Archiv der Kategorie: Medien

Warum Syrer und Nazis einen gemeinsamen Feind haben

1632 Die letzten Tage waren bitter für Deutschland. Mit den Bildern aus Heidenau wurden Erinnerungen an allerdunkelste Zeiten wach. Die Bilder von den Nazis, die besoffen vor einem Flüchtlingslager randalieren, sind nicht nur ein hässlicher Schandfleck. Sie sind Ausdruck einer hilflosen und seit Jahren völlig verfehlten Politik. Es wäre jetzt so einfach zu sagen: pfui, böse Rechte. Natürlich haben sich die Leute in Heidenau aus dem Konsens unserer Wertegemeinschaft verabschiedet. Natürlich sind das Idioten. Da könnte ich jetzt weiterschimpfen und draufknüppeln und alle würden mir recht geben und applaudieren. Nur so einfach ist alles nicht. Unser Problem liegt im Suchen allzu einfacher Feindbilder- und die Schuldigen kommen immer davon.

Und genau da liegt das Problem. Denn auch die Leute in Heidenau sind abgehängte Loser und Opfer einer Globalisierungspolitik, genau wie die syrischen Flüchtlinge. Beide haben nur nicht erkannt, dass sie eigentlich einen gemeinsamen Feind haben, gegen den sie gemeinsam aufstehen müssten. Gemeinsam mit den Griechen, den Spaniern, der englischen Unterschicht…und wegen des Öls und den Geschäften mit den Saudis wird weitgehend tatenlos zugesehen, wie der Nahe Osten im Chaos versinkt. Die Syrer und Sudanesen, die Libyer und Algerier sind Kollateralschäden der Gier.
Seit Jahren tobt der entfesselte Raubtierkapitalismus durch Europa, reißt ganze Volkswirtschaften in den Abgrund und destabilisiert ganze Regionen.
Es gab im letzten Jahr einen Film, der in der Zukunft spielt, in dem sich die Reichen auf einer Insel verschanzt haben und den Rest der Erde sich selbst überlassen haben. Ich habe den Film nicht gesehen, aber das Bild passt. Denn die Wirtschaft und die Oberschicht haben sich entkoppelt vom Rest der Bevölkerung. Und die Medienmächtigen und die Politiker haben sie mitgenommen auf ihre Insel. Da sitzen sie nun und tun so, als ob sie der Rest der Menschheit nichts angeht. Währenddessen geht sich Arm gegen Ärmer an die Gurgel.

In Deutschland sind wir reich, dennoch gibt es viele, die bereits den kalten Atem der Armut im Nacken spüren. Und noch mehr, die unbewusst fühlen, dass gerade alles in eine Schieflage gerät. Dass unsere Politiker die Weichen falsch stellen Richtung Zukunft. Der digitale Wandel wird verschlafen, die Zukunft Deutschlands als Innovationsstandort verspielt. Wir sind kein Land der Rohstoffe, wir sind ein Land der Erfindungen. Das wird so nicht gesehen. Und das ist schrecklich für die Zukunft unserer Kinder.
Stattdessen werden Angst-Szenarien aufgebaut, es wird subtil gehetzt, nur um nicht zugeben zu müssen, wie weit das Versagen geht. Da werden Rentner und Hartz IV Bezüge gegen Flüchtlinge ausgespielt. Arbeitnehmer gegen Arbeitslose. Es wird ein erbarmungsloses Konkurrenzdenken gefördert, vielleicht auch nach dem lateinischen Spruch “Divide et impera” – “Teile und herrsche”, damit die Leute nicht anfangen zu denken, wo der wirkliche Feind sitzt und sich nicht zusammentun. Das Gesicht des Stillstands trägt die Züge von Frau Merkel. Sie will als Kanzlerin Europas in die Geschichte eingehen, wird aber vermutlich als Totengräberin dieser Idee in den Geschichtsbüchern zu finden sein.
Natürlich müssen wir zusammenhalten und Flüchtlinge willkommen heißen. Und eine Zukunft planen, die weiter sieht als bis zum eigenen Vorgarten. Vermutlich sind diese Zusammenhänge zu groß für einen kleinen Blogbeitrag. Zu groß für mich.

