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Liebe Hersteller: PASST UNS NICHT!

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sollen Selfies von Frauen über Größe 40 immer so aussehen?
Ich hab mal eine Umfrage unter meinen wunderschönen Freundinnen erstellt. Die sind von Größe 36 bis 50 – alles dabei. Und doch gleichen sich die Aussagen…

“Klamotten, die weiblich aber bequem sind. Ich hab immer das Gefühl, es geht nur entweder oder.”

“Pullover die weder Sack noch Presswurst sind. Blusen, deren Armausschnitt klein genug ist, Arme heben zu können, ohne das ganze Oberteil mit hoch zu ziehen. BHs in Körpchengröße >D, die NICHT gefüttert sind”

“Gut sitzende BHs in allen Größen, echte Mangelware in Dtl. (verglichen mit England oder USA)”

“Mal was für “Kurven” denn Kurven bedeutet nicht “fett”. Mit schmaler Taille aber viel Hüfte hat man aktuell verloren.”

“Nur weil ich schwerer werde, werden weder meine Arme oder Beine länger oder meine Schultern breiter”

bezahlbare, schöne, bequeme Kleider, die weder nach Bank, Cocktailparty noch Kittelschürze aussehen & nicht aus Plastik sind.

“Oberteile in die meine Oberweite passt. Oft auch bei Jacken & Co nen Problem.”

“Dezent klassisch Business-geeignetes in Übergrößen (ohne schreiende Blumenmuster)”

“Schlaghosen, BHs ohne Bügel, Bikini-Hosen die den Hintern auch bedecken und nicht wegrutschen, Pullis und Blusen für breite Schultern…”

“Trenchcoats, die feminin geschnitten und tailliert sind und trotzdem den Po bedecken / gut sitzende Jeans, die nicht hinten wegklaffen und vorne knapp unterm Hüftknochen enden.”

In anderen Worten: Das Zeug sitzt nicht gut. Es ist geschneidert nicht für reale Personen, sondern für eine imaginierte Zielgruppe ohne Busen, ohne Hüften, mit exakt gleich langen Armen und Beinen. Dazu nicht so, dass es schön und praktisch zugleich wäre. Die Bekleidungsbranche sollte sich mal ein Vorbild an Coco Chanel nehmen: die hatte in ihrem Atelier einen kleinen Anlauf und eine Stufe in Höhe der Pariser Strassenbahneinstiege. Damit testete sie jeden Rockschnitt und jedes Kleid auf Alltagstauglichkeit. Ich frage mich, ob derzeitige Designer wissen, was eine Strassenbahn überhaupt ist.

Oder: Jeans. Die derzeit coolen enden irgendwo rund um den Hüftknochen, da, wo bei den meisten Frauen ein kleiner Bauch- und Hüftgoldansatz ist. Ja, auch bei denen in Größe 36. Das hat die Natur so vorgesehen, wenn man jenseits der 23 ist. Das gilt auch für Slips, die dann aufs Allerungünstigste diese Speckrolle betonen und in unvorteilhafte Szene setzen. Da gibt es zwar Abhilfe bei Levis, die mit verschiedenen Kurventypen (Curve ID) der weiblichen Figur Rechnung tragen. Funzt bei mir perfekt, in 30 sitzen die wie hingenagelt. Aber Freundinnen, die was Größeres bräuchten, sind damit wieder geleimt.

BHs. GAAAAAnz trauriges Kapitel. NEIN: ab Größe C brauchen wir keine Extrempushups mehr. Dafür guten Halt und trotzdem sexy. Nicht alles mit Bügeln und Masse Watte, komischerweise ist die Natur sehr freundlich zu uns und es hängt noch nicht so, dass alles miT Drahtkorsetten gestützt werden muss. Warum ist es in England und den USA möglich, gut geschnittene, günstige Bhs zu bekommen und bei uns nur für viel, viel Geld?

Woran liegt es? Zum einen daran, dass viele Firmen aus Ländern kommen und in Ländern produzieren lassen, wo Menschen kleiner sind. Oder es wird aus Kostengründen einfach von 36 hoch gerechnet – dass das nicht funktionieren kann, sollte allen klar sein. Und: die Hersteller nehmen uns deutsche Frauen als Zielgruppe nicht ernst. Die denken: “wichtiger Markt, Deutschland, aber die Frauen da, kannste vergessen. Die laufen in häßlichen Freizeitklamotten rum und denen ist egal, ob ihnen das Zeug passt oder nicht. Brauchen wir nicht drauf speziell eingehen, die kaufen uns unseren Scheiss so oder so ab, und sehen halt damit aus wie Seekühe.”

