Archiv der Kategorie: Medien

Klar, es ist nur der Neid….

So, ich weiß, ich habe lange nicht mehr in meinem Blog gepostet. Hatte viele Gründe. Vor allem private. Ich habe wieder einen neuen Job, bei Palmer Hargreaves in Köln. Der macht mir viel Spaß, kostet mich aber durch das Pendeln auch viel Zeit. Und da bin ich abends einfach oft froh, mir eine harmlose Sendung wie den „Bachelor“ ins Gehirn zu dübeln oder mich mit Freunden zu treffen – aber nicht noch schreiben.

Manchmal muss es allerdings sein. Wie jetzt, nachdem ich den Kommentar von Sibylle Berg gelesen hatte. Sie erklärt, dass es die niedrigste Stufe des TV-Ruhms darstellt, wenn man sich auszieht und damit Geld verdient. Der Kommentar ist okay, aber was mich echt sauer macht, sind die Kommentare darunter. Sie sei ja nur neidisch, keifen die Leute. „auf die knackige Jugend“ der Damen, die da so bereitwillig ihr getuntes Fleisch zu Markte tragen.

Hallo? Wieso soll eine erfolgreiche Schriftstellerin, eine anerkannte Geistesgröße der deutschen Literatur, neidisch auf solche Hühner sein? Weil sie nicht mehr 20 ist? Ja und? Was ist denn das für ein Frauenbild, das glaubt, eine Frau dürfe allein deswegen andere Frauen nicht kritisieren, weil sie älter ist als diese udn damit nicht mehr optisch so leistungsfähig? Geht es eigentlich noch? Abgesehen davon, dass Sibylle Berg sehr attraktiv ist, was ist das denn für eine Weltsicht, dass alles, was eine Frau zu sein hat, schön ist, und wenn sie nicht mehr schön genug ist für den Playboy, dann hat sie zu schweigen, und darf nicht jeden Ausbund an jugendlicher Dummheit benennen, weil das ist ja garantiert “Neid“. Wie mich das anwidert. Dieses Altherrengesabber, dass wir „alten Weiber“ den „feschen jungen Dingern“ den Ruhm nicht gönnen.

Ja, es ist durchaus nicht dumm, zu versuchen, mit dem wenigen Bisschen, dass die Natur einem mitgegeben hat, das Maximale rauszuholen und das ist Geld und Präsenz in den Medien. Wenn eine Frau das machen möchte, bitte. Aber es muss auch erlaubt sein, diese Medien dafür zu kritisieren, dass so wahnsinnig wenig reicht, ein bisschen Haut und ein bisschen Silikon und ein bisschen besoffenes Aufgedrehe in einem Castingformat, dass man es schafft zu Prominenz. Und das anzumerken, hat nix mit Neid zu tun…

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Ich möchte keine Gefühlsverstärker, bitte!

So muss Romantik - und im Hintergrund juchzen Chöre und Geigen  Bild: SAT!

So muss Romantik – und im Hintergrund juchzen Chöre und Geigen Bild: SAT!

Geschmacksverstärker gelten in Foodkritischen Kreisen als nicht gut. Die haben in Lebensmitteln nix verloren. Denn damit schmeckt alles süßer, schärfer, tiefer, intensiver. Und es braucht immer mehr mehr davon, die Dosis muss erhöht werden, bis der normale Geschmack gar nicht mehr an kann dagegen, wenn jede noch so geile frischgekochte Brühe unbedingt Maggi reinbraucht, damit das Geschmackserlebnis stimmt. Irgendwann ist jeder auf Geschmacksverstärker süchtig und glaubt, nur wenn ganz viel davon drin ist, ist die Sache perfekt. Vor allem für die große Masse, denen es schon zu mühsam ist, Spaghetti Bolognese auszusprechen und die nur noch “Bolo” sagen.

Musik ist der Gefühlsverstärker in den Medien. Bei den Privaten gibt es kein Programmfitzel mehr, das nicht mit mehr oder weniger passender Musik unterlegt ist. Bei Liebesschnulzen schrummern die Geigen, heulen die Frauenchöre und sanfte Stimmen hauchen “Stay with me”, während zwei Hände, in Goldglanz getaucht, sich gegenseitig in Slowmotion Ringe anstecken. Oder zwei relativ ungeschickte Bauern, die zu “Love is all around” oder zu “The Power of Love” ihre Leberwurst-Picknickkörbe verzehren. Da wird einem doch ganz warm ums Herz. Soll es auch. Hemmungslos wird mit unseren Gefühlen gespielt, wir werden manipuliert, sehen Romantik da, wo sonst nur Brache liegt. Nur wenn die Musik romantisch ist, wissen wir, dass auch echte Liebe im Spiel ist, oder?

