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Wieso dich die Überwachung DOCH betrifft!

Piratisierer1375877387Bis jetzt ist das Gespenst NSA und Überwachung völlig abstrakt, Datenschutz erscheint als reines Nerdgeschwurbel. Eigentlich hat keiner Ahnung, warum das jetzt so fürchterlich sein soll, dient es doch der „Überwachung von Terrorverdächtigen“, dient dem Supergrundrecht „Sicherheit“ und ist leider, leider notwendig. Aber da man ja selbst nachweislich kein Terrorist ist, und nichts zu verbergen hat, braucht einen das ganze Überwachungsgelaber und der Datenschutz nicht zu interessieren, oder?
Ich werde jetzt mal versuchen, ganz konkrete Gründe aufzulisten:
Möchtest du wirklich, dass die Nacktfotos, die du mit der neuen Flamme aus dem Datingforum per Email tauscht, von mehr Leuten als ihm gesehen werden? Stell dir mal vor, er druckt die aus und zeigt sie seinen Freunden. Mir wäre das eine ziemlich fürchterliche Vorstellung. Genauso unangenehm, wenn NSA-Überwacher die sehen und speichern. Wieso, fragst du, sollen die das tun? Naja, vielleicht hast Du nichts zu verbergen, aber vielleicht steht dein Flirtpartner auf einer Fahndungsliste? Oder du hast Freunde, mit denen du oft kommunizierst und die überwacht werden – und du gleich mit dazu?
Möchtest Du wirklich, dass das Internet deine genauen Vermögensverhältnisse kennt? Tut es nämlich. Und reicht die alle an die Schufa weiter. Vor allem, wenn du gerne Payback etc verwendest, dann wird auch dein Konsum getrackt – und das kann teuer werden. Wenn du nämlich fröhlich dein Geld raushaust, dann kann ein Kredit für Dich teuer werden. Wer nicht spart, der muss höhere Zinsen für seinen Kredit hinblättern. Und eine Paybackkarte überwacht alle Konsumausgaben.
Möchtest du wirklich, dass deine Krankheitsgeschichte nachvollziehbar wird? Jeder neue Arzt weiß sofort, was dir mal gefehlt hat, von der Alkoholvergiftung als Teenie bis zum Burnout-Zusammenbruch im Büro. Und Ärzte vertrauen nicht dir, sondern anderen Ärzten – so konnte es auch kommen, dass ein Gustl Mollath immer weiter als „irre“ eingestuft wurde, mit ihm selbst hatte niemand gesprochen. War ja auch nicht nötig, gab ja Arztgutachten.
Möchtest Du wirklich, dass du plötzlich in eine Rasterfahndung gerätst? Dass bei dir zuhause oder dem Arbeitgeber deine Akten durchwühlt werden oder du Besuch zuhause von den netten Herren in Grün bekommst? Das passiert leichter, als du ahnst. Du könntest einen Freund haben, mit dem du öfter mailst und der etwas radikaler drauf ist. Reicht schon. Und plötzlich denken deine Nachbarn und Arbeitskollegen, du hast doch was zu verbergen.
Und, denk mal drüber nach, wie gut die Vorschläge sind, die Amazon dir macht. Passt doch immer ziemlich genau. Und die NSA und andere Überwacher haben noch viel mehr Daten von dir und bestimmt keine schlechtere Software als Amazon. Damit wird jeder ziemlich gut charakterisiert, seine Stärken und Schwächen durchleuchtet. Vielleicht bei dir wirklich egal, aber denk mal an Politiker oder Konzernchefs. Die sind dann viel leichter bestechbar und erpressbar, wenn man ihre Schwächen kennt.
Wenn du immer noch denkst „das hat alles nichts mit mir zu tun.“ Okay. Aber dann sag nicht, es hätte dich niemand gewarnt…

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Der Datenhamster Hans-Friedrich

DatenhamsterDer kleine Datenhamster Hans-Peter hat eigentlich immer Angst, dabei müßte er die doch gar nicht haben, sind doch laut seiner Aussagen ganz viele Leute schon dadurch gerettet worden, dass ganz viele Daten gesammelt wurden. Welche Leute durch welche Daten vor welcher Gefahr, das verrät der Hamster nicht.  Lernt das Tier doch besser kennen….

Ansonsten finde ich, besser als der Postillion kann ich eigentlich nicht ausdrücken, was ich so schrecklich an der Datensammelei finde. Die Satireseite beschreibt in einem  artikel, dass die NSA mit der Charmeoffensive kontert und alle besonders lustigen und peinlichen Funde der Überwachung öffentlich stellt. Das möge bitte jeder lesen, der meint, dass die Daten der NSA nicht mehr beinhalten als das, was Leute auf Facebook öffentlich stellen. Wer sich seriöser informieren will, kann das bei uns Piraten gerne tun.