Und das dürfen wir uns nicht länger gefallen lassen. Jedesmal, wenn in Läden nichts in unserer Größe da ist, müssen wir das sagen. Laut nd deutlich. An die Hersteller schreiben oder von mir aus die BHS vor den Geschäften verbrennen. Aber wir dürfen uns nicht länger verarschen lassen. Dann ändert sich nie was. Ich war letztens bei Hunkemöller, die mit “entdecken sie den perfekten BH” werben, und alle großen Größen (mehr als C/D gibt es eh nicht) waren ausverkauft. Die Verkäuferin meinte “wir sagen immer, wir brauchen mehr, aber das wird ignoriert.” Na, danke.

Mein Vorschlag: Wenn euch der Text aus der Seele spricht, verbreitet ihn weiter, schickt ihn an die Hersteller, an die Boutiquen und Onlinehändler. Schreibt hier in die Kommentare Boutiquen und Hersteller, die es ernst mit uns meinen. Wie sollten unser Geld nicht an Sachen verschwenden, die uns nicht passen und nicht gefallen und die nicht für uns und unsere Bedürfnisse gemacht sind.

WIR LASSEN UNS NICHT MEHR WEITER SCHLECHT BEHANDELN!

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Lonnet – das etwas coolere Beanie

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Mein “Lonnet” ist aus hellgrauem Wildleder und ich liebe es sehr

Ich wollte euch ja schon länger mal von den tollen Beanies meines Freunds Lorand Lajos erzählen. Die sind nicht aus Wolle oder Stoff, sondern aus einem viel cooleren Material: Leder. Deswegen auch der Name – “Lonnet” ist eine Mixtur aus Bonnet (Haube) und Leather. Es gibt sie in diversen Farben und Styles, ich mag meine graue Wildlederkappe sehr, für Männer finde ich schwarzes Leder cooler. Ich trag sie immer so, wie oben auf dem Foto, aber man kann das Teil auch wenden und als Turban tragen – nur steht mir das leider gar nicht. An anderen sieht sowas unfassbar glamourös aus.

So sieht die Lonnet als Turban aus

So sieht die Lonnet als Turban aus

Mittlerweile gibt es einige Promis, die sich ein Lonnet geschnappt haben, darunter Model Franziska Knuppe oder Goth-Sänger Ville Valo. Die Teile gibt es ab 98 Euro – dazu Special Editions aus Schlangenleder oder mit Strass und Nieten verziert. (alles fair hergestellt)

Der Münchner Stylist, Künstler und Designer Lorand Lajos hatte einen Auftritt bei Fashion Hero, nur waren seine Entwürfe zu ausgefallen für die drögen “unverkäuflich” Einkäufer auf Pro7. Seine Lonnet-Kappe hätte ihnen bestimmt gefallen…

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25. November 2013 · 12:12 nachmittags

I want my Earth back – mit einem Earth Bag!

Der Earthbag ist nachhaltig hergestellt, und sehr funktionell: Mal Messengerbag, Rucksack oder Shopper!

Der Earthbag ist nachhaltig hergestellt und funktionell: Rucksack, Beachbag oder Shopper!

Leute, ihr macht mich glücklich. Ich bekomme jetzt immer häufiger Tipps und Hinweise auf Projekte, die die vorhandenen Mißstände ein wenig besser machen wollen. Logisch, dass ich die alle nur allzu gerne mit euch allen sharen will. Danke an die Hinweisgeber, die meinen Blog lesen, danke an die, die mitlesen und vor allem mitmachen.

Jetzt hat mich eine Mail von Jung-Designer Giang Phan erreicht, der auf nachhaltige Produkte setzen will: “Ich möchte zeigen, dass es auch anders geht. Dass man Produkte schaffen kann, die sowohl äußerlich als auch innerlich schön sind. Das heißt für mich konkret: Produkte sollen fair und sozial hergestellt werden. Erst dann ist für mich ein Produkt SCHÖN.” Ein hehres Ziel, dabei helfe ich gerne mit.

