Archiv der Kategorie: Medien

Wir waren doch schon mal weiter, oder?

B2EocPAIcAAb72iIch bin gerade entsetzt über die “Themenwoche Toleranz” der ARD. Selten ist gut gemeint so unfassbar schlecht gemacht. Behinderung, andere Hautfarbe, Kinderfreudlichkeit, Schwulsein – müssen wir darüber noch diskutieren? Echt jetzt? Ihr macht mich sprachlos, liebe Programmmacher. Ist das euer Weltbild? Darüber müssen wir nicht mehr diskutieren. Schon gar nicht über Toleranz. Toleranz bedeutet, dass ich darüber vornehm hinwegsehe. Es geht vielmehr um Akzeptanz – verstehen und annehmen, dass es Menschen gibt, die anders sind, andere Bedürfnisse haben, aus anderen Kulturkreisen kommen. Das normal finden, nicht wert zu diskutieren, weil es einfach so ist.

Müssen wir im Jahr 2014 darüber diskutieren, ob jemand sich seine Sexualität aussuchen kann? Dass Behinderte überall inkludiert werden  und nicht behandelt werden dürfen wie Menschen zweiter Klasse? Dass Kinder auch mal laut sind? Allein der Slogan “Anders als du denkst” unterstellt den Zuschauern, dass sie nicht nachdenken, dass die Begegnung mit Schwulen, Behinderten, anderen Hautfarben etc neue, bahnbrechende Erkenntnisse liefern könnten. Ja wieso denn? Besser: wieso denn nicht – aber brauchen wir eine ARD, die da extra drauf hinweist, um zu zeigen, naja, so ganz normal sind die doch nicht. Denn alles, zu dem man eine Sonderwoche machen muss, ist nunmal – besonders. Verdammt noch mal, warum dann nicht einfach machen? Automatisch alle Sendungen für Gehörlose untertiteln, Schwule in Soaps integrieren, Rollstuhlfahrer als Protagonisten – als Bösewicht im Tatort wäre das doch mal cool, oder? In meiner Jugend in den 80ern war das alles so kein Thema, das war normal – wann wurde der Trend eigentlich wieder umgedreht zu Intoleranz, Engstirnigkeit und Hass anderen gegenüber?

Danke übrigens, dass ihr nicht auch noch Dicke und Frauen in die Gruppen auf dem Plakat integriert: Frauen: Deko oder Partner? Dicke: Ungesund oder Geschmackssache. Wo bleibt die “Leben und Leben lassen” Woche der ARD?

Wie seht ihr das? Ist so eine Themenwoche okay oder daneben?

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Was sich wirklich ändern muss in Frauenmagazinen

Die Meedia berichtet heute: “Eine Neustrukturierung, die es in sich hat: Im Zuge des verlagsweiten Sparkurses haben Geschäftsführung und Chefredaktion des G+J-Frauenmagazins Brigitte am heutigen Mittwoch angekündigt, alle schreibenden Redakteure zu entlassen. Betroffen sind insgesamt 11 Planstellen, davon 9 in den Redaktionen. Mit den Anfang des Jahres zu erwartenden Kündigungen einher geht eine Neuordnung der Produktion bei Brigitte, Brigitte Women und Brigitte Mom.”

