Archiv der Kategorie: Medien

Widerliche Debatte – Verhüllen für Menschen ab 45?

Der Spiegel wird immer platter, leider. Vor allem online ist er kein Ruhmesblatt. Was aber Jan Fleischhauer diese Woche in seiner Kolumne abliefert, ist schändlich. Er fordert, wir sollten uns am Islam ein Beispiel nehmen und alles ab 45 aufwärts verhängen mit Burkas. Zum einen ist es Altersdiskriminierung und Fatshaming, zum anderen vergisst er anscheinend, dass Burka ein Frauenkleidungsstück ist, also meint er vermutlich doch nur die Frauen, die seinem hohen ästhetischen Anspruch nicht genügen. Zu sagen, dass auch Jan Fleischhauer meinem Anspruch nicht genügen würde, ist zwar wahr, aber billig.

Aber was denken sich die Leute in Zeitungen eigentlich? Ich hatte ja schon über diese Ästhetiknazis geschrieben, die meinen, anderen Leuten vorschreiben zu müssen, wer wann wieviel tragen darf. Es liegt nicht daran, wie er meint, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt. Sondern daran, dass wir uns für uns und unsere Bequemlichkeit ausziehen und nicht die sexuellen Fantasien eines Herrn Fleischhauers bedienen wollen. Glaubt er wirklich, die Leute wollen, dass er guckt? Wenn ich im Freibad liege, will ich meine Ruhe und Braun werden oder Schwimmen – nicht von fremden Männern angegafft werden. Nebenbei bedient er noch koloniale Fantasien von aufreizenden Haremsdamen, die ihre exotischen Reize zu seiner Lust verhüllen, um sie im gegebenen Zeitpunkt ihm darzubieten. soviele Fettnäpfchen auf einmal zu bedienen, das ist schon fast eine Kunst.

Verhüllen würde eine erotische Faszination ausüben, meint der Schreiber. Ich würde mir wünschen, der Spiegel würde diesen Artikel verhängen, um seinen Reiz zu steigern.
Wie seht ihr das? Hab ich unrecht? Mich würde eure Meinung interessieren

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Wie werde ich zum Prominenten, wie zur eigenen Marke?

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Ich habe oft überlegt was mich eigentlich so fasziniert von Formaten Promi Big Brother oder Dschungelcamp. Es ist, das habe ich jetzt herausgefunden, der Aufbau von Menschen als Marke in unserem medialen Zeitalter. Und so, wie es jetzt funktioniert, hat es eigentlich wirklich mit Big Brother angefangen. Vor diesem Format konnten völlig unbekannte normale Menschen nicht einfach so Promi werden. Die mussten schon irgendwas können. Entweder waren das Schauspieler oder Sportler, Wissenschaftler, Buchautoren, Nachrichtensprecher oder Zahlenumdreherinnen oder Lottofeen. Oder Gattin. Diese Art Prominenz ist seit Anfang des Jahrhunderts beliebt. Aber Promi einfach so? einfach nur weil man im Fernsehen war? Das gab es nicht. Danach schon. Big Brother eins weckte ein ganzes Heer von Promiwilligen aus dem Dornröschenschlaf, die zwar Nix konnten, aber immer wussten, dass sie eins sein konnten, ein Star. Gesagt, getan. Mittlerweile rekrutiert sich das Gros dessen was wir als Star begreifen von deren Leben wir in den Bunten Blättern und auf vielen Blogs wie Promiflash erfahren, aus abgelegten Kandidatinnen für diverse Castings- oder Kuppelshows. Es reicht, im Fernsehen gewesen zu sein, um weiter ins Fernsehen und auf promiveranstaltungen zu kommen. Und dafür Geld zu kassieren. Ein System, das sich mehr oder weniger aus sich selbst speist.

Das System braucht immer Nachschub
Doch das System gerät ins Stocken, weil die Zuschauer übersättigt sind von den Nullnummern. Von Gesichtern, die genauso banal wie die, die man jeden Tag auf der Arbeit sieht oder im Supermarkt. Was macht denn einen Star aus? Das ein wenig Überlebensgroße, das Extremere, das Charisma. Alles, was den TV-Pflaumen komplett fehlt deswegen kann im Prinzip jeder auf den promizug aufspringen. Ja, muss es sogar, wenn er oder sie als Marke oder mit ihrer Marke etwas werden will. Im Prinzip reicht es, oft genug auf Promiveranstaltungen aufzuschlagen und zu sagen, man ist Promi, um das irgendwann auch mal zu sein. So richtig hinterfragen tut das keiner. Wichtigste Eigenschaft ist – fotogen sein: besonders nackt, besonders schrill, besonders schön oder besonders besonders. Das reicht. Dann ist man sofort in den bunten Blättern. Wer von Natur nicht mit Schönheit gesegnet ist, muss operativ nachhelfen oder das Rollenfach “schrill” besetzen.