Die Designer setzen die Tasche gut in Szene

Die Designer setzen die Tasche gut in Szene

Auf der Crowdfundingplattform “Startnext” für kreative Projekte stellen Giang Phan und sein Freund Bastian ein ziemlich cooles Produkt vor, den Earthbag. “Sie ist Rucksack, Umhängetasche, Shopper oder BeachBag. Und sie ist eine Tasche mit Botschaft “I WANT MY EARTH BACK” – Die Zeit ist nämlich reif, um etwas an den unfairen und umweltschädlichen Produktionsbedingungen der Textilindustrie zu ändern. Mit diesem Projekt möchten wir einen ersten Schritt in Richtung fairer Produktion und weg von schnell produzierter Massenware machen. Wer braucht schon 4 Taschen, für die Material und Ressourcen verschwendet werden, wenn man alles in einer haben kann . Wir haben die Elemente Nachhaltigkeit, Design und Funktionalität perfekt in Szene gesetzt – denken wir zumindest. Nämlich mit unserer EARTHBAG”, so Giang. Ich teile die Meinung – die Tasche ist multifunktional, man hat vier Taschen statt einer, sie wird mit fair produzierten Stoffen fair hergestellt. Und ziemlich gut aussehen tut sie auch noch. (Auch ein toller Trend – Gutes wird immer schöner). Wie bekommt man sie?  Indem man beim Crowdfunding mitmacht, mit 90 Euro ist man für einen Earthbag dabei, ab Februar wird das gute Stück dann geliefert, wenn die Finanzierung klappt. Mit 15 Euro bekommt man immerhin einen Jutebeutel.

Ich finde die Idee toll und will euch die Tasche ans Herz legen – vielleicht wäre das ein Geschenk (als Gutschein) zu Weihnachten, mit dem wir beweisen könnten, dass auch fair gehandelte Produkte eine Chance haben und wir nicht nur billig, billig, billig wollen. Wer mehr zum Projekt, alles zu Design und Philosophie, aber vor allem auch zu Anbau, Herkunft, Herstellung erfahren will, der klicke bitte hier. 

PS: Ich bekomme kein Geld dafür, für Projekte wie dieses zu werben, sondern ich stelle nur vor, was ich persönlich gut und unterstützenswert finde.

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Von schwäbischen Jungfrauen und Sisis Bettwäsche

schwabischeIch liebe alte, traditionelle Handwerkskunst. Handgemachte Ledertaschen, Kleider vom Schneider, Hüte von der Putzmacherin oder echte, gestickte Servietten und Bettwäsche. Viel davon ist bei uns selten geworden, weil nur noch wenige sich diesen Luxus leisten wollen. Aber in einer traditionsbewußten Stadt wie Wien ist davon noch einiges zu finden. Eines dieser wunderbaren Geschäfte ist der kleine Laden am Graben 26 “zur schwäbischen Jungfrau“. Ich bin rein, um einfach zu fragen, was es mit dem Namen auf sich hat, außerdem gefiel mir das Werbeschild. Eine reizende und unglaublich kompetente Verkäuferin namens Astrid erzählte mir, dass das Geschäft bereits 1720 gegründet worden war, um dort Leinenwäsche zu verkaufen, Tischtücher, Taschentücher, Bettwäsche und vieles mehr. Damit ist es das älteste Tuchgeschäft Europas. Der Gründer stammte aus Schwaben und brachte seine noch unveheirateten Töchter mit, die als Verkäuferinnen agierten. die müssen recht hübsch gewesen sein, die Wiener gingen gerne dorthin und kauften “bei den schwäbischen Jungfrauen”. Der Name blieb. Das Geschäft wurde bald Hoflieferant: die dreijährige Marie Theresia (später mal Kaiserin) bekam dort ihr erstes Spitzentaschentuch.

© 2013 Zur Schwäbischen Jungfrau - All Rights Reserved

© 2013 Zur Schwäbischen Jungfrau – All Rights Reserved

Und eine fast noch bekanntere Kaiserin bezog ihre Bettwäsche von da: Sisi. Zartestes Leinen, von Hand gefältelt und mit feinen Blattranken bestickt. Das Geschäft kaufte die wunderschöne Wäsche, die es selbst vor 150 Jahren hergestellt hatte, bei einer Auktion zurück. Ich durfte sie mir ansehen und das war schon was Besonderes. Wer ist kein Sisi-Fan…(wobei ich eher die misanthropische Seite an ihr mag und das Anker-Tattoo).