So, jetzt entlässt die Brigitte also alle ihre Textredakteure – also die Redakteure, die aussschließlich schreiben. Was ein Redakteur ja eigentlich so macht. Die Manager, Maketingmenschen, Heftplaner, Budgetverwalter dürfen bleiben und diese Stellen werden sogar noch aufgestockt. Verkehrte Welt. Wieso glaubt jemand, so eine bessere Zeitschrift hinzubekommen? Wer soll dann das Heft füllen? “Nach dem Personalabbau, so der Plan des Managements, solle wie es im Haus heißt, ein “agiles und flexibles Kompetenzteam” die Heftproduktion leiten. Dieses besteht aus Chefredaktion CvD, der geschäftsführenden Redakteurin, Textchef sowie den Ressort- und Redaktionsleitern. Darüber hinaus soll eine weitere Führungsebene aus Stellvertretern eingezogen werden. Für diese werden sechs Stellen geschaffen, die intern besetzt werden sollen. Die Chefredaktion  erhoffe sich dadurch mehr “Vielfalt und Potenzial” von außen und neue Impulse für die Zeitschriften.” Das erinnert mich irgendwie an den Witz mit dem langsamen Ruderboot, wo statt weiterer Ruderer weitere Leute mit Anfeuerungsmegaphonen hingesetzt werden. Ich halte den Schritt für grundverkehrt. Denn wer nur Texte von außen holt, hat keine Ressourcen für aufwändige Recherchen – und die machen nun mal gute Geschichten aus. Freie sind in zweierlei Hinsicht fatal: 1. wer nach Worten bezahlt wird, kann sich aufwändige Recherchen nicht leisten. 2. Freie MÜSSEN positiv schreiben, weil sie sich sonst selbst die Lebensgrundlage entziehen.

Was richtig ist, ist, dass sich in der Printbranche was ändern muss. Die großen Flagschiffe wie die Brigitte, einst mit Milllionenauflage, haben Flaute. Nur noch (oder immerhin) 550.000 Leserinnen wollen wissen, was drin steht. Meine Mutter hat noch regelmäßig die Brigitte gelesen, sie sogar im Abo gehabt. Ich lese sie nicht mehr. Aus meinem eigenen Empfinden deswegen, weil mich die ewig ähnlichen Themen “Diät, Beziehung, Mode” in der Form nicht mehr interessieren. manchmal kaufe ich Hefte wegen spezieller Servicethemen “20 Radtouren durch Deutschland”, oder “100 beste Plätzchenrezepte” Ansonsten? Finde ich ein Thema spannend, will ich mehr lesen als das, was ich da finde, interessiert es mich nicht, sind 2 Magazinseiten auch zu viel. Ich vermisse auch die Interaktion, ich will diskutieren mit den Leuten, so wie es in Blogs möglich ist, ich will nachfragen können. Online macht Brigitte ja auch sehr viel richtig.

Aber ich hab immer das Gefühl, dass das, was in dieser Zeitschrift steht, eher so ein potemkisches Dorf ist, eine heile Welt, die nicht so existiert. Die echten Probleme von meinen Freundinnen und mir, die kommen nicht vor. Und die sind – eben auch – dass nun Leute aus ihren Jobs entlassen werden, um billig als Freie arbeiten zu “dürfen”. “Vielfalt und Kompetenz von Aussen” heisst das euphemistisch. Dass Frauen ab 45 es schwer haben, wieder einen Job zu finden, dass Familie, Liebe und Kinder eben nicht nur rosa Plätzchen backen ist. Dass Gleichberechtigung immer noch nicht funktioniert. Auch die Aktion mit den Nichtmodel-Modeln hat mich vor den Kopf gestoßen. (dass der Verlag das später genauso sah, war mir tiefe Befriedigung) Die Realität hat kaum Platz in den Magazinen, die findet sich in den Blogs und in Zeitschriften wie Brand1, die intelligent für intelligente Menschen schreiben und ihre Leser nicht für dümmer halten als sie sind.

