Shoppingspaziergang durch Tel Aviv

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Ich wandere durch die Strassen des Textilviertels (DIY-Mekka) und gehe Richtung des Suzanne Dellal Centers. In den Strassen rundum sind wunderbare kleine Shops – schicke Kleider, süße Boutiquen. Ich schmeiß einfach mal ein paar Bilder rein – das Einkaufserlebnis kann man eh so schlecht nachempfinden – hier ein kleiner Bummel durchs Neve Tsedek Viertel. Ich denke, ihr kriegt ein Gefühl dafür. classic-recipes-for-modern-people-9781616288129_lgIn einem Buchladen sehe ich ein Kochbuch auf Englisch, das mich sofort anspricht “Classic recipes for modern people” der amerikanisch-jüdischen Köche Eli und Max Sussmann, das ich mir auch gleich kaufe. Super Kochbuch, aus dem einige meiner neueren Standards (Maisbrot mit Käse und Brisket gefüllt) stammen.  Das Buch werd ich vielleicht mal gesondert besprechen.

Ich bedaure, schon wieder aufbrechen zu müssen, auch wenn ich mich auf die weiteren Stationen der Rundreise freue. Nach Tel Aviv geht es an der Küste entlang Richtung Norden, nach Galiläa. Die nächste Station, ist ein kurzer Aufenthalt in Cäsarea, der alten Stadt von Herodes dem Großen. Da gibt es aber noch ein gesondertes Kapitel dazu.

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Touren durch Tel Aviv

Wer Tel Aviv kennenlernen will, fängt am besten am Strand an. Hotels wie das Herods, in dem wir wohnen durften, sind eine super Ausgangsbasis. Von da ist man sofort am Strand, kann schwimmen gehen oder in einer der zahlreichen Strandbars herumlungern. Oder unternimmt einen Spaziergang entlang des modernen Hafenboulevards, der bei den Hotels wie zB. dem Herods beginnt und wo sich Cafes an Cafes reihen, Foodcourts und Boutiquen zum Shoppen einladen.  Ich bedaure, in einer Reisegruppe mit engem Zeitplan unterwegs zu sein – aber im Oktober will ich zurück…
In der entgegengesetzten Richtung muss man erstmal 10 Minuten mit dem Taxi fahren, um ins Shoppingvietel rund um das Suzanne Dellal Center, einer Tanzschule, zu gelangen, an den Rothschild-Boulevard oder zum Carmelmarkt. Noch ein Stück weiter ist der alte Hafen von Jaffa. Wer sich an den Film “Kampf der Titanen” erinnert, mit dem Meeresungeheuer, das die Prinzessin fressen will – die Sage hat genau hier gespielt. Die Steine vor der Küste sind noch die Reste des Titanen, den Perseus dank Medusa-Kopf in Stein verwandelt hat. Aber gefressene Prinzessinen interessieren heute nicht mehr, eher “Was gibt es zu essen?”

1591Jaffa war einst arabische Enklave, das hat sich geändert. Mittlerweile ist die Nachbarschaft gemischt, jüdisch und arabisch. Sehr viele junge Leute suchen hier eine Wohnung, aber die Gegend ist nicht gerade billig. Vermutlich, weil die tollen Läden, die Beachfront und der samstägliche Flohmarkt echte Attraktionen sind. Die mittelalterliche Altstadt mit engen Gäßchen und Treppchen etc ist liebevoll restauriert und lädt zum Bummeln ein. Viele Künstler haben ihre Stände rund um den zentralen Brunnen aufgebaut. Es ist zugegebenermassen touristisch, aber trotzdem wunderhübsch. Wir sind am Abend dort langspaziert, es war noch ein wenig kühl. Aber wir sassen trotzdem draußen und genossen die Küche in einem kleinen Fischlokal. Hübsche Kellner (wie überall)

An nächsten Abend waren wir in einem Lokal, das mir besonders Freude gemacht hat:

1725Eine Baba Yaga ist eine russische Hexe. Diese Hexe gibt einem sehr tolles Restaurant in Tel Aviv ihren Namen. Und nicht nur das: die Bäume des Garten, die Speisekarte etc, alles ist (dezent) mit kleinen Hexen verziert. Das Restaurant war nicht weit von unserem Hotel entfernt. Und wir konnten die gesamte Palette klassischer jüdischer Spezialitäten geniessen, die es in den Steteln des Ostens gab.

