Ist unser Rechtsempfinden 75 Millionen Euro wert?

Ja, man kann sagen, die Staatsanwaltschaft in München hat alles richtig gemacht: kein teurer Gefängnisaufenthalt bei Bernie Ecclestone, stattdessen einige Millionen mehr in der Staatskasse. Aber darf man sich das wirklich so einfach machen? Denn so ein Urteil kostet auch etwas. Nämlich den Glauben der Bevölkerung an den Rechtsstaat. Wenn man mit Geld alles regeln kann, dann war ja auch die Bestechung vorweg, um die das Verfahren ja ging, eigentlich völlig okay, oder? Man zahlt, man bekommt, was man sich wünscht. Ein beendetes Verfahren, die Rechte an einer Sportart, egal. Läuft. Und gilt das dann im Kleinen auch? Zahlen für die Baugenehmigung, wenn Bestechung auffliegt, nochmal was zahlen und gut ist es?

Es heißt immer, eine Strafe sei nicht Strafe allein, sondern solle dem Täter ermöglichen, einzusehen, was er falsch gemacht hat und sich zu bessern. Reue ist etwas, was auch mit hineinspielt. Ecclestone war weder reuig noch hat ihm die Strafe vor Augen geführt, dass er etwas falsch gemacht hat. im Gegenteil. Ich finde, dieser Prozessdeal mag legal sein, aber er ist ein fatales Signal in einer Welt, in der viele glauben, alles sei mit Geld zu regen und Geld stehe über den Dingen. Ich würde mir eine Justiz wünschen, die denen zeigt, das Gegenteil ist wahr.

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Vom Kommissar zur Ein-Mann-Armee – ein Nachtrag zu Jo Nesbos Romanen

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Ich hab euch ja letztens von Harry Hole vorgeschwärmt, dem coolen Kommissar und der Erfindung von Jo Nesbo. Damals war ich noch bei Band 5, mittlerweile bin ich bei Band 9. Und die Romanfigur macht in der Tat einen Wandel durch – vom leicht versoffenen Kommissar zur supertoughen Ein-Mann-Armee, der wie Bruce Willis in “Stirb langsam” durch die Bösewichte holzt. Auch im Polizeipräsidium sind Freund und Feind nicht mehr auseinander zu halten, jeder kann ein Doppelagent sein – und ist es meistens auch. Da wird verraten und intrigiert, man könnte meinen, es seien alle Protagonisten in der Piratenpartei (sorry, could not resist) Es ist immer noch sehr unterhaltsam – ich bleib auf alle Fälle dran – aber mit den Krimis, die man sonst so kennt, hat das nicht mehr viel gemein.

Mit der Realität auch nicht. Abgesehen davon, dass die Menge an Morden aus Oslo eine Stadt machen würde, die es mit dem Ghetto in Johannisburg aufnehmen kann, es ist einfach irrwitzig, dass ein einzelner Mann in derartig viel verwickelt wird und mindestens 10 Mordanschläge überlebt. Die Morde werden immer grausiger, die Aufklärung immer rüder. Die Serienmörder immer ruchloser und irrer. Aber es ist, wie gesagt, immer noch sehr unterhaltsam. Nur auf eine andere Weise. Die Leser werden von einer harmloseren Krimiwelt hineingezogen in ein Paralleluniversum aus Drogen, Blei und Blut.

Aber was ist schon realistisch: Im Frankfurter Bahnhofsviertel hab ich den letzten Sommer mehr an Gewalt und Verbrechen mitbekommen, als ich es mir je habe vorstellen können. Messerstechereien, Banden, die Altmetall stehlen, Junkies, Hehler, Dealer, blutigste Schlägereien, Hells Angels und Bordelle auf meinem täglichen Weg von der Arbeit nach Hause. Dort ist die Welt von Harry Hole sogar erschreckend nah, wenn ich recht überlege. War sogar mir näher, als mir lieb war. Woanders ist sie meilenweit entfernt – ich muss immer lachen bei den Rosenheim Cops, die ja in meiner friedlichen, grünen bayerischen Heimat ermitteln. Da passiert auch jede Woche ein Mord. In der TV-Serie, natürlich nicht real. Auch das ist so übertrieben, dass es ans Groteske grenzt. Es wundert mich immer ein wenig, denn Rosenheim wären andere Verbrechen spannend und die sind tatsächlich real: Rosenheim ist als südlichste Stadt nach der Grenze zu Österreich einer der Hauptumschlagplätze für Drogen und war damals zu den Zeiten von Franz Josef Strauss einer der Plätze, wo das Amigounwesen im ganz großen Stil blühte mit der Firma März/Marox. Da könnte man Romane zaubern…aber soviel Realität verträgt die bayerische Kleinstadtidylle vielleicht nicht…