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JETZT LIKED DAS GEFÄLLIGST!!!!!!!!!!! Jan Böhmermann ist besoffen bei Facebook

Jan Böhmermann rantet übers Ranten. Der neue Trend der Promiproleten, je nach Ausrichtung nach links oder rechts die Spacken aller Fronten zu begeistern, wird in dem herzallerliebsten Song “ich bin besoffen bei Facebook” persifliert. Haben wir uns nicht Promis gewünscht wie die Stars in den USA? Die kompetent mit den Social Media Kanälen umgehen? Die ihren Ruhm und ihre Polularität nutzen, um gute Dinge zu bewegen? Na gut, die haben wir nicht bekommen. Wir haben wildgewordene Kleinbürger, die nur zufällig etwas besser aussehen als der Durchschnit und deswegen ihr Gesicht auf der Leinwnd und imTV zeigen dürfen. Wobei ich die Art von Til Schweiger, mit der Flüchtlingspolitik umzugehen, anfangs sogar richtig gut fand. Aber sich dann mit Sigmar Gabriel zu verbünden – nö. Echt nicht. Und was Joko Winterscheidt macht, das  ist nur noch Ausnutzen der eigenen Machtposition – sowas geht echt gar nicht. Insofern – Böhmermann rulez!

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20. August 2015 · 9:57 vormittags

Mädchentv auf RTL2

01-bg-popstars-2015-jury-miss-platnum-1341650Ist es Wahnsinn, Mut oder Alternativlosigkeit? RTL2 will es noch einmal wissen und sucht erneut “Popstars” . Wieder ein Musikformat, wieder eine Castingshow. Wenn auch eine, die mit recht kompetentem und sympathischem und vor allem noch nicht völlig durchgenudeltem Jurypersonal daherkommt. Gesucht wird eine Mädchenband, und zwar von einem Frauentrio: Tanzchoach Bella Garcia, Sängerin und Produzentin Miss Platnum und die Sängerin Stephanie Heinzmann, die selbst aus den Mühlen eines Castingsformats (Von Stefan Raab) hervorgegangen ist. RTL2 kehrt damit mit der Mutter aller Castingshows wieder, “Popstars”  die damals erste Staffel im Jahre 2000 des Formats – auch auf RTL2 – brachte immerhin die No Angels hervor, eine Band, deren Mitglieder jetzt immer noch irgendwo im TV zu sehen sind, wenn auch schon lange nicht mehr zusammen. Die, die damals Kinder waren, die vielleicht die Staffel sehen durften vor dem Zubettgehen,  sind nun bereit, das Erbe anzutreten – und wieder eine neue Erfolgsgeschichte zu schreiben. Die hat das Genre auch dringend nötig: Mädchenschwarm Samu Harber soff mit seinem Band-Format gnadenlos ab und tauchte gerade noch eben unter der Oberfläche der öffentlichen Wahrnehmung auf, als man die Show auf den Samstag morgen verlegte. Ansonsten werden zahllose Sänger gesucht, gefunden und ebenso schnell wieder verloren. Heute abend (17.08, 2015 Uhr) geht es los.

Das Format hat alles, was die Zielgruppe wünschen kann: drei Vorbildfrauen als Jury, darunter die charismatische Miss Platinum. Viele junge, hübsche, talentierte Kandidatinnen, mit denen sich die Zuschauerinnen identifizieren können, mit denen sie leiden und sich freuen können. Viel Musik. Ein cooles Ambiente, RTL” hat inder Nähe von Köln eine wirklich fantastische Location gefunden, die einen unglaublichen Charme ausstrahlt. Viel Emotion. Da geh ich jetzt einfach mal von aus. Was mir gefällt: es wird ohne Erniedrigen gearbeitet, ohne Fertigmachen udn Anschreien. Auch wird es keine Castingphase geben. Es sind bereits am ersten Tag der Show 27 talentierte Leute da,die im Vorfeld ausgesucht wurden. Ohne abstimmen und ohne untalentierte Einsprengsel zum Weglachen, die die Bohlenshows immer so unerträglich machen.