Natürlich Gefielte Fisch, eingesalzener Hering, Hähnchenleberpastete, Bortscht, Solyanka, Ente in Pflaumensauce, Gänsebraten…für mich ein Traum, denn viele Gerichte kannte ich aus der Küche meiner polnischen Großmutter. Für alle, die es nicht ganz so rustikal mögen, gibt es auch viele Seefoodspezialitäten, italienische Pasta und Salate. Für mich ist das Baba Yaga ein perfekter Vertreter für die die reiche kulinarische Szene in Tel Aviv, in der sich Tradition mit neuen Einflüssen mischt und alles in wunderbaren Lokalen zusammenkommt. Wer Lust auf wirklich jüdisches Essen hat, ist hier an der absolut richtigen Adresse.

Märkte sind immer ein zweischneidiges Schwert im Urlaub, einerseits toll zum Ansehen, aber so richtig einkaufen kann ich nicht, denn wo soll ich die Sachen zubereiten? Auf dem Hotelzimmer über einem Gaskocher ist keine Lösung. Egal. 1686 - KopieDer Carmel-Markt im Herzen Tel Avivs ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Unbedingt die Dim Sum in der Marktmitte probieren. Es gibt viel Frittirtes, Falafel, Teigkringel oder ein Hefegebäck, das an Krapfen erinnert, aber pikant mit Lammhack gefüllt ist. Extrem süßes Halwa, gepresste Blöcke aus Zucker und Sesam, gibt es in Varianten von Pistazien (traditionell) bis zu Smarties (nicht traditionell), Obst und Gemüse in jeder Variante. Viele Gemüse sind in Israel angebaut und wunderbar frisch. Baklava ist lecker,  mir aber immer zu süß. In einer Parallelstrasse des Marketes gibt es jede Menge Coffeshops und Healthfoodstores. Ich bestelle mir einen Cold Brew, die neuen Kaffeetrends sind also auch schon nach Israel gedrungen. Um mich rum alles voller Hipster und  ich fühle mich wohl. Am Nachbartischchen lerne ich eine junge Mutter mit ihrer Kleinen kennen, die Kleine übt gerade erste Schritte und ist gut gelaunt und das ganze Viertel scheint sie zu kennen, jeder grüßt und bleibt für einen Ratsch. Ich beschließe, jetzt doch Hebräisch zu lernen (noch nicht umgesetzt) :)

 

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Herzensheimat Tel Aviv

Ich bin euch was schuldig – ich habe ja im Mai einer Rundreise durch Israel machen dürfen.Doch zum einen war es derart viel Material, das ich das Gefühl hatte, dem nicht gerecht zu werden. Zum anderen überschlugen sich, wie so oft, die Ereignisse in meinem Leben. Jobwechsel, Chaos allerorten. Da brauchte ich erstmal ein bißchen Zeit, mich zu sortieren. Aber jetzt ist alles soweit wieder auf Spur – soweit das bei mir eben möglich ist. Und es ist auch die richtige Zeit, um im Herbst eine Reise in dieses wunderbare Land zu buchen. Ich möchte es euch ans Herz legen. Ich weiß, für Deutsche ist es keine einfache Reise. Aber wer sie macht, wird mit Vielem belohnt, unter anderem auch mit dem Abbau von Vorurteilen und vielen Begegnungen mit einigen der tollsten Menschen dieser Erde. Verpaßt das nicht.

