Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Massenvertreibung in Tansania für elitäres Jagdvergnügen?

Massais in der Savanne - bald wird hier die Königsfamilie von Dubai Elefanten abschiessen Foto:Avaaz

Massais in der Savanne – bald wird hier die Königsfamilie von Dubai Elefanten abschiessen Foto:Avaaz

Tansania ist wunderschön. Die Serengeti-Wüste voller wilder Tiere lädt zu Safaris ein, der Kilimandscharo steht mit seinem Schneegipfel in der Sonne, Massais in farbenprächtigen Kleidern durchwandern die Savanne, die Gewürzinsel Sansibar lockt mit ihren Wundern. Das zeigen auch die Bilder der Tourismuswebseite - doch während die Touristen mit ihren Kameras auf die Tiere draufhalten, hat das Königshaus von Dubai ganz andere Pläne. Sie wollen ein 1.500 Quadratkilometer großes Areal (direkt neben dem Serengeti Nationalpark) kaufen als privates Jagdrevier zum Abschiessen der Elefanten, Giraffen, Löwen und anderer Tiere, die eigentlich gefährdet sind – und für dieses lustige Hobby sollen zudem die 40.000 Massai, die in dem Gebiet wohnen, verschwinden. Nicht, dass einer da versehentlich in die Schussbahn läuft. Bis zum Ende des Jahres sollen die Massai ihre Heimat verlassen. Abgefunden werden sie nicht mit Geld, sondern dem Versprechen, Geld in soziale Projekte für sie zu investieren. Was man a) nicht müßte, wenn man ihnen nicht ihr Land wegnähme und b) in Afrika heißt, dass die Massai absolut nichts bekommen.

Die Regierung von Tansania leugnet, dass das Projekt wieder aufgenommen wurde. Denn als die Pläne bekannt wurden, hat avaaz.org 2,3 Millionen Unterschriften gegen das privat Jagdrevier gesammelt und öffentlich gab es einen Rückzieher – während hintenrum die Verhandlungen mit der Königsfamilie von Dubai emsig weitergingen. Jetzt ist die öffentliche Empörung vorbei und der Verkauf geht still und leise über die Bühne. Wir dürfen einen derartigen Ausverkauf von Kultur und Natur nicht zulassen – da muss wirklich international Druck aufgebaut werden!

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Meine Art der Diät – bisher klappt es

crespelle

Wenn schon nur einmal am Tag, dann was Gutes: Crespelle mit Spinat-Ricotta-Füllung

Ja, es wird viele geben, die jetzt gleich losmöppern “das kann doch nicht gesund sein”, “das funktioniert doch nie” – ich kann nur für mich sprechen und sagen: doch. Tut es. Entstanden ist das Ganze aus der Not heraus. Ich war viel unterwegs auf Messen, bei Parteitagen, etc – und hatte meist nur Zeit, einmal am Tag was zu essen. Meist so am frühen Nachmittag. Komischerweise hat mir das immer vollkommen gereicht. Ich hab dann angefangen, das auch hinterher auszuprobieren. Zum Frühstück gibt es eine große Schale Matcha mit Sojamilch und bis 15 Uhr nichts mehr. Dann eine Mahlzeit, bei der ich schon schaue, dass sie gesund ist, aber wenn ich Lust auf Pizza habe, dann ist diese Mahlzeit eben eine Pizza. Und danach ist Schluss. Sense. Finito. Gibt nix mehr außer Früchte-Tee am Abend. Und ich habe tatsächlich keinen Hunger mehr, es fehlt mir nix. Ich esse also echt was ich will und nehm ab dabei. An Tagen, wo ich zum Essen eingeladen bin, warte ich bis Abends, aber das fällt mir so richtig schwer, das geht kaum. Da hab ich dann richtig Hunger.