Ich warte jetzt auf den nächsten Teil von Harry Hole, der nach vielen Kugeldurchschüssen seinem Namen alle Ehre macht…

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Mehr Eleganz wagen – das Comeback des kleinen Mantels

Es gibt ein Kleidungsstück, das ich hasse. Nicht überall, aber als Tageskleidungsstück in der Stadt. Die Funktionsjacke. Quadratisch, praktisch, häßlich. Tragen auch nur deutsche Frauen. Warum? Das weiß der Himmel. Weils so praktisch ist, so patent, so auf alles vorbereitet. Ich bin ja dafür, dieses Teil aus dem Kleiderschrank zu verbannen oder nur da einzusetzen, wo es Sinn macht: im Gebirge, bei Wandertouren, im Himalaya. Aber nicht hier. Hat je eine Frau mit so einer Jacke hübscher ausgesehen? Stattdessen möchte ich ein Kleidungsstück promoten, das Klasse hat. Das wunderschön ist und jedes Outfit adelt. Das Instant-Schick zaubert und jede Frau eins hübscher und eleganter wirken lässt. Fraulicher, unendlich viel besser gekleidet: der kleine Mantel. Lässig zu Jeans udn T-Shirt, elegant zum Rock, traumhaft zur Lederleggings, perfekt zum Kleid. Prinzessinnen tragen sowas – und sollte nicht jede Frau eine Prinzessin sein? Der Mantel passt für alle Frauen in allen Größen, er macht uns schön. er kaschiert, akzentuiert. Eine bessere Investition als einen leichten Sommermantel kann es kaum geben.

Ich möchte für ein Comeback plädieren. Bis in die Mitte der Sixties war es selbstverständlich, so einen Mantel zu tragen. Das war eine Zeit, in der man sich schick machte fürs Essen gehen, in der man Cocktailkleider trug und keine Holzfällerhemden im Club – auch Holzfällerhemden haben was, aber ich finde es schön, dass sich jetzt wieder viele abends herausputzen. Und jetzt eben auch wieder tagsüber. So ein Mantel ist ja nicht schwer zu kombinieren und schafft Instanteleganz. Wär das nix? Ich finde, die allerschönsten Mäntel macht Rene Lezard. Klassisch, zurückhaltend und trotzdem glamourös. Im kommenden Sommer mit Bronze- oder Silberakzenten, in leichten Tweets mit Neonfäden gemischt mit Pastell. Toll. Im Herbst und Winter gibt es Mäntel in Schwarz, Grau und Beige – Eggshape, tailliert oder Blazerstil. Ich persönlich mag im Winter den lässigen Blazerstil besonders gern. Aber es findet echt jede Frau etwas, was ihr steht. Über die Preise werdet ihr sicher wieder diskutieren, aber ich finde, ein Kleidungsstück, das zu allem passt und das viele Jahre getragen wird, darf auch was kosten, wenn die Qualität stimmt. Ansonsten finden sich bei Zara immer wieder sehr schöne kleine Mäntel unter hundert Euro. Lasst euch einfach mal inspirieren und fragt euch, was toller aussieht: Die Frauen aus vergangenen Zeiten oder die, die ihr mit ihren Funktionsjacken jeden Tag im Bus trefft.