Aber die Art, wie die 27  “Mädels” ausgesucht werden, ist wieder die bewährte Art: gesucht wird ein Gesamtpaket, Mädchen, die talentiert sind, klar, vor allem aber willig sind, sich formen zu lassen und den Vorgaben des Formats zu genügen. Heutige Popstars können das mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll mal gepflegt vergessen – denn  “Es muss einem klar sein, so eine Chance wird einem nicht geschenkt, da muss man schon dafür arbeiten”, erklärt mir Miss Platnum bei der Pressekonferenz. “Eine Traumstimme, die aber absolut nicht tanzen kann oder so etwas, das wird es nicht geben. Und eigentlich schafft es auch jede, auf ein gewisses Niveau zu kommen.” Aber dieses arbeitssame Credo hat die jetztige Generation auch bereits mit der Muttermilch eingesogen und das wird auch gar nicht mehr hinterfragt. Ich frag mich ja immer, was eigentlich die Stones oder die Beatles oder andere Gruppen machen würden – würden die es auch schaffen im heutigen Musikgeschäft…egal…

Zumal der Rock’n’Roll heutzutage ganz woanders herkommt – nämlich aus dem Netz. Da tummelt sich so einiges,was ziemlich disziplinlos daherkommt, viel ausprobiert und einfach mal macht (Ein Konzept, das ich – ich muss es zugeben – ziemlich mag) Was RTL2 dieses Mal so ganz besonders richtig macht ist eine Innovation, die durch die Hintertür kommt und vielleicht die wahre Revolution des Formats darstellt: die beiden hyperbeliebten Bloggerinnen und Youtuberinnen Bibi und Mary M. kommentieren das Geschehen. Die beiden haben Millionen Fans auf Youtube, allein wenn deren Fans zuschalten, dürfte Popstars ein Quotenrekord werden. Es ist das erste Mal, dass Blogger wirklich ernsthaft in ein TV Format eingesetzt werden. Es könnte ein Dammbruch sein. Das ist auch das Experiment, das ich mir unbedingt einmal ansehen muss heute abend.

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Meine Nominierung zum Liebster-Award

Die Bezaubernde Katha von Vegane Wanderlust hat mich zum Liebster-Award nominiert. Was für eine Ehre. Danke erstmal dafür. Da muss ich doch gleich mal ihre Fragen beantworten – Und dann noch zehn weitere Blogs nominieren.

award

1. Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?

Ich war früher Redakteurin, aber das hat mir zunehmend weniger Spaß gemacht: zuviel Zensur, zuviel Druck, zuviel Reinreden der Anzeigenabteilung – das hat mich genervt. Ich wollte das schreiben dürfen, was ich will. Und das tue ich jetzt. Mein Blog ist nicht auf Kommerz aufgerichtet, ich will damit kein Geld verdienen. Ab und an eine reise machen, ab und an ein Produkt testen – das muss reichen. Ich will unabhängig bleiben, sonst hab ich gleich wieder den Druck am Hintern. Will ich nicht.

  1. Was möchtest du mit deinem Blog erreichen?

Ich freue mich, wenn Leute den Blog lesen. Mittlerweile sind das so um die 500 Leute am Tag. Super Sache. Ich will zum Nachdenken anregen, mir den Frust über Mediengruseligkeiten von der Seele schreiben, Tipps geben, und Leuten Musik oder Produkte empfehlen, die ich wirklich, wirklich gut finde.

  1. Was könntest du 5 Mal die Woche essen?

Japanische Nudelsuppe Ramen, am liebsten die Version DanDan mit Hackfleisch und Misosuppe. Könnte ich baden drin.

