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Alles Fake im deutschen Fernsehen?

Rosen für die große Liebe? Doch im deutschen TV findet man meist nur Gefaktes Foto:RTK

Rosen für die große Liebe? Doch im deutschen TV findet man meist nur Gefaktes

In Amerika haben sie bei Live-Shows eine 5sekündige Verzögerung bei der Übertragung, damit, falls mal wieder wem ein Busen aus der Bluse hüpft, schnell reagieren zu können und den Menschen vor dem Bildschirm dieses traumatische Erlebnis zu ersparen. In Deutschland dagegen wird die Zensurschere gleich viel früher angesetzt. Es wird getrickst und gescriptet, es wird sich totgecastet, damit eines am Ende garantiert nicht herauskommt: etwas Echtes.

Bei der “Bachelorette” wird aufgeschrien “alles Fake” und so ist es ja auch. Dieses Format ist von vorne bis hinten durchinszeniert, jeder spielt die Rolle, die ihm zugedacht ist. Auch wenn man das irgendwann nur noch besoffen durchhält. Auch die Bauern und ihre Liebsten bei “Bauer sucht Frau” sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Da wird schon mal ein Hof angemietet oder eine Dame, da hat wer einen anderen Beruf oder sogar schon Weib und Kind im echten Leben. Das Liebeswerben, die “Ideen” der Bauern, mit Picknick auf dem zum Herz umgeformten Misthaufen sind auf dem Mist der TV-Treibenden gewachsen. Damit wird das Ergebnis zwar unglaublich öde, aber es ist wenigstens handlebar für die TV-Redakteure und ihre Vorgesetzten, die sich vor Überraschungen fürchten wie der Teufel vor dem Weihwasser. Es könnte ja zu Entgleisungen kommen, da könnten die Zuschauer wegbleiben, oder – noch viel schlimmer – die Werbetreibenden, die sich eine möglichst berechenbare Umgebung für ihre Produktplatzierung wünschen. Deswegen muss alles so schick und glänzend und zuckergussübergossen wie möglich sein. Das Problem ist aber, dass, wenn negative Überraschungen ausbleiben, auch positive ausbleiben. Dass irgendwann ein Kandidat ganz unvorhergesehene Starqualitäten aufweist und die Zuschauer wirklich fesselt. Dass ein Format, eine Talkshow echte Emotionen zutage fördert. Dass ein Bachelor und eine Bachelorette mit all ihren gelackten Prinzen und Prinzessinnen tatsächlich die wahre Liebe findet (ja, sie auch nur sucht) glaubt mittlerweile kein Mensch mehr.

Und die Öffentlich-Rechtlichen? Ja, da wird auch auf Teufel komm raus beschissen, um sich bei seinen Gönnern in Politik und Wirtschaft einzuschleimen. Da kommt ein Beckenbauer von Platz 36 bei den beliebtesten Deutschen schnell auf Rang 9. Äh, ja gut, sicher. Auch hier wird alles dem Proporz angepasst und dem bescheuerten Glauben, dass Zuschauer lieber kuratiertes wahres Leben haben wollen. Nein. wollen sie nicht. Authentisch ist wesentlich besser, weil spannender als gescriptete Kackscheisse. Wie heisst es? “Das Leben schreibt die spannenendsten Geschichten”. Eben. Aber damit tut sich Deutschland schwer. Auch im Printbereich werden, wie eine Freundin von mir in ihrer Doktorarbeit herausfand, signifikant öfter mit hübschen Symbolbildern verziert und nicht mit den realen Protagonisten. In England ist ein Bericht zu “Love in Gambia” tatsächlich mit Muttis aus Birmingham bebildert, die sich schwarze Lover anglen, in Deutschland mit einem weißen Model in romantischer Umarmung mit einem schwarzen Model. Ich weiß, wie ichs lieber hätte. Echte Menschen, echte -emotionen, echtes Leben. Das ist so viel spannender als poliertes Drehbuch.

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Blackmail im TV – warum hat das noch keiner umgesetzt?

Es ist mir unbegreiflich – haben Endemol, Tresor TV, RTL, SAT1 total geschlafen? Diese Show wäre fieser als das Dschungelcamp, unterhaltsamer als der “Bachelor” oder “Joko und Klaas” und könnte Leute leichter in den Wahnsinn treiben als jede Enthüllungstalkshow oder “Bauer sucht Frau” und an alle niedrigen Instinkte appellieren. Mit anderen Worten, die Quoten wären unermesslich. Der Skandal – und damit die Presse – und damit wieder die Quoten – unglaublich. Der Spiegel würde bestimmt etwas total hippes und postmodern Ironisches finden, die Bild würde darüber keifen und genauso begeistert mitmachen. Die Sendung wäre bald Kult.

Es geht um Blackmail, eine Showidee von Monty Python aus den 70er Jahren. Die Idee ist bestechend einfach: das TV zeigt Ausschnitte aus kompromittierendem Material und die Leute müssen anrufen, um die völlige Veröffentlichung zu verhindern. Dazu kommt ein prominenter Gast mit Tüte über dem Kopf, die Zuschauer dürfen abstimmen, ob dessen pikante Details veröffentlicht werden oder nicht.

Erpressungsmaterial lässt sich ja leicht finden, im Internet oder von Exfreunden eingesandt. Oder aus veröffentlichten Polizeiberichten etc. Wäre vielleicht sogar hilfreich, um momentan den Jugendlichen zu erklären, warum es keine so gute Idee ist, Saufbilder ins Internet zu stellen.

Eine Moderatorin wie Sonja Zietlau kündigt die Beiträge launig mit lustiger Stimme an: “Hallo an Dennis aus Halle, du hast morgen ein Bewerbungsgespräch, nicht? Wenn du nicht willst, dass dein künftiger Arbeitgeber diese Bilder (zeigt auf verpixelte Großleinwand) sieht, ruf uns an – 50 Euro und der Job ist gerettet…”

Dazwischen dürfen Promis vergangene Sünden beichten und werden mit weiterem Belastungsmaterial konfrontiert.