Für mich ist diese zeitliche Begrenzung trotzdem viel einfacher zu handhaben als Kalorien zu zählen oder Nahrungsmittel einzuschränken. Und wenn ich anfangen würde, nur einen Apfel und ein Magerjoghurt als Mahlzeit zu bezeichnen, würde ich mir Sorgen machen. Aber ich ess ja normal und nehm so etwa ein – zwei Kilo in der Woche dabei ab. Was absolut okay ist. Ich weiß nicht, ob die Methode für jeden was ist, mir hilft sie gewaltig. Vor allem, weil die Beschäftigung mit Essen einfach weg fällt. Weil die sehr schlaue Erzählmirnix einfach recht hat: Zuviel Essen hat mich dick gemacht. Und da nutzt es nix, hier mal ein Häppchen, da ein Häppchen, weil zumindest ich die Kalorienzahl all dieser Häppchen sehr unterschätze. Und ich esse gerne und hab manchmal Appetit auf bestimmte Dinge. Wenn man mir verbietet, auf was ich wirklich Lust habe, kommt Frust auf. Aber auch diese Klippe wird mit meiner Methode umschifft. Eine Brigitte-Diät mit einem Scheibchen hiervon und einem Löffelchen davon ist nix für mich, das dauernde vorbereiten nervt mich, bei Saftdiäten geh ich nach drei Tagen die Wände hoch. Also – nur einmal am Tag. Bis jetzt halte ich das drei Wochen durch und es fällt mir leicht.

Welche Erfahrungen habt ihr so mit Diäten gemacht?

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Böse Pickup Tricks

Es ist ein Trick der Pickup-Artists. Sie suchen die tollste Frau im Raum, gehen zu der hin und sagen Verächtliches über ihr Aussehen. Warum? Um sie erst zu verunsichern, um sie dann hinterher wieder aufbauen und dann abschleppen zu können. Ist etwas vereinfacht, klar, aber ich will hier auch keine fiesen Maschen propagieren. Weil: der Scheiss funktioniert. Erst runtergemacht und dann wieder aufgesammelt werden vom gleichen Ekel, das sich plötzlich als Ritter auf dem weißen Pferd entpuppt. Da geht Frau doch dankbar mit.

Wer sich fragt, wie so was sein kann. Das ist leider einfach. Wir Frauen werden immer über unser Aussehen beurteilt, wer eine Frau beleidigen will, nennt sie immer fett, hässlich oder unerotisch. Wir sind immer unsicher. sind wir schön genug, dünn genug, sexy genug? Und gerade die schönsten Frauen, die wissen, was ihr Aussehen alles erreichen kann, sind mitunter die Unsichersten. Weil die größte Stärke auch immer die größte Schwäche ist. Deswegen bringt die Komplimentgewohnten eine abwertende Bemerkung völlig aus dem Konzept. Und sie landen prompt in den Armen des Pickup-Artists, der mit ihren schlimmsten Ängsten spielt.

Jetzt wird ein großer Aufstand um Pickup-Artist Julian Blanc gemacht, der auch schon mal härter zulangt, um seinen Flirt von seinem “Alphamännchenstatus” zu überzeugen. Und aus seinen Weisheiten in zynisches, bösartiges Geschäftsmodell entwickelt hat, das mit Liebe ungefähr so viel zu tun hat wie Sauron mit dem Verkauf von Gummibärchen. Die Aufregung ist gerechtfertigt und geht doch am Kern der Sache vorbei. Denn klar ist der Typ mies, aber noch mieser ist eine Welt, die Frauen dazu bringt, ihr Selbstvertrauen (fast) allein auf die Optik zu legen. Oder die nach einem Alphamännchen suchen, dass ihnen die Welt erklärt. Die “Mein Job, mein Haus, mein Auto” Männer dürfen sich gerne mit den “Meine Brüste, meine Nägel, mein Haar” Frauen treffen. Wie wäre es aber mal zur Abwechslung, die Betonung auf Hirn, Charme, Freundlichkeit und Humor zu legen? Das ist alles echt sexy. Das gilt übrigens auch für Männer.

 

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Ihr seid nicht allein – an Angehörige von Demenzpatienten

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Mein Lieblingsbild von mir und meinen Eltern aus längst vergangenen, glücklichen Zeiten.