Richtig, eine Schwelle gibt es – man muss auf die Promiparties kommen. Aber das dürfte sich lösen lassen, wenn man wirklich ins Rampenlicht will. Jeder kennt irgendwen, der auf solche Parties kommt. Und da dann eben dranhängen. Ich hab mich schon mal
mit einer befreundeten Band gitarrrenkastenschleppend auf eine Premiere in München gemogelt, weil ich Fan des Hauptdarstellers war. (Dass ich um 4 Uhr nachts dem Bodygusrd geholfen habe, den Hauptdarsteller, der völlig blau war, die Treppe runterzuhieven, ist eine andere Geschichte).

Mensch als Marke ist hochkomplex

Im Prinzip funktioniert es in der Tat so einfach, einen Fuß in die Tür zu bekommen, sich aber als Marke am Markt zu etablieren und damit wirklich Geld zu verdienen, ist hoch komplex. Ein Image schaffen, aufbauen, pflegen, es nähren und behüten. Es gibt gute Beispiele, die sich seit Jahren in den Medien halten, ohne irgendetwas gut zu können als berühmt sein. Hierzulande Verona Pooth. Hat übersichtliches Talent, Größe Schönheit und einen Willen zum Erfolg. Super Kombi. Die hat lange die Masche “sexy Doofchen” geritten, mittlerweile ist sie behutsam auf “erfolgreiche Geschäftsfrau” umgeschwenkt. Jana Ina Zarella vermarktet ihre Mütterlichkeit und Fröhlichkeit etc. Jede hat etwas, was sie als Botschafterin für Marken empfiehlt. Georgia Fleurop hat ihre Zickigkeit, die ihr weitere Tv-Auftritte bringen wird, aber keinen lukrativen Werbedeal.

Doch um auf den Ausgangspunkt Big Brother zurückzukommen – was bringt so ein Format der Menschen-Marke? Auf alle Fälle schiere Bekanntheit. Darüber hinaus wird es schwer, denn Glamour liefern die Formate nicht. Und auch keinen direkten Verweis auf die hervorstechende Eigenschaft, die man unterstreichen will: Klugheit, Hilfsbereitschaft oder Sexyness. Also muss man im Dschungel oder im Haus auf sich und das Vermarktbare aufmerksam machen – was dazu führt, permanent im Dreck zu hocken, denn die Zuschauer wählen die, die auffallen, gerne für alles Unangenehme. Doch welche Firma bucht eine Celebrity, die man nur heulend und Maden übergossen kennt, für ihre Kampagnen? Also lieber Vorsicht und nicht zuviel auffallen – was zur Folge haben kann, dass man völlig übersehen wird. Auch nicht gut. Sogar noch viel schlimmer. Die Balance zwischen verwertbarer Popularität und peinlicher Aufdringlichkeit ist also schmal und braucht gute Instinkte oder gute Berater. Das macht derzeit den in Deutschland gängigen Star aus: ein Instinkt, was geht und was nicht.

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Promi-Entsorgung im Altstar-Container

Ab Freitag startet auf SAT1 die neue Staffel Promi-Big-Brother, es gab genau drei Promis, die ich zweifelsfrei einem Gesicht zuordnen kann, Claudia Effenberg, Bachelor Paul Janke und der Wendler. Der Titel “Promi Big Brother” ist also bestenfalls euphemistisch, eher völlig übertrieben. Wer setzt sich schon freiwillig in so einen Container? Die, die dringend wieder ins Rampenlicht (zumindest in die dritte Reihe vom Rampenlicht) wollen ud die, die hoffen, mit sowas ins Rampenlicht zu rücken. Ich weiß nicht, ob vom Markenaufbau her sowas zu empfehlen ist. Aber wie will man es sonst schaffen, wenn man eigentlich gar nichts kann? Da bleibt nicht viel.