Was sich ändern muss:

  • Aufhören mit dem Werbejournalismus in Mode und Kosmetik. Dort wird alles bejubelt, was die Anzeigenkunden befehlen zu bejubeln. Unkritisch. Damit muss Schluss sein. Wenn ein Produkt schlecht ist, sollte das auch gesagt werden. Die Leser erwarten Meinungen von Magazinen, keine weitere Werbung
  • Aufhören mit dem Gierjournalismus: Redakteure, die abgreifen, was abzugreifen geht. Und dann Berichte über Autos, teure Handtaschen und Luxusressorts schreiben, die der Blattzielgruppe ziemlich am Allerwertesten vorbei gehen
  • Aufhören mit der Annahme, alle Leser könnten sich jeden Monat Outfits im Wert mehrerer Kleinwagen kaufen. Stattdessen soll die Brigitte ran an die Realität
  • Mehr Themenvielfalt: Frau sein ist mehr als Kinder, Diät, Küche, Beziehung. Oder Promis, die als reiche Helfer durch die Elendsgebiete der Welt turnen und dort dann interviewt werden. Wo bleiben spannende Alltagsgeschichten? Wo hat man den Eindruck, dass die Redakteure das Leben der Leserinnen wirklich verstehen und nicht nur in einer erfundenen Pilcher-Zuckerwattewelt leben?
  • Noch mehr Service. Um mit den Blogs mithalten zu können, ist die ganze Kompetenz gefragt. Bessere Reisereportagen, bessere Kosmetiktests, bessere Modetipps, besser, besser besser – und nicht billig produziert mit armen freien Redakteuren, die gut über eine Destination schreiben müssen, weil sie drauf angewiesen sind, wieder eingeladen zu werden.

 

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“Auf die Haut würde ich kein Parfum mehr sprühen”

parfumIch hab ja über den (zumindest temporären) Verlust meines Geruchssinns geschrieben. Und ich will euch heute erzählen, wie wichtig dieser Sinn wirklich ist. Er ist eng verknüpft mit dem Geschmackssinn – Aromen von Kräutern, Gewürzen, Gemüsen etc – all das wird über die Nase wahrgenommen, ist die weg, bleibt nur ein sehr rudimentärer Mix aus süß, salzig, bitter, sauer, scharf – alles andere ist weg. Wie viel Spaß Essen da noch macht, kann sich jeder ausmalen. Ich war immer ein extremer Nasenmensch, der Film “das Parfum” hat mir aus der Seele gesprochen.

Deswegen war ich auch beim Vortrag von Professor Dr. Hanns Hatt von der Uni Bochum zum Thema “Wie Düfte unser Leben verändern”. Ich hatte mir Tipps für meine Krankheit erhofft (und auch bekommen)  – Aber der Vortrag war so oder so maximal spannend. Ein paar Fakten will ich an euch weitergeben.

Düfte manipulieren uns: Riecht ein Mann rosa Pampelmuse an einer Frau, schätzt er sie 6 Jahre jünger, mit Blumenparfum sogar 6 Kilo leichter. Weil er unterbewusst diese Düfte mit “jung und attraktiv” gleichsetzt. Firmen nutzen Gerüche, Mercedes und BMW verwenden spezielle Duftdesigns für Neuwagen, Geschäfte beduften sich, um unsere Kauflaune zu beflügeln. Dass die Automaten, die frisches Brot backen unseren Appetit im Supermarkt wecken, damit wir mehr einkaufen, ist mittlerweile bekannt. Aber auch Bekleidungshäuser nutzen solche Effekte, bei Abercrombie &Fitch riecht alles nach deren Parfum “Fierce”, auch noch tagelang nach dem Einkauf duftet die Ware daheim, ein kleiner Reminder für den nächsten Besuch…

Unsere Nase und der Geruchssinn sind in vielerlei Hinsicht noch ein Mysterium. Wir können einen Billion Düfte wahrnehmen. Die Riechzellen haben Rezeptoren, die bestimmte Duftmoleküle erkennen können. Die Duftmoleküle werden dabei wie Schlüssel in einem Schloss von den Riechzellen umschlossen und identifiziert. 350 verschiedene Riechzellen”Schlösser” haben wir, bei 50 davon ist bereits entschlüsselt, welche Düfte sie wahrnehmen, die anderen 300 haben ihr Geheimnis noch nicht preisgegeben. Wir wissen, wo “Banane” andockt, “Citronelle”, “Veilchen” – und diese Einzeldüfte setzen sich dann im Hirn zu einem großen Duftganzen zusammen.