  1. Was möchtest du in 3 Jahren erreicht haben?

In Köln/Düsseldorf tatsächlich ankommen. Jemand finden, mit dem ich alt werden kann und der das mit mir will (ich bin zuversichtlich)

  1. Was möchtest du in deinem Leben unbedingt mal gemacht haben?

Ich mach eigentlich alles, was ich in meinem Leben machen will: Kinder kriegen hat leider nie geklappt, was ich schade finde, aber das lag nicht in meinen Händen. Ansonsten: mit Delphinen schwimmen – gemacht, für den Bundestag kandidiert – gemacht, Bungeejumpen – gemacht, bei einer Premierenfeier einem besoffenen Hollywoodstar die Treppe runter geholfen – gemacht…ich würde gerne singend mit meiner Lieblingsrockgruppe „Steel Panther“ in Wacken singen.

  1. Angenommen es gäbe keine sprachlichen/kulturellen “Hürden”, wo würdest du leben wollen?

Irgendwo wo es warm ist – klare Sache. Am liebsten irgendwo in der Karibik oder in Maimi Beach, wo alles bunt ist und fröhlich und das Essen scharf und die Rumcocktails vorzüglich sind.

  1. Dein Geheimnis gegen schlechte Laune?

Keins. Abwarten und Tee trinken. Wortwörtlich. Ich muss nicht immer gut gelaunt sein.

  1. Was hat deine Oma immer für dich gekocht?

Dampfnudeln – und Gott sei Dank kann meine Tante Luise die immer noch und macht sie wieder. Ohne Dampfnudeln wäre das Leben bei weitem nicht so fluffig.

  1. Welche Superpower hättest du am liebsten?

Gute Frage. Herausragende Kampfkünste brauch ich keine, ich hab mich mein Lebtag noch nicht geprügelt. Aber ich würde gerne perfekt surfen können und fliegen – insofern wäre das silberne Surfbrett des Silversurfers das, was ich gerne beherrschen können würde.

  1. Wo trifft man dich, wenn du nicht grade am Laptop sitzt?

Im Zug, im Büro der Agentur, bei der ich arbeite, in Köln Ehrenfeld beim Kebabland, am Rhein, in Düsseldorf bei Bäcker Hinkel am Samstag und bei Jades oder auf der Kölner Ehrenstrasse am Stöbern, auf dem Flohmarkt am Aachener Platz, in irgendeiner Großstadt in Europa, in der es gutes essen gibt. Auf meiner geliebten Terrasse in Düsseldorf. Bei der „Grünen Liebe“ oder im Takumi, wo es die Nudelsuppen gibt.

Teil zwei, die Nominierungen und die Fragen, kommen morgen. :)

 

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Klicknuttenjournalismus

Buzzfeed - das Internet als kreischbunter Bonbonladen mit schnell konsumierbaren Häppchen.

Buzzfeed – das Internet als kreischbunter Bonbonladen mit schnell konsumierbaren Häppchen.

“25 Dinge, die sie über Stil wissen müssen”, “Was diese Hollywoodstars für ein dunkles Geheimnis haben”, “die lustigsten Tweets mit denen Du Schluss machen kannst” “So irre Torten, das glaubst du nie”….und mitten drin ist man in einer Buzzfeed-Klickstrecke, bei der man vor lauter Werbung den richtigen Next-Button gar nicht mehr findet. Und den auch gar nicht finden soll…

Die Medienwelt starrt gebannt und fasziniert auf dieses grell-schrille Universum, in der jede Überschrift eine Sensation verspricht und meistens nur Rohrkrepierer liefert. In der alles von Rankings und Listen lebt, die in den USA so beliebt sind. Alles wird gezählt, bewertet, gerankt, alles ist Wettbewerb und alles konkurriert um Aufmerksamkeit.

