Archiv der Kategorie: Medien

Komm, wir spielen Leute aussortieren!

modelplaymobil

Bild: Playmobil

Als Frank Krings dieses Bild auf Twitter gepostet hat, hab ich es noch für einen Scherz gehalten. Nach Cowboy, Feuerwehr, Bauernhof und Zirkuszelt können sich jetzt schon die Kleinsten vorbereiten auf die wunderbare Medienwelt – mit dem Playmobil Set “City Life – Model Casting”. Da weiß das “MEEEEDEL” (O-Ton Heidi Klum) schon ab 5, wie der richtige Walk geht, dass die Handtasche lebendig sein muss und dass “10 Meter gehen” mittlerweile ein erstrebenswerter Beruf ist.

Ich mein, ich hab meine Barbies geliebt und auch keine bleibenden Schäden davon getragen (glaube ich zumindest), es ist auch nicht das rosa Gedöns, dass mich nervt. Was mich nervt, ist, dass es bei dem Spiel eine Jury gibt, die den anderen Puppen rote oder grüne Karten präsentieren kann. Also bewerten, aussortieren, Menschen beurteilen spielen. Gefällt mir nicht.

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Wir brauchen einen anderen Umgang mit Tod und Unglück

Auf der einen Seite war der Tod uns nie so fremd wie jetzt. Menschen sterben selten daheim, sondern meist gut abgeschottet im Krankenhaus. Es ist nicht mehr üblich, sich zu verabschieden vom Toten, der Sarg bleibt zu, viele wollen den “Toten in guter Erinnerung behalten”. Und es stimmt, der Tod verändert die geliebten Menschen. Ich persönlich fand es gut und wichtig, nochmal persönlich Abschied zu nehmen von meiner Oma oder auch von meinem Vater. Die Erinnerung wird immer bleiben, im Guten wie im Schlechten.

Auf der anderen Seite ist uns Leid und Tod so nah wie nie. Fremder Tod und fremdes Leid. Unsere Medien zoomen auf die verweinten Gesichter von Angehörigen am Flughafen, zeigen fassungslose Minen vor einem Autowrack, zeigen das unendliche Leid von Eltern mit ihren toten Kindern im Arm, überall  in den Krisengebieten dieser Welt. Mittlerweile untermalt von emotionaler Musik, werden diese Bilder inszeniert. So machen uns die Medien zu Voyeuren des Todes. Wir schauen die Abgründe, aber aus dem sicheren Abstands des eigenen TV-Geräts oder Rechners. Leid wird zum Clickbait für alle, die sich der morbiden Faszination von Destastern nicht entziehen können.

Wir brauchen dringend einen anderen Umgang mit diesen Themen, damit uns der Tod und das Leid derer, die uns nahestehen, wieder näher rückt. Und, ja, auch der eigene Tod (kein schöner Gedanke, ich weiß) – und wir müssen aufhören, die Medien zu ermutigen, immer noch näher an den fremden Tod zu zoomen und Angehörigen ungehörig nah zu rücken.

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Deutschlands schönste Frau – ein Alptraummärchen

deutschlands-schoenste-frauEs war mal ein Modemacher, der entwarf elegante Abendkleider, in denen alle Frauen ganz wunderschön aussahen, er war auch nett und witzig und kommentierte bei einer Fernsehshow, bei der Frauen Kleider einkaufen mussten, immer so liebevoll-giftig, dass alle Frauen, die diese Sendung gesehen haben, ihn wirklich mochten. Er war nie richtig böse und man merkte ihm an, er litt mit, wenn sich die Frauen Kleidung kauften, die ihnen nicht stand. Der Modemacher hatte immer eine ziemlich gute Hand zu sehen, was den Frauen richtig stand und wurde deswegen auch sehr berühmt. Bald wollten alle Frauen ihn kennen und alle Medienmacher wollten ihn in ihrer Show. Er moderierte Umstylings oder Shows, in denen mehr oder weniger berühmte Frauen Kleider einkaufen mussten.

