Archiv der Kategorie: Politik

Quo Vadis Feminismus?

Würde mich wer fragen, würde ich sagen – ja klar bin ich Feministin. Ich kann nämlich deutlich erkennen, dass Frauen es in vielerlei Hinsicht schwerer haben in unserer Gesellschaft. Wenn es Leute gibt, die das anders sehen, das sei ihnen unbenommen – darüber will ich nicht diskutieren. Denn meine eigenen Erfahrungen (und die vieler Freundinnen)  sind die von gläsernen Decken, von Ungerechtigkeiten beim Lohn, von ganzen Branchen, in denen die Meinung einer Frau nicht so hoch gewertet wird wie die eines Mannes. Wenn wer sagt, das liegt an mir persönlich – gut, deine Meinung, aber Diskussion beendet. Da kommen wir nicht zusammen. Und ja, es gibt auch Ungerechtigkeiten für Männer, etwa beim Sorgerecht. Auch nicht gut. Dennoch macht ein Unrecht das andere nicht wieder wett. Wer so argumentiert, ist ebenso ignorant wie die andere Spezies, um die es in diesem Artikel geht.

Ich finde, es gibt viel zu tun in dieser Richtung und das sollten wir Frauen und Männer gemeinsam angehen. Insofern ist die jetzt besonders laute Form de Feminismus extrem kontraproduktiv, denn sie treibt Keile zwischen Männer und Frauen und zwischen Frauen und Frauen. Frauen, die sich dieser aggressiven Art Feminismus nicht anschliessen wollen. Wie ich. Frauen, die jede Ansprache als sexistisch und jede Diskussion als Angriff sehen – so kommen wir halt nicht weiter. Kritiker sind grundsätzlich nur Hater, die allein mit dem Label diskreditiert werden sollen. Absurderweise nicht nur bei Feminismusthemen. Jeder, der dieser Hardcorespecies auf irgendeinem Gebiet widerspricht, wird leicht zum “Hater” gestempelt. “Ich mag Vanilleeis.” “Ich nicht” “du Hater” – um es mal ganz überspitzt zu machen. Ich habe recht, weil ich eine Frau bin? – Äh, nein. Genauso wenig wie Männer Recht haben, weil sie Männer sind.

Dabei treten die Feministinnen (oder deren Gegenteil, die Maskulinisten) meist im Rudel auf, fallen im Rudel – schnell organisiert durch die sozialen Netzwerke – über ihre Kritiker her und verlangen dann sogar mal schnell ein Redeverbot, für alle, die nicht deren Meinung sind. Schwimmen ihnen die Felle davon, wird blitzschnell vom Angriff in eine weinerliche Opferhaltung geswitcht – und die ist dann wirklich nur noch abstoßend. Dann wird passiv-aggressiv der Account gelöscht (also für ein paar Tage stillgelegt) um den Beteiligten ein echt schlechtes Gewissen zu machen. Eine Haltung, die sonst nur in extrem antiquierten Rolllenklischees bedient wird “Zu Hülf! Zu Hülf! Ich werde bedroht!” Was natürlich Käse ist, weil eine Diskussion keine Bedrohung ist.

Ganz klar: ich trete dagegen an, dass Frauen benachteiligt werden – und Benachteiligungen gibt es genug. Dagegen müssen wir angehen – gemeinsam. Aber eine Diskussion mit unterschiedlichen Meinungen zu einem Thema ist keine Diskriminierung. Bitte, macht mit so etwas Feminismus nicht kaputt.

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Ist unser Rechtsempfinden 75 Millionen Euro wert?

Ja, man kann sagen, die Staatsanwaltschaft in München hat alles richtig gemacht: kein teurer Gefängnisaufenthalt bei Bernie Ecclestone, stattdessen einige Millionen mehr in der Staatskasse. Aber darf man sich das wirklich so einfach machen? Denn so ein Urteil kostet auch etwas. Nämlich den Glauben der Bevölkerung an den Rechtsstaat. Wenn man mit Geld alles regeln kann, dann war ja auch die Bestechung vorweg, um die das Verfahren ja ging, eigentlich völlig okay, oder? Man zahlt, man bekommt, was man sich wünscht. Ein beendetes Verfahren, die Rechte an einer Sportart, egal. Läuft. Und gilt das dann im Kleinen auch? Zahlen für die Baugenehmigung, wenn Bestechung auffliegt, nochmal was zahlen und gut ist es?