Ich habe mich lang mit einer Freundin unterhalten, deren Mutter – wie die meine – an Demenz/Alzheimer erkrankt ist. Ich will deswegen meine Erfahrungen und meine Gedanken dazu aufschreiben, damit alle wissen, es geht vielen so. Ihr seid nicht allein mit diesem Problem. Ich hab mich mit vielen Menchen unterhalten und deren Erfahrungen sind sehr ähnlich. Denn ich bin jetzt in einem Alter, in dem die Eltern schon mal krank werden können oder gar sterben – und dennoch trifft es einen unerwartet. So wie die Demenzerkrankung meiner Mutter vor einigen Jahren. Habe ich je damit gerechnet, das könnte auch unsere Familie treffen? Ich muss gestehen: nein. Ich hab nie darüber nachgedacht. Demenz? Alzheimer? Das erschien mir so weit weg, so unreal. Das war etwas, was Leute mit 90 bekommen, irgendwo, aber doch nicht hier. Das passt irgendwie nicht ins Weltbild.

Niemand ist auf Alzheimer oder Demenz vorbereitet

Doch plötzlich war alles anders. Erst kaufte meine Mutter bei jedem Einkauf den gleichen Artikel, meine Mutter vergass die Uhrzeit, das Mittagessen war um 10 Uhr fertig und am Sonntag wollte sie einkaufen gehen (für alle, die das nicht verwunderlich finden, meine Eltern leben in Bayern), dann vergass sie Rechnungen, Kochrezepte, kochte nur noch Hühnersuppe oder Bratwürstl, dann irgendwann gar nicht mehr. Die einst so ordentliche Wohnung verschlampte. Meine Mutter türmte bizarre “Kunstwerke” auf Zeitschriften, Waschlappen, dazwischen ihr Schmuck und Kleidung , im Bemühen “aufzuräumen”. Sie wurde immer verwirrter, immer aggressiver, war immer weiter weg. Ob sie sich je eingestanden hat, dass sie dement ist? Ich weiß es nicht, vermute es aber, denn zum Arztbesuch haben wir sie lange nicht bewegen können. Mein Vater war da keine Hilfe, der war mit der Situation völlig überfordert. Wie wir alle. Man kann ja seine schreiende Mutter nicht fesseln und knebeln und beim Arzt abgeben, sowas geht nicht. Leider. So mussten wir lange ohne Diagnose mit dem allzu offensichtlichen leben. Meine Mutter hatte einen Weglauftrieb, lief kilometerweit, in sengender Hitze und klirrender Kälte, egal, nur raus, weg, sie empfand den zunehmend genervten Ton meines Vaters als bedrohlich. Heim fand sie immer, nur manchmal brachte sie die Polizei heim, wenn sie Fabelgeschichten von häuslicher Gewalt erfand und mitfühlende Passanten dann die Ordnungshüter riefen. Irgendwann kannten die Beamten dann die Misere, rieten meinen Vater aber auch, sich doch endlich helfen zu lassen. Ergebnis? Keines.

Wieso pflegst du nicht? – Das schlechte Gewissen ist immer da

Ich habe mich mit meinem Vater gestritten, der die Situation durch großzügiges Ignorieren lösen wollte, auch schon als Ignorieren kaum noch möglich war. Es kam auch immer öfter aus dem Freundes- und Familienkreis die Frage: Katrin, wieso pflegst du nicht? Erstens, weil ich das nicht gewollt habe, ich hätte mich täglich mit meinen Eltern gestritten, die sich beide auf ihre sture Art nicht hätten helfen lassen. Ich bin selbst nicht die Geduldigste und nicht gut in solchen Sachen. Ich bin meiner Tante unendlich dankbar, dass sie tatkräftig mithalf und meinen Vater nach Kräften unterstützte. Danke auch an meinen Bruder und meine tolle Schwägerin, die das Haus ausräumten, als ich nichts mehr konnte außer heulen und depressiv sein. Der Gedanke, hätte man in einem frühen Stadium die Krankheit aufhalten können, wenn man sie nur früh genug einen Arzt hinzugezogen hätte, war immer da und verursachte mir ein schlechtes Gewissen. Heute weiß ich: nein, da wäre beim heutigen Stand der Medizin nichts zu retten gewesen. Aber damals hat mich das schier kirre gemacht.