Eines Tages kam man auf die Idee, ihm eine ganze Abendshow zu geben. Die Show sollte darum gehen, dass alle Frauen schön sind und dass es nicht darauf ankommt, die perfekten Masse zu haben oder faltenlos zu sein. Die Show wurde von vielen Produkten unterstützt, vor allem von einer Kosmetikfirma, die auch allen Frauen erzählte, wie schön sie eigentlich seien (um sie mit ihren anderen Produkten, wie der Deomarke Axe, wieder fertig zu machen) Und Guido, so heißt der Modeschöpfer, sollte das den Frauen vermittleln, weil der so nett ist und alle ihn gern haben. Dann sind die auch nicht böse, wenn sie dann doch rausfliegen. Soweit klang das alles gut.

Aber die Sendung war heimlich von einer bösen Fee RTLLA verzaubert worden. Denn die Fee hatte Angst, dass eine Sendung, in der alle nett sind und sich mögen, niemand sehen will. Deswegen musste viel Drama her und viel Gemeinheit, denn das gucken die Menschen viel lieber. Angeblich. So ging es gar nicht darum, dass alle Frauen irgendwie schön sind – nein. Im Gegenteil. Die Frauen, die mitmachten, waren alle bösartig und gehässig und waren darauf bedacht, dass nur Frauen weiterkamen, die auch dem gängigen Schönheitsideal entsprachen. Der Endpreis war auf einmal ein Shooting mit einer Wäschefirma und da war allen klar, dass das sicher keine Frau wird machen dürfen, die nicht dem Ideal entspricht. Zu runde, zu alte, zu wilde Frauen wurden deswegen aussortiert. Und auch der nette Guido war gar nicht mehr nett, sondern sehr bösartig und spielte den ganzen bösen Zauber der bösen Fee bereitwilig mit, denn sie hatte ihn gut dafür bezahlt. Schön war gar nichts mehr an der Sendung. Es wurde getrennt in unter 30 und über 30 und die unter 30 durften tolle Sachen machen und die über 30 dabei zugucken und heulen.

Die Sendung entwickelte sich wie das Märchen Cinderella, nur dass am Schluss die böse Schwester mit dem Prinzen davonfährt und alle Aschenputtels weinend in der Ecke sitzt. Und der Prinz ein Modeschöpfer ist, der fiese Kommentare zu den Kleidern abgibt…Gewonnen hat übrigens eine Frau, die aussieht wie Sylvie Meis und die ein ganz trauriges Schicksal hat. Hatte, jetzt ist sie auf der Sonnenseite, Wäschemodel und darf sich öffentlich ausziehen. Ein Happy End 2015.

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Das Video hat mich zu Tränen gerührt…

…echt lang her, das ein Viralvideo das geschafft hat. Wunderbare Idee. Es ist zwar ein Werbevideo für Samsung, macht aber wunderbar auf die Situation von Menschen mit Behinderung aufmerksam.

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12. März 2015 · 5:00 nachmittags

Das moralische Dilemma mit der AppleWatch 

 

applewatch-640x360Vorneweg: wer sagt “Firstworldproblems”, der hat natürlich vollkommen Recht und darf sich freuen und einen Keks nehmen. Aber ich bin seit gestern mit mir am Hadern: darf ich eigentlich eine AppleWatch kaufen? Weil: ich bin ja informiert.

  • Apple produziert nicht fair
  • Apple führt seine Steuern in Deutschland nicht korrekt ab
  • Die AppleWatch kann eine elektronische Fußfessel sein, die alle meine Daten an die Welt weiterreicht
  • Sie ist natürlich viel zu teuer

