Warum ich um #Faketopia froh bin

Es sollte ein Sozialexperiment sein - nun ist es ein Mediendebakel "Newtopia" - Foto: SAT1

Es sollte ein Sozialexperiment sein – nun ist es ein Mediendebakel “Newtopia” – Foto: SAT1

So, endlich war mal wer so blöde oder so besoffen, sich öffentlich zu verplappern. #faketopia – bei newtopia gab eine Redakteurin live und öffentlich den Kandidaten Regieanweisungen. Endlich müssen auch die naivsten Zuschauer und fanatischsten Fans kapieren: sie werden im großen Stil veräppelt. All die Shows, bei denen ihr glaubt, dass Herr Zufall regiert, laufen in Wahrheit nach einem festen Drehbuch ab. Kandidaten spielen festgelegte Rollen, Handlungsstränge werden absichtlich ausgebaut oder fallengelassen, und ist mal zu wenig los, wird ein Konflikt inszeniert.
Nichts ist echt. Gar nichts. Nicht die Kandidaten, nicht die Gefühle, nicht die Wahl der Jury irgendeiner Sendung.
Ich bin froh, dass es nun öffentlich ist. Weil es einem nie wer so recht geglaubt hat, außer andere Medienschaffende.
Wird es Konsequenzen geben? Vermutlich nicht. Die Zuschauer erwarten Drama, erwarten Kitsch – das wird weiter bedient werden. Und das Gedächtnis ist kurz. Morgen wird schon wieder aufs nächste Tränendrüsen-Format reingefallen.

Eine Kollegin meinte eben, auch der Anruf zum Faken könnte gefakt gewesen sein, um das unliebsame Format frühzeitig zu beerdigen. Auch ne Möglichkeit.

So wird im TV gefakt:

Der Vollfake: Berlin Tag und Nacht, Frauentausch, Gerichtsshows etc folgen einem fixen Drehbuch, nur die Leute tun so, als wäre alles echt. Hier eine Liste deutscher Vollfakeformate.

Der Fake on the go: Man guckt mal, wie sich die Dinge entwickeln, was gut und was schlecht ankommt und brieft dann die Kandidaten entsprechend. (wie bei Newtopia)

Eine typische Kandidatin, die vom TV-Sender auf Aufmischen gecastet wurde Foto: RTL

Eine typische Kandidatin, die vom TV-Sender auf Aufmischen gecastet wurde Foto: RTL

Die Agent Provokateurs: Ein Teil der Kandidatinnen spielt eine feste Rolle. Die Zicke, die Verwöhnte, die Supertussi – Formate wie GNTM oder der Bachelor werden so belebt. Diese “Kandidatinnen” müssen bis zu einem gewissen Punkt in de Sendung mitgeschleift werden, damit das Geschehen bunt bleibt. Die anderen Kandidatinnen wissen oft nicht, wer fake ist. Bei Bauer sucht Frau werden die Ränge mit Leuten aufgefüllt, die nicht unbedingt viel mit Landwirtschaft zu tun haben.

Der Fake durch den Schnitt: Durch gezieltes Filmen von z.B. dreckigen Ecken in Wohnungen oder geschickte Schnitte in Interviews etc wird das Bild, das der Zuschauer von Kandidaten hat, bewußt beinflusst. Das wird in allen Formaten gerne gemacht.

 

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Craft Beer – nix für Anfänger (wie mich)?

Craft Beer ist derzeit schwer angesagt. Ich will jetzt nicht auch noch auf den Zug aufspringen oder gar so tun, als sei ich ein Kenner. Aber ich durfte netterweise letztens bei einem Biertasting in der 82Drei Kneipe in Köln Ehrenfeld dabei sein und war  überrascht, wie wahnsinnig unterschiedlich Bier schmecken kann. Die Leute rund um mich waren echte Kenner, die die Hopfensorte rausschmecken können, die teilweise sogar selbst Bier brauen – echte Hochachtung dafür.
Wie gesagt, ich hab keine Ahnung. Aber vielleicht gibt es noch einige mehr, die bisher nur den Begriff Craft Beer gehört haben – für die ist der Artikel gedacht. Deswegen erstmal ganz banal – was ist Craft Beer? Die Webseite Bierclub hat eine gute Definition gebracht: “Brauer experimentieren mit den innerhalb des Reinheitsgebots erlaubten Zutaten und komponieren Biergeschmäcker, die anders, außergewöhnlich und ungewohnt sind. Dabei legen die Brauer keinen Wert darauf, dass diese Biere massentauglich sind.”
Bier legt also den Weg hin, den zuerst Wein, dann Kaffee, Wasser und Schokolade schon genommen haben – vom Massenprodukt zur absoluten Verfeinerung. Außerdem haben die Biere oft noch ein paar Umdrehungen mehr als herkömmliches Bier.
Es gibt in den USA eine große Brauerszene, auch hier in Berlin und anderen deutschen Großstädten wie Köln oder München ist das Edelbier im Kommen. Mekka für Bierfans sind Belgien oder Franken, Landstriche, in denen schon seit langer Zeit außergewöhnliche, individuelle Biersorten gebraut wurden. Wunderbare dinge wie Rauchbier aus Bamberg oder die Trappistenbiere der Klöster in Belgien haben in der Bierszene eine Ruf wie Donnerhall. Ich hab auch mal eine mehrtägige Bierwanderung durch Franken gemacht, bei der man von Hausbrauerei zu Hausbrauerei wandert und das wirklich leckere Bier überall geniesst – die Wanderung wird immer beschwingter zum Abend hin…