Es heißt immer, eine Strafe sei nicht Strafe allein, sondern solle dem Täter ermöglichen, einzusehen, was er falsch gemacht hat und sich zu bessern. Reue ist etwas, was auch mit hineinspielt. Ecclestone war weder reuig noch hat ihm die Strafe vor Augen geführt, dass er etwas falsch gemacht hat. im Gegenteil. Ich finde, dieser Prozessdeal mag legal sein, aber er ist ein fatales Signal in einer Welt, in der viele glauben, alles sei mit Geld zu regen und Geld stehe über den Dingen. Ich würde mir eine Justiz wünschen, die denen zeigt, das Gegenteil ist wahr.

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Endzeitfilme – warum kommen sie jetzt wieder?

1980 kämpften die Russen in Afghanistan, Bomben erschütterten das von Israel besetzte Westjordanland, im Iran wurde Chomeini Staatschef und der kalte Krieg war noch sehr kalt. Die Grünen in Deutschland kämpften gegen die Bedrohung der Atomkraft, die damals riesig schien. Und ein Film kam in die Kinos, billig gedreht, aber unfassbar erfolgreich: Mad Max. Der Film hatte nicht nur zwei Followups, sondern brachte auch eine ganze Reihe von Nachfolgern hervor. Ein Held, gespielt vom jungen Mel Gibson, schoß sich als Ein-Mann-Armee durch diese Ödnis, half mal wieder wem, aber mehr so zufällig. Moral kann er sich nicht leisten und alle anderen auch nicht. So waren die Endzeitfilme, die eine Zukunft auf einer fast zerstörten Erde zeigten. Eine Ödnis, in der marodierende Banden und hoffnungslose Grüppchen um Wasser, Öl und andere Überlebensmittel kämpften. Damals erschien das gar nicht so abwegig, die Menschen hatten Angst vor der Zukunft. Mad Max wurde Modevorbild – ich würde behaupten, mit dem Film kamen die Combatklamotten und Camouflage zum ersten Mal in Mode. Mötley Crüe und andere Metalbands nahmen sich Mad Max zum Vorbild für ihre Bühnenklamotten.

Und nun kommt Mad Max wieder in die Kinos. Nicht mehr mit Mel Gibson, sondern mit Tom Hardy. Ich weiß nicht, wie gut die Neuauflage wird, aber den Trailer haben schon über 7 Millionen Leute gesehen. Ich frage mich, warum kommt jetzt ein Remake? Ist die Zeit wieder reif für Endzeitfilme? Die Zeichen der Zeit sprechen dafür: diverse Kriege erschüttern den Planeten und die Einschläge rücken immer näher vor unsere Haustür. Noch merken wir hier wenig, aber wie schnell ein Land im Chaos versinkt merken wir an der Ukraine. Die Träume von Frieden und einem Planeten im Wohlstand scheint ausgeträumt. Die Beziehungen zwischen Ost und West kühlen wieder merklich ab. In Afghanistan ist immer noch kein Frieden. Wir werden von paranoiden Regierungen überwacht und grundlos durchleuchtet. Vielleicht macht die Filmindustrie nur sichtbar, was in den Köpfen der Leute wieder herumspukt. Angst vor einer Zukunft, die nicht rosig ist. sondern so blutrot-kaputt wie die Mad Max-Welt. Wie seht ihr das? Ist es bloß ein Actionfilm oder der Ausdruck einer neue Zukunftsangst?