Auch andere Körperzellen haben Duftrezeptoren: So “riecht” die Haut, eine Wunde heilt um ein Drittel schneller, wenn man Sandelholzparfum aufträgt. “Ich würde mir Parfum nicht mehr direkt auf die Haut sprühen, ich weiß nicht, was wir eigentlich damit anrichten”, meint Dr. Hatt. Maximal auf Kleidung und Haare. Auch Spermien haben Duftrezeptoren, mit denen sie dem Duft von Maiglöckchen folgen, den die Eizelle verströmt. Sie werden bei diesem Geruch doppelt so schnell um ihr Ziel zu erreichen…

Duft ist überhaupt ein entscheidender Faktor bei der Partnerwahl – meist unbewusst. Sind wir Frauen fruchtbar, ist der männliche Duft generell angenehmer. Würde man Probantinnen 10 T-Shirts geben, die Männer vorher getragen haben, würden sie sich anhand des Geruchs den als Sexualpartner heraussuchen, dessen Genetik am meisten von der ihren abweicht. Dessen Geruch finden Frauen am attraktivsten. Kann natürlich sein, dass einem dieser Mann optisch gar nicht gefällt – aber für den Nachwuchs wäre der am besten. Deswegen gibt es auch nicht den einen, einzigen Duft, der für alle attraktiv macht, den geheimen Liebesduft – da irrt das Buch “das Parfum”. Mäuse machen das mit dem Geruch  nicht anders – aber denen ist die Optik oder der gute Beruf des Partners wirklich egal. Vielleicht sind Mäuse glücklicher in der Liebe.

Wer mehr wissen will: Der Professor hat ein Buch geschrieben.

 

 

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Sex sells im HipHop? Oder wenn die Schlange den Apfelpo verführt

Oder sollte ich eher sagen Melonen? Weil es geht um Sex mit möglichst dicken Hintern. Jawohl. Nicki Minajs neues Video Anaconda schießt wirklich den Vogel ab. Zur Bassline des alten Rap-Klassikers “Baby Got Back” von Sir Mix-A-lot “rappt” und räckelt sich die Sängerin und erzählt, dass sie gerne Männer vögelt, die ihren dicken Hintern mögen. Dazu singt eine Männerstimme den Refrain “Meine Anaconda will nicht außer du hast nen Hintern”. Dazu kriecht sie vor einem Mann auf dem Boden rum, macht Lapdance oder isst lasziv Banane mit Sahne. Das ist alles so daneben, ich weiß nicht, wo anfangen. Wenn das die neue Emanzipation ist, dann möchte ich sie nicht. Bin ich einfach alt und spiessig geworden? Ist das Kunst oder kann das weg? Bitte, erklär mich mal wer von den Frauen unter 30, wie sie dieses Video sehen – das würde mich wirklich interessieren. Weil ich versteh die freiwillige Selbstaufgabe nicht…

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1. Oktober 2014 · 10:15 vormittags

Warum gebt ihr euch dafür her – Kay One sucht seine “Prinzessin”

Kay One, der Rapper ist, wie das Bild zeigt, auf der Suche nach wahrer Liebe Foto:RTL2

Kay One, der Rapper ist, wie das Bild zeigt, auf der Suche nach wahrer Liebe Foto:RTL2

Frauenfeindlicher geht es kaum. Und das Schlimmste, die Frauen machen den Scheiss begeistert mit…aber bevor ich in den Gernot-Hassknecht-Modus schalte, ein kurzer Abriss des Grauens: Kay One, schon unangenehm sexistisch aufgefallen bei DSDS, hat jetzt seine eigene Datingshow. “Prinzessin gesucht” – weil der Provinzrapper vom Bodensee sich Prince Kay One nennt. Dem wurde von einer anderen Castinggröße, Mandy Capristo, das Herz gebrochen, als sie Kay für (wundert es wen?) Mesut Özil verliess. Doch die Trauerphase ist vorbei, eine neue Liebe muss her. “Ich schau vor allem auf den Charakter“, und deswegen läßt er gleich drauf die Busen der Kandidatinnen vermessen, von einem kleinwüchsigen Butler, weil nur Frauen allein demütigen ist ja zu wenig.