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15. August 2013 · 7:55 vormittags

Wir sind alle Terroristen

Seit 2001 sind wir im Krieg – im »War against Terror«. In diesen zwölf Jahren hat sich die Welt sehr stark verändert. Wenn wir in den Urlaub fliegen wollen, werden wir durchleuchtet bis auf die Haut, wir dürfen keine Getränke mehr mitnehmen und wenn ein Hörgerät in einem Koffer ist, wird dieser zur Sicherheit schon mal gesprengt. In Bahnhöfen und Fußgängerzonen sind Kameras aufgestellt und über unseren Köpfen kreisen immer mehr Drohnen. Ebenfalls ein ganz großer Dorn im Auge der Law-and-Order-Vertreter ist das Internet. Um ein Mehr an Sicherheit zu suggerieren, soll auch hier unsere Privatsphäre auf der Strecke bleiben.

Durch die dauernd beschworene Bekämpfung des Terrorismus hat die Politik peu a peu das  Recht auf Privatsphäre ausgehöhlt. Der Staat will unsere E-Mails mitlesen und unsere Telefonate abhören. Private Kommunikation ist bei Facebook, Skype und Twitter unmöglich: alle dort eingestellten Informationen können von den jeweiligen Unternehmen gespeichert werden und unterliegen deren Richtlinien. Selbst deutsches Datenschutzrecht kommt in den meisten Fällen nicht zur Anwendung. Im besten Fall gibt es in Europa eine Zentrale in Irland.

Die Vorstellung, permanent vom Staat überwacht zu werden, ist für die meisten Menschen völlig abstrakt, sofern sie so etwas nicht bereits selbst zum Beispiel in der DDR erlebt haben. Jeder glaubt, dass er selbst nicht zu den Überwachten gehört und tut alleine schon die Möglichkeit, dass dies mit Computern vollautomatisch passieren kann, als Verschwörungstheorie von Paranoikern ab.

Aber es ist wahr: Unverschlüsselte Gespräche per E-Mail, in den sozialen Netzwerken und via Telefon sind öffentlich. Wir müssen jederzeit damit rechnen, abgehört zu werden – alles im Namen der Sicherheit und ohne, dass wir etwas davon erfahren. Die Gesetzgebung sieht immer öfter vor, dass eine Information an den Überwachten nicht erfolgen muss. Mitgescannt wird immer. Eine Liste von Wörtern wird gefiltert. Sagt oder schreibt jemand  eines dieser Wörter, vor allem in Kombination, wird genauer mitgehört. Ein Satz wie »Bombe, wie das hier abgeht, die Begeisterung sprengt jeden Rahmen« reicht bereits für einen Anfangsverdacht.

Viele fragen sich jetzt: »Ja und? Dann langweilt sich halt einer vom Verfassungsschutz mit den Mails mit meinem Exfreund.« Das Unbehagen der Datenschützer geht tiefer. Denn kombinierte Daten von EC-, Payback- und Kreditkarten, Handy, den sozialen  Netzwerken und den öffentlichen Überwachungskameras liefern ein umfassendes Profil jedes Einzelnen.  Und wenn der Staat reinhören kann, können sich auch andere draufschalten und die Daten womöglich missbrauchen. Eine 100%ige Sicherheit gibt es auch in der Datenverarbeitung nicht. Zum anderen ist es keine angenehme Vorstellung, dass der Staat pauschal alle Menschen unter Generalverdacht stellt, und so elementare Grundrechte ausser Kraft setzt, dass alle Menschen ein normiertes Verhalten an den Tag legen müssen, um nicht durch Zufall ins  Visier der Fahnder zu geraten, dass wir alle unsere Privatsphäre komplett offenlegen müssen für einen höchst vagen Terrorverdacht, dass wir gläserne Bürger sind vor einem Staat, der sich nur ungern in die Karten schauen lassen möchte.

Deswegen treten wir PIRATEN für mehr Privatsphäre ein und möchten, dass Privates auch wirklich privat bleibt – online wie offline.

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Datenschutz – Ziel ist der gläserne Konsument

„Wegen mir kann der Staat ruhig überwachen, ich habe nichts zu verbergen“, höre ich oft, wenn es um Datenschutz im Netz geht. „Ihr seid doch paranoid und hysterisch – wer will denn was mit meinen Daten anfangen?“ Viele Menschen glauben, dass, wenn sie keine kriminellen Machenschaften planen, der Datenschutz für sie keine Relevanz hat. Das Gegenteil ist der Fall. Es stimmt, der Verfassungsschutz ist vermutlich wenig daran interessiert, welchen Lippenstift man gerade gekauft hat, wann man wo arbeitet, welchen Urlaub man mit wem verbringt, welche Partei man wählt und welche Automarke man bevorzugt. Ob ich Dschungelcamp sehe oder Bericht aus Berlin, ob ich mir Marken leisten kann oder  meine Aldieinkäufe mit Jutebeuteln herumschleppe.