Politiker dürfen ihre “Parteifreunde” mit fiesem Material aus der Konkurrenz um den begehrten Posten hauen…im Sinne der Transparenz ja sogar eine moralisch “hochwertige” Aktion.

Monty Python war da echt prophetisch. Und bei RTL druckt gerade ein Redakteur diesen Blogartikel aus…

Habt ihr auch noch geniale Ideen zu TV-Formaten, die es eigentlich geben müsste? Schreibt’s in die Kommentare.

 

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21. Juli 2014 · 11:48 vormittags

Hach, ist Armut romantisch!

Der Hotel-Slum in Südafrika Foto: Emoya Luxury Hotel and Spa

Der Hotel-Slum in Südafrika Foto: Emoya Luxury Hotel and Spa

Mir fehlen echt die Wort. Auf dem Blog Schlecky Silberstein (danke dafür) bin ich auf ein Hotel in Bloemfontein, Südafrika, gestoßen, dass eine Ohrfeige für alle Leute ist, die in Wellblechhütten hausen MÜSSEN. Das “Shanty Town” ist nämlich ein nachgebauter Slum, inclusive Erdmännchen, Ziegen und Außentoiletten, aber natürlich ohne Geziefer, Kriminalität und andere häßliche Dinge, die sonst so inbegriffen sind im echten Slum. Spaß für die ganze Familie wird versprochen, oder eine unvergessliche Hochzeit oder ein Teambuildingevent mit den Kollegen. Im Werbefilm stolziert dann auch noch eine nette Preppyfamilie (weiß), durch die malerische Armut.

Aber wenn es einem dann doch zu viel wird vom einfachen Leben – Shanty Town gehört zum Emoya Luxury Hotel and Spa, da kann der Elendstourist sich bei einer Hot Stone-Massage von den Strapazen erholen. Sehr “sensibel” das Ganze, wenn man sich die Geschichte Südafrikas so ansieht. Aber vielleicht sehe ich das auch nur als Außenstehende so eng, wie seht ihr das?

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Lord Voldemort – die neue Luxusmarke

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Louis Vuitton die Neuinterpretation seines Labels gefällt, ich finde es ziemlich witzig…gekauft hab ichs mir auf Fancy.com

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2. Dezember 2013 · 4:59 nachmittags

Bloggerrelations: macht es einfach

Als Bloggerin habe ich keinen Redaktionsplan, ich muss nicht jede Woche so und so viele Seiten füllen. Ich schreibe, was ich Lust hab, wann ich darauf Lust habe. Ich blogge nicht monothematisch, ich will keiner Firma verpflichtet sein, ich entdecke meine Themen selbst. Mein Blog hat keinen bekannten Namen. Und jetzt fängt das Problem an.

Ich stelle eine Anfrage. Zu einem Produkt, einem Bild, einem Sachverhalt. So wie ich das auch früher als Redakteurin getan habe. (wobei es oft immens mühsam ist, den Ansprechpartner zu finden, ich habe auch noch nie eine Webseite mit einem eigenen Bloggeransprechpartner gefunden) Ich erkläre brav, wie viele Zugriffe mein Blog hat etc. Einige Firmen, vor allem kleinere – reagieren ganz wunderbar und sind hilfsbereit, senden mir das angefragte Material ( zu meist Fotos oder Rezensionsexemplare) postwendend zu. Andere Firmen – meist die Großen, die mir bei der tz die Bude eingerannt haben – reagieren gar nicht. Das ist frustrierend für mich als Blogger, aber auch verständlich (leider) – die großen Firmen sind an den großen Bloggern interessiert. Oder an vielversprechenden Newbies. Nicht an multithematischen Gemischtwarenläden mit 500 Besuchern pro Tag wie dem Meinen. Dabei hab ich das Gefühl, als Bloggerin, die zudem über 3.300 Follower auf Twitter hat, mehr Impact zu haben als damals in der Tageszeitung.

Oder Presseabteilungen bieten mir gnädig an, mich in ihren Presseverteiler aufzunehmen. Das will ich aber nicht. Ich will nicht dauernd zugeballert werden mit vielen Pressesachen, von denen gerade die eine – eben die Angefragte – für mich interessant wäre.

Dabei könnte alles so einfach sein: warum bieten Firmen nicht einen Presse/Blogger “Raum“ an auf ihrer Webseite,  der freigegebenes Material enthält und auf den Blogger und Journalisten zugreifen können? Gibt es kaum. Dabei wäre der (vielleicht mit einem kleinen Einloggprozess) ideal für alle Beteiligten: Wir müssten uns nicht mühsam herumschlagen, die Firmen müssten nicht mühsam alles verschicken. Wenn es um Angst geht, was mit dem Material angestellt wird: jemand, der illegal Bildmaterial braucht, findet das überall. Und auf die Bitte, einen Link zum Artikel zuzusenden, habe ich auch noch nie mit “nein” reagiert. Im Gegenteil, es freut mich, wenn sich eine Firma für meinen Artikel interessiert.

Meine Erfahrungen helfen mir bei meiner täglichen Arbeit: Als PRlerin, die auch Bloggerelations betreibt, nehme ich jede Bloggeranfrage ernst. Das sollten alle anderen auch tun. ( Ich bin gelernte Redakteurin, hab mein Volontariat bei der tz gemacht. Ich bin seit langen Jahren PRlerin, und ich bin auch Bloggerin)

Der Beitrag nimmt an der Blogparade von Mike Schnoor zum Theme Bloggerelations teil: http://mikeschnoor.com/2013/10/23/aufruf-zur-blogparade-blogger-relations/

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Auch Frauen gucken…

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Doch, wir Frauen gucken…

“Frauen schauen bei Männern nicht so sehr auf das Äussere,” Höre ich immer wieder. Es mag sein, dass das bei der Partnerwahl gilt, wo Verläßlichkeit und Vertrauen im Vordergrund stehen. Aber Frauen haben durchaus ihren Spaß daran, ein schönes Exemplar der Gattung Mann zu betrachten (und gegebenenfalls auch abzuschleppen).  Jedenfalls gibt es ein wachsendes weibliches Publikum, das Filme wie 300 oder Thor angucken geht oder sich gerne “Spartacus” im TV ansieht. Nicht die Uraltversion mit Kirk Douglas, sonderen die neue, sexy Version, bei der es in jeder Hinsicht gut zur Sache geht. Knapp an der Grenze zum Softporno. Ne, es ist ein Softporno.