Auch heute kann man sich wie Sisi fühlen und dort individuelle Bett- und Tischwäsche bestellen. Die Monogramme werden nach persönlichem Wunsch entworfen und im eigenen Atelier des Ladens gestickt. Ich finde das wundervoll, das ist ein Luxus, der so gar nichts von der Markenprotzerei hat, die andere Monogramme über die eigene Individualtät stellt, sondern das ist wirklich vornehm. Und natürlich in einer Qualität, die sonst schwer zu finden ist.

Lobmeyr: auch von außen ein toller Laden. Foto: Martin Stöbich

So schön, dass es so schöne Läden noch gibt. Ein anderer Traditionsbetrieb ist übrigens Lobmeyr-Glas in der Kärntnerstrasse, der schon Gläser für Ludwig II, Erzherzog Rudolph oder viele andere hergestellt hat. Das MOMA in New York sammelt die Entwürfe, Alain Ducasse serviert darin seine Gaumenfreuden. Luster aus Lobmeyr-Produktion statten den privaten Wohnraum aus, aber auch Opernhäuser, Botschaften, Paläste und Moscheen von Mekka bis Medina. Das Unternehmen mit Store in der Wiener Kärntner Straße ist in sechster Generation inhabergeführt. 1823 gegründet, begeht es heuer sein 190-jähriges Bestehen.

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Die 26 Guten – hip ist jetzt der 5. Bezirk in Wien

Penta HotelIch bin wieder zurück aus Wien, gleich mit einem ganzen Sackerl voller toller Eindrücke und ich hoffe, ich kann in den kommenden Tagen viele Tipps an euch weitergeben. Wir hatten im Penta Hotel im 5. Bezirk gebucht, das sich als gute Wahl erwies. Rezeption gibt es keine, die Bar in der Mitte des Foyers erfüllt diesen Zweck. Nicht nur, weil das junge, unkonventionelle Hotel von Mattheo Thun gemütlich und lässig eingerichtet wurde, nein, auch die Umgebung ist einen Besuch wert. Im 5. Bezirk gibt es tolle Boutiquen, die nicht teuer sind und die sich angenehm von den Mainstreamlabeln absetzen. Biomärkte, charmante Cafes und gute Gaststätten. Doch zu sagen, es wäre Berlin Mitte auf wienerisch, der Vergleich zieht nicht. Dafür ist alles zu wenig hip, zu wenig aufgeregt. Gut so. 26 Läden im Bezirk haben sich zum Verbund “die 26 Guten” zusammengeschlossen, es gibt auch eine Karte davon in jedem dieser Geschäfte und verweist so auf die anderen 25.

mutze-hertha-3Da gibt es zum Beispiel die Mützen von Dörte Kaufmann bei Hinterland die sehr schön sind. Sie heben sich elegant von den derzeitigen Schlumpf-Beanies ab, sind ausgefallen, ohne exaltiert und albern zu sein. Alle werden liebevoll in Handarbeit gefertigt und sind dennoch bezahlbar. Top!

Ein anderer Laden, der mir sofort ins Auge gestochen ist, ist Pia Mia. Auch dieses kleine Label fertigt alles selbst, dazu kommen ausgewählte Stücke anderer Designer. Viele potentielle Lieblingsstücke hängen im Laden, mir hat ein Salz-und Pfefferfarbenes Kleid (187 Euro) besonders gut gefallen, das leider in meiner Größe schon verkauft war. Das Motto des Ladens “PiaMia – das bin ich” passt jedenfalls ausnehmend. Wer Spaß hat an feinen Designstücken, schlicht, edel, mit Sinn für Details, der ist dort gut aufgehoben. Das haben auch andere erkannt: das Magazin Datum, um das ich Österreich beneide, hat T-Shirts von PiaMia als Abogeschenk im Programm. Vielleicht sollte ich ja doch ein Abo abschliessen…

Läden wie diese sind die beste Möglichkeit, faire Kleidung zu beziehen, die garantiert nicht im Sweatshop hergestellt wurde. Und schöner als von der Stange des Massenmarktes sind sie sowieso – aber kaum teurer.