Vorreiter sind da – wie sonst auch im Showgeschäft – die Amis. Ich brauche nur die Coca Cola Weihnachtswerbung “Make someone Happy” ansehen, um zu wissen, wie der Hase läuft. Der absolute Gefühlsoverkill mit Chören, Schneeglitzer, Glitzerglitzer, glücklichen Kindern, schönen Eltern, nur, um ein paar Flaschen Brause zu verkaufen. Und Tchibo und Konsorten drehen kaum weniger auf. Die nächste Eskalationsstufe kann zünden. Ich warte jetzt, dass demnächst die 20 Uhr Nachrichten mit Musik unterlegt werden. Drohende Musik beim ISIS-Angriff, heitere Musik bei guten Nachrichten. Damit auch alles wirklich so richtig ans Herz geht.

Geht euch das auch so auf die Nerven?

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Manchmal muss es ein echtes Buch sein…Neues aus Westeros

221540_originalDie Nachricht schlug ein wie eine Bombe: George R.R. Martin hat ein neues Buch herausgebracht, Neues aus Westeros, die Vorgeschichte zu seinem Meisterwerk “Game of Thrones”. Ich hab es mir auch gekauft. “The World of Ice and Fire” . Klar, musste ich haben, schliesslich les ich den Kram seit Mitte der 90er und nicht erst, seit die Serie auf dem Markt ist. Aber das Buch ist nur den echten Fans uneingeschränkt zu empfehlen. Wer schon beim Game of Thrones mit all den Aegons, Aemons, Aherys, Danerys, Aelle oder mit all den Starks, Lannisters, Tyrells, Fossoways etc überfordert war, den wird dieses Buch schier irre machen. Denn es erzählt die Geschichte von Westeros von den Anfängen, als die Eismauer noch nicht gebaut war und die Vorfahren der heutigen Hauptfiguren die junge Welt unsicher machten.

Es wird überaus ausführlich über die Geschichte des Hauses Targaryen berichtet, samt Namen aller Kinder, Mätressen, Ehefrauen und Drachen, da wird keine Nebenlinie ausgelassen und das kann manchmal ganz schön ermüdend sein. So etwa, wie wenn Oma bis ins Detail erzählt, was Tante Fanny mit Tante Resi und Tante Buzi besprochen hat in den 50ern und was es damals immer für Plätzchen an Weihnachten gab. Ja, es ist ganz nett, aber irgendwie bringt es einem jetzt so gar nix mehr btw bringt es die Handlung vom jetzigen Buch keinen Millimeter voran – dass lässt machen Fans verzweifeln. George RR Martin hat sogar Drohbriefe bekommen, er solle gefälligst mit dem Schreiben des Hauptwerkes weitermachen. Ich weiß ja nicht, ob das ein Kompliment oder Nötigung ist.

Aber “The world of Ice and Fire” ist nun da und die Fans werden sich sicher wieder beruhigen. Denn was wunderschön am Buch ist, ist die Ausstattung. Kunstleder gebunden, reich illustriert, aufwändig gestaltet. Es ist sicher Kunst, die hart an Kitsch grenzt, aber es macht Spaß, es anzugucken und sich in die Welt von Westeros holen zu lassen. Mit 38 Euro ist das Buch nicht günstig, aber mit z.B, einem Gutschein von Thalia wie diesem hier geht das dann wieder. Für alle, die die Fans der Serie zu Weihnachten beglücken wollen, ein Toptipp.

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Wir waren doch schon mal weiter, oder?

B2EocPAIcAAb72iIch bin gerade entsetzt über die “Themenwoche Toleranz” der ARD. Selten ist gut gemeint so unfassbar schlecht gemacht. Behinderung, andere Hautfarbe, Kinderfreudlichkeit, Schwulsein – müssen wir darüber noch diskutieren? Echt jetzt? Ihr macht mich sprachlos, liebe Programmmacher. Ist das euer Weltbild? Darüber müssen wir nicht mehr diskutieren. Schon gar nicht über Toleranz. Toleranz bedeutet, dass ich darüber vornehm hinwegsehe. Es geht vielmehr um Akzeptanz – verstehen und annehmen, dass es Menschen gibt, die anders sind, andere Bedürfnisse haben, aus anderen Kulturkreisen kommen. Das normal finden, nicht wert zu diskutieren, weil es einfach so ist.