1616Jedesmal, wenn ich in Israel – und vor allem in Tel Aviv – bin, geht mir das Herz auf. Es ist mehr als ein touristisches Gefühl, mehr als dieses, hey, die haben hier alles, was es braucht, Strand, warmes Meer, tolles Nachleben, super Einkaufstrassen, exzellentes Essen…es ist ein Gefühl von Freiheit. Einer Freiheit, die hart erkämpft wurde und die immer noch nicht selbstverständlich ist, bedroht von innen und außen. Tel Aviv, das ist eine Enklave der freien Welt im nahen Osten, umgeben von Krieg und Terror, von religiösem Fanatismus und belastet von einem schweren Erbe. Und gerade deswegen ist Tel Aviv eine der tollsten Städte dieser Erde. Mit den offensten und nettesten Menschen, die man sich nur vorstellen kann.

1708Ich weiß, viele Deutsche haben Muffe, nach Israel zu fahren, zu drückend wirkt die Vergangenheit. Aber ich kann versichern, wer selber ein offener Kopf ist und frei von Vorurteilen, wer bereit ist, auf Menschen zuzugehen, der hat in Tel Aviv die Zeit seines Lebens. Nicht umsonst versammelt sich dort eine wilde Mischung aus Nachtlebens- und Modeszene, aus Gays und Geeks, die etwas außerhalb von Tel Aviv das Silicon Valley des nahen Ostens errichten. Tel Aviv, das ist Berlin mit warmem Wetter, mit Meer und viel mehr Freundlichkeit  als in Deutschland.

Tel Aviv ist relativ neu. Auch wenn die Basis der Stadt die uralte Hafenstaft Jaffa ist. In den 30er Jahren entstand rund um den alten Hafen das neue Tel Aviv, viele Häuser errichtet im Bauhaus-Stil. Wenn man den Rothschild-Bouleverd entlangmarschiert, läßt sich diese Periode der Geschichte gut nachverfolgen. Tel Aviv sollte etwas Neues werden, frei von den alten Traditionen, das Herz des modernen Israel. Und das ist es auch. Tel Aviv hält sich tapfer gegen die Versuche der Orthodoxen, wie Jerusalem ein Zentrum der Gläubigkeit zu werden. Tel Aviv ist modern, offen und tolerant – und das soll es bleiben. Vielen ist das ein Dorn im Auge. Ich finde es wunderbar. Bemerkenswert sind die vielen Graffittos überall in der Stadt, kunstvoll statt Schmirage verzieren sie die Wände.

Tel Aviv  ist eine grüne Stadt, mit vielen Bäumen, die Schatten über den Cafes auf den Boulevards spenden, mit Höfen, in den kleine Springbrunnen sprudeln, überall laden Bänke zum Verweilen ein. Es ist eine junge, lässige Stadt, der Dresscode ist locker und stylish zugleich. Wenn Israels Mode ein Herz hat, dann sitzt es in Tel Aviv. Am Strand spielen wunderschöne Menschen miteinander Frisbee, paddeln auf Standup Boards im Meer oder holen sich einen Kaffee an einer Strandbar. Geht nicht besser. In den kommenden Kapiteln gebe ich einige Tipps für erste Touren. Aber so richtig entdecken müßt ihr eurer eigenes Tel Aviv. Ich kann versprechen, es lohnt sich.

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Warum Syrer und Nazis einen gemeinsamen Feind haben

1632 Die letzten Tage waren bitter für Deutschland. Mit den Bildern aus Heidenau wurden Erinnerungen an allerdunkelste Zeiten wach. Die Bilder von den Nazis, die besoffen vor einem Flüchtlingslager randalieren, sind nicht nur ein hässlicher Schandfleck. Sie sind Ausdruck einer hilflosen und seit Jahren völlig verfehlten Politik. Es wäre jetzt so einfach zu sagen: pfui, böse Rechte. Natürlich haben sich die Leute in Heidenau aus dem Konsens unserer Wertegemeinschaft verabschiedet. Natürlich sind das Idioten. Da könnte ich jetzt weiterschimpfen und draufknüppeln und alle würden mir recht geben und applaudieren. Nur so einfach ist alles nicht. Unser Problem liegt im Suchen allzu einfacher Feindbilder- und die Schuldigen kommen immer davon.