Wer die geballte Schaffenskraft kleinerer Wiener Label kennenlernen will, hat dazu am kommenden Wochenende Gelegenheit, dann ist Feschmarkt in der Ottakringer Brauerei. Schade, das hätte ich gerne mitgenommen.

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Graffiti im 5. Bezirk

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Mützen gibt es bei PiaMia auch

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Sanfte Farben, Naturmaterialien, feine Schnitte – das Piamia in Wien ist einen Besuch wert

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Die Frage beim Konsum ist nicht wo, sondern wie

MüllEin kurzer Nachtrag zum gestrigen Blogbeitrag Mode wie Müll: ich will nicht das Einkaufen in Geschäften wie Primark verbieten. Ganz und gar nicht. Jeder Mensch soll da einkaufen, wo er will und es sich leisten kann. (Auch wenn es schön wäre, wenn bei vielen die Wahl auf fair hergestellte Kleidungsstücke fallen würde, aber das ist eine Utopie) Nein, mir geht es um den Trend, den nun einmal Primark verkörpert wie sonst keine Marke, sich durch günstige Preise zu Massenkäufen ohne Augenmass verführen zu lassen, die dazu bestimmt sind, schnell aus dem Kleiderschrank in der Tonne zu verschwinden.

Unser Planet erstickt im Müll, wir ersticken im Müll, und wenn sich unser Konsumverhalten nicht radikal ändert, dann kann Wall-E bald aufräumen kommen. Wir werfen 82 Kilo Lebensmittel pro Mensch pro Jahr weg, soll wir auch noch 82 Kilo kaum getragenen Kleider wegwerfen? Oder nach Afrika spenden, wo unsere Wegwerfware den heimischen Markt ruiniert?

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Mode wie Müll

Foto: @Marv2punkt0

Foto: @Marv2punkt0

Wenn ich durch die Frankfurter Fußgängerzone gehe, gruselt es mich jedesmal. Jede zweite Frau, die an mir vorbeigeht, hat eine hellbraune Packpapiertüte von gigantischen Ausmassen dabei. Manchmal auch zwei oder drei davon. Oder noch mehr. “Primark” steht hellblau auf der Tüte. Ein Modegeschäft aus Irland. Lange gab es Primark nur im Nord-West-Zentrum, abgelegen. Da waren die Tüten nicht sichtbar. Jetzt gehören sie fest zum Stadtbild. Denn Primark ist billig. Extrem billig. Hosen kosten unter 15 Euro, Kleider unter 20, T-Shirts meistens 2-3 Euro. Noch billiger als ein Kaffee bei Starbucks. Da scheint dann beim Einkäufer eine Schraube locker zu werden, denn plötzlich ist beim sonst so sparsamen Käufer Massenshoppen angesagt. Vielleicht liegt das auch an den chemischen Gerüchen, die einem beim Besuch entgegenschlagen. Gesund kann das nicht sein. Und das Gedränge ist unbeschreiblich: da quetschen sich Frauen mit Kinderwägen durch die Gänge, ganze Teenager-Rudel kaufen sich ihre Justin Bieber T-Shirts und Großfamilien aus dem Umland bestaunen die Etiketten der Billigmode. Da wird in die Einkaufstüte gestopft, was reingeht. Wer trägt das eigentlich alles? Wer braucht denn so viel Modemüll?
Wäre nicht ein teureres T-Shirt besser angelegtes Geld als 5 billige? Oder warum auch bei Primark eben nur eins kaufen? Weil Primark ist auch nicht schlechter als all die anderen Billigmarken, nur irgendwie noch billiger. Klar, dass das auch zu Lasten der Arbeiter in Asien geht, auch wenn Primark das verneint. Ab und an, ich gestehe es, hab ich mir dort auch was erworben, Socken oder mal einen witzigen Rock. Aber nie Mode als Massenkauf. Und ich will auch keinen Fuß mehr dort hinein setzen.

Wir sollten unseren Konsum überdenken, etwas besonnener kaufen, nicht jedes Wochenende eine neue Fuhre Klamotten aus Primark schleppen, zweimal tragen, wegwerfen. (Gerade, als ich diesen Artikel schreibe, hab ich gesehen, dass das ZDF vor kurzem eine Reportage zum “Prinzip Primark” gedreht hat) Noch nie wurde so viel Mode weggeworfen,

Mode ist was Tolles, aber nur dann, wenn wir sie wertschätzen. Wer sich mit Gerümpel behängt, das zwei Tage später im Müll landet, kann nicht viel Respekt von sich haben.