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…und Männer auch.

Ich wage sogar zu behaupten, ein Porno, den eine ehrliche Frau drehen würde, würde vermutlich ziemlich genauso aussehen wie Spartacus. Auch wir sehen einfach lieber schönen Männern zu als Häßlichen. Laut den Fernsehmachern richtet sich diese Serie jedoch an jüngere Männer. Allerdings kenne ich sehr, sehr viele Frauen, die das begeistert gucken. Und: Diese Serien wirkt nur auf den ersten Blick wie für Machos gemacht, auf den zweiten hat sie etwas durchaus Feministisches. Die wahren Herrscher im Haus sind eigentlich immer die Frauen. Sie bestimmen mit Ihrem Ehrgeiz und ihrer Lust wo’s lang geht. Und die Frau nehmen sich, was sie wollen. Jedenfalls die bösen Charaktere. Und die sind doch sowieso immer die eigentlich Spannenderen.

Könnte man jetzt abhaken unter “ist so – ja und?”. Aber ich finde es wichtig, dass mit vielen Vorurteilen aufgeräumt wird, was Frauen und Männer angeht. Wir Frauen sind keineswegs immer so die süßen Unschuldslämmer, wie Männer gerne denken. Immer noch kommt ein “Huch” wenn eine Frau erklärt, sie gucke gerne Pornos, wie neulich Scarlett Johansen. Die weiß auch, damit kriegt man entsetzte Medienberichterstattung – Hauptsache Berichterstattung. Und Männer sind nicht immer die Draufgänger. Wir Frauen kucken gerne einem knackigen Mann hinterher udn haben nix gegen Onenightstands, und viele Männer wollen gerne feste, romantische Beziehungen. Frauen haben Spaß an Actionfilmen, Männer heulen bei Romantikschmonzetten, Frauen können nicht kochen, Männer schon. Frauen wollen Macht, Männer an den Herd. Und alles umgekehrt genauso in veränderlichen Gewichtsanteilen. Und? Es ist völlig egal. Jeder Mensch ist anders, jede Frau, jeder Mann. Es würde uns allen helfen, wenn in den Medien und in den Köpfen mal Schluss gemacht würde mit den alten Klischees.

Sex an The City war am Anfang durchaus progressiv, verfing sich aber gegen Ende der Serie und vor allem in den Filmen in den veralteten Geschlechterrollen wieder. Weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf.

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Es weinen die Leistungsträger

Da steht er, der Hoeneß. Weinend. Weil er so viel für den Verein gemacht hat und damit für die Öffentlichkeit. Und jetzt sind alle so gemein zu ihm und verlangen sogar, dass er korrekt seine Steuern zahlt. Ich meine, wo kämen wir denn da hin, wenn jeder Freund des kleinen Mannes, wenn jeder Wohltäter da nicht irgendwie auch die gerechte Belohnung für seine Taten einstreichen dürfte in Form von weiteren finanziellen Vergünstigungen, die er natürlich nur für das Wohl des Vereins und damit der Allgemeinheit wieder weiter einsetzen würde. Hat er nicht mit seinem Spezl Alfons Schuhbeck alle Leute an den Wohlgeschmack seiner Würstl Teil haben lassen, indem er sie bei McDonald’s günstig verhökert hat? Hat er nicht für den Reichtum des FC Bayern gesorgt und damit ganz Deutschland einen Verein beschert, der ohne weiteres in der Weltliga mitspielen kann? Ist das alles nichts? Und da jammert diese Neidgesellschaft den paar lumpigen Steuermillionen hinterher?

Und der Herr Wulff ist beleidigt. Hat es nicht verdient, nach jahrelangem, mühsamem Aufstieg in der Partei, nachdem er sich alles verkniffen hat, nichts gegönnt, nur einmal eine junge, tätowierte Gattin, die nach dem Erfolgsverlust auch gleich abhanden gekommen ist? Da kann man sich doch einmal einladen lassen von seinem Freund nach Mallorca oder aufs Oktoberfest, da ist doch so eine Pause wohlverdient. Da darf man doch  mit der Vroni Ferres Billard spielen. Oder ist es verboten, wenn man sich einfach mal einen Bobbycar schenken lässt als Bundespräsident? Ich mein, wie soll man sich seinem Bobbycar auch leisten mit lumpigen 16.000 € im Monat?

Oder Tebartz van Elst ist traurig, denn Bischof sein ist schwer genug mit Zölibat und tagtäglich für seine Schäflein da sein. Da wird man doch mal mit Freunden in der Doppel-Badewanne entspannen dürfen, sich abends mit einem guten Glas Messwein und der Bibel in einen gemütlichen 30 Millionen € Bau zurückziehen dürfen, das muss drin sein, wenn das ganze Leben aufgeopfert wird im Dienst an Mutter Kirche.

Kein Wunder, wenn unsere Leistungsträger wie der Schumi,  der Harald Schmidt, der Thomas Gottschalk sich enttäuscht abwenden von dieser Neid-Gesellschaft Deutschland und lieber im Ausland wohnen wollen, wo man ihre Leistungen zu schätzen weiß und sie auch entsprechend mit finanziellen Zugeständnissen
ein bisschen versüßt. Und niemand gönnt es einem. Bitter ist das. Traurig. Schön, dass es so schöne Veranstaltungen gibt wie den Bambi, die es wettmachen und wo die, die es verdienen, gewürdigt werden. Wie Miley Cyrus oder Bill Gates. Oder Bushido letztes Jahr. Oder Hoeneß 2009.