Gepiercte und tätowierte Schönheiten, die dem RTL”-Klischee einer Traumfrau durchaus entsprechen, dürfen um die Gunst buhlen. Die vier Natürlichsten werden sofort vor die Tür gesetzt, da hat der Menschenkenner bestimmt sofort den Charakter gesehen…Aber wer das Rennen auch macht – das soll sich echt lohnen “Die Villa und der Lamborghini auf Mallorca sind zwar geliehen, aber zuhause warten meine Villa am Bodensee und mein Lamborghini. Die Frauen sollen wirklich mein Leben und mich kennen lernen”. okay, kennen lernen bedeutet, das gleiche Auto fahren wie daheim…

Warum macht bei der Kay One Bezirzung wer mit?

Es ist mir ein Rätsel. Ist es der Wunsch nach medialem Ruhm, ein billiger Mallorca-Urlaub, die echte Möglichkeit, den ziemlich doofen und optisch maximal durchschnittlichen Rapper zu umgarnen, nur weil er reich ist? Weil: Nett ist der Kerl nicht. Und an Liebe ungefähr so interessiert wie Darth Vader an Umweltschutzstandards. Egal, da wird der Depp umschwirrt, als hätte er den letzten Platz im Rettungsboot der Titanic angeboten. Wie devot und anbiederisch darf es noch werden? Die zicken um ihn, ziehen sich aus für ihn, schwenken Hintern und Brüste für ihn (Charakter, anyone?)

Berufsbild Casting-Trulla

Aber egal, das scheint ja mittlerweile ein echter Beruf zu sein “Casting-Trulla”, die von Format zu Format pendeln, mal bei “Mama Mia” Schwiegermütter überzeugen oder bei “Take me out” ihre Dates wegbuzzern, beim “Bachelor” oder dem “Millionaire” dabei sind, die “Liebe fürs Leben” zu finden. Sicha, sicha. Was sagt eigentlich eure Umgebung dazu? Eure Freunde, Eltern, Geschwister? Schämen die sich nicht ein bisschen? Schämt ihr euch nicht selbst ein bisschen, wenn ihr euch díe Plastikbrüste einölen lasst zur Primetime? Macht euch das nichts, wenn das ganze Internet über euch lacht?

Waren wir nicht schon mal weiter beim Frauenbild? 

Waren Frauen nicht mal stolz, diese Art der Anbiederung an Männer hinter sich gelassen zu haben? Wollten wir nicht mal weg von “immer sexy für meinen Männe sein müssen” wie in den 50er Jahren? Es wird immer behauptet, als sexy Frau hätte man alle macht der Welt. Willenlos sabbern die Männer hinter unserem Hintern her, wir stöckeln vorneweg. Was für ein Quatsch. Macht bedeutet, sich nehmen zu können, was man will, nicht, durch Manipulation jemanden dazu zu bringen, es einem zu geben.

Wer steckt da dahinter? Will das die Generation der Frauen um die 20 so, oder meint RTL, dass die das so zu wollen haben? Das ist meine  Frage an die Redaktionen und meine Zweite – ich stelle sie immer wieder gerne: warum nicht mal echte Menschen in echten Wohnungen und echten Leben so etwa suchen lassen wie echte Liebe? Ist das zu bizarr, zu verrückt, zu viel verlangt? Hab nur ich die Schnauze voll von Plastikmenschen? (Ich hab mir heute das ganze nur im Schnelldurchlauf gegeben)

 

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Widerliche Debatte – Verhüllen für Menschen ab 45?