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Gutes tun beim Konsumieren: Spendierhose

Foto: Tom Tailor

Foto: Tom Tailor

Der Integrationsbambi für Bushido war ein Griff ins mafiöse Klo, aber es gibt auch einiges rund um das Goldreh, was ich klasse finde. Zum Beispiel die Spendierhosen von Tom Tailor dieses Jahr. Die Hosen sehen gut aus (nicht nur an den Promis, die dafür modeln), sondern jeder tut mit dem Kauf ein gutes Werk, die gesamten Nettoerlöse gehen an die “Tribute to Bambi-Stiftung”, die Kindern aus Deutschland in TOM TAILOR Denim Spendierhose_Tribute to Bambi_Jochen Schropp 1Notsituationen hilft. Etwa jenen drei Millionen, die unter seltenen Krankheiten leiden, für die es noch keine Therapie gibt.

Bild: Hilfiger

Bild: Hilfiger

Und neben dem guten Gewissen verbreiten die Jeans ein bißchen Glamour im Kleiderschrank, tragen sie doch das Bambi-Emblem auf der Tasche. Ja, es wird viele geben, die nun mosern und sagen “echte Hilfe geht anders”, aber ich finde jede bewußte Kaufentscheidung einen Schritt in die richtige Richtung. Shoppen und Gutes tun liegt im Trend: Hilfiger spendet den Erlös einer Tasche der Brustkrebsbekämpfung, Hallhuber designt dafür ein Tuch.

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Ist die nicht Herzallerliebst?

Myherz oliv-pink-red-kleinWeil wir gerade bei der Bergsehnsucht sind: Ein kleines Stück Heimat ist und bleibt für mich die Trachtenjacke von myHerzallerliebst. Aus wunderbar weichem Kaschmir ist sie niedlich und stylisch zugleich. Ich hab sie in knalligem Pink und werde mir auch noch eine (mal wieder) graue Jacke zulegen. Es gibt sie übrigens dankenswerterweise bis XXL, mir reicht ein L locker – danke an die Macher. Mit 398 Euro ist die Jacke nicht billig, aber dank ihrer Zeitlosigkeit das Geld wert. Außerdem wird sie nicht in irgendwelchen Sweatshops gefertigt. Ich bin mittlerweile schwer dafür, in Qualität zu investieren, da hab ich länger was davon.

Ich hab sie bei Bergwanderungen immer dabei, einfach, weil sie so genial zum Hüttenambiente passt und nicht so plump aussieht wie die ganzen häßlichen Funktionsjacken, die ich mich zu tragen weigere. Und daheim trage ich sie öfter, wenn ich jetzt im Herbst auf der Frankfurter Terrasse sitze. Und mit Sehnsucht an die Alpen denke. Wird wohl Zeit, wieder mal heimzufahren…

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Label of Love – Frieden zum Umhängen

Label of Love find ich toll: Das Label verbindet die Symbole von Judentum, Christentum und Islam zu einer Einheit. Ein tolles Signal in dieser Zeit. Was es bislang nur als Schmuck in Gold oder Silber gab, gibt es auch als Tuch – mal was anderes als ein Pala…: Mit dem Symbolwurden Halstücher in verschiedensten Farben und Motiven aus Seide oder Baumwolle kreiert. Das Ergebnis: Das Markenzeichen mit den Symbolen der drei Weltreligionen (Christentum, Judentum und Islam) bildet geometrische Muster, die Blumen lassen die Tücher verspielter aussehen. So wird mit dem Tuch von LABEL OF LOVE jeder Look zu einem Hingucker!

Viel Liebe steckt im Design genauso wie hinter der Marke: LABEL OF LOVE symbolisiert mit dem 3er-Zeichen den Glauben an Respekt, Liebe, Frieden und Gemeinschaft. Die Marke steht ebenso für Rebellion gegen veraltete Dogmen und Regeln. Es ist eine Marke für die neue Generation im 21. Jahrhundert, die Menschen mit unterschiedlichen Religionen, Nationalitäten oder Hautfarben nicht verachtet, sondern mit ihnen tolerant und respektvoll umgeht.