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Unser Trikot ist häßlich

dfb-trikotGibt es das auch in schön? Gibt es das auch in sexy? Wer hat sich denn das neue Trikot für das DFB-Team ausgedacht? Das rote Streifendesign auf der Brust sieht aus wie ein verunglücktes Superheldenlogo auf einem kurzhosigen Kinderschlafanzug. Und dazu die Strümpfe mit dem Strapsartigen Steifenabschluss…gruselig. Das rote Streifen-Design soll die deutsche Flagge neu interpretieren. Die ist aber nicht Bordeaux-Umbra-Tomate,  sondern Schwarz-Rot-Gold.  Zudem soll das Design sexy sein und die Brustmuskeln betonen – äh, ja… Tut es aber nicht. Dass Designerin Jette Joop das Unding gelungen findet, spricht auch nicht unbedingt für das Design, die entwirft ja auch für Homeshoppingssender. Wie wäre es, mal einen echten Designkönner wie Lagerfeld oder Jettes Papa da ran zu lassen?

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Moseleck mon Amour

“Memories of Heidelberg sind Memories of you”, dieser schöne Schlager in einer beliebten Frühform des Denglischen erinnert an einen der lustigsten Abende, die ich je hatte. Ich sass mit Freunden, einem Künstlerpaar aus dem Bahnhofsviertel, diversen anderen Zeichnern, Lyrikern etc mal wieder in einem unserer Stammlokale, dem Moseleck. Eine Dame, die Haare in lebhaftem Schwarz, hatte Geld für viele Schlager  in die Jukebox geworfen und nutzte die Lieder für einen Karaokeauftritt, wobei die Dame fast jeden Mann im Raum zu einem Tänzchen aufforderte. Die meisten kamen schwankend der Forderung nach. Das Moseleck ist wie eine gute Party, man weiß nie, was passiert von 6 Uhr morgens bis 4 Uhr nachts.

Wir sitzen gerne vor oder im Moseleck. Das tun wir schon, bevor es ironisch cool geworden ist, Milieukneipen zu vereinnahmen und sich dort mutig und echt independent underground zu fühlen. Das machen auch im Moseleck immer mal wieder Leute, die von der Bergerstraße oder dem Westend runterkommen ins Bahnhofsviertel, um mal “was Authentisches zu erleben”. Aber meist bleiben die nicht lange in der Kneipe, in der das Rauchen noch erlaubt ist, sondern ziehen weiter ins Plank oder “Walon und Rosetti”, um dort besoffen auf der Strasse mit Bierflaschen zu werfen, was man sich im eigenen Viertel nicht trauen würde. Im Bahnhofsviertel glauben sie, das gehört dazu. Um hier mal aufzuklären: nein, tut es nicht.

Das Moseleck gibt es seit 113 Jahren, um 1900 wurde die Wirtschaft gegründet, fast so lange gibt es auch die Bäckerei Heidinger schon. Mehr Tradition geht nicht. Deswegen finden sich im Moseleck die Einheimischen wieder, am Samstag kommen die Fans der Eintracht, um auf der Großleinwand die Spiele zu verfolgen und nachher gemeinsam auf Sieg oder Niederlage anzustoßen. Andere Gäste spielen Dart, an der Theke ein buntes Gemisch aus Künstlern, aus Milieu und Bankern. Die Mischung kann durchaus explosiv werden. Manchmal wird es brenzlig, wenn etwa sich ein schwerer angetrunkenes Mitglied eines Rockerclubs in Gesprächsrunden einbricht, aber am Ende erzählt dann auch so ein Typ Anekdoten aus seinem Familienleben und seiner Zeit bei der Fremdenlegion – wenn man ihn respektiert und freundlich bleibt. Was mich so fasziniert, sind die Menschen, die man dort trifft und ihre Geschichten. Wer vorurteilsfrei reingeht, wird mit wirklich spannenden, tiefen Gesprächen belohnt. Im Tatort Frankfurt wurde die Kneipe zum Treff des übriggebliebenen Gesindels, dass auch um vier Uhr nachts noch einen Doppelkorn reinstellt, was sie nicht ist.

Das Moseleck ist 113 Jahre alt

Von sechs Uhr morgens bis 4 Uhr früh hat die Kneipe geöffnet

Zumindest nicht nur.

Es ist der Gegenentwurf zu den schicken gentrifizierten Kneipen, die jetzt im Bahnhofsviertel wie Pilze aus dem Boden schiessen, bevölkert von Hippstern in Schlumpfmützen, die dort teures Bier aus Flaschen trinken. Das kann niemand wollen, dass bald jedes Viertel aussieht wie das Nordend, wo sich Biobürgerbude an Biobäcker und Bioveganer reiht. Doch die Chancen stehen schlecht, es wird auf Altmieter komm raus luxussaniert, die Mieten an der Münchnerstrasse oder den Flussstrassen schiessen in ungeahnte Höhen. Ein grosser Äppler auf das Moseleck, solange es noch existiert.

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Hilflosigkeit erzeugt Wut. Wut erzeugt Hass

“This is a men’s world…” Und das ist leider wahr. Dass sich der “Wert” einer Frau nicht an ihrem Intellekt oder ihrem Charakter bemisst, sondern an ihrer Schönheit, können wir mal als gesetzt festhalten. Ebenso, dass Frauen es schwerer haben, im Beruf die Karriereleiter hochzuklettern. Dass Frauen jeden Tag damit konfrontiert sind, wie sie reduziert werden auf ihr Äußeres und ihre Eignung als Sexobjekt. Da ist jeder Kinofilm, jedes Werbeplakat und jede TV-Show Beleg dafür. Macht man als Frau darauf aufmerksam, wird man als frustrierte, ungevögelte Zicke beschimpft, die das gefälligst gut oder zumindest “ironisch” zu sehen habe. So weit, so scheiße.