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Der gute alte Filterkaffee – neu entdeckt

IMG_0764Dank der Hipster ist das Älteste wieder das Allerneueste. Sei es der Opabart oder die Opastrickjacke, die Hornbrille, der Plattenspieler, die Tapete oder das Hollandrad. Und nun kommt auch der Filterkaffee wieder zu Ehren. Brewed Coffee heisst er jetzt, die dazugehörigen Cafes “Brew Bars”. Zum Beispiel das Woyton in der Altstadt von Düsseldorf hat sich dem Filterkaffee verschrieben und bietet auch Tastings an. Aber wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Ich hab das mal wieder zu Hause ausprobiert. Netterweise durfte ich von Coffee Circle das Einsteigerset testen. Es besteht aus einem Set für Filterkaffee, dem “Pour Over Kit V60” der japanischen Firma Hario (mit 18 Euro sehr preiswert für Einsteiger) und einem Päckchen Coffee Circle Kaffee Limu. Der Kaffee ist vom Allerfeinsten. Fair Trade. 100% sortenreine Arabica Bohnen werden von Hand in Waldgärten des äthiopischen Hochlands gepflückt und sind dank der traditioneller Trommelröstung sehr bekömmlich. Ich leg ja Wert auf sowas. Lieber weniger, dafür besser – ich hab was davon, die Hersteller und Bauern auch. Winwin!

Das Aufbrühen ist eine Wissenschaft für sich. Mit dem beiliegenden Messlöffel geb ich erstmal 16 Gramm Kaffeepulver für eine große Tasse (240 ml) in den Filter mit Filtertüte. Nix mit gestrichener Löffel, guter Kaffee muss Grammgenau gewogen werden. Da muss die Küchenwaage ran. Dann wird der Filter mit ein wenig heißem Wasser begossen und durchgespült – das Wasser wird weggeschüttet, dann geht es richtig los. Ich befeuchte das Kaffeepulver vorsichtig, warte 30 Sekunden und gieße dann den Rest des kochenden Wassers langsam mit kreisenden Bewegungen dazu. Langsam tröpfelt das braune Elixier in die Kanne – und es entfaltet sich wieder der Duft, den ich schon seit meiner Kindheit kenne, der “Gemütlichkeit”, “Frühstück ist fertig” “Aufwachen Schatz” zu rufen scheint. Hmmm. Der Kaffee ist richtig gut, stark und dunkel, wie ich ihn mag, aber kein bisschen bitter. Und die Müllmenge ist überschaubar, ein Papierfilter mit Kaffeepulver. Denn das Müllaufkommen meiner eigentlich geliebten Nespressomaschine liegt mir doch im Magen und verdirbt mir die Freude. Aber ab jetzt gibt es wieder am Morgen eine gemütliche Tasse Filterkaffee. Hier das Hipstervideo zur Kaffeeherstellung.

Das war, wie gesagt, nur was für Einsteiger. Profis mahlen den Kaffee in der Mühle selbst. Und verwenden ganz unterschiedliche Brühmethoden. Die uralte Karlsbader Kanne, oder ganz futuristisch, den Waterdripper, bei dem Eiswasser stundenlang über das Kaffeepulver tropft um einen einzigartigen Extrakt herzustellen.

Und, wer ist von euch schon wieder auf den Filterkafffee gekommen?

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Blick fürs Detail – Frau Majas Fotografie

Frozem Yogurt by Yomaru im Toykio - fotos bei @frauMaja

Frozem Yogurt by Yomaru im Toykio – Fotos bei Maja Tiegs


Ich mag die Fotos von meiner Freundin Frau Maja total gerne. Die Hobbyfotografin hat einen exakten Blick fürs Detail und ich möchte euch ihren Kanal auf flickr  ans Herz legen. Viele Piraten, viele wunderschöne Landschaftsaufnahmen. Wenn ich mit Maja durch eine Stadt wie Venlo gehe, entdecke ich ganz neue Seiten an dieser Stadt. Auch ihre Portraits zeigen immer ein wenig mehr vom Menschen als nur das Gesicht. Viel Spaß beim durchgucken :)

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3. August 2014 · 7:30 nachmittags

Endzeitfilme – warum kommen sie jetzt wieder?