Aber die Wirtschaft liebt sie, ihre gläsernen Konsumenten. Umfragen werden unnötig, es lässt sich ja problemlos sehen, was geliket wird und was nicht. Und das eigene Verbraucherprofil wird so detailliert, wie ein delirierender Marketingmensch sich  das nur erträumen kann. Anhand von Twitter, Xing, Facebook, Foursquare, Onlineforen, der Teilnahme an Online-Gewinnspielen in Kombination mit Online-Einkäufen, Kreditkartendaten und Handy lassen sich fast lückenlose Konsumenten-Dateien erstellen und danach wird “passend” geliefert. Eine junge Frau bekam Proben für Babyausstattung ins Haus, bevor sie ihren entsetzten  Eltern die Schwangerschaft beichten konnte, Scheidungswillige bekommen Angebote von Anwälten. Auch die Schufa sammelt diese Dateien und setzt sie in Korrelation. Es kann durchaus sein, dass höhere Kreditzinsen beim Hausbau anfallen, wenn jemand ein netzbekannter „Big Spender“ ist. Denn nur ein solider Sparer garantiert eine solide Rückzahlung. Für mehr Risiko muss eben mehr gezahlt werden. Finanzamt und Sozialbehörden schnüffeln sich auch gerne durch die Kontodaten – erfahren tut der Kontoinhaber nichts vom uneingeladenen Besuch .

Augen auf auch beim Bewerben. Das Netz vergisst nicht und wenn dort gefundenen Daten nicht mit Xing-Profil und dieses nicht mit dem Lebenslauf übereinstimmen, dann ist es Essig mit dem Traumjob. So gut wie jeder Arbeitgeber gibt den Namen eines Bewerbers auf Google ein und schaut, was da so kommt – und da sind die berüchtigten Partybilder das geringste Übel. Favstar zeigt zum Beispiel beliebteste Tweets einer Person an, auch wenn man selbst sich nie bei Favstar angemeldet hat. Gesammelt wird trotzdem – und dieses Sammelsurium ist, wenn man mit Klarnamen twittert, auf Google prominent sichtbar.

Manche Facebook Apps fragen mittlerweile im Kleingedruckten ab, ob sie auch auf private Nachrichten zugreifen können, für noch mehr „Insights“  – auch bei Whatsapp kann dank Datenlücke jeder die privatesten Mails mitlesen. Da kommt bestimmt Freude auf, wenn der Ehemann die Mails an die beste Freundin mitliest, in der man von seiner Ehekrise erzählt…

Mittlerweile ist auch die Gesichtserkennung so weit, dass sie problemlos Gesichter aus den verschiedensten Winkeln sicher identifiziert. Diese Daten vervollständigen das eh schon sehr komplette Profil. Noch ist es Zukunftsmusik (in Amerika leider nicht), dass diese Gesichtsdaten mit denen aus öffentlichen Überwachungskameras abgeglichen werden – willkommen zur lückenlosen Überwachung. Und bald funken auch die Kleider – denn derzeit wird in Kleidung zum Tracken beim Transport ins Geschäft ein Sendehologramm mit eingearbeitet, das es erlaubt, gekaufte Waren zu identifizieren. Es ist mittlerweile von Bekleidungsketten ein Scanner angedacht, der bereits gekaufte Waren beim Eintritt ins Geschäft wiedererkennt und gleich passende Angebote vorschlägt.

Kritisch zu sehen ist auch die Tendenz, Daten zu bündeln: die Gesundheitskarte, der elektronische Personalausweis, da laufen viele extrem sensible Daten zusammen, da wird zusammengefügt, was eigentlich nicht zusammengeführt werden soll – die Gefahr des Mißbrauchs ist zu groß.

Soll man sich deswegen bei den sozialen Netzwerken abmelden? Nur noch mit Bargeld zahlen? Keine Payback-Karten verwenden? Kein Handy benutzen? Nie mit Klarnamen twittern und keine Fotos online stellen? Wer wirklich keinerlei Spuren hinterlassen möchte, ja, dann ist das unumgänglich. Alle anderen müssen akzeptieren, dass jede Bewegung im Netz Spuren hinterlässt oder jeder elektronische Zahlungsvorgang über Kaufgewohnheiten informiert. Jeder muss sich überlegen, was ihm das wert ist. Daten sind ein wertvolles Gut und die Währung der kostenlosen Netzwerke. Facebook ist ein Walled Garden, wer dort hineingeht, akzeptiert die Hausordnung. Und die ist nicht ohne. Also lieber weniger Apps zulassen, bei Gewinnspielen nicht mitmachen, das Kleingedruckte lesen, auch wenn es lästig ist, schauen, auf was zugegriffen werden darf. Und solche Sachen wie Payback-Karten lieber sein lassen. Sonst ist man am Ende der Doofe, der seine Rabatte mit einem teuren Kredit bezahlen muss.

Am 28. Januar ist nun wieder Tag des Datenschutzes, der Tag, der zur Sensibilisierung da ist und dazu, daran zu denken, dass die eigenen Daten durchaus was wert sind und es immer wen gibt, der sich dafür interessiert.

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