Es ist immerhin erstaunlich, dass sowas überhaupt noch funktioniert, denn richtigen Stars derzeit entstehen auf YouTube, völlig unbeobachtet von den Massenmedien, die bald keine Masse mehr haben, wenn sie so weitermachen. Eigentlich haben diese Formate keine Berechtigung mehr. Dschungelcamp ist eine Ausnahme, die haben auch Zietlow, der Promi Big Brother Cindy aus Marzahn, die genau einen Witz auf Lager hat. Und der Dschungel ist deshalb so gut, weil die Caster dort einen richtig tollen Job machen und Charaktere platzieren, mit den der Zuschauer aus ganzem Herzen mitleidet oder die er aus ganzem Herzen hasst. Larissa Marolt, Georgina Fleur, Joey Heindle. Wer gar nichts gebracht hat, war der Wendler, der jetzt eins der großen Zugpferde von Big Brother ist. Was eigentlich schon alles über das Format aussagt.

Obwohl, einige Kandidaten versprechen doch ein wenig Fun: Claudia Effenberg kann sich ja mit dem ehemaligen Teppichluder Janina unterhalten und  wird bestimmt lustige Anekdoten zum Besten geben, wie das ist, wenn der Mann einen mit einer stadtbekannten Münchner Thaitranse betrügt. Da wird es noch irgendwie halbwegs lustig, vor allem, wenn genügen Prosecco da ist. Vielleicht kommt die großbusige Ela auch endlich bei einem Bachelor zum Zuge, in ihrer Staffel ist sie ja böse abgeblitzt. Und Paul Janke sieht eh besser aus als der Glatzkopf vom letzten Mal. Wird es ihr helfen, auf alle roten Teppiche der Republik zu kommen? Wahrscheinlich ist der Container aber eher die Endstation.

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Schräge Schuhe: Über- oder Außerirdisch

Ich hab jetzt zwei Paar Schuhe, die ich liebe: Bequem und total schräg. Das eine Paar stammt aus der Star Wars Kollektion von Vans, das andere mit Maria und Jesus drauf sind von YRU von asos. Klar, nicht jedermanns Geschmack, aber ich kann unmöglich zu Schuhen Nein sagen, die mit skatenden Wookies beworben werden. Die alten Filme hab ich wirklich gemocht. Und  was ich sammle Devotioalien, deswegen fand ich es mega, dass Fröken von GenerationCouture mich auf die tollen “Jesuslatschen” hingewiesen hat. Musste ich haben. Ich finde, solche Schuhe werten ein Outfit unglaublich auf von oll zu lustig.

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Ich will die Scumbar aus Monkey Island in Lego – bitte alle mitmachen!

Die Scumbar aus Monkey Island - so kultig

Die Scumbar aus Monkey Island – so kultig

Das Spiel ist Kult, nicht nur bei uns Piraten: Monkey Island. Die Abenteuer von Guybrush Threepwood, der die Gouverneurin aus den Händen des bösen Piraten LeChuck befreien muss, ist auch nach 25! Jahren noch unvergessen – und wird immer noch gespielt, auch in der böse verpixelten Version von annodunnemal. Das Ding ist so Kult, dass es immer noch viele Leute gibt (mich inclusive), die dinge wie die “Scumbar” aus Lego gebaut, unbedingt haben müssen. Damit das zustande kommt, braucht es Supporter. Bitte hier entlang und unbedingt mitzeichnen! Und vielleicht gibt es dann auch irgendwann einen dreiköpfigen Affen aus Lego…

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Vom Kommissar zur Ein-Mann-Armee – ein Nachtrag zu Jo Nesbos Romanen

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Ich hab euch ja letztens von Harry Hole vorgeschwärmt, dem coolen Kommissar und der Erfindung von Jo Nesbo. Damals war ich noch bei Band 5, mittlerweile bin ich bei Band 9. Und die Romanfigur macht in der Tat einen Wandel durch – vom leicht versoffenen Kommissar zur supertoughen Ein-Mann-Armee, der wie Bruce Willis in “Stirb langsam” durch die Bösewichte holzt. Auch im Polizeipräsidium sind Freund und Feind nicht mehr auseinander zu halten, jeder kann ein Doppelagent sein – und ist es meistens auch. Da wird verraten und intrigiert, man könnte meinen, es seien alle Protagonisten in der Piratenpartei (sorry, could not resist) Es ist immer noch sehr unterhaltsam – ich bleib auf alle Fälle dran – aber mit den Krimis, die man sonst so kennt, hat das nicht mehr viel gemein.

Mit der Realität auch nicht. Abgesehen davon, dass die Menge an Morden aus Oslo eine Stadt machen würde, die es mit dem Ghetto in Johannisburg aufnehmen kann, es ist einfach irrwitzig, dass ein einzelner Mann in derartig viel verwickelt wird und mindestens 10 Mordanschläge überlebt. Die Morde werden immer grausiger, die Aufklärung immer rüder. Die Serienmörder immer ruchloser und irrer. Aber es ist, wie gesagt, immer noch sehr unterhaltsam. Nur auf eine andere Weise. Die Leser werden von einer harmloseren Krimiwelt hineingezogen in ein Paralleluniversum aus Drogen, Blei und Blut.

