Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Warum gebt ihr euch dafür her – Kay One sucht seine “Prinzessin”

Kay One, der Rapper ist, wie das Bild zeigt, auf der Suche nach wahrer Liebe Foto:RTL2

Kay One, der Rapper ist, wie das Bild zeigt, auf der Suche nach wahrer Liebe Foto:RTL2

Frauenfeindlicher geht es kaum. Und das Schlimmste, die Frauen machen den Scheiss begeistert mit…aber bevor ich in den Gernot-Hassknecht-Modus schalte, ein kurzer Abriss des Grauens: Kay One, schon unangenehm sexistisch aufgefallen bei DSDS, hat jetzt seine eigene Datingshow. “Prinzessin gesucht” – weil der Provinzrapper vom Bodensee sich Prince Kay One nennt. Dem wurde von einer anderen Castinggröße, Mandy Capristo, das Herz gebrochen, als sie Kay für (wundert es wen?) Mesut Özil verliess. Doch die Trauerphase ist vorbei, eine neue Liebe muss her. “Ich schau vor allem auf den Charakter“, und deswegen läßt er gleich drauf die Busen der Kandidatinnen vermessen, von einem kleinwüchsigen Butler, weil nur Frauen allein demütigen ist ja zu wenig.

Gepiercte und tätowierte Schönheiten, die dem RTL”-Klischee einer Traumfrau durchaus entsprechen, dürfen um die Gunst buhlen. Die vier Natürlichsten werden sofort vor die Tür gesetzt, da hat der Menschenkenner bestimmt sofort den Charakter gesehen…Aber wer das Rennen auch macht – das soll sich echt lohnen “Die Villa und der Lamborghini auf Mallorca sind zwar geliehen, aber zuhause warten meine Villa am Bodensee und mein Lamborghini. Die Frauen sollen wirklich mein Leben und mich kennen lernen”. okay, kennen lernen bedeutet, das gleiche Auto fahren wie daheim…

Warum macht bei der Kay One Bezirzung wer mit?

Es ist mir ein Rätsel. Ist es der Wunsch nach medialem Ruhm, ein billiger Mallorca-Urlaub, die echte Möglichkeit, den ziemlich doofen und optisch maximal durchschnittlichen Rapper zu umgarnen, nur weil er reich ist? Weil: Nett ist der Kerl nicht. Und an Liebe ungefähr so interessiert wie Darth Vader an Umweltschutzstandards. Egal, da wird der Depp umschwirrt, als hätte er den letzten Platz im Rettungsboot der Titanic angeboten. Wie devot und anbiederisch darf es noch werden? Die zicken um ihn, ziehen sich aus für ihn, schwenken Hintern und Brüste für ihn (Charakter, anyone?)

Berufsbild Casting-Trulla

Aber egal, das scheint ja mittlerweile ein echter Beruf zu sein “Casting-Trulla”, die von Format zu Format pendeln, mal bei “Mama Mia” Schwiegermütter überzeugen oder bei “Take me out” ihre Dates wegbuzzern, beim “Bachelor” oder dem “Millionaire” dabei sind, die “Liebe fürs Leben” zu finden. Sicha, sicha. Was sagt eigentlich eure Umgebung dazu? Eure Freunde, Eltern, Geschwister? Schämen die sich nicht ein bisschen? Schämt ihr euch nicht selbst ein bisschen, wenn ihr euch díe Plastikbrüste einölen lasst zur Primetime? Macht euch das nichts, wenn das ganze Internet über euch lacht?

Waren wir nicht schon mal weiter beim Frauenbild? 

Waren Frauen nicht mal stolz, diese Art der Anbiederung an Männer hinter sich gelassen zu haben? Wollten wir nicht mal weg von “immer sexy für meinen Männe sein müssen” wie in den 50er Jahren? Es wird immer behauptet, als sexy Frau hätte man alle macht der Welt. Willenlos sabbern die Männer hinter unserem Hintern her, wir stöckeln vorneweg. Was für ein Quatsch. Macht bedeutet, sich nehmen zu können, was man will, nicht, durch Manipulation jemanden dazu zu bringen, es einem zu geben.