Und genau da liegt das Problem. Denn auch die Leute in Heidenau sind abgehängte Loser und Opfer einer Globalisierungspolitik, genau wie die syrischen Flüchtlinge. Beide haben nur nicht erkannt, dass sie eigentlich einen gemeinsamen Feind haben, gegen den sie gemeinsam aufstehen müssten. Gemeinsam mit den Griechen, den Spaniern, der englischen Unterschicht…und wegen des Öls und den Geschäften mit den Saudis wird weitgehend tatenlos zugesehen, wie der Nahe Osten im Chaos versinkt. Die Syrer und Sudanesen, die Libyer und Algerier sind Kollateralschäden der Gier.
Seit Jahren tobt der entfesselte Raubtierkapitalismus durch Europa, reißt ganze Volkswirtschaften in den Abgrund und destabilisiert ganze Regionen.
Es gab im letzten Jahr einen Film, der in der Zukunft spielt, in dem sich die Reichen auf einer Insel verschanzt haben und den Rest der Erde sich selbst überlassen haben. Ich habe den Film nicht gesehen, aber das Bild passt. Denn die Wirtschaft und die Oberschicht haben sich entkoppelt vom Rest der Bevölkerung. Und die Medienmächtigen und die Politiker haben sie mitgenommen auf ihre Insel. Da sitzen sie nun und tun so, als ob sie der Rest der Menschheit nichts angeht. Währenddessen geht sich Arm gegen Ärmer an die Gurgel.

In Deutschland sind wir reich, dennoch gibt es viele, die bereits den kalten Atem der Armut im Nacken spüren. Und noch mehr, die unbewusst fühlen, dass gerade alles in eine Schieflage gerät. Dass unsere Politiker die Weichen falsch stellen Richtung Zukunft. Der digitale Wandel wird verschlafen, die Zukunft Deutschlands als Innovationsstandort verspielt. Wir sind kein Land der Rohstoffe, wir sind ein Land der Erfindungen. Das wird so nicht gesehen. Und das ist schrecklich für die Zukunft unserer Kinder.
Stattdessen werden Angst-Szenarien aufgebaut, es wird subtil gehetzt, nur um nicht zugeben zu müssen, wie weit das Versagen geht. Da werden Rentner und Hartz IV Bezüge gegen Flüchtlinge ausgespielt. Arbeitnehmer gegen Arbeitslose. Es wird ein erbarmungsloses Konkurrenzdenken gefördert, vielleicht auch nach dem lateinischen Spruch “Divide et impera” – “Teile und herrsche”, damit die Leute nicht anfangen zu denken, wo der wirkliche Feind sitzt und sich nicht zusammentun. Das Gesicht des Stillstands trägt die Züge von Frau Merkel. Sie will als Kanzlerin Europas in die Geschichte eingehen, wird aber vermutlich als Totengräberin dieser Idee in den Geschichtsbüchern zu finden sein.
Natürlich müssen wir zusammenhalten und Flüchtlinge willkommen heißen. Und eine Zukunft planen, die weiter sieht als bis zum eigenen Vorgarten. Vermutlich sind diese Zusammenhänge zu groß für einen kleinen Blogbeitrag. Zu groß für mich.

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Das Hyrax – eine Liebeserklärung

Bjørn Christian Tørrissen, via Wikimedia Commons.

Bjørn Christian Tørrissen, via Wikimedia Commons.

Es gibt Tiere, die kennt jeder und findet jeder niedlich. Katzen, Eulen, Füchse, Hunde, Quokkas, Meerschweinchen. Ich will euch heute einen kleinen Gesellen vorstellen, den ich in Israel kennengelernt habe und in den ich mich wirklich sofort verliebt habe: den Felsenhyrax, auf Deutsch Klippschliefer. Es war im Naturreservat En Gedi, nicht weit vom Toten Meer entfernt: An der Quelle, wo angeblich schon König David gebadet haben soll, als er vor dem eifersüchtigen Saul geflohen ist, sitzen sie auf den Felsen in der Sonne. Etwa 4 Kilo schwer, groß, graubraun. Mit kleinen spitzen Zähnchen vorne. Und sehen sehr niedlich aus. Unschwer erkennbar sind die Tiere mit den Elefanten und Seekühen verwandt. (Nein, das ist kein Scherz) Klippschliefer leben in trockenen Klimata, es gibt sie in den Savannen Afrikas und in den Felsen Nordafrikas und Vorderasiens.