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Der deutsche Konsument – ein Jammer

Dieser Preis ist ein Armutszeugnis für den deutschen Verbraucher: Textildiscounter KIK wurde bei einer Befragung von 49.000 Konsumenten zum “Händler des Jahres 2011″ gewählt. Und zwar in der Kategorie “Herren-und Damenmode”.

“Zu diesem Ergebnis kommt das Marktforschungsinstitut Q&A Research & Consultancy, das rund 49.000 Verbraucher zu 24 Handelssegmenten und jeweils neun Einkaufsaspekten befragt hat. Der Textil-Discounter punktete vor allem in den Bereichen Preisniveau und Preis-/Leistungsverhältnis. Die Marktforscher von Q&A hatten neun Einkaufsaspekte abgefragt: Sortiment, Kundenfreundlichkeit/Personal, Preis-Leistungsverhältnis, Service, Angebote, Preisniveau, Atmosphäre, Innovation sowie Fachkundigkeit des Personals.” heißt es in der Pressemitteilung von KIK.

Das zeigt mal wieder, was der deutsche Verbraucher will. Qualität? Egal. Schlechte Arbeitsbedingungen? Egal. Modische Eleganz? Egal. Nachhaltigkeit? Egal. Beratung, Ambiente, Orginalität…egal, egal, egal…Hauptsache billig. Ich könnte schier durchdrehen – ich finde es entsetzlich, dass bei Kleidung sowie Lebensmitteln, zwei Themen, die uns jeden Tag direkt treffen, Qualität nicht zu zählen scheint. Wie kann es sein, dass viele Menschen hierzulande zwar ein Auto fahren, das weit über ihre Verhältnisse geht, dass sie Elektronik vom Allerfeinsten erwerben, aber da, wo es ums tägliche Wohlbefinden geht, da wird dann gespart. Ist es so schwer, darüber nachzudenken, was man mit diesem Kaufverhalten anrichtet? Wieso verkommen unsere Verbraucher zu teigigen GeizistGeil-Konsumenten, die ihre Fleischwurst-Wampen in die KIK-Leggings zwängen? Was läuft hier falsch?

Ja, ich weiß, ich rede mich leicht, ich kann es mir leisten, woanders zu kaufen. Ich bin kein Hartz IV-Empfänger. Aber ich bezweifle, dass all die 49.000 befragten Hartz IV-Empfänger waren.

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Bangladesh unterdrückt Textilgewerkschaften

Ich stelle eine Mail von CCC (Clean Clothes Campaign) hier in meinen Blog.

Ich stelle eine Mail von CCC (Clean Clothes) in meinen Blog, denn ich denke, es ist wichtig, sich nicht nur über Kik aufzuregen, sondern an dem Thema dranzubleiben. Derzeit befinden sich Indien, China und Bangladesh in einem wüsten Preiskampf – mit welchen Mindestlöhnen kann man die Konkurrenzländer unterbieten, damit westliche Investoren ihr Zeug hier produzieren lassen und nicht beim Nachbarn? Da kommt es natürlich ein bisserl ungelegen, dass die Arbeiter nicht gerne verhungern wollen, obwohl sie täglich 10 Stunden und mehr in ihren Sweatshops sitzen.

Einschüchterungen gegen das Zentrum für Arbeitersolidarität in Bangladesch

Da s Zentrum für Arbeitersolidarität in Bangladesch (Bangladesh Centre for Worker Solidarity – BCWS) ist Opfer zunehmender Schikanen und Einschüchterungen seitens der Regierung geworden. Die anerkannte Arbeitsrechtsorganisation hatte ihre Registrierung verloren, ihr Eigentum wurde konfisziert und ihre Konten eingefroren. Ihre MitarbeiterInnen wurden massiv bedroht. Die Direktorin Kalpona Akter und ihr Stellvertreter Babul Akhter sind Mitte August verhaftet worden und befinden sich weiterhin in Haft. BCWS wird vorgeworfen für die schweren Unruhen in der Bekleidungsindustrie verantwortlich zu sein.

Die Kampagne für Saubere Kleidung fürchtet um die Sicherheit der Angestellten des bangladeschischen Zentrums für Arbeitersolidarität.