Wer steckt da dahinter? Will das die Generation der Frauen um die 20 so, oder meint RTL, dass die das so zu wollen haben? Das ist meine  Frage an die Redaktionen und meine Zweite – ich stelle sie immer wieder gerne: warum nicht mal echte Menschen in echten Wohnungen und echten Leben so etwa suchen lassen wie echte Liebe? Ist das zu bizarr, zu verrückt, zu viel verlangt? Hab nur ich die Schnauze voll von Plastikmenschen? (Ich hab mir heute das ganze nur im Schnelldurchlauf gegeben)

 

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Körperkult in den Medien – blöder, böser Druck

Darf die das überhaupt? Model auf der Curvy is Sexy Fashionweek

Darf die das überhaupt? Model auf der Curvy is Sexy Fashionweek

“Jennifer Love Hewitt – Frust mit den Baby-Kilos”, “Charlene – wo ist der Babybauch?” “Jennifer Aniston – ist sie schwanger?” “Victoria von Schweden – ist sie schwanger?” Das ist die Kurzauswertung der Bunte online. Mit ein wenig Stöbern würde ich sicher noch mehr finden. Immer wieder geht es um die Frage, ob eine Frau schwanger ist oder nur  zu viel gegessen hat. “Burger oder Baby?” lautet die gehässige Frage. Da wird mit der Briefwaage des öffentlichen Interesses auf jeden Körper geschaut, seziert mit den Augen und mit dem Photoshop wird nachgeholfen, mal schöner, mal mehr Cellulitisdellen reingearbeitet, je nachdem, welche Aussage man erzielen will. Irgendwie darf es für Promis keinen Blähtag geben, an dem nicht ein Paparazzi aus der Hecke hüpft und den gerade nicht flunderflachen Bauch ablichtet. Die müssen ja mittlerweile in Oscarroben den Müll raus bringen, damit die Journallie zufrieden ist und nicht etwas von “gehen lassen” faselt. Jeden Tag gestylt, jeden Tag frisch und hübsch. Was für ein blöder, böser Druck.

Zu viel mager ist auch wieder schlecht

Aber Vorsicht, nicht übertreiben.  “Heidi Klum – wo sind ihre Brüste”  – da hat sich jetzt schon eine brav dem Druck gebeugt und sich auch noch das letzte Gramm Fett von den Knochen gehungert. Und jetzt? Auch wieder nicht richtig. Jetzt wird was von zu dünn gemault, zu hager und verbissen. Dabei hat Heidi eigentlich alles richtig gemacht und hat  dauernd Bilder auf Instagram gepostet, bei denen sie sich Essen vor den Mund hält, um zu zeigen, sie beißt bestimmt gleich rein. Oder morgen, oder übermorgen. Weil Kasteien ist auch unsexy. Das soll alles ganz unangestrengt wirken “ich esse, was ich will”, jubeln die Promis. Kann sein, wenn man täglich nur einen Salat will, ist ja alles super. Ne, auch bei zu mager, zu verbissen muss die Presse beschwichtigt werden. Syvie Meis ist  zu künstlich, Sabia zu fett, Kim Kardashian beides, Kate zu dünn, Victoria nicht…in was für einer Welt leben wir eigentlich?

Köperkult – ans Hirn wird nicht gedacht

Warum ist der Körper so ein Kult geworden? Auf die Überschrift, die nach der Intelligenz fragt, warte ich noch. Auf Zeitschriften, die in einem gesunden Rahmen für Wohlfühlen plädieren auch. Klar, ein permanent optimierter Körper ist ein Körper, für den Geld ausgegeben wird. Mit so einem kann die Industrie was anfangen, da wird investiert. Wohlfühlen kostet im Zweifelsfall gar nichts. doch wenn wir permanent mit den unrealistisch dünnen und durchtrainierten Promikörpern vergleichen werden, fällt es schwer, sich wirklich wohlzufühlen mit ein paar Moppelkilos. Da kann auch der Gedanke an den Photoshop nichts dran ändern. Man könnte ja. Fasten, trainieren, mehr fasten, mehr trainieren, mehr Geld ausgeben dafür. Aber wie teuer uns und die Umwelt die ganze Beautyscheisse zu stehen kommt, ist wieder eine andere Geschichte.

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Wieviel Werbelüge ist zuviel?