Sie haben ein sehr ausgeprägtes Sozialleben, verfahren nach der Maxime: Der Freund meines Freunds ist auch ein Freund und kommen damit recht weit. Das finde ich eine gute Sache.

Sie sind für Klimaforscher total interessant. Weil die Tiere pieseln immer an die gleiche Stelle. Alle. Jede Generation wieder. Manche dieser Stellen mit kristallisierten Piesel sind bis zu 30.000 Jahre alt. Man kann damit ablesen,wie das Wetter war, was damals gewachsen ist, was die Tiere gefressen haben. Auch wenn ich mir 30.000 Jahre lang benutzte Toiletten irgendwie nicht so richtig vorstellen mag…

Ich wollte unbedingt einen Hyrax fotografieren und einer war auch so nett und watschelte vor mir gemütlich durch das Gebüsch nahe der Davidsquelle. Einige andere Besucher müssen mich angesehen haben wie nicht ganz dicht, für die Israelis sind Hyraxe nix Besonderes, sondern eher eine Art Landplage (vielleicht wohnen die auch neben einer Hyraxtoilette). Leider hat mein Telefonfotoapparat nicht ausgereicht, das graubraune Tier vor dem graubrauen Wüstenhintergrund im Baumschatten angemessen abzulichten. Egal, ich habe hier ein tolles Bild in cc-Lizenz gefunden, danke dafür!

User25384

User25384

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JETZT LIKED DAS GEFÄLLIGST!!!!!!!!!!! Jan Böhmermann ist besoffen bei Facebook

Jan Böhmermann rantet übers Ranten. Der neue Trend der Promiproleten, je nach Ausrichtung nach links oder rechts die Spacken aller Fronten zu begeistern, wird in dem herzallerliebsten Song “ich bin besoffen bei Facebook” persifliert. Haben wir uns nicht Promis gewünscht wie die Stars in den USA? Die kompetent mit den Social Media Kanälen umgehen? Die ihren Ruhm und ihre Polularität nutzen, um gute Dinge zu bewegen? Na gut, die haben wir nicht bekommen. Wir haben wildgewordene Kleinbürger, die nur zufällig etwas besser aussehen als der Durchschnit und deswegen ihr Gesicht auf der Leinwnd und imTV zeigen dürfen. Wobei ich die Art von Til Schweiger, mit der Flüchtlingspolitik umzugehen, anfangs sogar richtig gut fand. Aber sich dann mit Sigmar Gabriel zu verbünden – nö. Echt nicht. Und was Joko Winterscheidt macht, das  ist nur noch Ausnutzen der eigenen Machtposition – sowas geht echt gar nicht. Insofern – Böhmermann rulez!

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20. August 2015 · 9:57 vormittags