Müssen wir im Jahr 2014 darüber diskutieren, ob jemand sich seine Sexualität aussuchen kann? Dass Behinderte überall inkludiert werden  und nicht behandelt werden dürfen wie Menschen zweiter Klasse? Dass Kinder auch mal laut sind? Allein der Slogan “Anders als du denkst” unterstellt den Zuschauern, dass sie nicht nachdenken, dass die Begegnung mit Schwulen, Behinderten, anderen Hautfarben etc neue, bahnbrechende Erkenntnisse liefern könnten. Ja wieso denn? Besser: wieso denn nicht – aber brauchen wir eine ARD, die da extra drauf hinweist, um zu zeigen, naja, so ganz normal sind die doch nicht. Denn alles, zu dem man eine Sonderwoche machen muss, ist nunmal – besonders. Verdammt noch mal, warum dann nicht einfach machen? Automatisch alle Sendungen für Gehörlose untertiteln, Schwule in Soaps integrieren, Rollstuhlfahrer als Protagonisten – als Bösewicht im Tatort wäre das doch mal cool, oder? In meiner Jugend in den 80ern war das alles so kein Thema, das war normal – wann wurde der Trend eigentlich wieder umgedreht zu Intoleranz, Engstirnigkeit und Hass anderen gegenüber?

Danke übrigens, dass ihr nicht auch noch Dicke und Frauen in die Gruppen auf dem Plakat integriert: Frauen: Deko oder Partner? Dicke: Ungesund oder Geschmackssache. Wo bleibt die “Leben und Leben lassen” Woche der ARD?

Wie seht ihr das? Ist so eine Themenwoche okay oder daneben?

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Was sich wirklich ändern muss in Frauenmagazinen

Die Meedia berichtet heute: “Eine Neustrukturierung, die es in sich hat: Im Zuge des verlagsweiten Sparkurses haben Geschäftsführung und Chefredaktion des G+J-Frauenmagazins Brigitte am heutigen Mittwoch angekündigt, alle schreibenden Redakteure zu entlassen. Betroffen sind insgesamt 11 Planstellen, davon 9 in den Redaktionen. Mit den Anfang des Jahres zu erwartenden Kündigungen einher geht eine Neuordnung der Produktion bei Brigitte, Brigitte Women und Brigitte Mom.”

So, jetzt entlässt die Brigitte also alle ihre Textredakteure – also die Redakteure, die aussschließlich schreiben. Was ein Redakteur ja eigentlich so macht. Die Manager, Maketingmenschen, Heftplaner, Budgetverwalter dürfen bleiben und diese Stellen werden sogar noch aufgestockt. Verkehrte Welt. Wieso glaubt jemand, so eine bessere Zeitschrift hinzubekommen? Wer soll dann das Heft füllen? “Nach dem Personalabbau, so der Plan des Managements, solle wie es im Haus heißt, ein “agiles und flexibles Kompetenzteam” die Heftproduktion leiten. Dieses besteht aus Chefredaktion CvD, der geschäftsführenden Redakteurin, Textchef sowie den Ressort- und Redaktionsleitern. Darüber hinaus soll eine weitere Führungsebene aus Stellvertretern eingezogen werden. Für diese werden sechs Stellen geschaffen, die intern besetzt werden sollen. Die Chefredaktion  erhoffe sich dadurch mehr “Vielfalt und Potenzial” von außen und neue Impulse für die Zeitschriften.” Das erinnert mich irgendwie an den Witz mit dem langsamen Ruderboot, wo statt weiterer Ruderer weitere Leute mit Anfeuerungsmegaphonen hingesetzt werden. Ich halte den Schritt für grundverkehrt. Denn wer nur Texte von außen holt, hat keine Ressourcen für aufwändige Recherchen – und die machen nun mal gute Geschichten aus. Freie sind in zweierlei Hinsicht fatal: 1. wer nach Worten bezahlt wird, kann sich aufwändige Recherchen nicht leisten. 2. Freie MÜSSEN positiv schreiben, weil sie sich sonst selbst die Lebensgrundlage entziehen.

Was richtig ist, ist, dass sich in der Printbranche was ändern muss. Die großen Flagschiffe wie die Brigitte, einst mit Milllionenauflage, haben Flaute. Nur noch (oder immerhin) 550.000 Leserinnen wollen wissen, was drin steht. Meine Mutter hat noch regelmäßig die Brigitte gelesen, sie sogar im Abo gehabt. Ich lese sie nicht mehr. Aus meinem eigenen Empfinden deswegen, weil mich die ewig ähnlichen Themen “Diät, Beziehung, Mode” in der Form nicht mehr interessieren. manchmal kaufe ich Hefte wegen spezieller Servicethemen “20 Radtouren durch Deutschland”, oder “100 beste Plätzchenrezepte” Ansonsten? Finde ich ein Thema spannend, will ich mehr lesen als das, was ich da finde, interessiert es mich nicht, sind 2 Magazinseiten auch zu viel. Ich vermisse auch die Interaktion, ich will diskutieren mit den Leuten, so wie es in Blogs möglich ist, ich will nachfragen können. Online macht Brigitte ja auch sehr viel richtig.