1980 kämpften die Russen in Afghanistan, Bomben erschütterten das von Israel besetzte Westjordanland, im Iran wurde Chomeini Staatschef und der kalte Krieg war noch sehr kalt. Die Grünen in Deutschland kämpften gegen die Bedrohung der Atomkraft, die damals riesig schien. Und ein Film kam in die Kinos, billig gedreht, aber unfassbar erfolgreich: Mad Max. Der Film hatte nicht nur zwei Followups, sondern brachte auch eine ganze Reihe von Nachfolgern hervor. Ein Held, gespielt vom jungen Mel Gibson, schoß sich als Ein-Mann-Armee durch diese Ödnis, half mal wieder wem, aber mehr so zufällig. Moral kann er sich nicht leisten und alle anderen auch nicht. So waren die Endzeitfilme, die eine Zukunft auf einer fast zerstörten Erde zeigten. Eine Ödnis, in der marodierende Banden und hoffnungslose Grüppchen um Wasser, Öl und andere Überlebensmittel kämpften. Damals erschien das gar nicht so abwegig, die Menschen hatten Angst vor der Zukunft. Mad Max wurde Modevorbild – ich würde behaupten, mit dem Film kamen die Combatklamotten und Camouflage zum ersten Mal in Mode. Mötley Crüe und andere Metalbands nahmen sich Mad Max zum Vorbild für ihre Bühnenklamotten.

Und nun kommt Mad Max wieder in die Kinos. Nicht mehr mit Mel Gibson, sondern mit Tom Hardy. Ich weiß nicht, wie gut die Neuauflage wird, aber den Trailer haben schon über 7 Millionen Leute gesehen. Ich frage mich, warum kommt jetzt ein Remake? Ist die Zeit wieder reif für Endzeitfilme? Die Zeichen der Zeit sprechen dafür: diverse Kriege erschüttern den Planeten und die Einschläge rücken immer näher vor unsere Haustür. Noch merken wir hier wenig, aber wie schnell ein Land im Chaos versinkt merken wir an der Ukraine. Die Träume von Frieden und einem Planeten im Wohlstand scheint ausgeträumt. Die Beziehungen zwischen Ost und West kühlen wieder merklich ab. In Afghanistan ist immer noch kein Frieden. Wir werden von paranoiden Regierungen überwacht und grundlos durchleuchtet. Vielleicht macht die Filmindustrie nur sichtbar, was in den Köpfen der Leute wieder herumspukt. Angst vor einer Zukunft, die nicht rosig ist. sondern so blutrot-kaputt wie die Mad Max-Welt. Wie seht ihr das? Ist es bloß ein Actionfilm oder der Ausdruck einer neue Zukunftsangst?

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Tortour de Fashion – wenn Mode wehtut

Die Künstlerin Svenja Ritter hat offenbar die gleichen Assoziationen wie ich beim Anblick hoher Stilettos. Wunderschön, sexy, glitzernd, aber wahre Folterinstrumente, die die Füsse schmücken und zugleich verletzen. Die die Trägerin auf ein Podest stellen, aber sie nageln sie dort auch fest. Auf jeden Fall scheinen die Marterinstrumente die Künstlerin zu faszinieren, denn sie hat ihnen eine ganze Rehe von Kunstwerken gewidmet. Im Rahmen des Out of the Box Events waren sie in der Box am Schadowplatz zu bewundern. Schön und erschreckend zugleich. Ich mag diese Art PopArt-Kunst. An der Grenze zum Kitsch, sehr greifbar, ästhetisch ansprechend. Mal verwandeln sich die Schuhe in ein schillerndes Krustentier, mal erstarren sie zu spitzen Eisnadeln oder werden zu goldenen Schuhen voller Rosen – und Dornen.

Wer sie verpasst hat, kann die Horrorschuhe zusammen mit den Werken von 11 anderer Künstler in der Kunstgalerie Petra Nostheide-Eÿcke bewundern. Die Galeristin beschäftigt sich seit einem Jahr mit dem eigenen Projekt “Kunst + Schuhe” und hat 12 Künstler eingeladen, ihren Beitrag zu leisten. Die entstandenen Arbeiten sind in der Gemeinschaftsausstellung mit dem Titel “ART SHOES –Shoes in Contemporary Art” gebündelt und werden vom 31. Juli 2014 an erstmalig in den Düsseldorfer Räumen der Galerie an der Kirchfeldstr. 84 präsentiert und sind bis zum 27. September 2014 zu sehen.

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