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Prügelei vor und auf den Bildschirmen – Gamescom 2014 öffnet die Tore

ubicom_header2Für Jungs ist es wohl die wichtigste Messe des Jahres, die Nerdapotheose, der Traum: die Gamescom. ab 13. August öffnet die Kölner Messe wieder ihre Tore für die Gamer. Dann darf man wieder allerneueste Spiele testen und sich die Trailer dazu ansehen. Wenn man denn an die Konsolen kommt, denn die sind heiß umkämpft. Mittlerweile werden die Tickets knapp:

Nur noch wenige Restkarten für Donnerstag und Sonntag im Online Ticketshop verfügbar: Ausverkauf naht Restkontingent an Tagestickets für alle Publikumstage noch bei Saturn erhältlich, solange der Vorrat reicht. Einlass mit Nachmittagsticket voraussichtlich ab 14:00 Uhr, abhängig von Austritten – Wartezeit einplanen

Das ist natürlich bitter für Spontan Entschlossene, aber die wahren Fans haben sich schon längst ihre Tickets gesichert, um zu erleben, dass Assassins Creed jetzt in der französischen Revolution gelandet ist, vermutlich mit tragbarer Mini-Guillotine im Gepäck.Mich interessiert Watch Dogs mehr, ein Spiel über das Frankfurter Bahnhofsviertel. Oder sieht das nur so aus? The Evil Within von Bethseda kommt ungeschnitten, was alle freut, wobei derzeit kein Zombieshooter schlimmer sein kann als die Realität, die uns via Twitter udn TV nahezu ungefiltert den Nahostkrieg auf die Schirme spült. (auch wenn ich denke, dass jeder spielen darf was er will, wundere ich mich doch, warum derzeit jemand Krieg spielen möchte. Naja)

Wer da lieber die totale Realitätsflucht antreten möchte, auch das geht: es gibt einen Riesenauftritt von Blizzard und dessen World of Warcraft mit neuen Abenteuern im neuen Land Draenor. Ich spiel das ja nicht und frag mich gerade, was zuerst da war, der Landname in World of Warcraft oder der Character bei der Comedyshow von Michael Kessler, “Ich bin Ork von Draenor”. Wenn es die Comedy war, beweist die Gamesbranche extrem Humor.

Für Frauen ist die Messe nur bedingt geeignet: Es wird stundenlang angestanden und gerempelt, um die Spiele mal anspielen zu können, es gibt immer noch sexistisch gekleidetete Messebabes zu bestaunen, die Figuren in den Spielen sind immer noch für pubertierende Jungs gebastelt und Spiele, bei denen man sich selbst bewegen muss wie die mit der Kincect von Microsoft, die ich sehr geliebt habe, werden langsam aber sicher wiedereingestellt. Ein neues Spiel mit den rabiaten Rabbids von Ubisoft gibt es auch nicht. Ich werde trotzdem vorbeischauen und einige Pressekonferenzen mitnehmn, einfach, weil ich wissen will, wo der Trend so herweht.

 

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Kochen für den Frieden

Fotos: Random House

Fotos: Random House

Was derzeit im nahen Osten geschieht, in Gaza, das nimmt mich sehr mit. Ich wünsche mir sehr den Frieden dort – vor allem für all die ganz normalen Leute, die dort ohne Fanatismus ihr Leben führen wollen ohne Angst und Not. Wer mit was wie wo Schuld hat, steht mir nicht zu zu beurteilen. Davon soll der Blogbeitrag auch gar nicht handeln.

Sondern von dem wunderbaren Kochbuch “Jerusalem” von Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi. Der eine Koch wuchs im westlichen, jüdischen Teil der Stadt auf, der andere im östlichen, muslimisch geprägten. In London, wo beide jetzt leben, haben sie sich getroffen und festgestellt, wie ähnlich ihre Kindheitserinnerungen waren, wie ähnlich auch die Küchen, die ihre Eltern jeweils kochten. Das Buch ist eine Reise in ihre Kindheit, in die die Autoren uns mitnehmen, sie erzählen von den Gerüchen, den Geschmäckern der heiligen Stadt, von den kleinen Läden in der Altstadt, von gemeinsamen Gerichten und deren Varianten.