Ich muss sagen: ich finde es interessant, teilweise auch sehr lecker, wenn es nicht zu herb ist. Für mich darf gerne außerhalb des Reinheitsgebots mit Obstbieren wie Kriek (Kirsche) oder Bananenbier experimentiert werden.

Was wir probiert haben waren unter anderem Eigenkreationen von Holger, der in seiner Firma Denkwerk das Denkbräu selbst braut – das war wirklich klasse. Es gab auch Bier “Kampot Red” mit Chilli-Pfeffer versetzt, eine alkoholfreie Bierlimonade mit Hopfen namens “Hoppster” – bevor die Biere mit bis zu 15 Prozent Alkohol kamen, bin ich dann ausgestiegen – einen Kopf hattte ich am nächsten Tag sowieso.

Wer es mal testen will: die Seite Bier.de hat Probierpakete im Angebot, aber Tipps von Kennern sind herzlich willkommen.

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So geht man nicht mit Teenies um

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Diese Schuhe erinnern mich an Heidi Klum: Wunderschön, aber boshaft stachelig und verletzend

Mir ist gestern echt die Luft weggeblieben. Ich hab in das Ende von Germanys next Topmodel reingezappt und ich war sprachlos. Entsetzt. Angewidert. Was immer vorher in der Sendung passiert ist, weiß ich nicht. Aber im finalen Aussortieren wurde eine Kandidatin, mit 16 sogar die Jüngste, mit einem Mobbingvideo konfrontiert, in dem vier Mitstreiterinnen sie beschuldigen, schlecht über sie zu reden. So weit, so albern. Dann diskutieren ernsthaft Menschen wie Wolfgang Joop, Thomas Hayo und Übermodelmami Heidi Klum über die pubertäre Posse – und – das finde ich jetzt bodenlos, werden die Mobberin, die das Video inszeniert hat und die Gemobbte gemeinsam vor die Jury geholt und die Gemobbte wird als Krönung der Demütigung auch noch rausgeschmissen.
Ich möchte die Leute der Produktionsfirma und die Verantwortlichen bei Pro7 schütteln und fragen, was sie sich dabei denken. Da wird mit der Psyche von Menschen gespielt, die fast noch Kinder sind. Das geht echt zu weit. Ja, ich weiß, das ist der Deal, aber hat das Fernsehen, gerade mit so jungen Kandidaten, nicht die Pflicht, die Leute ein wenig vor sich selbst zu schützen? Und vielleicht sollte ich auch um den gescripteten Dreck nicht so viel Aufhebens machen. Ist doch alles nur Drama Baby, Drama. Aber: das weiß ich und nicht die junge Zuschauergruppe, die ein äußerst fragwürdiges Bild der Welt präsentiert bekommt: “du kannst eine fiese Mobberin sein, Hauptsache gut aussehen dabei.” Danke für nix, liebe Heidi.
Wenn ihr auch nicht wollt, dass das so weitergeht, bitte teilt den Text und vielleicht sieht dann auch ein Sender wie pro7, dass es Grenzen geben muss.

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“Grüne Liebe” – meine Kantine in Ehrenfeld

Es gibt so Zeiten, da fühlt man sich besser, wenn man leicht isst. Also eine pürierte Gemüsesuppe, einen leckeren Smoothie oder eine Saftschorle. Mir geht es derzeit so. Ich habe festgestellt, es geht mir besser, wenn ich mittags nicht allzuviel Gerümpel in mich reinschaufel. Und wenn, dann sagt es mir mein Bauch schon, wenn es unbedingt wieder Pizza sein muss.