Aber ich hab immer das Gefühl, dass das, was in dieser Zeitschrift steht, eher so ein potemkisches Dorf ist, eine heile Welt, die nicht so existiert. Die echten Probleme von meinen Freundinnen und mir, die kommen nicht vor. Und die sind – eben auch – dass nun Leute aus ihren Jobs entlassen werden, um billig als Freie arbeiten zu “dürfen”. “Vielfalt und Kompetenz von Aussen” heisst das euphemistisch. Dass Frauen ab 45 es schwer haben, wieder einen Job zu finden, dass Familie, Liebe und Kinder eben nicht nur rosa Plätzchen backen ist. Dass Gleichberechtigung immer noch nicht funktioniert. Auch die Aktion mit den Nichtmodel-Modeln hat mich vor den Kopf gestoßen. (dass der Verlag das später genauso sah, war mir tiefe Befriedigung) Die Realität hat kaum Platz in den Magazinen, die findet sich in den Blogs und in Zeitschriften wie Brand1, die intelligent für intelligente Menschen schreiben und ihre Leser nicht für dümmer halten als sie sind.

Was sich ändern muss:

  • Aufhören mit dem Werbejournalismus in Mode und Kosmetik. Dort wird alles bejubelt, was die Anzeigenkunden befehlen zu bejubeln. Unkritisch. Damit muss Schluss sein. Wenn ein Produkt schlecht ist, sollte das auch gesagt werden. Die Leser erwarten Meinungen von Magazinen, keine weitere Werbung
  • Aufhören mit dem Gierjournalismus: Redakteure, die abgreifen, was abzugreifen geht. Und dann Berichte über Autos, teure Handtaschen und Luxusressorts schreiben, die der Blattzielgruppe ziemlich am Allerwertesten vorbei gehen
  • Aufhören mit der Annahme, alle Leser könnten sich jeden Monat Outfits im Wert mehrerer Kleinwagen kaufen. Stattdessen soll die Brigitte ran an die Realität
  • Mehr Themenvielfalt: Frau sein ist mehr als Kinder, Diät, Küche, Beziehung. Oder Promis, die als reiche Helfer durch die Elendsgebiete der Welt turnen und dort dann interviewt werden. Wo bleiben spannende Alltagsgeschichten? Wo hat man den Eindruck, dass die Redakteure das Leben der Leserinnen wirklich verstehen und nicht nur in einer erfundenen Pilcher-Zuckerwattewelt leben?
  • Noch mehr Service. Um mit den Blogs mithalten zu können, ist die ganze Kompetenz gefragt. Bessere Reisereportagen, bessere Kosmetiktests, bessere Modetipps, besser, besser besser – und nicht billig produziert mit armen freien Redakteuren, die gut über eine Destination schreiben müssen, weil sie drauf angewiesen sind, wieder eingeladen zu werden.

 

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“Auf die Haut würde ich kein Parfum mehr sprühen”

parfumIch hab ja über den (zumindest temporären) Verlust meines Geruchssinns geschrieben. Und ich will euch heute erzählen, wie wichtig dieser Sinn wirklich ist. Er ist eng verknüpft mit dem Geschmackssinn – Aromen von Kräutern, Gewürzen, Gemüsen etc – all das wird über die Nase wahrgenommen, ist die weg, bleibt nur ein sehr rudimentärer Mix aus süß, salzig, bitter, sauer, scharf – alles andere ist weg. Wie viel Spaß Essen da noch macht, kann sich jeder ausmalen. Ich war immer ein extremer Nasenmensch, der Film “das Parfum” hat mir aus der Seele gesprochen.

Deswegen war ich auch beim Vortrag von Professor Dr. Hanns Hatt von der Uni Bochum zum Thema “Wie Düfte unser Leben verändern”. Ich hatte mir Tipps für meine Krankheit erhofft (und auch bekommen)  – Aber der Vortrag war so oder so maximal spannend. Ein paar Fakten will ich an euch weitergeben.