Es ist klar, dass diese allgemeine doch recht frauenfeindliche Haltung die, die sich daran abarbeiten, richtig wütend werden läßt, dass sie laut werden und – ja, auch manchmal ungerecht. Weil es halt ermüdend ist, tagtäglich den gleichen Rotz als Erwiderung zu bekommen und zwar von Männern und Frauen und es wird denen, die gegen die “blöden Feministinnen” herumkeifen, schon mal der verbale Mittelfinger gezeigt. Verständlich.

Aber Wut und Hass machen auch blind. Jede und jeder sollte mal innehalten und reflektieren: gegen wen kämpfe ich da eigentlich? Kämpfe ich gegen die, die mir den Weg verwehren, die mich für minderwertig halten, nur weil ich optisch nicht ihren Erwartungen entspreche? Oder gegen jemanden, der mir zwar in Teilen zustimmt, aber eben nicht in allen? Und vor allem: Kämpfe ich mittlerweile mit den gleichen Mitteln?  Indem ich meine Gruppe herbeizitiere, die den gleichen gesellschaftlichen Druck auf meine “Gegner” aufbaut wie die Gesellschaft das mit Frauen macht? Es wird dagegen gekämpft, dass Frauen einem bestimmten Bild entsprechen sollen – wie kann man dann erwarten, dass andere Frauen genau dem Bild entsprechen, wie man es selbst gerne hätte? Denn durch den permanenten Widerstand haben viele Feministinnen schon auf Durchzug geschaltet und sind dann weder Argumenten noch einer Diskussion mehr zugänglich – was die wütend macht, die versuchen, nicht zu haten, sondern zu diskutieren. Deswegen hab ich mich zum Beispiel auch schon öfter zu einer abfälligen Bemerkung hinreissen lassen, obwohl ich den Feministinnen in weiten Teilen recht gebe – wohlgemerkt nicht in allen. Aber es wurde mir manchmal zu fanatisch, dogmatisch. Und reden war auch nicht drin. Und so schaukelt sich sowas manchmal hoch – beide Seiten sind verletzt, frustriert, wütend und werden unsachlich. Dabei gibt man sich zu 90Prozent recht. Das ist keinen Streit wert. Genausowenig wie die reinen Hater.

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Da fliegt dir die Werbung um die Ohren!

Die Bild-Titelseite vom 28.8. mit verdammt unglücklicher Bannerwerbung

Die Bild-Titelseite vom 28.8. mit verdammt unglücklicher Bannerwerbung

Firmen sollten derzeit aufpassen, wenn sie mit Begriffen aus dem kriegerischen Umfeld werben. Denn ganz fix vereint sich die Werbung mit dem äußerst explosiven Umfeld zu einer brandgefährlichen Mixtur, die niemand mit seinem Produkt in Verbindung gebracht werden will. Ford wirbt derzeit mit “Widerstand zwecklos” – und wird so auf der Bildwebseite Teil des Giftgas-Massakers.

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Deutschland wählt weiß – Ferrero gehts noch?

Deutschland wählt weiss Das ist echt alles, was mir dazu einfällt – der Spruch ist völlig daneben. Machs weg, Ferrero, die Kampagne ist zerkratzt.

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28. August 2013 · 8:36 vormittags

Hinter den Kulissen der Umfragen – 7% und mehr für Piraten

Seit Wochen liegen wir konstant bei 3 -4 Prozent in den Sonntagsumfragen. Trotz NSA und aller Skandale. Die Presse “wundert” sich und meint hämisch, wir würden nicht gewinnen mit dem Thema. Die Realität, die keiner schreibt, sieht aber anders aus und die großen Parteien samt der ihnen zugeneigten Umfragehäuser wissen das auch genau. In Wahrheit rechnen Union und SPD intern mit rund sieben Prozent für die Piraten im Bundestag. Deswegen auch das hektische Koalitionsgeschacher.

Woher die Diskrepanz zwischen veröffentlichten Umfragen und der Wahrheit liegt, liegt auf der Hand: Zum einen rechnen die Umfrageunternehmen immer die Ergebnisse der letzten Wahl mit ein. Zu diesem Zeitpunkt waren die Piraten so gut wie nicht präsent und hatten 2 Prozent bei der bundestagswahl und 0,9 Prozent bei der Europawahl. Das verzerrt schon mal. Und dann werden die Umfragen mit Menschen am Festnetztelefon gemacht. Das Piratenwähler kaum noch besitzen und nutzen. Und wenn man dann auch noch die Zielgruppe geschickt wählt, dann kann man sich von der Objektivität getrost verabschieden….So kommt es alles in allem zu Unsicherheiten bis zu 6 Prozent. Das ist bei einer wichtigen Wahl wie der Bundestagswahl eine ganze Welt. Die Stimmen für die Piraten werden nicht verschenkt sein, garantiert nicht. Warum die Zeitungen auf diese Tatsachen kaum hinweisen und alle Umfrageergebnisse für bare Münze verkaufen, verstehe ich nicht. Aber sie werden schon wissen, wieso…

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Danke für nichts, liebe Regierung!

Geht es noch dumpfer?

Geht es noch dumpfer?

Es ist abstoßend. Ein erregter Mann im pinken Polohemd schwallt was von “Kein Geld für uns” und begrüßt die Asylanten aus Syrien mit Hitlergruss.  Die anderen Protestierer johlen und fordern mit wütenden Gesichtern, dass das Asylbewerberheim verschwinden möge. Aber wen wundert das? Wird doch so eine Haltung latent gefördert.

Danke an unsere Regierung mit dem Supergrundrecht “Sicherheit”, eure Propaganda zieht. Mittlerweile sieht jeder in jedem Flüchtling aus dem nahen Osten einen potentiellen Terroristen, Vergewaltiger und Hassprediger.