Häppchen statt Onlinejournalismus
Und die Verlage finden das geil und wollen alle auch so einen Journalismus, der Traffic und Riesengewinne zu garantieren scheint. Auch der von mir geschätzte Richard Gutjahr will unbedingt, dass das alles noch viel knalliger “snackable” wird. Für Leute, denen 140 Zeichen zu viel Text sind. Bei mir offenbart sich die Krux schon daran, dass mich die ganzen in Gutjahrs Beitrag eingebetteten Videos stören. Vermutlich bin ich zu alt, aber mich nervt das, ich will in meinem Tempo was lesen, und nicht ein Video gucken – in der Bahn muss ich dann Kopfhörer aufsetzen, im Büro sowieso. Ist das echt so bequem? Find ich nicht.

Ist das überhaupt Journalismus?

Aber auch Video ist schon fast wieder passe – nur noch winzige Gifs, Snippets, Meercat- oder Periscope-Sachen sind der neueste heiße Scheiss. Aber Moment mal, ist das noch Journalismus? Ein klares Nein von Medienspezialist und Netzpolitiker Jens Best:
“Der ganze digitale Hype geht nicht um Inhalte, Wissen und Aufklärung, sondern darum “Content” zu verchecken, es ist die Optimierung des Phamplets an der Wand der Spelunke, aber kein Journalismus. Mit Spelunke will ich verdeutlichen, dass es “niedere” Beweggründe geben kann, um etwas zu veröffentlichen. Schlechte, einfache Unterhaltung oder tendenziöses Berichte über die Realitäten “da draußen” – und all diese Beweggründe haben ihre Berechtigung in der simplen Unterhaltung, aber es ist eben kein Journalismus”
So schön auf den Punkt hätte ich es nicht bringen können. Nein, es ist kein Journalismus, sondern Klicknuttentum, Anzeigenhurerei der schlimmsten Art. Die bunteren Verlage, Burda oder Springer, sind schon ganz emsig dabei, ihre Seiten nach diesem Vorbild auszurichten…aber ich bin sehr sicher, dass sie damit scheitern werden. Denn Menschen, die hierzulande auf Newsseiten gehen, erwarten auch News zu finden und keine nervigen Bilderstrecken ohne echte Substanz. (Die Diskussion, ob das, was auf diesen Seiten bis jetzt zu finden ist, Substanz hat, will ich an der Stelle nicht führen). Stern.de beweist, dass ein Vertiefung von Content auch zum Erfolg führen kann – da bin dann auch ich wieder gern an Bord.
Wenn es nicht mehr um Journalismus geht, sondern um Gewinnmaximierung, sollten die Verleger vielleicht in den Drogenhandel einsteigen, da gibt es noch mehr Gewinn und bunte Bilder sieht der Konsument auch, um es mal überspitzt auszudrücken.

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Warum ich um #Faketopia froh bin

Es sollte ein Sozialexperiment sein - nun ist es ein Mediendebakel "Newtopia" - Foto: SAT1

Es sollte ein Sozialexperiment sein – nun ist es ein Mediendebakel “Newtopia” – Foto: SAT1

So, endlich war mal wer so blöde oder so besoffen, sich öffentlich zu verplappern. #faketopia – bei newtopia gab eine Redakteurin live und öffentlich den Kandidaten Regieanweisungen. Endlich müssen auch die naivsten Zuschauer und fanatischsten Fans kapieren: sie werden im großen Stil veräppelt. All die Shows, bei denen ihr glaubt, dass Herr Zufall regiert, laufen in Wahrheit nach einem festen Drehbuch ab. Kandidaten spielen festgelegte Rollen, Handlungsstränge werden absichtlich ausgebaut oder fallengelassen, und ist mal zu wenig los, wird ein Konflikt inszeniert.
Nichts ist echt. Gar nichts. Nicht die Kandidaten, nicht die Gefühle, nicht die Wahl der Jury irgendeiner Sendung.
Ich bin froh, dass es nun öffentlich ist. Weil es einem nie wer so recht geglaubt hat, außer andere Medienschaffende.
Wird es Konsequenzen geben? Vermutlich nicht. Die Zuschauer erwarten Drama, erwarten Kitsch – das wird weiter bedient werden. Und das Gedächtnis ist kurz. Morgen wird schon wieder aufs nächste Tränendrüsen-Format reingefallen.