Weiß ich alles – und trotzdem…ich hätte gerne eine. Ich liebe Gadgets, und ich gehöre zu den altmodischen Menschen, die noch auf die Uhr schauen, wenn sie wissen wollen, wie spät es ist und nicht ihr Smartphone dazu rausholen. Mich nervt das sowieso, ist das Handy in der Tasche, dann bleibt es da – mit der Smartwatch hätte ich etwas sehr Praktisches am Handgelenk. Ob es wirklich ein Statussymbol ist, lasse ich mal dahingestellt- vermutlich outet man sich damit als Applefangirl-Trottel. Meine Piratenbekannten werden pausenlos über den Verlust der eigenen Daten dozieren und mich nerven…und ich könnte nur sagen: ja, ihr habt vermutlich recht, aber trotzdem…

Mich würde eure Meinung interessieren: ist es okay, Bescheid zu wissen und trotzdem so eine AppleWatch haben zu wollen?  Gibt es für Apple-Benutzer günstigere Alternativen? Gibt es etwas fair produziertes?

Nachtrag: ich hab jetzt gesehen, dass Apple für das Metallarmband 500 Euro mehr will. Sind die irre? Ein Edelstahlarmband für eine kostet maximal 100 Euro, aber doch nicht 500!!! Und eine Uhr mit Plastikarmband für 649 Euro?  (Ich dachte, dafür gibt es die Edelstahluhr – aber dafür gibt es nur Edelstahlgehäuse. Ne, nicht mit mir)

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Warum machen wir Frauen uns selbst so klein?

Vorneweg: ich mag die Objektifizierung gar nicht, die Frauen in den Medien erfahren. Reduziert auf Titten und Po, reine Anstarrobjekte. Ich hab dagegen geschrieben und geschrieben und geschrieben. Symbolisiert im Bild-Girl,  der täglichen Rubbelvorlage. Ich habe auch ein T-Shirt mit “no more Page Three” aus England.

Insofern finde ich eine Aktion gut, die sich dafür einsetzt, dass Frauen in den Medien als mehr präsentiert  werden als nur als Objekt. (Dass manche Frauen sich selbst so reduzieren und gerne, steht auf einem anderen Blatt). Jetzt gibt es auf Twitter eine Aktion #mehralsmeinkoerper – Frauen schreiben auf ein Plakat, dass sie mehr können. Und hier fängt mein massives Problem mit der Aktion an. Oder nicht mit der Aktion, sondern mit den Frauen, die mitmachen. Denn was steht auf vielen dieser Plakate? “Ich bin Erdnussbutterspezialistin” “ich setzte mich für Frauenrechte ein und kann toll Pasta kochen” “ich arbeite Vollzeit und schmeiße den Haushalt” “ich kann  singen und nähen” “ich studiere” “ich bin Mama und liebe Schoko” diese Schilder – selbstgeschrieben oder ab und an in Comic Sans – offenbaren das gesamte Dilemma des Feminismus. Auf eine coole Aussage “ich spreche 5 Sprachen” kommen vier Schildchen, auf denen sich Frauen zwar nicht auf ihren Körper, sondern auf viel KleinKlein reduzieren lassen.

Was würde da bei Männern stehen? “Ich bin Manager und leite die Kommunikationsabteilung” “ich berate erfolgreich internationale Firmen bei ihren Social Media Aktivitäten” “ich habe ein Unternehmen mit 5 Angestellten gegründet” “ich bin Stadtrat” “mein Blog hat 10000 Leser am Tag” ich bin geneigt, der These zuzustimmen, dass die Frauen nicht reduziert werden, sondern das schön selbst übernehmen. Bloß nicht zu dick auftragen, immer lieb und bescheiden das Licht unter den Scheffel stellen.

So wird das aber nix mit dem Ernstnehmen. Wir reduzieren uns selbst :( ich weiß nicht, wie das zu ändern wäre. Die Medien tun nix dazu, unser Selbstbewusstsein zu stärken. Die zeigen nur, dass wir die perfekte Hülle sein müssen, schlank und schön und sexy, und erst wenn das erfüllt ist, dürfen wir uns Wissenschaft, Politik und Karriere widmen. Wenns denn sein muss. Besser, wir machen frauliche Sachen, wie nähen und kochen und Mama sein und ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen führen. Und hier sind wir wieder am Anfang.

