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JETZT LIKED DAS GEFÄLLIGST!!!!!!!!!!! Jan Böhmermann ist besoffen bei Facebook

Jan Böhmermann rantet übers Ranten. Der neue Trend der Promiproleten, je nach Ausrichtung nach links oder rechts die Spacken aller Fronten zu begeistern, wird in dem herzallerliebsten Song “ich bin besoffen bei Facebook” persifliert. Haben wir uns nicht Promis gewünscht wie die Stars in den USA? Die kompetent mit den Social Media Kanälen umgehen? Die ihren Ruhm und ihre Polularität nutzen, um gute Dinge zu bewegen? Na gut, die haben wir nicht bekommen. Wir haben wildgewordene Kleinbürger, die nur zufällig etwas besser aussehen als der Durchschnit und deswegen ihr Gesicht auf der Leinwnd und imTV zeigen dürfen. Wobei ich die Art von Til Schweiger, mit der Flüchtlingspolitik umzugehen, anfangs sogar richtig gut fand. Aber sich dann mit Sigmar Gabriel zu verbünden – nö. Echt nicht. Und was Joko Winterscheidt macht, das  ist nur noch Ausnutzen der eigenen Machtposition – sowas geht echt gar nicht. Insofern – Böhmermann rulez!

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20. August 2015 · 9:57 vormittags

Wir brauchen einen anderen Umgang mit Tod und Unglück

Auf der einen Seite war der Tod uns nie so fremd wie jetzt. Menschen sterben selten daheim, sondern meist gut abgeschottet im Krankenhaus. Es ist nicht mehr üblich, sich zu verabschieden vom Toten, der Sarg bleibt zu, viele wollen den “Toten in guter Erinnerung behalten”. Und es stimmt, der Tod verändert die geliebten Menschen. Ich persönlich fand es gut und wichtig, nochmal persönlich Abschied zu nehmen von meiner Oma oder auch von meinem Vater. Die Erinnerung wird immer bleiben, im Guten wie im Schlechten.

Auf der anderen Seite ist uns Leid und Tod so nah wie nie. Fremder Tod und fremdes Leid. Unsere Medien zoomen auf die verweinten Gesichter von Angehörigen am Flughafen, zeigen fassungslose Minen vor einem Autowrack, zeigen das unendliche Leid von Eltern mit ihren toten Kindern im Arm, überall  in den Krisengebieten dieser Welt. Mittlerweile untermalt von emotionaler Musik, werden diese Bilder inszeniert. So machen uns die Medien zu Voyeuren des Todes. Wir schauen die Abgründe, aber aus dem sicheren Abstands des eigenen TV-Geräts oder Rechners. Leid wird zum Clickbait für alle, die sich der morbiden Faszination von Destastern nicht entziehen können.

Wir brauchen dringend einen anderen Umgang mit diesen Themen, damit uns der Tod und das Leid derer, die uns nahestehen, wieder näher rückt. Und, ja, auch der eigene Tod (kein schöner Gedanke, ich weiß) – und wir müssen aufhören, die Medien zu ermutigen, immer noch näher an den fremden Tod zu zoomen und Angehörigen ungehörig nah zu rücken.

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Weil wir bei Musik-Comedy sind: Hier was von Fraktus und Spinal Tap

Es gibt ein Genre, das ich überdimensional toll finde: Mocktumetarys. Also Dokumentarfilme über Dinge, die es nie gegeben hat. Der Witz lebt davon, dass die Sachen zwar fiktiv sind, aber eben nur grade so haarscharf an der Realität vorbeischrammen. Man merkt den Filmen an, dass sie sind von Leuten geschrieben worden sind, die die wirkliche Szene enorm gut kennen und die nun alle erlebten Absurditäten in einem Film verarbeiten. In der Musik ist das bekannteste Mocktumentary “This is Spinal Tap” rund um die fiktiven Heavy Metal Band Spinal Tap. Die Band wird dabei auf einer immer glückloser verlaufenden Tour durch Amerika gefilmt.