Der Spiegel wird immer platter, leider. Vor allem online ist er kein Ruhmesblatt. Was aber Jan Fleischhauer diese Woche in seiner Kolumne abliefert, ist schändlich. Er fordert, wir sollten uns am Islam ein Beispiel nehmen und alles ab 45 aufwärts verhängen mit Burkas. Zum einen ist es Altersdiskriminierung und Fatshaming, zum anderen vergisst er anscheinend, dass Burka ein Frauenkleidungsstück ist, also meint er vermutlich doch nur die Frauen, die seinem hohen ästhetischen Anspruch nicht genügen. Zu sagen, dass auch Jan Fleischhauer meinem Anspruch nicht genügen würde, ist zwar wahr, aber billig.

Aber was denken sich die Leute in Zeitungen eigentlich? Ich hatte ja schon über diese Ästhetiknazis geschrieben, die meinen, anderen Leuten vorschreiben zu müssen, wer wann wieviel tragen darf. Es liegt nicht daran, wie er meint, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt. Sondern daran, dass wir uns für uns und unsere Bequemlichkeit ausziehen und nicht die sexuellen Fantasien eines Herrn Fleischhauers bedienen wollen. Glaubt er wirklich, die Leute wollen, dass er guckt? Wenn ich im Freibad liege, will ich meine Ruhe und Braun werden oder Schwimmen – nicht von fremden Männern angegafft werden. Nebenbei bedient er noch koloniale Fantasien von aufreizenden Haremsdamen, die ihre exotischen Reize zu seiner Lust verhüllen, um sie im gegebenen Zeitpunkt ihm darzubieten. soviele Fettnäpfchen auf einmal zu bedienen, das ist schon fast eine Kunst.

Verhüllen würde eine erotische Faszination ausüben, meint der Schreiber. Ich würde mir wünschen, der Spiegel würde diesen Artikel verhängen, um seinen Reiz zu steigern.
Wie seht ihr das? Hab ich unrecht? Mich würde eure Meinung interessieren

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Wie werde ich zum Prominenten, wie zur eigenen Marke?

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Ich habe oft überlegt was mich eigentlich so fasziniert von Formaten Promi Big Brother oder Dschungelcamp. Es ist, das habe ich jetzt herausgefunden, der Aufbau von Menschen als Marke in unserem medialen Zeitalter. Und so, wie es jetzt funktioniert, hat es eigentlich wirklich mit Big Brother angefangen. Vor diesem Format konnten völlig unbekannte normale Menschen nicht einfach so Promi werden. Die mussten schon irgendwas können. Entweder waren das Schauspieler oder Sportler, Wissenschaftler, Buchautoren, Nachrichtensprecher oder Zahlenumdreherinnen oder Lottofeen. Oder Gattin. Diese Art Prominenz ist seit Anfang des Jahrhunderts beliebt. Aber Promi einfach so? einfach nur weil man im Fernsehen war? Das gab es nicht. Danach schon. Big Brother eins weckte ein ganzes Heer von Promiwilligen aus dem Dornröschenschlaf, die zwar Nix konnten, aber immer wussten, dass sie eins sein konnten, ein Star. Gesagt, getan. Mittlerweile rekrutiert sich das Gros dessen was wir als Star begreifen von deren Leben wir in den Bunten Blättern und auf vielen Blogs wie Promiflash erfahren, aus abgelegten Kandidatinnen für diverse Castings- oder Kuppelshows. Es reicht, im Fernsehen gewesen zu sein, um weiter ins Fernsehen und auf promiveranstaltungen zu kommen. Und dafür Geld zu kassieren. Ein System, das sich mehr oder weniger aus sich selbst speist.

