übrigens sie als Untergang der Musikindustrie gewertet.

Als das Internet mit seinen Verbreitungsmöglichkeiten und Vermarktungskanälen zu greifen begann, waren die Musikgiganten denkbar schlecht aufgestellt: relativ wenig Nachwuchsbands, wenig gut produzierte Alben. Außerdem konnten sich die Labels Sony, BMG Ariola, EMI und Universal nicht auf eine gemeinsame Vermarktungsplattform geschweige denn ein gemeinsames Preismodell einigen. So gab es nie die eine große Plattform, weil jeder maximal viel vom Kuchen wollte. Am liebsten jeder ein eigenes Kodierungsformat für die mp3s und nur der Verkauf des eigenen Backkatalogs.

Aber das Internet war auch erstmal relativ egal, außer es als Buhmann zu nutzen, konnte keiner damit so richtig was anfangen. Man wurstelte vor sich hin, gab ja noch MTV. Und erst als dieser Ast auch noch weggebrochen war und Apple mit iTunes Riesengewinne machte, entdeckte die Musikwelt mit voller Wucht, dass vermutlich Milliarden nicht in ihre Tasche wandern. Der einzig Schuldige war schnell gefunden: Raubmordkopierer. Doch das Kopieren der Musik ist nur die logische Konsequenz aus 20 Jahren kurzsichtiger Firmenpolitik, die immer den schnellen Euro vor die Produktion von Qualität gesetzt hat. Die GEMA tut ein Übriges, dass der Geldteufel immer nur wieder auf den gleichen Haufen scheißt und wieder bleibt sowas wie Nachwuchsförderung auf der Strecke. Die jetztigen großen Acts wie Justin Bieber, Adele, etc sind übrigens aus dem Netz gefischte Youtube-Stars, die sich selbst promotet haben, bevor es die Firmen taten.

Derzeit sucht man sein Heil übrigens in Liveauftritten – promotete früher ein Künstler sein Album über eine Tournee, ist es nun genau umgekehrt – es werden Alben produziert, um wieder touren zu können. Dass bei den Konzerten die Besucher auch lieber die alten, bekannten Stücke hören wollen, schließt den Kreis zum Dudelfunk.

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Der Mythos vom Umsonstnetz

Ganz ehrlich, wo kauft der Mensch lieber ein: in einem Laden, der schick ausgestattet ist, freundlich und hell, wo man auf einen Blick findet, was man will, die beste Auswahl hat, alles ist frisch, neu und unbeschädigt. Oder in einem muffigen Store, wo ein paar ranzige Ladenhüter einer einzigen Marke herumliegen, die auch noch ans Regal gekettet und völlig überteuert sind. Hm? Ja genau, in dem ersten Laden.

Und, liebe Rechtinhaber, dieser Laden ist der, der im Internet illegal ist. Wieso? Ja, das würden wir gerne von Euch wissen, wir Konsumenten. Wie kann das sein, dass man in der rechtlichen Grau-bis Schwarzzone alles bekommt, wonach das Herz begehrt, es leicht bekommt, ohne großes Brimborium. Wo hingegen im legalen Shop die Ware – so überhaupt vorhanden – so richtig mühselig zu suchen ist, zu entsperren etc.

Ich verrate euch ein Geheimnis: Wir würden lieber legal was kaufen im Netz. Jawohl. Wir möchten nicht, dass Künstler, die wir mögen, nichts verdienen. Glaubt mir, das ist so. Aber was wir auch richtig gerne haben, ist Bequemlichkeit. Ich bin sicher, die Kunden entscheiden sich immer fürs Beste, weil bequemste Angebot im Netz. Das macht Amazon und Apple so erfolgreich. Aber auch da gibt es Hindernisse. Das, was wir uns kaufen, gehört uns gar nicht so richtig, sondern kann nur auf bestimmten Geräten abgespielt werden. Und, wir müssen bei jeder gekauften DVD einen Monolog über uns ergehen lassen, wir wären Verbrecher. Wohlgemerkt, der Monolog und die Werbung (Vorschauen und Trailer genannt) kommen nur dann, wenn wir was kaufen!

Baut ein Portal, das wirklich frische Ware anbietet, kommt, gebt euch einen Ruck, es geht nicht mehr, mit us Serien 10 Monate später auf den deutschen Markt zu kommen, und tut euch zusammen, das Angebot nur einer Firma allein reicht nicht. Auch wenn dann mal die Konkurrenz erworben wird, beim nächsten mal seid ihr wieder dran, versprochen.

Und das letzte, ganz wichtige Element zum Erfolg: seid nicht so gierig. Eine CD oder DVD ohne Rohling, ohne Hülle und ohne Booklet, ohne Extras und alles, ohne ohne Vertrieb und Geschäftsmiete muss billiger sein als die reale Version. Wesentlich.

Denkt drüber nach – auch Kim Schmitz hatte Erfolg mit seinem Geschäftsmodell. All das Geld hätte euch gehören können. Wir hätten euch geliebt dafür – und ihr hättet vermutlich noch viel, viel mehr verdient als Kim Schmitz. Weil: wir möchten gerne legal kaufen. Hand aufs Herz.

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