Mädchentv auf RTL2

01-bg-popstars-2015-jury-miss-platnum-1341650Ist es Wahnsinn, Mut oder Alternativlosigkeit? RTL2 will es noch einmal wissen und sucht erneut “Popstars” . Wieder ein Musikformat, wieder eine Castingshow. Wenn auch eine, die mit recht kompetentem und sympathischem und vor allem noch nicht völlig durchgenudeltem Jurypersonal daherkommt. Gesucht wird eine Mädchenband, und zwar von einem Frauentrio: Tanzchoach Bella Garcia, Sängerin und Produzentin Miss Platnum und die Sängerin Stephanie Heinzmann, die selbst aus den Mühlen eines Castingsformats (Von Stefan Raab) hervorgegangen ist. RTL2 kehrt damit mit der Mutter aller Castingshows wieder, “Popstars”  die damals erste Staffel im Jahre 2000 des Formats – auch auf RTL2 – brachte immerhin die No Angels hervor, eine Band, deren Mitglieder jetzt immer noch irgendwo im TV zu sehen sind, wenn auch schon lange nicht mehr zusammen. Die, die damals Kinder waren, die vielleicht die Staffel sehen durften vor dem Zubettgehen,  sind nun bereit, das Erbe anzutreten – und wieder eine neue Erfolgsgeschichte zu schreiben. Die hat das Genre auch dringend nötig: Mädchenschwarm Samu Harber soff mit seinem Band-Format gnadenlos ab und tauchte gerade noch eben unter der Oberfläche der öffentlichen Wahrnehmung auf, als man die Show auf den Samstag morgen verlegte. Ansonsten werden zahllose Sänger gesucht, gefunden und ebenso schnell wieder verloren. Heute abend (17.08, 2015 Uhr) geht es los.

Das Format hat alles, was die Zielgruppe wünschen kann: drei Vorbildfrauen als Jury, darunter die charismatische Miss Platinum. Viele junge, hübsche, talentierte Kandidatinnen, mit denen sich die Zuschauerinnen identifizieren können, mit denen sie leiden und sich freuen können. Viel Musik. Ein cooles Ambiente, RTL” hat inder Nähe von Köln eine wirklich fantastische Location gefunden, die einen unglaublichen Charme ausstrahlt. Viel Emotion. Da geh ich jetzt einfach mal von aus. Was mir gefällt: es wird ohne Erniedrigen gearbeitet, ohne Fertigmachen udn Anschreien. Auch wird es keine Castingphase geben. Es sind bereits am ersten Tag der Show 27 talentierte Leute da,die im Vorfeld ausgesucht wurden. Ohne abstimmen und ohne untalentierte Einsprengsel zum Weglachen, die die Bohlenshows immer so unerträglich machen.

Aber die Art, wie die 27  “Mädels” ausgesucht werden, ist wieder die bewährte Art: gesucht wird ein Gesamtpaket, Mädchen, die talentiert sind, klar, vor allem aber willig sind, sich formen zu lassen und den Vorgaben des Formats zu genügen. Heutige Popstars können das mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll mal gepflegt vergessen – denn  “Es muss einem klar sein, so eine Chance wird einem nicht geschenkt, da muss man schon dafür arbeiten”, erklärt mir Miss Platnum bei der Pressekonferenz. “Eine Traumstimme, die aber absolut nicht tanzen kann oder so etwas, das wird es nicht geben. Und eigentlich schafft es auch jede, auf ein gewisses Niveau zu kommen.” Aber dieses arbeitssame Credo hat die jetztige Generation auch bereits mit der Muttermilch eingesogen und das wird auch gar nicht mehr hinterfragt. Ich frag mich ja immer, was eigentlich die Stones oder die Beatles oder andere Gruppen machen würden – würden die es auch schaffen im heutigen Musikgeschäft…egal…

Zumal der Rock’n’Roll heutzutage ganz woanders herkommt – nämlich aus dem Netz. Da tummelt sich so einiges,was ziemlich disziplinlos daherkommt, viel ausprobiert und einfach mal macht (Ein Konzept, das ich – ich muss es zugeben – ziemlich mag) Was RTL2 dieses Mal so ganz besonders richtig macht ist eine Innovation, die durch die Hintertür kommt und vielleicht die wahre Revolution des Formats darstellt: die beiden hyperbeliebten Bloggerinnen und Youtuberinnen Bibi und Mary M. kommentieren das Geschehen. Die beiden haben Millionen Fans auf Youtube, allein wenn deren Fans zuschalten, dürfte Popstars ein Quotenrekord werden. Es ist das erste Mal, dass Blogger wirklich ernsthaft in ein TV Format eingesetzt werden. Es könnte ein Dammbruch sein. Das ist auch das Experiment, das ich mir unbedingt einmal ansehen muss heute abend.

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