Die diesjährigen Kandidaten zum Goldenen Windbeutel Foto: Foodwatch

Die diesjährigen Kandidaten zum Goldenen Windbeutel Foto: Foodwatch

Sind fünf Kekse mit einem Fünftel Zucker ein gesundes Frühstück? Glaubt wer, dass eine heiße Tasse Hühnersuppe aus Huhn sorgfältig ausgekocht wird? Brauchen wir mehr Extravitamine? Ist zuckerschwerer Brei ein tolles Essen für Kleinstkinder? Gehören in einen heimischen Apfelsaft Äpfel von sonstwoher? Wenn ich so fragen würde, würden die meisten verneinen. Aber so verkaufen Lebensmittelmultis ihren Quatsch, preisen BelVita-Kekse als Frühstück an, vermutlich für den gestressten Großstadtbewohner, der sich im Vorbeigehen auf dem Weg zum Auto noch schnell ein paar Kekse aus der Packung fischt, die er oder sie dann auf dem Weg zur Arbeit an der Ampel mümmelt. In der Hühnersuppe ist viel Hefe und Salz, aber nur ein Gramm Hühnerfett. Im heimischen Obstsaft sind viele unheimische Äpfel, im Vitaminwasser viele Zusätze, an deren Wirksamkeit großer Zweifel besteht. Und der Kinderbrei verfettet Säuglinge und sorgt mit seinem Zuckeranteil für Karies, bevor die Zähne da sind. All das ist ärgerlich. Foodwatch fand es so ärgerlich, dass sie fünf in ihren Augen besonders fiese Produkte zur Wahl der meistgehaßten Trophäe der Lebensmittelindustrie nominierten, des “Goldenen Windbeutels” Ich finde es gut, richtig und wichtig, dass Foodwatch das macht. Aber ich hab auch so ein wenig meine Zweifel.

Auch der Verbraucher trägt Verantwortung für das, was er isst

Der Goldene Windbeutel Foto: Foodwatch

Der Goldene Windbeutel Foto: Foodwatch

Es ist traurig, dass viele Menschen so einen Müll in sich und in ihre Kinder reinstopfen, unbesehen Werbelügen glauben, die aus Schokolade, Fett und Zucker “gesunde Milchmahlzeiten” macht. Aber ist ist klar, dass die Industrie ihre Produkte bewirbt.Und dass Werbung die Dinge in einem rosigen Licht darstellt, liegt in der Natur der Sache. Es ist Sache des Verbrauchers, zu gucken, was auf der Inhaltsliste tatsächlich drauf steht. Und dann selbst eine vernünftige Wahl zu treffen. Soviel mündiger Bürger muss sein. Leider. Dass unsere Nahrungsmittelmultis besonders menschenfreundlich wären, das hat noch keiner behauptet. Die werden keine Warnung auf ihre Packung drucken “dieser Keks gefährdet ihre Gesundheit”. Die werben lieber mit dem “gesunden Fühstückskeks” Und dann muss man eben selbst die Inhaltsliste lesen. Jedenfalls, solange der Gesetzgeber nicht eingreift und ein einfaches, leicht erkennbares System schafft, das Lebensmittel auf der Packung bewertet. Die Ampel wäre nach wie vor eine gute Idee. Auf einen Blick sehen, ob alles im grünen Bereich liegt, oder ob Salz, Fett, Zucker, Weißmehl nicht doch alle tiefrot zeigen, dass das Produkt nur in winzigen Dosen genießbar ist. Das schafft jeder. Aber das wissen die Lobbyisten und wehren sich vehement gegen die Ampel. Und die Politik spielt (aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen) mit, um sich dann hinterher zu beschweren, warum verfettete Bürger das Gesundheitssystem belasten.

Die Schere klafft immer weiter auseinander

Wie in so vielen Dingen verschwindet bei der Ernährung die Mitte. Entweder Scheissdreck aus der Tiefkühltruhe und vom Fast Foodstand oder Selbstgekochtes aus frischen, lokalen Zutaten mit teuren Gewürzen und Fleisch vom hallischen Landschwein. (Ich übertreibe jetzt bewusst) Ich selbst schwanke zwischen den Extremen, geb mir aber Mühe, so oft wie möglich frisch selbst zu kochen, das geht aber nur, weil es mir eben keine Mühe macht, ich hau schnell was zusammen aus Gemüse, Hack etc und das schmeckt dann ziemlich gut. Jamie Oliver hat da viel für Schnellköche. Ich esse lieber, was ich selber koche, statt mir eine Dose aufzumachen, auch, weil ich ziemlich heikel bin, was die Zutaten anbelangt, ich mag nicht gerne fett und extrem sahnig essen und beim Fleisch müssen die Sehnen, Fett und Knorpel weg.