Aber es ist auch total einfach, sich mit Suppen und Smoothies zu ernähren. Denn ich habe direkt ums Eck die “Grüne Liebe“. In einer Seitenstrasse in Köln Ehrenfeld, sonnig und eingerahmt von einer Bar, einem marokkanischen Geschäft – und dem Kaufland. Das kleine Lokal ist genauso neu wie ich im Veedel, etwa 8 Wochen. Und hat sich schon als feste Größe etabliert.
Innen bietet ein großer Tisch Platz für 6-8 Gäste. Da sitze ich fast jeden Mittag, denn das kleine, liebevoll eingerichtete Lokal hat eine Bank in der Sonne, das ist wunderbar. Und der Chef Simon Stäblein hat einen lustigen Musikgeschmack, Oldies von Jerry Lee Lewis bis Abba, der Besuch macht also in vielerlei Hinsicht gute Laune. (Der gute Mann ist übrigens auch Urban Gardener und Comedian)

Die Grüne Liebe ist Hobbyweltverbessern in Reinkultur – denn es wird das regionale Obst und Gemüse benutzt, das nicht den optischen Anforderungen entspricht, aber sonst tiptop ist. Und das sonst weggeworfen werden müsste – aber in einem Smoothie oder einer Suppe ist die Optik egal. Und schmecken tut es. Sehr sogar. Man kann sich die Suppen (Kosten alle 4,90 Euro) nach eigenem Geschmack verfeinern, aber ich bin eigentlich immer sehr zufrieden. Alles, was ich mir wünschen würde, wäre eine etwas größere Portion, damit die Suppe als vollwertiges Mittagessen durchgeht. Dazu gibt es zwei immer frisch-warme Miniröggelchen und selbstgemachte (!) Kräuterbutter.  Die Smoothies sind durchweg lecker, ich entscheide mich aber irgendwie immer für den Haussmoothie “Grüne Liebe” mit Grünkohl, Birne, Banane und Mandelmilch…(3,60 Euro)…hmm. Und gesund. Vieles ist vegan, aber auch nicht alles – jeder findet was.
Mich macht die “Grüne Liebe” jeden Mittag ein kleines bisschen glücklicher – und das ist doch das Beste, was man von einem Lokal erwarten kann.

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Jerusalem durch die Jahrtausende – was für ein episches Buch

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Jerusalem, Felsendom, im Hintergrund die Grabeskirche Foto: wikipedia/Berthold Werner

Es ist ein beachtlicher Wälzer, über 700 Seiten hat die Paperback-Ausgabe von “Jerusalem – the Biography” von Simon Sebag Montefiori. Aber das ist dem Inhalt durchaus angemessen, denn das Buch will nicht weniger als die Frage beantworten, warum ausgerechnet Jerusalem die Stadt ist, die für drei Weltreligionen das Allerheiligste darstellt. Und dazu braucht es eben überbordene Geschichten und Geschichte – von der Zeit Davids (der mittlerweile als eine historische Persönlichkeit bestätigt ist) bis zu der heutigen Zeit zeichnet der Autor die Geschichte in Blut und Glanz und Gloria. Zwar erklärt der Autor, die Geschichte der Stadt chronologisch erzählen zu wollen, doch er beginnt im Prolog mit einer ihrer dunkelsten Kapitel – der Zerstörung des Tempels durch Titus.

jerusalem-m_1806846fEindringlich schildert Montefiori das unfassbare Massaker, geschichtlich genau und präzise. Nach diesem Prolog ist man gefesselt, liest atemlos weiter. Es ist ein Sachbuch, aber es ist so unterhaltsam wie ein gutgeschriebener Roman. Der Autor stellt Bibel – für diese Stadt eine unverzichtbare Quelle – und neueste Forschung gegenüber. Nach dem römischen Prolog geht weiter durch die Jahrtausende, Assyrer, Seleukiden, Römer, Kreuzzüge, Osmanen…bis in die heutige Zeit. Der Autor hangelt sich an den jeweiligen Herrschern der Stadt die Historie hinan, ohne das große Ganze aus dem Blick zu lassen. So haben nicht nur glorreiche Feldherren ihren Platz, sondern auch das Leiden der Bevölkerung. Alle Kapitel sind von Historikern gegengecheckt und auf Korrektheit überprüft – das ist ist wichtig in einer Geschichte, bei der ein falsches Wort wieder jemanden beleidigen kann. Immer wieder überlagern vor dem geistigen Auge die Bilder der derzeitigen blutigen Auseinandersetzungen in der Nahostregion die historischen Bilder – denn immer schon war die Region und Jerusalem im Besonderen umkämpft. Ein seit 3000 Jahren währender Kampf um Unabhängigkeit – was für ein Epos.