Düfte manipulieren uns: Riecht ein Mann rosa Pampelmuse an einer Frau, schätzt er sie 6 Jahre jünger, mit Blumenparfum sogar 6 Kilo leichter. Weil er unterbewusst diese Düfte mit “jung und attraktiv” gleichsetzt. Firmen nutzen Gerüche, Mercedes und BMW verwenden spezielle Duftdesigns für Neuwagen, Geschäfte beduften sich, um unsere Kauflaune zu beflügeln. Dass die Automaten, die frisches Brot backen unseren Appetit im Supermarkt wecken, damit wir mehr einkaufen, ist mittlerweile bekannt. Aber auch Bekleidungshäuser nutzen solche Effekte, bei Abercrombie &Fitch riecht alles nach deren Parfum “Fierce”, auch noch tagelang nach dem Einkauf duftet die Ware daheim, ein kleiner Reminder für den nächsten Besuch…

Unsere Nase und der Geruchssinn sind in vielerlei Hinsicht noch ein Mysterium. Wir können einen Billion Düfte wahrnehmen. Die Riechzellen haben Rezeptoren, die bestimmte Duftmoleküle erkennen können. Die Duftmoleküle werden dabei wie Schlüssel in einem Schloss von den Riechzellen umschlossen und identifiziert. 350 verschiedene Riechzellen”Schlösser” haben wir, bei 50 davon ist bereits entschlüsselt, welche Düfte sie wahrnehmen, die anderen 300 haben ihr Geheimnis noch nicht preisgegeben. Wir wissen, wo “Banane” andockt, “Citronelle”, “Veilchen” – und diese Einzeldüfte setzen sich dann im Hirn zu einem großen Duftganzen zusammen.

Auch andere Körperzellen haben Duftrezeptoren: So “riecht” die Haut, eine Wunde heilt um ein Drittel schneller, wenn man Sandelholzparfum aufträgt. “Ich würde mir Parfum nicht mehr direkt auf die Haut sprühen, ich weiß nicht, was wir eigentlich damit anrichten”, meint Dr. Hatt. Maximal auf Kleidung und Haare. Auch Spermien haben Duftrezeptoren, mit denen sie dem Duft von Maiglöckchen folgen, den die Eizelle verströmt. Sie werden bei diesem Geruch doppelt so schnell um ihr Ziel zu erreichen…

Duft ist überhaupt ein entscheidender Faktor bei der Partnerwahl – meist unbewusst. Sind wir Frauen fruchtbar, ist der männliche Duft generell angenehmer. Würde man Probantinnen 10 T-Shirts geben, die Männer vorher getragen haben, würden sie sich anhand des Geruchs den als Sexualpartner heraussuchen, dessen Genetik am meisten von der ihren abweicht. Dessen Geruch finden Frauen am attraktivsten. Kann natürlich sein, dass einem dieser Mann optisch gar nicht gefällt – aber für den Nachwuchs wäre der am besten. Deswegen gibt es auch nicht den einen, einzigen Duft, der für alle attraktiv macht, den geheimen Liebesduft – da irrt das Buch “das Parfum”. Mäuse machen das mit dem Geruch  nicht anders – aber denen ist die Optik oder der gute Beruf des Partners wirklich egal. Vielleicht sind Mäuse glücklicher in der Liebe.

Wer mehr wissen will: Der Professor hat ein Buch geschrieben.

 

 

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Sex sells im HipHop? Oder wenn die Schlange den Apfelpo verführt

Oder sollte ich eher sagen Melonen? Weil es geht um Sex mit möglichst dicken Hintern. Jawohl. Nicki Minajs neues Video Anaconda schießt wirklich den Vogel ab. Zur Bassline des alten Rap-Klassikers “Baby Got Back” von Sir Mix-A-lot “rappt” und räckelt sich die Sängerin und erzählt, dass sie gerne Männer vögelt, die ihren dicken Hintern mögen. Dazu singt eine Männerstimme den Refrain “Meine Anaconda will nicht außer du hast nen Hintern”. Dazu kriecht sie vor einem Mann auf dem Boden rum, macht Lapdance oder isst lasziv Banane mit Sahne. Das ist alles so daneben, ich weiß nicht, wo anfangen. Wenn das die neue Emanzipation ist, dann möchte ich sie nicht. Bin ich einfach alt und spiessig geworden? Ist das Kunst oder kann das weg? Bitte, erklär mich mal wer von den Frauen unter 30, wie sie dieses Video sehen – das würde mich wirklich interessieren. Weil ich versteh die freiwillige Selbstaufgabe nicht…

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1. Oktober 2014 · 10:15 vormittags