Danke an die Regierung auch dafür, dass sie den rechten Rand immer aus dem Blick geschoben hat und sich geweigert hat, hinzugucken, als dieses widerliche Gedankengut wieder fröhliche Urständ gefeiert hat. Dass stattdessen NSU-Akten geschreddert wurden, aus Gründen, die ich mir nicht ausmalen will.

Danke an unsere Regierung, dass sie Bildung aus den armen Bevölkerungsschichten in Marzahn-Hellersdorf so weit heraushält, dass die ein offenes Ohr für diesen Nazi-Blödsinn haben. Und sie dafür lieber mit Dieter Bohlen und anderen Comedians auf RTL ruhigstellt.

Danke an unsere Regierung, besonders an den Koalitionspartner FDP, dass mit deren mitleidlosen “Leistung soll sich lohnen”-Ethik den Menschen mit Sozialhilfe echt dreckig geht. Aber dass die trotzdem nicht aufmucken, sondern noch Ärmere für ihr Dilemma verantwortlich machen. “Erst wir, dann die!” – wie wäre es mal: erst die Banker, die Hoeneße dieser Welt, die Firmen, die ihren Gewinn runterrechenen, bis sie bei 10 Prozent Steuern sind? Warum sehen die Leute nicht, wo “ihr” Geld tatsächlich hinwandert? Nämlich bestimmt nicht nach unten.

Danke an unsere Regierung, die weiter mit ihren Parolen Hass und Unverständnis schürt statt das, das notwendig ist: Mitleid. Die Syrer haben die Hölle hinter sich, Tausende von Toten in einem Land, dass ein einziges Kriegsgebiet ist. Vor 70 Jahren erst ist meine Großmutter mit meiner Mutter geflohen vor der russischen Armee, die Verwandtschaft tot oder im KZ inhaftiert, die wurden auch aufgenommen hier. 70Jahre ist es erst her! Vergessen ihr alle so schnell? Den Rest von der brauen Scheiße habt ihr doch auch nicht vergessen?

Danke dafür, dass ich mich schäme. Und dass ich wieder Angst habe, der Dreck könnte sich wieder ausweiten.

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Kein Glamour bei Glam in der Schirn

Glamour fehlt in der Glam-Ausstellung; holy Ghost Show, Foto Tim Köck

Glamour fehlt in der Glam-Ausstellung; holy Ghost Show, Foto Tim Köck

Was hab ich mich auf diese Ausstellung in der Frankfurter Schirn gefreut: Glam- The Performance of Style. Das war meine früheste Kindheit, aber etwas, was mir 40 Jahre lang im Gedächtnis hängen geblieben ist: Popstars in goldenen Plateaustiefeln, Laméanzügen mit Federboas, Zylinder, Samtjackets, lange Haare. Marc Bolan, Roxy Music,  David Bowie – das war großartig. Ich sass gebannt vor dem Fernseher und dachte mir “Wenn ich groß bin, will ich sowas auch tragen”. Als ich groß war, waren die 80er in und Glam war out. Und die Popstars standen bis auf wenige Ausnahmen in total öden Klamotten auf der Bühne. Bis auf Adam Ant und diverse Hairmettler, da bin ich auch sowas wie ein Fan gewesen. Die goldenen Stiefel sind irgendwann wieder in Mode gekommen, seitdem hab ich welche.

Jedenfalls gibt es jetzt zur Glamära eine Ausstellung in der Schirn. Nur ist da wenig vom Glam zu spüren, sondern die Ausstellung ist so dröge wie das Katerfrühstück nach dem Diskofasching. Die Deko ist noch da, der Zauber ist weg. Die Räumlichkeiten der Ausstellung sind toll, mit Glitzervorhängen, mit Warhols Heliumkissen im Lichthof und spieglenden Buchstaben. Aber die Ausstellung selbst ist dürftig. Gefallen haben mir die zwei (!) Bühnenkostüme, aber das wars auch schon. Es fehlt die Musik dazu, die dem ganzen Leben gegeben hätte, es fehlt an mehr Kostümen, man hätte Outfits der Fans der damaligen Zeit nachstellen müssen, nicht nur in Fotos zeigen. Wenn ich schon Fotos von Osmond-Fans zeige, will ich auch sehen, was die Osmonds getragen haben.

Man hätte die Partyathmosphäre einer Party in Warhols-Factory  nachbeleben müssen, mit Bodennebel, Federboas, und eben… Musik. Und Thema mit Gegenwartskünstlern wie Lady Gaga, The Darkness oder Daft Punk wieder hineinholen ins Jetzt. Es fehlen Bezüge in der Kultur, eine Einordnung. Ein paar Plattencover an den Wänden, ein schwarz-weiß-Video von Warhol und -immerhin – eine lasziv Banane essende Dragqueen, auch gefilmt von Warhol. Dazu alte Starmagazine und ein paar Schlaglichter auf die Kunstszene, bei denen ich nur bedingt einen Zusammenhang zu Glam herstellen konnte. Eine Transe macht noch keinen Glamour aus.

Genauso enttäuschend wie die Ausstellung ist der Katalog, der sehr lieblos gemacht ist und auch der läßt nichts spüren vom Spaß, vom Glanz der Zeit, es wirkt wie Jahrmarktsrummel bei Tageslicht. Traurig und elend. Schade um ein Superthema, das eine Superausstellung verdient hätte.

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Politisch – Unpolitisch?

Populismus? Kann ich...