This-Is-Spinal-Tap-006Sie streiten sich mit ihrer Plattenfirma über das sexistische Cover der neuen LP “Smell the glove”, mäkeln am Catering herum, müssen Begegnungen mit viel erfolgreicheren Kollegen meistern und natürlich – wir sehen die Bühnenauftritte, die auch nicht immer nach Plan verlaufen. Eigens für den Film wurden wunderbare Songs geschrieben, wie die “Rockoper” “Stonehenge”, das Liebeslied “Hellhole” und vieles mehr. Ich kann euch den Film nur ans Herz legen. This one goes up to eleven!

Nun hat mich mein Kumpel Andreas auf einen ähnlichen Film aufmerksam gemacht, “Fraktus”, ein Dokumentarfilm, der die Reunion der fiktiven Neue Deutsche Welle Band “Fraktus” zeigen soll. Die Band hatte sich aufgelöst, nachdem durch einen Kurzschluss im Theremin (!) die Halle Feuer fing. Der Film von 2012 ist großartig, nicht nur die Musik von “damals aus den 80ern” – die Songs sind perfekt imitiert und hätten, wären sie damals rausgekommen, gute Chancen gehabt, vorne in den Charts zu landen. Auch die doof-elitäre Haltung und die Outfits sind göttlich. “All die armen Menschen”ist ganz oben im Artikel verlinkt. Und wer die “Videos” von Fraktus sieht, fühlt sich den 80ern ganz, ganz nah. Aber auch das Genörgel und Gezänk, die verletzten Eitelkeiten und die peinlichen Interviews und der gefloppte Auftritt beim Festival, die ehemaligen “Stars”, die jetzt Optiker, gefrusteter Dance-DJ oder Hilfskraft im Internet-Cafe sind, geben präzise beobachtet wieder, was Musikredakteure manchmal so hinter den Kulissen erleben. Ich war ja damals bei dem völlig zerstrittenen Unheilsinterview von TicTacToe dabei und kann euch nur versichern, wir sassen komplett perplex im Saal und waren anfangs ziemlich sicher, dass gleich ein Typ von “Verstehen sie Spaß” aus den Kulissen springt. Erst als ein Bandmitglied heulend hinter die Mülltonnen flüchtete, und das geschockte Management hinterher, war uns klar, dass das gerade kein Witz war. So ähnlich geht es bei Fraktus zu. Extrem cool auch, dass die gesamte deutsche Musikszene mitmacht und den Einfluss der Band auf ihr musikalisches Schaffen schildert.

Wer Spaß an Musik hat, sollte sich beide Filme geben, diese DVD oder wo immer ihr sie herkriegt, sind Pflicht.

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30. August 2014 · 5:08 vormittags

Endzeitfilme – warum kommen sie jetzt wieder?

1980 kämpften die Russen in Afghanistan, Bomben erschütterten das von Israel besetzte Westjordanland, im Iran wurde Chomeini Staatschef und der kalte Krieg war noch sehr kalt. Die Grünen in Deutschland kämpften gegen die Bedrohung der Atomkraft, die damals riesig schien. Und ein Film kam in die Kinos, billig gedreht, aber unfassbar erfolgreich: Mad Max. Der Film hatte nicht nur zwei Followups, sondern brachte auch eine ganze Reihe von Nachfolgern hervor. Ein Held, gespielt vom jungen Mel Gibson, schoß sich als Ein-Mann-Armee durch diese Ödnis, half mal wieder wem, aber mehr so zufällig. Moral kann er sich nicht leisten und alle anderen auch nicht. So waren die Endzeitfilme, die eine Zukunft auf einer fast zerstörten Erde zeigten. Eine Ödnis, in der marodierende Banden und hoffnungslose Grüppchen um Wasser, Öl und andere Überlebensmittel kämpften. Damals erschien das gar nicht so abwegig, die Menschen hatten Angst vor der Zukunft. Mad Max wurde Modevorbild – ich würde behaupten, mit dem Film kamen die Combatklamotten und Camouflage zum ersten Mal in Mode. Mötley Crüe und andere Metalbands nahmen sich Mad Max zum Vorbild für ihre Bühnenklamotten.