Erst die Krankheit und der viel zu frühe Tod meines Vaters, auch Ursache des zu langen Abwartens mit der eigenen Herzerkrankung und der seelischen Erschöpfung, änderte etwas. Meine Mutter kam ins Heim. Mittlerweile ist sie dort seit drei Jahren, kennt mich nicht mehr, reagiert nicht mehr, spricht keine zusammenhängenden Sätze mehr, kann ihre Körperfunktionen nicht mehr kontrollieren. Und ich habe immer noch ein schlechtes Gewissen, weil ich noch weiter wegezogen bin, weil ich vielleicht viermal im Jahr besuche. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich mit meiner Mutter nicht alles besprochen habe, was zu besprechen war. Weil wir kein sonderlich gutes Verhältnis hatten manchmal. Weil ich nicht früher auf Behandlung insistiert habe. Jetzt warte ich nur noch – auf was?

Nachtrag: das ist mittlerweile drei Jahre her und ich bin drüber weg. Aber das war damals eine furchtbare Lebenskrise, die ihre Spuren hinterlassen hat.

Wie sind eure Erfahrungen so? Habt ihr damit schon Erfahrungen machen müssen?

 

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Wir waren doch schon mal weiter, oder?

B2EocPAIcAAb72iIch bin gerade entsetzt über die “Themenwoche Toleranz” der ARD. Selten ist gut gemeint so unfassbar schlecht gemacht. Behinderung, andere Hautfarbe, Kinderfreudlichkeit, Schwulsein – müssen wir darüber noch diskutieren? Echt jetzt? Ihr macht mich sprachlos, liebe Programmmacher. Ist das euer Weltbild? Darüber müssen wir nicht mehr diskutieren. Schon gar nicht über Toleranz. Toleranz bedeutet, dass ich darüber vornehm hinwegsehe. Es geht vielmehr um Akzeptanz – verstehen und annehmen, dass es Menschen gibt, die anders sind, andere Bedürfnisse haben, aus anderen Kulturkreisen kommen. Das normal finden, nicht wert zu diskutieren, weil es einfach so ist.

Müssen wir im Jahr 2014 darüber diskutieren, ob jemand sich seine Sexualität aussuchen kann? Dass Behinderte überall inkludiert werden  und nicht behandelt werden dürfen wie Menschen zweiter Klasse? Dass Kinder auch mal laut sind? Allein der Slogan “Anders als du denkst” unterstellt den Zuschauern, dass sie nicht nachdenken, dass die Begegnung mit Schwulen, Behinderten, anderen Hautfarben etc neue, bahnbrechende Erkenntnisse liefern könnten. Ja wieso denn? Besser: wieso denn nicht – aber brauchen wir eine ARD, die da extra drauf hinweist, um zu zeigen, naja, so ganz normal sind die doch nicht. Denn alles, zu dem man eine Sonderwoche machen muss, ist nunmal – besonders. Verdammt noch mal, warum dann nicht einfach machen? Automatisch alle Sendungen für Gehörlose untertiteln, Schwule in Soaps integrieren, Rollstuhlfahrer als Protagonisten – als Bösewicht im Tatort wäre das doch mal cool, oder? In meiner Jugend in den 80ern war das alles so kein Thema, das war normal – wann wurde der Trend eigentlich wieder umgedreht zu Intoleranz, Engstirnigkeit und Hass anderen gegenüber?

Danke übrigens, dass ihr nicht auch noch Dicke und Frauen in die Gruppen auf dem Plakat integriert: Frauen: Deko oder Partner? Dicke: Ungesund oder Geschmackssache. Wo bleibt die “Leben und Leben lassen” Woche der ARD?

Wie seht ihr das? Ist so eine Themenwoche okay oder daneben?