Convenience wie in der Großgastro?

Aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit, da der Bequemlichkeit entgegen zu kommen und dennoch die Leute zum Kochen zu animieren: Ich würde mir wünschen, wir hätten es so leicht wie die Menschen in UK, die schon massenhaft vorgeschnittenes Gemüse, etc im Supermarkt finden. Das muss dann nur noch mit – ebenfalls vorgeschnittenem – Fleisch in die Pfanne und fertig ist die Laube. Ja, das nimmt auch langsam bei uns zu und das ist gut so. Denn dann weiß trotzdem jeder, was drin ist. In der Großgastronomie setzt man ebenfalls viel auf die Ökonomie von bereits fertigen Teilen, die nur zusammengesetzt werden müssen. Das sollte man auf Standardhaushalte herunterbrechen. Deswegen, bevor gar nicht gekocht wird, lieber nen Fertigpizzateig mit frischen Zutaten belegen und backen, das ist immer noch besser als die ganze Tiefkühlpizza. Frosta ohne Zusatzstoffe ist auch eine Notlösung, mir schmecken die Sachen leider zu fade, ich muss da immer nochmal mit Gewürzen und Kräutern etc dran. Und dann kann ich es auch gleich selber kochen.

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Wann hat das eigentlich mit dem Rosa und Blau angefangen?

barbie1Ich erinnere mich noch gut an das Lieblingsspielzeug meiner Kindheit, Barbie. Das Tolle an Barbie war, dass sie all die coolen Couturekleider, die ich an Erwachsenen gesehen habe oder in den Zeitschriften meiner Mutter, auch getragen hat. Ich konnte sie anziehen, stellvertretend für mich, ich war ja noch zu klein für sowas. Was gab es nicht für traumhafte Dinge. Plüschmäntel, Trenchcoats, Cocktailkeider mit passenden Mänteln und mit kleinen Stiefeln, Overalls, Teekleider, Hauskleider, Kaminabendkleider…und – das ist jetzt im nachhinein bemerkenswert – kaum eines der Ensembles war pink. Nö. Der Trench mit Kleid war blau, der Plüschmantel orange, die Kleider alle Muster und alle Regenbogenfarben. Es waren wunderschöne winzigkleine Kopien der Erwachsenenmode. Meine Barbies, die diese Wunderwerke trugen, waren schwarzhaarig, rothaarig, mal kurzhaarig, langhaarig oder mit Afro, nur einige wenige blond.

Plötzlich war alles pink

Das war in den 70ern, in den 80ern spielte ich nicht mehr mit Puppen, und in den 2000er Jahren, als ich Geschenke für meine Nichten kaufen sollte, stellte ich plötzlich fest, dass es die Art Barbies samt deren Kleiderschrank, die ich aus meiner Kindheit kannte, nicht mehr gab. Plötzlich war alles rosa, kitschig, blond und glitzernd. So wie jedes Spielzeug. Das war plötzlich so.

Ich wurde ja genderneutral erzogen, ich bekam neben Barbie (die ich meinen Omas abgetrotzt hatte) auch auch Fisher Price und Lego. Allerdings muss ich gestehen, dass es mich – durchaus stereotyp – nicht interessiert hat, Barbie und Buntstifte waren das einzige Spielzeug, für das man mich begeistern konnte. Ach ja, Chemiekästen (gibt es noch Chemiekästen?) samt Mikroskop auch und die Yps Urzeittierchen.

Heutzutage würde ich vermutlich ein rosa Mikroskop bekommen und statt Chemiekasten einen Bausatz zum Kreieren von Parfum, das ich dann in rosa Fläschchen füllen würde.

Es muss wohl irgendwann in den 80/90ern passiert sein. Weniger Kinder, weniger Umsatz in der Spielzeugbranche, da musste differenziert werden, um bei Jungs und Mädchen doppelt abzukassieren. soweit klar und oft beschrieben. (danke an das Smithonian Museum für den spannenden Einblick) Und dass kleine Mädchen das sacharinsüße Zeug mögen – logisch. Ich hab aber meine nichtrosa Mädchensachen genauso geliebt, das allein kann es nicht sein.