Das System braucht immer Nachschub
Doch das System gerät ins Stocken, weil die Zuschauer übersättigt sind von den Nullnummern. Von Gesichtern, die genauso banal wie die, die man jeden Tag auf der Arbeit sieht oder im Supermarkt. Was macht denn einen Star aus? Das ein wenig Überlebensgroße, das Extremere, das Charisma. Alles, was den TV-Pflaumen komplett fehlt deswegen kann im Prinzip jeder auf den promizug aufspringen. Ja, muss es sogar, wenn er oder sie als Marke oder mit ihrer Marke etwas werden will. Im Prinzip reicht es, oft genug auf Promiveranstaltungen aufzuschlagen und zu sagen, man ist Promi, um das irgendwann auch mal zu sein. So richtig hinterfragen tut das keiner. Wichtigste Eigenschaft ist – fotogen sein: besonders nackt, besonders schrill, besonders schön oder besonders besonders. Das reicht. Dann ist man sofort in den bunten Blättern. Wer von Natur nicht mit Schönheit gesegnet ist, muss operativ nachhelfen oder das Rollenfach “schrill” besetzen.

Richtig, eine Schwelle gibt es – man muss auf die Promiparties kommen. Aber das dürfte sich lösen lassen, wenn man wirklich ins Rampenlicht will. Jeder kennt irgendwen, der auf solche Parties kommt. Und da dann eben dranhängen. Ich hab mich schon mal
mit einer befreundeten Band gitarrrenkastenschleppend auf eine Premiere in München gemogelt, weil ich Fan des Hauptdarstellers war. (Dass ich um 4 Uhr nachts dem Bodygusrd geholfen habe, den Hauptdarsteller, der völlig blau war, die Treppe runterzuhieven, ist eine andere Geschichte).

Mensch als Marke ist hochkomplex

Im Prinzip funktioniert es in der Tat so einfach, einen Fuß in die Tür zu bekommen, sich aber als Marke am Markt zu etablieren und damit wirklich Geld zu verdienen, ist hoch komplex. Ein Image schaffen, aufbauen, pflegen, es nähren und behüten. Es gibt gute Beispiele, die sich seit Jahren in den Medien halten, ohne irgendetwas gut zu können als berühmt sein. Hierzulande Verona Pooth. Hat übersichtliches Talent, Größe Schönheit und einen Willen zum Erfolg. Super Kombi. Die hat lange die Masche “sexy Doofchen” geritten, mittlerweile ist sie behutsam auf “erfolgreiche Geschäftsfrau” umgeschwenkt. Jana Ina Zarella vermarktet ihre Mütterlichkeit und Fröhlichkeit etc. Jede hat etwas, was sie als Botschafterin für Marken empfiehlt. Georgia Fleurop hat ihre Zickigkeit, die ihr weitere Tv-Auftritte bringen wird, aber keinen lukrativen Werbedeal.

Doch um auf den Ausgangspunkt Big Brother zurückzukommen – was bringt so ein Format der Menschen-Marke? Auf alle Fälle schiere Bekanntheit. Darüber hinaus wird es schwer, denn Glamour liefern die Formate nicht. Und auch keinen direkten Verweis auf die hervorstechende Eigenschaft, die man unterstreichen will: Klugheit, Hilfsbereitschaft oder Sexyness. Also muss man im Dschungel oder im Haus auf sich und das Vermarktbare aufmerksam machen – was dazu führt, permanent im Dreck zu hocken, denn die Zuschauer wählen die, die auffallen, gerne für alles Unangenehme. Doch welche Firma bucht eine Celebrity, die man nur heulend und Maden übergossen kennt, für ihre Kampagnen? Also lieber Vorsicht und nicht zuviel auffallen – was zur Folge haben kann, dass man völlig übersehen wird. Auch nicht gut. Sogar noch viel schlimmer. Die Balance zwischen verwertbarer Popularität und peinlicher Aufdringlichkeit ist also schmal und braucht gute Instinkte oder gute Berater. Das macht derzeit den in Deutschland gängigen Star aus: ein Instinkt, was geht und was nicht.

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