Populismus? Kann ich…

Mir wurde neulich vorgeworfen ich sei unpolitisch. “Eine unpolitische Kandidatur”. Darüber habe ich nachgedacht. Meine Motivation, zu den Piraten zu gehen, war, dass es mir gereicht hat, als reines Stimmvieh behandelt zu werden. Ich wollte mitmachen, ich wollte, dass meine Stimme gehört wird. Es reicht nicht, zu schimpfen, wenn sich was ändern soll, muss man es selbst machen. Ich wollte Erklärungen, ich wollte mehr Transparenz, ich wollte, dass die Politik die Dinge angeht, die wirklich brennen. Und das ist nicht der Terrorismus oder die Autobahnmaut, dass sind die prekären Arbeitsverhältnisse, die steigenden Mietpreise und die kommende Überalterung der Gesellschaft.

Und meine Motivation zur Bundestagskandidatur war, unter anderem, zu zeigen, dass es möglich ist, auch als komplette Quereinsteigerin, die was ändern will, so eine Kandidatur zu erreichen. Ich dachte auch, ich darf mich nicht beschweren, wenn zu wenig Frauen da sitzen, wenn ich selbst nicht kandidiere.

Ich schreibe in meinem Blog hier oft vereinfacht, erkläre Dinge wir Überwachung so, wie ich hoffe, dass sie auch ankommen. Ich will nicht wieder eine von denen sein, die mit Fachchinesisch alle verschrecken. Das mag man populistisch nennen, ich nenne es Service. Denn ich will, dass die Leute wieder mitmachen, nicht resignieren. Sie sollen sich informieren, zum Wählen gehen. Und da darf die Bild nicht die einzige Quelle sein, die Sachverhalte einfacher erklärt. Denn die Bild steckt mit der Regierug unter einer Decke und schreibt schön, was immer die beschliessen. Ich erkläre die Sachverhalte einfacher an den Infoständen oder habe auch versucht, diese Denkweise in die hessische Pressearbeit einfliessen zu lassen, was mir leider nicht gelungen ist,.

Wenn ein Versuch, die Leute zum aktiven Mitmachen zu bewegen unpolitisch ist, dann bin ich das. Da aber Politik von “Polis”, Volk, kommt, denke ich, der Versuch, dem Volk seine Macht wieder bewußt zu machen, ist das Politischte überhaupt.

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Quatsch mit Sauce

Produktfoto von Knorr

Produktfoto von Knorr

Jetzt soll die Zigeuner-Sauce und das Zigeuner-Schnitzel umbenannt werden, weil sich Sinti und Roma damit diskriminiert fühlen. Und alle nicken ernst und sagen, wenn die “Betroffenen” das wollen, müssen wir die Sauce umbenennen. Das verstehe ich nicht. Warum sind die denn betroffen? Klar, wenn ich einen Sintí oder Roma “Zigeuner” nenne, ist das eine Diskriminierung. Aber warum identifizieren sie sich selbst mit dieser komischen Sauce? Das ist ein Fantasierezept mit einem Fantasienamen für eine Fantasiebevölkerungsgruppe, die es so nie gab. Der Name sollte damals, als er geschaffen wurde, Exotik vermitteln , etwas Besonderes, den Hauch von Fernweh. So wie die “serbische Bohnensuppe”, das “arabische Reiterfleisch” oder der “Toast Hawaii”. Wer Zigeunersauce bestellt, weiß, er bekommt eine Tomatensauce, leicht scharf, mit Paprikastückchen. Das ist ein fest eingeführter Küchenbegriff.

Auf keiner Flasche des Elaborats, das in Supermärkten erhältlich ist, sind Bilder von Menschen zu sehen, niemand muss sich von der Sauce persönlich angesprochen fühlen. Ich finde, hier geht die Empfindlichkeit und die politische Korrektheit zu weit. Da wird Energie und Goodwill verschwendet, der woanders besser aufgehoben wäre. Denn mit solchen recht sinnfreien Forderungen und Spitzfindigkeiten verprellt man die breite Masse, die bei den Forderungen nach politisch korrekter Benennung sämtlicher Dinge mittlerweile nur noch die Augen rollen. Lasst doch die Kirche im Dorf btw die Sauce beim Schnitzel.

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Von der Politikverdrossenheit der Wähler.

Eugène_Delacroix_-_Le_28_Juillet._La_Liberté_guidant_le_peuple“Ich mag nicht über Politik reden, wenn ich darüber nachdenke, werd ich immer wütend. Und machen kann man als Bürger ja eh nichts”. Das ist eine Antwort, die ich oft bekomme, wenn ich am Infostand oder im Freundeskreis ein politisches Thema anschneide. Und wirklich erscheint es auf den ersten Blick so, als ob die Poltik einem verschlossen ist: Wir können alle vier Jahre ein Kreuz machen. Danke, Beitrag geleistet, das wars mit der Politik.
Und es ist ja auch frustrierend, vor allem dann, wenn man sich an den Vorsatz gehalten hat und nicht darüber nachgedacht hat: Nach der Wahl tauchen die ganzen Monstren wieder aus dem See, da ist plötzlich die Eurokrise wieder da, die Altersarmut und die Steuererhöhungen, die vor der Wahl noch unter der Oberfläche gehalten wurden. Da kann ja dann keiner mehr was machen, wenn Mamas ruhige Hand vielleicht mehr dazu da war, allen die Ohren zuzuhalten.

Dennoch wählen viele die dann in vier Jahren wieder dieselbe Partei, “weil es ja eh niemand besser macht und uns die da oben sowieso alle verarschen”. Was irgendwie auch stimmt, denn sämtliche Wahlversprechen “mehr Netto vom Brutto” werden natürlich gebrochen…

Wann werden die Leute so wütend, dass sie endlich über Politik reden wollen? Dass sie sich nicht mehr verarschen lassen wollen? Und mehr, dass sie endlich dagegen auf die Barrikaden gehen? Warum bekommen wir keinen deutschen Frühling hin – mit BGE, mehr Transparenz und endlich Ehrlichkeit zur europäischen Union, die gerade völlig entgleitet? Was können wir tun, um mit unseren Themen und deren Wichtigkeit bei den Wählern anzukommen? Warum begreifen so wenige, was es bedeutet, wenn staatliche Behörden unsere Kommunikation überwachen? Dass über kurz oder lang die Wellen der Schuldenstaaten auch über Deutschland hereinbrechen werden wie ein Tsunami? Dass wir uns von Vollbeschäftigung verabschieden müssen und neue Lösungen zum demographischen Wandel finden müssen? Wann wird der Wähler sehen, dass auf Dauer die CDU/CSU/FDP nicht auf der Seite von uns normalen Menschen ist, sondern auf der einen winzigen Schicht Begüterter. Und nein, liebe Mittelschicht, dazu gehören wir nicht.