Ich behaupte ja, dass die Aufteilung der Kinderwelt in blau und rosa eine Folge der Globalisierung ist, denn mit dem rosa Zeug, das jenseits von landestypischer Bekleidung steht, kann man Mädchen in der ganzen Welt beglücken, von Moskau bis Denver, von Tokio bis Burundi. Mein Spielzeug war noch auf den westlichen Geschmack allein ausgerichtet. Marken müssen mittlerweile weltweit funktionieren und müssen daher den kleinsten gemeinsamen Nenner finden. Brands wie Mattel, Marvel oder Disney verkaufen rund um den Globus und so sieht das Zeug, das sie für Kinder anbieten, auch aus. Nivellierter Einheitsbrei. Ich hatte immer gehofft, mit der Globalisierung würde unsere Welt bunter und reicher. Beim Essen oder in der Musik hat es geklappt, sonst wäre letztes Jahr kein Koreaner auf Platz 1 der Hitparade gelandet und Food wie Sushi, Kimchi, Quesadillas und Gung Pho Chicken mittlerweile in aller Munde.  Schade, dass es ausgerechnet beim Spielzeug so doof geworden ist, denn vielfältiges Spielzeug hätte womöglich schon vorbereitet und offen gemacht für eine offene, kosmopolitische Gesellschaft.

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Warum es die Piraten mehr denn je braucht

CC-BY_Marc_Janssen

Rise like aphoenix – wer die Piratenpartei jetzt schon abschreibt, wird sich noch wundern CC-BY_Marc_Janssen

Ja, die letzten Wahlergebnisse waren ein Desaster. Es gab prominente Gesichter, die die Partei verlassen haben. Wir haben uns wie wild und völlig unprofessionell gestritten. Aber das lag auch daran, dass wir selbst vergessen haben, wofür wir eigentlich stehen. Mit den Neuzugangswellen kamen Themen wie “Feminismus” oder “Antideutsch” dazu, der Partei wurden Diskussionen aufgezwungen, die keiner so richtig führen wollte, auch, weil niemand so genau wusste, warum wir all diese Punkte so extrem betonen sollten – denn sie waren ja längt da.

Denn der Markenkern der Piraten war und ist – ein Lebensentwurf einer freien, bunten Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der Mann und Frau gleichberechtigt sind, in der Menschen alles Altersklassen, aller Ethnien und  Herkunftsländer willkommen sind. Eine Gesellschaft, die nicht überwacht wird, die frei ist und sich frei entfalten kann. In der Bildung für alle da ist und die jetzt schon plant, die Zukunft mit all ihren Herausforderungen zu meistern. Eine Utopie? Sicher. Aber eine realisierbare, mit dem Netz möglich gewordene Utopie. Das Netz war immer wichtig, weil es alles verband und neue Wege eröffnete, zu kommunizieren, kreativ zu werden. Dass gerade diese Wege verschlossen werden sollten, trieb uns auf die Barrikaden. Doch das Netz ist ja kein Selbstzweck – dahinter stand immer die Vision.

Und diese Vision ist jetzt mehr bedroht als je. AfD und CDU/CSU wollen die Volte zurück in die 50er Jahre, mit Spießertum und dem Ausgrenzen Fremder und dem Verdammen anderer Lebensentwürfe als dem der klassischen Familie. Das braune Gedankengut taucht wieder hoch. Queer wird wieder tabu. Die Regierung fördert den Breitbandausbau nicht und Deutschland verkommt zum digitalen Drittweltland, emsig überwacht und gegängelt. Soziale Erungenschaften werden über Bord geschmissen – auch mit Hilfe der SPD – wir haben den größten Billiglohnsektor in Europa und keine Ideen, wenn das Modell Vollbeschäftigung ausgedient hat. Umweltschutz wird den Interessen der Wirtschaft untergeordnet und die Grünen würden gerne alles verbieten, vom Dirndl bis zur Glühbirne. Es braucht uns, mehr denn je.