Kommt Tahini (Sesampaste) ins Baba Ganoush (eine Auberginenpaste, ich sage übrigens ja, unbedingt), wo bekommt man den besten Hoummous, was macht das typisch süsse Gebäck des Orients aus und wie serviert man Falafel richtig. Das Buch ist durch die Kollaboration ein wunderbares Symbol für den Frieden, es zeigt, wie viel beide Bevölkerungsteile gemeinsam haben, wenn sie es nur mit genug Abstand betrachten. Ich möchte es jedem ans Herz legen, dessen Interesse von die Küche des vorderen Orients über Döner hinausgeht.  Vielleicht schafft die gemeinsame Küche mehr Verständnis füreinander, als es die Politik je könnte… Kochen für den Frieden…

Die Rezepte sind toll bebildert, relativ leicht nachzukochen und schmecken traumhaft. Manchmal gibt es Anleitungen zur Vereinfachung, die ich gerne nutze. Zum Beispiel mache ich mir nicht die Mühe, die Quitten für die gefüllten Quitten (Unteres Bild) auszuhöhlen, ich gar die Füllung als Fleischklösschen daneben. Geht auch…

Gefüllte Quitten mit Lammhack und Granatapfelkernen Foto: Random House

Gefüllte Quitten mit Lammhack und Granatapfelkernen Foto: Random House

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Traurige Trikots von Adidas zur WM

Es ist ein nationales Symbol, etwas, das ein ganzes Land mit Stolz tragen soll – das Trikot der Fußballnationalmannschaft. Hergestellt von Traditionshersteller Adidas. Es kostet stolze 79 Euro. Bei dem Preis wird doch alles in Ordnung sein mit der Herstellung, da ist bestimmt ein guter Lohn für die Näherinnen drin? Hast du dir gedacht – laut der Anstalt im ZDF sind es 80 Cent pro Trikot. Die müssen im Akkord genäht werden. Die Näherinnen können trotz 10 Stunden an der Maschine ihre Familien nicht ernähren. Sie werden krank, weil sie durch Akkordarbeit nicht mal auf die Toilette dürfen. Und ja, die anderen Sportfirmen, Nike und Puma, sind bestimmt nicht besser. Aber Adidas näht für Deutschland bei der WM.

Wie gesagt, es ist nicht irgendein T-Shirt. Es ist das Shirt, das für Deutschland steht. Auf das wir alle stolz sein sollen – oder es sogar tragen als Fans unserer Natonalmannschaft. Und dieses Symbol sollte eine anständige Herkunft haben, seine Näherinnen auch stolz machen, weil es sie gut ernährt. Jetzt ist es eine Schande.

Und Adidas ist das offenbar völlig egal. Vielleicht weil die fränkische Firma weiß, dass kein Kleiderskandal je etwas am Kaufverhalten ändern wird. Weil billig zählt. Aber das Shirt ist nicht billig, sondern richtig teuer. Bei Nachfrage sowohl bei der Pressestelle als auch bei der PR Firma wird einfach abgewunken. Statement? Gibt es nicht. Braucht es ja nicht. Es geht ja nur um ein nationales Symbol.

Was ist eure Meinung, sollte ein wichtiges Trikot fair hergestellt sein? Oder ist das bei dieser WM eh schon egal?

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Fußball und Nazis passen nicht zusammen

http://m.youtube.com/watch?feature=youtu.be&v=Z3-VCkdsvQk

Im “Namen der Rose” hat ein verrückter Mönch versucht, ein Buch zu vernichten, weil es das Lachen behandelt hat. Er weiß, wie gefährlich Lachen ist. Wenn man über etwas lacht, hat man keine Angst mehr davor. Bei Nazis ist es doch genauso. Wer die Braune Gurkentruppe mal genauer anschaut, der kann gar nicht anders, als die total lächerlich zu finden. Kein Film ist da besser als ‘der große Diktator” – allein die Festnahme von Diktator Hynkel mit dem blöden Gamsbarthut nach vorne. Unbezahlbar. Oder die Nazis in “Blues Brothers”…
Genauso sieht es Borussia Dortmund, die den zahlreichen Ewiggestrigen in ihrer Stadt mal zeigen, was sie von ihnen halten. Nicht viel. Gut so.

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23. Mai 2014 · 9:09 vormittags