Da hätte ich gerne mal Antworten in den Kommentaren.

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Frauen sind immer die Looser – eine Instyle-Blattkritik

Frauen ab 30 sollten sich besser einen Hund zulegen

Frauen ab 30 sollten sich besser einen Hund zulegen

Was haben die Redakteure der Instyle eigentlich für ein Frauenbild? In der Augustausgabe 2013 sind unter der sehr irreführenden Rubrik “Beautyreport” zwei Frauenschicksale geschildert. Das von Sarah B, die bei ihrem totdrögen Mann bleibt, weil sie Angst hat, keinen mehr abzubekommen “Bei Frauen über 30 stehen die Kerle nicht mehr Schlange”, weiß sie. Darüberhinaus will sie Kinder, er nicht. Gut, dass die Instyle diese Geschichte von einer höchst “einfühlsamen” Psychologin namens Anna Schoch kommentieren läßt: “Opfer zahlen sich nicht aus, der verläßliche Mann ist mit einem Risiko behaftet. Eine Midlifecrisis mit 50 und schon wird Sarah gegen eine 20-jährige ausgetauscht. Sie könnte als kinderlose Frau verbittert und verarmt übrig bleiben.” Aha – wieso verarmt, die Frau ist doch berufstätig? Verarmt man ohne Mann?

Was soll die Frau dann machen? Am besten doch selbst ihren Mann gegen einen 20jährigen umtauschen? Doch auch das ist ganz, ganz falsch, wie die zweite Geschichte zeigt: dort verläßt Visagistin Liane, 42, ihren Mann für einen jungen Studenten. Der sie natürlich nach kürzester Zeit verläßt, während ihr Mann – natürlich – schon wieder eine andere hat. Streng geht Professor Schoch, die ungefähr so empathisch ist wie Leonhard Hofstetters Mutter, mit Liane ins Gericht: “Sie hat ihre Situation selbst verschuldet.”… immerhin hat sie einen Trost parat: “Mit 40 kann man noch eine Menge im Leben anfangen.”

Ich war von dem Artikel mild schockiert. Was ist das für eine Weltsicht, in der Männer immer die Gewinner sind und Frauen immer die Looser? Wieso denken die so derartig verzweifelt und desillusioniert über das Schicksal von Frauen? Spiegelt das eigene Erfahrungen der Redaktion? Wieso glaubt die Instyle, dass der langweilige Matthias mit 50 problemlos eine 20jährige Partnerin findet, während eine Frau, die 10 Jahre jünger ist, dankbar zu sein hat, wenn ihr Partner bei ihr bleibt und sie das gefälligst auch zu tun hat, weil sie sonst selbst schuld ist – weil nen Neuen abbekommen wird sie wohl nicht mehr? Was ist die Moral von der Geschichte, warum stehen diese Erlebnisse im Beautyteil? Weil nur Cremes und andere Alterungsverhinderer die Frauen vor dem sozialen Armageddon retten können und sie zumindest eine Weile so konservieren, dass auch der langweiligste Mann geneigt ist, bei ihnen zu bleiben, zumindest, bis was Jüngeres daherkommt. Denn passenderweise ist der Artikel umrahmt von lauter Antifaltencremes. Da bekommt man doch echt gute Laune…

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Pampe und der Veggie-Day

Beim Inder gibt es viele vegetarische Spezialitäten

Beim Inder gibt es viele vegetarische Spezialitäten

Was war das für ein Aufschrei (ja, ich weiß, der Tag ist populistischer Scheiß der Bild) – ein Tag ohne Fleisch! Zwangsweise! Am Anfang fand ich das lächerlich, weil es für mich nullkomma keine Zumutung darstellt, auch mal vegetarisch zu essen. Ich bin zwar Omnivore, ernähre mich aber meist von Gemüse. Und dann hab ich weitergedacht: denn das, was meistens als vegetarisches Essen angeboten wird in normalen Gaststätten oder eben in Kantinen ist mehr dazu angetan, jeden Vegetarier zum Fleischkonsum zu bewegen. Gruselige Pampfe undefinierbarer Gemüse, gräulich zerkocht. Fetttriefende Käsespätzle oder Ei mit Spinat als einzige “vegetarische” Alternative, fade Salate,  – nein, das regt nicht die Lust auf Gemüse an. Bäh.

Gemüse ist für die meisten noch immer einfallslose Beilage, gekocht im Wasser und mit einem Stich Butter angerichtet. Und nicht das was ich kenne und koche: eine schier unendliche Menge an wunderbaren Gemüsegerichten. Als Gratin, gebraten in der Pfanne, mit wunderbar würzigen Saucen, im Ofen gegarter grüner Spargel mit Kirschtomaten und Basilikum, panierte Portobello-Pilze, mit Quinoa, mit Couscous, mit Reis, mit Nudeln, in Tortellini gefüllt oder als Lasagne. Als indisches Linsencurry oder kurdische Suppe. Oder das Gemüse als Vorspeise in Kräutern mariniert, mit kleinen Stückchen Räuchertofu, die den Speck ersetzen können – ich schwöre, bei dieser Küche würde niemand auch nur einmal am Veggie-Tag sauer sein.

Ich würde mir von den Fleischessern mehr Neugier wünschen und von den Köchen mehr Kreativität – dann wird das auch was mit dem weniger Fleisch essen.

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