Was de Piraten am Anfang so sympathisch und so wählbar machte, war die bunte Mischung, die jeden und jede willkommen hieß, viele Menschen fanden hier etwas, was sie woanders gesucht hatten: Akzeptanz. Unser größter Fehler war, diesen Fakt nicht als Plus zu begreifen, sondern als Malus. Denn es kamen immer mehr, die uns professionalisieren wollten, die aalglatt das taten, was andere Politiker auch schon taten: geschliffen in Talkshows reden und bei nächstbester Gelegenheit heimlich die Freundin einstellen. Woanders professionalisierten wir uns nicht. Politische Unerfahrenheit plus politische Skandale ist eine fatale Mischung. Ja, wir müssen uns professionalisieren, unsere Ideen besser kommunizieren, Kompromisse zulassen, Führung zulassen. Aber vor allem dürfen wir nie wieder zulassen, dass unser bunter, inkludierender Markenkern in Frage gestellt wird. Dafür ist die Chance jetzt größer als jemals zuvor. Nehmen wir sie wahr.

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Wie werde ich zum Prominenten, wie zur eigenen Marke?

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Ich habe oft überlegt was mich eigentlich so fasziniert von Formaten Promi Big Brother oder Dschungelcamp. Es ist, das habe ich jetzt herausgefunden, der Aufbau von Menschen als Marke in unserem medialen Zeitalter. Und so, wie es jetzt funktioniert, hat es eigentlich wirklich mit Big Brother angefangen. Vor diesem Format konnten völlig unbekannte normale Menschen nicht einfach so Promi werden. Die mussten schon irgendwas können. Entweder waren das Schauspieler oder Sportler, Wissenschaftler, Buchautoren, Nachrichtensprecher oder Zahlenumdreherinnen oder Lottofeen. Oder Gattin. Diese Art Prominenz ist seit Anfang des Jahrhunderts beliebt. Aber Promi einfach so? einfach nur weil man im Fernsehen war? Das gab es nicht. Danach schon. Big Brother eins weckte ein ganzes Heer von Promiwilligen aus dem Dornröschenschlaf, die zwar Nix konnten, aber immer wussten, dass sie eins sein konnten, ein Star. Gesagt, getan. Mittlerweile rekrutiert sich das Gros dessen was wir als Star begreifen von deren Leben wir in den Bunten Blättern und auf vielen Blogs wie Promiflash erfahren, aus abgelegten Kandidatinnen für diverse Castings- oder Kuppelshows. Es reicht, im Fernsehen gewesen zu sein, um weiter ins Fernsehen und auf promiveranstaltungen zu kommen. Und dafür Geld zu kassieren. Ein System, das sich mehr oder weniger aus sich selbst speist.

Das System braucht immer Nachschub
Doch das System gerät ins Stocken, weil die Zuschauer übersättigt sind von den Nullnummern. Von Gesichtern, die genauso banal wie die, die man jeden Tag auf der Arbeit sieht oder im Supermarkt. Was macht denn einen Star aus? Das ein wenig Überlebensgroße, das Extremere, das Charisma. Alles, was den TV-Pflaumen komplett fehlt deswegen kann im Prinzip jeder auf den promizug aufspringen. Ja, muss es sogar, wenn er oder sie als Marke oder mit ihrer Marke etwas werden will. Im Prinzip reicht es, oft genug auf Promiveranstaltungen aufzuschlagen und zu sagen, man ist Promi, um das irgendwann auch mal zu sein. So richtig hinterfragen tut das keiner. Wichtigste Eigenschaft ist – fotogen sein: besonders nackt, besonders schrill, besonders schön oder besonders besonders. Das reicht. Dann ist man sofort in den bunten Blättern. Wer von Natur nicht mit Schönheit gesegnet ist, muss operativ nachhelfen oder das Rollenfach “schrill” besetzen.

Richtig, eine Schwelle gibt es – man muss auf die Promiparties kommen. Aber das dürfte sich lösen lassen, wenn man wirklich ins Rampenlicht will. Jeder kennt irgendwen, der auf solche Parties kommt. Und da dann eben dranhängen. Ich hab mich schon mal
mit einer befreundeten Band gitarrrenkastenschleppend auf eine Premiere in München gemogelt, weil ich Fan des Hauptdarstellers war. (Dass ich um 4 Uhr nachts dem Bodygusrd geholfen habe, den Hauptdarsteller, der völlig blau war, die Treppe runterzuhieven, ist eine andere Geschichte).