Unterstützen Sie die Eilaktion und schreiben Sie Protest-Mails an die bangladeschischen Behörden: www.inkota.de/protestmail

Hintergrund ist die unzureichende Erhöhung des Mindestlohns auf lediglich 3000 Taka (ca. 32 EUR), welcher jedoch nicht die Forderungen der Gewerkschaft erfüllt, da dieser nicht annähernd für die Deckung der Grundbedürfnisse ausreicht. Die ArbeiterInnen führen deshalb ihre Straßenproteste weiter. Gegen Hunderte von ArbeiterInnen sowie mehrere ArbeitsrechtlerInnen wurden in der Zwischenzeit Haftbefehle erlassen.

Mehr Informationen unter www.inkota.de/bcws


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Verdammt, wo bekomme ich fair gehandelte Kleidung her?

Ich habe ein Problem. Kik kann ich nicht boykottieren, weil ich da noch nie was gekauft habe. So richtig gut gefällt mit die Mode von Hess Natur nicht, auch meine Begeisterung für Kuyishi und Armed Angels hält sich in Grenzen. Vor allem, weil diese Firmen davon auszugehen scheinen, dass nur sehr dünne Teenies fair gehandelte Jeans und T-Shirts kaufen wollen. Und bei anderen Firmen? Gut, es gibt Trigema, die damit werben, in Deutschland zu produzieren, so wie American Apparel in den USA herstellt. Doch der Gründer von American Apparel ist durch angebliche sexuelle Belästigung seiner Mitarbeiterinnen ins Gerede gekommen, auch nicht dass, was ich unter “fair” verstehe. Das Augsburger Label Manomama ist schon mal ein toller Ansatz, aber noch nicht schrankfüllend.

Bei allen anderen Marken bin ich schon am Ende mit meiner Weisheit, ich weiß nicht, ob ich den Preis nur für das teuere Label und Markenimage zahle, oder ob die Firmen tatsächlich einen Teil des Gewinns in eine faire Behandlung ihrer Arbeiter in der zweiten und dritten Welt fliessen lassen. So richtig glauben kann ich das nicht. Denn gibt es eine Firma, die nicht in Sweatshops produzieren lässt? Soweit ich weiß – nein. Mit Ausnahme von Hermès, die sich zugute halten, alles in Frankreich produzieren zu lassen, tappe ich auch bei Glamour-Labels im Dunkel.

Und das läßt mich sehr misstrauisch werden. Denn wäre nicht eine Fair Trade Certification auch bei Nobelmarken ein echter Bonus? Würden sich nicht gerade die betuchten Käuferinnen freuen, wenn sie ihre Mode mit gutem Gewissen tragen können und sagen: “Ja, das kostet was, das Zeug, dafür stirbt wegen mir keine Näherin an Hunger.”

Deswegen bringt es auich nix, Kik allein zu boykottieren. Denn so gut wie jeder Laden, der die heimischen Fußgängerzonen ziert, hängt genauso drin wie der Textildiscount. Nur, das die geradezu offen damit umgehen, weil die auch zusätzlich ihre Angestellten hierzulande misshandeln und so dass Elend sichtbar machen, dass man sonst so gut in Bangladesch verdrängt hat. Sklaven sitzen in China, in Indien, arbeiten auf den Baumwollfeldern – nur damit unsere Kleider möglichst billig werden. Sklaven produzieren unser Essen, Kinder sterben für unsere Schokolade an den Pestiziden der Plantagen – wollen wir wirklich so einen Planeten?

Was wir brauchen, ist erstmal eine Bestandsaufnahme – wer läßt wo produzieren, was zahlen die Unternehmen und was würde es den Kunden kosten, damit die Näherinnen, die Baumwollernter bis hin zur Verkäuferin fair bezahlt werden würden, so dass allen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht wird? Ich könnte wetten, mehr als ein, zwei Euro pro T-Shirt mehr würde das nicht kosten. Ist uns fremde Sklavenarbeit so egal, dass wir nicht einen Euro erübrigen können, das zu verhindern? Eine Organisation, die seit Jahren die Missstände anprangert, ist Clean Clothes. Ich bitte euch alle ganz herzlich, lasst Kik nicht allein dafür bluten. Dieser Drecksladen ist nur die Spitze des Eisbergs. Machen wir alle gemeinsam Druck auf den Handel, damit sie so billig nicht mehr durchkommen.  Ich bin überzeugt, dass wir alle gemeinsam etwas ändern können.

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