Aber was ist schon realistisch: Im Frankfurter Bahnhofsviertel hab ich den letzten Sommer mehr an Gewalt und Verbrechen mitbekommen, als ich es mir je habe vorstellen können. Messerstechereien, Banden, die Altmetall stehlen, Junkies, Hehler, Dealer, blutigste Schlägereien, Hells Angels und Bordelle auf meinem täglichen Weg von der Arbeit nach Hause. Dort ist die Welt von Harry Hole sogar erschreckend nah, wenn ich recht überlege. War sogar mir näher, als mir lieb war. Woanders ist sie meilenweit entfernt – ich muss immer lachen bei den Rosenheim Cops, die ja in meiner friedlichen, grünen bayerischen Heimat ermitteln. Da passiert auch jede Woche ein Mord. In der TV-Serie, natürlich nicht real. Auch das ist so übertrieben, dass es ans Groteske grenzt. Es wundert mich immer ein wenig, denn Rosenheim wären andere Verbrechen spannend und die sind tatsächlich real: Rosenheim ist als südlichste Stadt nach der Grenze zu Österreich einer der Hauptumschlagplätze für Drogen und war damals zu den Zeiten von Franz Josef Strauss einer der Plätze, wo das Amigounwesen im ganz großen Stil blühte mit der Firma März/Marox. Da könnte man Romane zaubern…aber soviel Realität verträgt die bayerische Kleinstadtidylle vielleicht nicht…

Ich warte jetzt auf den nächsten Teil von Harry Hole, der nach vielen Kugeldurchschüssen seinem Namen alle Ehre macht…

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Endzeitfilme – warum kommen sie jetzt wieder?

1980 kämpften die Russen in Afghanistan, Bomben erschütterten das von Israel besetzte Westjordanland, im Iran wurde Chomeini Staatschef und der kalte Krieg war noch sehr kalt. Die Grünen in Deutschland kämpften gegen die Bedrohung der Atomkraft, die damals riesig schien. Und ein Film kam in die Kinos, billig gedreht, aber unfassbar erfolgreich: Mad Max. Der Film hatte nicht nur zwei Followups, sondern brachte auch eine ganze Reihe von Nachfolgern hervor. Ein Held, gespielt vom jungen Mel Gibson, schoß sich als Ein-Mann-Armee durch diese Ödnis, half mal wieder wem, aber mehr so zufällig. Moral kann er sich nicht leisten und alle anderen auch nicht. So waren die Endzeitfilme, die eine Zukunft auf einer fast zerstörten Erde zeigten. Eine Ödnis, in der marodierende Banden und hoffnungslose Grüppchen um Wasser, Öl und andere Überlebensmittel kämpften. Damals erschien das gar nicht so abwegig, die Menschen hatten Angst vor der Zukunft. Mad Max wurde Modevorbild – ich würde behaupten, mit dem Film kamen die Combatklamotten und Camouflage zum ersten Mal in Mode. Mötley Crüe und andere Metalbands nahmen sich Mad Max zum Vorbild für ihre Bühnenklamotten.

Und nun kommt Mad Max wieder in die Kinos. Nicht mehr mit Mel Gibson, sondern mit Tom Hardy. Ich weiß nicht, wie gut die Neuauflage wird, aber den Trailer haben schon über 7 Millionen Leute gesehen. Ich frage mich, warum kommt jetzt ein Remake? Ist die Zeit wieder reif für Endzeitfilme? Die Zeichen der Zeit sprechen dafür: diverse Kriege erschüttern den Planeten und die Einschläge rücken immer näher vor unsere Haustür. Noch merken wir hier wenig, aber wie schnell ein Land im Chaos versinkt merken wir an der Ukraine. Die Träume von Frieden und einem Planeten im Wohlstand scheint ausgeträumt. Die Beziehungen zwischen Ost und West kühlen wieder merklich ab. In Afghanistan ist immer noch kein Frieden. Wir werden von paranoiden Regierungen überwacht und grundlos durchleuchtet. Vielleicht macht die Filmindustrie nur sichtbar, was in den Köpfen der Leute wieder herumspukt. Angst vor einer Zukunft, die nicht rosig ist. sondern so blutrot-kaputt wie die Mad Max-Welt. Wie seht ihr das? Ist es bloß ein Actionfilm oder der Ausdruck einer neue Zukunftsangst?

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