Mensch als Marke ist hochkomplex

Im Prinzip funktioniert es in der Tat so einfach, einen Fuß in die Tür zu bekommen, sich aber als Marke am Markt zu etablieren und damit wirklich Geld zu verdienen, ist hoch komplex. Ein Image schaffen, aufbauen, pflegen, es nähren und behüten. Es gibt gute Beispiele, die sich seit Jahren in den Medien halten, ohne irgendetwas gut zu können als berühmt sein. Hierzulande Verona Pooth. Hat übersichtliches Talent, Größe Schönheit und einen Willen zum Erfolg. Super Kombi. Die hat lange die Masche “sexy Doofchen” geritten, mittlerweile ist sie behutsam auf “erfolgreiche Geschäftsfrau” umgeschwenkt. Jana Ina Zarella vermarktet ihre Mütterlichkeit und Fröhlichkeit etc. Jede hat etwas, was sie als Botschafterin für Marken empfiehlt. Georgia Fleurop hat ihre Zickigkeit, die ihr weitere Tv-Auftritte bringen wird, aber keinen lukrativen Werbedeal.

Doch um auf den Ausgangspunkt Big Brother zurückzukommen – was bringt so ein Format der Menschen-Marke? Auf alle Fälle schiere Bekanntheit. Darüber hinaus wird es schwer, denn Glamour liefern die Formate nicht. Und auch keinen direkten Verweis auf die hervorstechende Eigenschaft, die man unterstreichen will: Klugheit, Hilfsbereitschaft oder Sexyness. Also muss man im Dschungel oder im Haus auf sich und das Vermarktbare aufmerksam machen – was dazu führt, permanent im Dreck zu hocken, denn die Zuschauer wählen die, die auffallen, gerne für alles Unangenehme. Doch welche Firma bucht eine Celebrity, die man nur heulend und Maden übergossen kennt, für ihre Kampagnen? Also lieber Vorsicht und nicht zuviel auffallen – was zur Folge haben kann, dass man völlig übersehen wird. Auch nicht gut. Sogar noch viel schlimmer. Die Balance zwischen verwertbarer Popularität und peinlicher Aufdringlichkeit ist also schmal und braucht gute Instinkte oder gute Berater. Das macht derzeit den in Deutschland gängigen Star aus: ein Instinkt, was geht und was nicht.

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Outlet Bad Münstereifel – Rettung oder Ausverkauf?

badmuenstereifelEs ist ein Experiment, das in Zukunft genau beäugt und verfolgt werden sollte. Nachdem die Kurgäste ausblieben hat die Stadt Bad Münstereifel versucht, die ausbleibenden Touristen und Kurgäste mit einem neuen Konzept wieder zu gewinnen. Die leerstehenden Geschäfte der Innenstadt wurden an einen Investor vermietet und der baute sie zum kompletten Outlet aus. Das City Outlet Bad Münstereifel ist zur Eröffnung praktisch voll vermietet. Die ortsansässige Gastronomie sowie viele historische Sehenswürdigkeiten wurden integriert. Das Besondere ist die Kombination von Outlet Shopping mit dem Charme und Ambiente einer mittelalterlichen Stadt. In rund 30 Geschäften präsentieren sich Fashion-,  Sportmarken, Schuhe & Leder sowie Kinderbekleidung, Wohnen und Accessoires.

Einheimische wie Heino wehrten sich erst, doch fügen sich nun:”Es ist gut für die Stadt, gut für die Leute”, sein Cafe in der Innenstadt musste weichen, er bewirtschaftet nun das Kurhaus.

Es ist eine Lösung für Bad Münstereifel, aber ist das jetzt die Lösung für all die entvölkerten Innenstädte?

Unter anderem sind klassische und moderne Marken wie Bugatti, Street One, Cecil bis hin zu Tom Tailor und Garcia Jeans vertreten. Ebenfalls bieten die Multimarken-Stores Robert Ley und Deerberg Mode sowie Schuhe und Accessoires von namhaften, internationalen Marken an. Im Sport & Outdoor Bereich können sich Besucher auf Wellensteyn und Puma  freuen. Ergänzend wird Kindermode von den Marken Sterntaler, Sanetta und Lego wear sowie Lifestyle-Uhren der Marke Ice Watch angeboten. Schokoladen-Liebhaber können Köstlichkeiten der Schweizer Premium Schokoladen-Marke Lindt genießen. Für hochwertige Heimtextilien und Wohnaccessoires sorgen Lambert und Bassetti. Die alpine Fashion- und Lifestyle-Marke Luis Trenker sowie die italienische Schuhmarke Bagatt eröffnen im City Outlet Bad Münstereifel ihren ersten deutschen Outlet Shop.

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