Was ich so unfassbar hilfreich finde: “Jerusalem – a biography” macht einen Konflikt transparenter und verständlicher, der unsere Welt entscheidend prägt und der uns doch in seinen Wurzeln rätselhaft erscheint. Ich möchte das Buch allen empfehlen, die Spaß haben an Geschichte und die verstehen wollen, wiedie vergangenen Jahrtausende unsere Gegenwart prägen.

Es ist eine großartige Lektüre und ich freue mich, im Mai diese Stadt nach langem wieder besuchen zu dürfen. So bin ich überhaupt zu dem Buch gekommen: ich hab es in der Münchner Bahnhofsbuchhandlung liegen gesehen und gedacht, es könnte eine gute Idee sein, mich für die Reise einzulesen…

PS: Ich hab es auf Englisch gelesen, es gibt es natürlich auch auf Deutsch .)

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Einfach mal Danke

Danke an euch, liebe Leser. Es berührt mich sehr, dass es im Monat über 10.000 Menschen gibt, die meine Artikel hier lesen. Und nicht nur das: Ihr kommentiert, diskutiert, teilt Artikel. Danke dafür. Ich weiß, das ist kein schicker Modeblog, kein aufwändig recherchierter Politblog, kein liebevoll fotografierter Reise-oder Kochblog. Nur meine Kolumnen und Ansichten, Kurioses und (meiner Meinung nach) Wissenswertes. Danke, dass ich euch damit unterhalten darf. Allein, dass ihr den Weg zu mir findet… Danke, ihr seid toll.

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Das Letzte Abendmahl – getrennt bezahlen oder alle zusammen?

Last SupperDen Film “Die verrückte Weltgeschichte” von Mel Brooks finde ich bis auf ein paar Szenen nicht so lustig. Witzig ist allerdings das “Letzte Abendmahl”, Brooks spielt dabei den Kellner, der gerade abkassieren will. “Geht das zusammen oder getrennt? Wer hatte Falafel mit Hoummus?” – Okay, albern. Aber lustig. Zum Schluss kommt noch der Maler, der alles verewigen will und dann stehen sie da wie bei dem Berühmtesten aller Abendmahle, dem von Leonardo da Vinci, mit dem Tablett als Heiligenschein.

Der Mel Brooks-Sketch ist nur eine von unzähligen Hommagen, Parodien, etc – außer der Mona Lisa ist kaum ein Bild so oft als Vorlage benutzt worden. Eine gigantische Sammlung, von Star Wars bis Comic-Figuren, findet ihr hier. Mir gefällt auch die Version von David La Chapelle, der das Abendmahl mit Gangsta in da Hood besetzt.

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Auch Steel Panther hat das Bild für das Cover ihrer neuen CD “all you can eat” genutzt. SteelPanther_AllYouCanEat_Album PackshotIch mag das. Verrückterweise ist vom Original ja gar nicht mehr viel da. Leonardo hat das Bild auf eine feuchte, schimmelige Wand mit Temperafarben gemalt, es begann schon zu seinen Lebzeiten abzubröckeln, ungeschickte Restauratoren, renovierende Mönche, marodierende Franzosen (Soldaten ritzten während während der Besetzung Mailands durch Napoleon an dem Bild herum, lagerten dort Munition und benahmen sich auch sonst nicht gut) taten ein übriges. In den letzten Jahren wurde das Bild gesäubert, alles bis auf die originalen Leonardo Farb-Reste entfernt und die nun leeren Stellen mit Wasserfarben überpinselt. Deswegen werden sich Fragen wie “zeigt das Bild einen Mann oder eine Frau an der Seite von Jesus?”, die Dan Brown aufwarf, nie endgültig beantworten lassen. Je weniger man sieht, umso mehr Raum für Spekulationen und Verschwörungstheorien bleibt. Auch sehen ganz viele Laienkunsthistoriker in ungefähr 6 der 13 Köpfe auf dem Bild ein Selbstportrait Leonardos.

Ich hätte gern gewußt, wie das Original mal ausgesehen hat, es muss spektakulär gewesen sein. (Auch wieder so ein Fall für eine Handykamera und eine Zeitmaschine)

 

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