Eine Kollegin meinte eben, auch der Anruf zum Faken könnte gefakt gewesen sein, um das unliebsame Format frühzeitig zu beerdigen. Auch ne Möglichkeit.

So wird im TV gefakt:

Der Vollfake: Berlin Tag und Nacht, Frauentausch, Gerichtsshows etc folgen einem fixen Drehbuch, nur die Leute tun so, als wäre alles echt. Hier eine Liste deutscher Vollfakeformate.

Der Fake on the go: Man guckt mal, wie sich die Dinge entwickeln, was gut und was schlecht ankommt und brieft dann die Kandidaten entsprechend. (wie bei Newtopia)

Eine typische Kandidatin, die vom TV-Sender auf Aufmischen gecastet wurde Foto: RTL

Eine typische Kandidatin, die vom TV-Sender auf Aufmischen gecastet wurde Foto: RTL

Die Agent Provokateurs: Ein Teil der Kandidatinnen spielt eine feste Rolle. Die Zicke, die Verwöhnte, die Supertussi – Formate wie GNTM oder der Bachelor werden so belebt. Diese “Kandidatinnen” müssen bis zu einem gewissen Punkt in de Sendung mitgeschleift werden, damit das Geschehen bunt bleibt. Die anderen Kandidatinnen wissen oft nicht, wer fake ist. Bei Bauer sucht Frau werden die Ränge mit Leuten aufgefüllt, die nicht unbedingt viel mit Landwirtschaft zu tun haben.

Der Fake durch den Schnitt: Durch gezieltes Filmen von z.B. dreckigen Ecken in Wohnungen oder geschickte Schnitte in Interviews etc wird das Bild, das der Zuschauer von Kandidaten hat, bewußt beinflusst. Das wird in allen Formaten gerne gemacht.

 

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So geht man nicht mit Teenies um

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Diese Schuhe erinnern mich an Heidi Klum: Wunderschön, aber boshaft stachelig und verletzend

Mir ist gestern echt die Luft weggeblieben. Ich hab in das Ende von Germanys next Topmodel reingezappt und ich war sprachlos. Entsetzt. Angewidert. Was immer vorher in der Sendung passiert ist, weiß ich nicht. Aber im finalen Aussortieren wurde eine Kandidatin, mit 16 sogar die Jüngste, mit einem Mobbingvideo konfrontiert, in dem vier Mitstreiterinnen sie beschuldigen, schlecht über sie zu reden. So weit, so albern. Dann diskutieren ernsthaft Menschen wie Wolfgang Joop, Thomas Hayo und Übermodelmami Heidi Klum über die pubertäre Posse – und – das finde ich jetzt bodenlos, werden die Mobberin, die das Video inszeniert hat und die Gemobbte gemeinsam vor die Jury geholt und die Gemobbte wird als Krönung der Demütigung auch noch rausgeschmissen.
Ich möchte die Leute der Produktionsfirma und die Verantwortlichen bei Pro7 schütteln und fragen, was sie sich dabei denken. Da wird mit der Psyche von Menschen gespielt, die fast noch Kinder sind. Das geht echt zu weit. Ja, ich weiß, das ist der Deal, aber hat das Fernsehen, gerade mit so jungen Kandidaten, nicht die Pflicht, die Leute ein wenig vor sich selbst zu schützen? Und vielleicht sollte ich auch um den gescripteten Dreck nicht so viel Aufhebens machen. Ist doch alles nur Drama Baby, Drama. Aber: das weiß ich und nicht die junge Zuschauergruppe, die ein äußerst fragwürdiges Bild der Welt präsentiert bekommt: “du kannst eine fiese Mobberin sein, Hauptsache gut aussehen dabei.” Danke für nix, liebe Heidi.
Wenn ihr auch nicht wollt, dass das so weitergeht, bitte teilt den Text und vielleicht sieht dann auch ein Sender wie pro7, dass es Grenzen geben muss.

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