Nachtrag: ich hätte mir wirklich mal eine Diskussion darüber gewünscht – aber die Initiatorinnen der Aktion reagieren nur beleidigt “Ihre Abwertung ist inakzeptabel und es scheint, als sei Ihre ‘Recherche’ der Bilder lückenhaft.” Tja – dann halt nicht. Und wieder eine Chance vergeben…

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Der dicke Junge im Blondinenbonbonladen

Foto: RTL

Foto: RTL

Nach dem Feminismus gestern jetzt das Gegenteil. Heute ist die letzte Folge des Bachelors. Das Sixpack aus Düsseldorf Oliver Sanne vergibt seine letzte Rose an eine von zwei Blondinen, die sich so ähnlich sind, dass die Vergabe eigentlich nur sie selbst interessiert und vielleicht den Bachelor, wenn überhaupt. In den letzten Staffeln standen sich im Finale wenigstens zwei Gegensätze gegenüber, zwei Prinzipien: Sexbombe versus Kumpeltyp. Bis jetzt hat immer die Sexbombe gewonnen, gehalten hat es nie. (Ob die Sendung jemals darauf ausgerichtet war, dass da was halten soll, lassen wir mal offen). Ich muss gestehen, ich hab die Sendung gern gesehen – vor allem dank der Twittercommunity mit ihren vielen lustigen Tweets dazu. Ich weigere mich, die Frage zu erörtern, ob der Bachelor frauenfeindlich ist, denn die Frauen, die da mitmachen, kennen das Format und wissen genau, worauf sie sich einlassen. Die ganze Situation mit der Auswahl aus 22 Models ist so konstruiert, dass ich sie nicht auf den Alltag übertragen will und den Bogen zur Stellung der Frau in der Gesellschaft schlagen. Es ist ein TV Märchen meist ohne Happy End. Es ist einfach eine Tünche Glamour auf sehr normalen Existenzen.

Oliver Sanne kam mir die ganze Sendung über so vor wie ein kleiner dicker Junge, dem man den Schlüssel für den Bonbonladen überlassen hat und der sich nun da austobt. Und das ist in zweierlei Hinsicht wahr – zum einen war Oliver Sanne nicht immer so schön, und er macht den Eindruck, er kann das immer noch nicht so recht fassen und nimmt mit, was er kriegen kann an medialem Ruhm und an der Bewunderung der Frauen. Er ist nicht so ausgebufft, wie es der Glatzenbachelor vor ihm war, er erzählt mit Begeisterung, er suche wahre Werte, pickt aber dann nur die wasserstoffgebleichten Playboybunnies raus, egal welchen Charakter die haben. Das macht ihn auf der einen Seite unsympathisch bei vielen Zuschauerinnen, ich finde so viel ehrliche (schwanzgesteuerte) Wahl irgendwie erfrischend.

Klar ist, das Playboybunny Sarah wird im nächsten Dschungelcamp zu sehen sein, Oliver Sanne wird beim Promiboxen mitmachen und ab jetzt werden die beiden einen festen Platz haben im Promi-Olymp der Republik. Wie die beiden anderen Finalistinnen abschneiden, keine Ahnung. Das kommt jetzt auf ein geschicktes Management an, Promidinner und Promishoppinqueen ist sicherlich drin, Dschungelcamp womöglich auch und jede Menge Galas und die Bambi-Verleihung.

Vom Unterhaltungsfaktor ist der “Bachelor” ziemlich weit vorne, aber ich denke, es wäre schlau, das nächste Mal einen Mann auszusuchen, der einen Hauch mehr zu sagen hat, ein paar Facetten mehr bieten kann als einfach nur schön und Mr. Germany zu sein und der für etwas mehr Drama sorgt. Und man sollte dem ganzen Liebesrummel mehr Raum geben, da geht noch was an Drama-Inszenierung. Ich fand die kurzen 1 Stunden Folgen definitiv einen Fehler. Zu kurz.

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