Und nun kommt Mad Max wieder in die Kinos. Nicht mehr mit Mel Gibson, sondern mit Tom Hardy. Ich weiß nicht, wie gut die Neuauflage wird, aber den Trailer haben schon über 7 Millionen Leute gesehen. Ich frage mich, warum kommt jetzt ein Remake? Ist die Zeit wieder reif für Endzeitfilme? Die Zeichen der Zeit sprechen dafür: diverse Kriege erschüttern den Planeten und die Einschläge rücken immer näher vor unsere Haustür. Noch merken wir hier wenig, aber wie schnell ein Land im Chaos versinkt merken wir an der Ukraine. Die Träume von Frieden und einem Planeten im Wohlstand scheint ausgeträumt. Die Beziehungen zwischen Ost und West kühlen wieder merklich ab. In Afghanistan ist immer noch kein Frieden. Wir werden von paranoiden Regierungen überwacht und grundlos durchleuchtet. Vielleicht macht die Filmindustrie nur sichtbar, was in den Köpfen der Leute wieder herumspukt. Angst vor einer Zukunft, die nicht rosig ist. sondern so blutrot-kaputt wie die Mad Max-Welt. Wie seht ihr das? Ist es bloß ein Actionfilm oder der Ausdruck einer neue Zukunftsangst?

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Kung Fury versus Kung Führer

Ich möchte euch heute ein Fundstück aus dem Netz vorstellen, das bei den Nerds schon längst Kult ist. ein Karatekid aus den Achtzigern jagt Hitler, der auch Kung Fu kann, mit Hilfe von Wikingern auf Dinosaurieren und Walküren mit Metallbhs aus dem Fetisch-Dessous-Läden. Und einer Triüon-Zeitmaschine. Und Skateboards. Äh, ja. Diesen Film mit dem schönen Titel Kung Fury will ein schwedischer Regisseur David Sandberg realisieren, eine halbe Stunde soll der Trash dauern und weil sich für sowas leider kein Filmstudio findet, bezahlen es die Fans. Die haben seit Januar mittlerweile 630.000 Dollar via Kickstarter gesammelt, eine runde Million soll es werden.

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Der Regisseur spielt der Einfachheit halber auch die Hauptrolle. Mit rotem Rambostirnband und fieser 80tziget Lederjacke. Alles gruselig. Alles lustig und ich will’s unbedingt sehen. Nur eins: müssen eigentlich immer die Nazis mitspielen?

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2. Juli 2014 · 10:14 vormittags

Der Medicus und Monty Python in Marokkos Hollywood

Ich war ja letztes Jahr im “marokkanischen Hollywood”, Ouarzazate, einer kleinen Stadt, die man erreicht, wenn man von Marrakesch aus über die Berge weiter ins Inland fährt (so haben jedenfalls wir das gemacht, aber es gibt auch einen Flughafen). Dort wird alles gedreht, was mit Sand und Historie zu tun hat. Asterix und Cleopatra, Bibelverfilmungen, Gladiator, der Prinz von Persia, auch der Wüstenplanet Tattooine war hier zu finden. Ridley Scott drehte sein Kreuzfahrerdrama “Königreich der Himmel”. Und die Kulissen für diesen Film haben die Macher des “Der Medicus” jetzt recycelt und wiederverwendet. Der Film kommt am 25. in die Kinos.

Wer selbst auf den Spuren des Medicus wandeln will, dem sei ein Besuch in Ouarzazate empfohlen. Die Studios vom Ouarzazate ähneln sowieso einem Labyrinth historischer Bauten inclusive Sklavenmarkt, so dass jeder, der einen Historienschinken drehen will, eigentlich sofort loslegen kann. (Tipp für Y-Titty). Auf das Wetter ist dort Verlass, die Sonne scheint immer, die Kulissen des Gebirges und der nahen Wüste sind atemberaubend. Und wer will, geht in die alte Kasbah zum Drehen. Dort lebt auch Osama bin Laden, ein Gemischtwarenhändler, der als Kleindarsteller den Terroristen so oft spielen mußte, dass ihm der Spitzname geblieben ist. Vielleicht ist er auch im Medicus zu sehen? Mir hat es dort sehr gut gefallen, die Stadt ist kleiner als Marrakesch und viel weniger touristisch. Dennoch gibt es dank der boomenden Filmbranche dort genügend elegante Hotels und Unterkünfte und Restaurants, wo die Stardichte so hoch sein kann wie in Hollywood. Im Basar hatte ich meinen ersten echten Monty Python Moment, als ein Händler mir eine Tasche nicht verkaufen wollte, weil ich sie so billig fand, dass ich nicht handeln wollte. Das hat ihn in seiner Ehre gekränkt und ich musste anfangen zu feilschen. Ich habe aber keinen künstlichen Bart extra bekommen. Fand die Erfahrung, in einem absurden Sketch zu stecken, aber sehr unterhaltsam. (Monthy Python drehten aber in Tunesien, in Monastir)

Ich hab mich jetzt wieder an den Besuch erinnert und daran gedacht, dass ich dringend mal wieder dieses Land besuchen muss.

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Jesus liebt mich – nicht genug

Was hätte das für ein cooler Film werden können “Jesus liebt mich” von und mit Florian David Fitz. Der Mann gibt wirklich einen ziemlich überzegenden Jesus ab, das mal vorweg.  Die Idee, dass Jesus in der Jetztzeit auf die Erde kommt und kurz vor der Apokalypse nach dem Rechten sieht, ist nicht neu: zum Beispiel “The Second Coming” von John Niven handelt davon. Und da ist der Film auch wirklich witzig und stimmt nachdenklich, wenn er mit Skinheads, Bettlern und Hippies interagiert, wenn Jesus im Fernsehen sieht, was in Afrika abgeht. Meine Vorstellung: Jesus bei Occupy, Jesus diskutiert mit Wachturm-Verkäufern – das hätte ich sehen wollen. Aber lieber hat sich Fitz entschieden, aus dem Film eine gewöhnliche RomCom zu basteln, die Heldin (Jessica Schwarz) ist so wie in jeder romantischen Komödie etwas schusselig, romantisch, planlos, erfolglos und natürlich sehr hübsch. Jesus verliebt sich in sie,weil sie aussieht wie Maria Magdalena – echt, das ist alles, was es braucht beim Erlöser? Für ganz so oberflächlich hätte ich ihn nicht gehalten. Die Romantik mit Seeblick ist so inszeniert, wie eben auch Bauer sucht Frau Romantik inszeniert, mit rührseligem Song dahinter und jedes Klischee bedient.

Um sie herum die üblichen Knallchargen, aus denen selbst tolle Schauspieler wie Hannelore Elsner oder Henry Hübchen nix mehr rausholen können. Ich hätte gerne mehr erfahren über die Liebesgeschichte zwischen Erzengel Gabriel und der Hippiebraut. Ich hätte auch gerne mehr gewußt vom Teufel, der eigentlich immer eine dankbare Rolle ist, aber hier irgendwie ziemlich planlos rumkommt.

Es gibt witzige Einfälle, immer mal wieder: Die Begegnung mit Gott, Bergpredigt in der Pizzeria, wenn der Film hauptsächlich so gelaufen wäre, das hätte mir gefallen. Da wurde ein tolles Thema total verschenkt zugunsten alberner Lovestory. Sehr schade. Aber es ist ja noch nicht das Ende aller Tage…

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