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Was sich wirklich ändern muss in Frauenmagazinen

Die Meedia berichtet heute: “Eine Neustrukturierung, die es in sich hat: Im Zuge des verlagsweiten Sparkurses haben Geschäftsführung und Chefredaktion des G+J-Frauenmagazins Brigitte am heutigen Mittwoch angekündigt, alle schreibenden Redakteure zu entlassen. Betroffen sind insgesamt 11 Planstellen, davon 9 in den Redaktionen. Mit den Anfang des Jahres zu erwartenden Kündigungen einher geht eine Neuordnung der Produktion bei Brigitte, Brigitte Women und Brigitte Mom.”

So, jetzt entlässt die Brigitte also alle ihre Textredakteure – also die Redakteure, die aussschließlich schreiben. Was ein Redakteur ja eigentlich so macht. Die Manager, Maketingmenschen, Heftplaner, Budgetverwalter dürfen bleiben und diese Stellen werden sogar noch aufgestockt. Verkehrte Welt. Wieso glaubt jemand, so eine bessere Zeitschrift hinzubekommen? Wer soll dann das Heft füllen? “Nach dem Personalabbau, so der Plan des Managements, solle wie es im Haus heißt, ein “agiles und flexibles Kompetenzteam” die Heftproduktion leiten. Dieses besteht aus Chefredaktion CvD, der geschäftsführenden Redakteurin, Textchef sowie den Ressort- und Redaktionsleitern. Darüber hinaus soll eine weitere Führungsebene aus Stellvertretern eingezogen werden. Für diese werden sechs Stellen geschaffen, die intern besetzt werden sollen. Die Chefredaktion  erhoffe sich dadurch mehr “Vielfalt und Potenzial” von außen und neue Impulse für die Zeitschriften.” Das erinnert mich irgendwie an den Witz mit dem langsamen Ruderboot, wo statt weiterer Ruderer weitere Leute mit Anfeuerungsmegaphonen hingesetzt werden. Ich halte den Schritt für grundverkehrt. Denn wer nur Texte von außen holt, hat keine Ressourcen für aufwändige Recherchen – und die machen nun mal gute Geschichten aus. Freie sind in zweierlei Hinsicht fatal: 1. wer nach Worten bezahlt wird, kann sich aufwändige Recherchen nicht leisten. 2. Freie MÜSSEN positiv schreiben, weil sie sich sonst selbst die Lebensgrundlage entziehen.

Was richtig ist, ist, dass sich in der Printbranche was ändern muss. Die großen Flagschiffe wie die Brigitte, einst mit Milllionenauflage, haben Flaute. Nur noch (oder immerhin) 550.000 Leserinnen wollen wissen, was drin steht. Meine Mutter hat noch regelmäßig die Brigitte gelesen, sie sogar im Abo gehabt. Ich lese sie nicht mehr. Aus meinem eigenen Empfinden deswegen, weil mich die ewig ähnlichen Themen “Diät, Beziehung, Mode” in der Form nicht mehr interessieren. manchmal kaufe ich Hefte wegen spezieller Servicethemen “20 Radtouren durch Deutschland”, oder “100 beste Plätzchenrezepte” Ansonsten? Finde ich ein Thema spannend, will ich mehr lesen als das, was ich da finde, interessiert es mich nicht, sind 2 Magazinseiten auch zu viel. Ich vermisse auch die Interaktion, ich will diskutieren mit den Leuten, so wie es in Blogs möglich ist, ich will nachfragen können. Online macht Brigitte ja auch sehr viel richtig.

Aber ich hab immer das Gefühl, dass das, was in dieser Zeitschrift steht, eher so ein potemkisches Dorf ist, eine heile Welt, die nicht so existiert. Die echten Probleme von meinen Freundinnen und mir, die kommen nicht vor. Und die sind – eben auch – dass nun Leute aus ihren Jobs entlassen werden, um billig als Freie arbeiten zu “dürfen”. “Vielfalt und Kompetenz von Aussen” heisst das euphemistisch. Dass Frauen ab 45 es schwer haben, wieder einen Job zu finden, dass Familie, Liebe und Kinder eben nicht nur rosa Plätzchen backen ist. Dass Gleichberechtigung immer noch nicht funktioniert. Auch die Aktion mit den Nichtmodel-Modeln hat mich vor den Kopf gestoßen. (dass der Verlag das später genauso sah, war mir tiefe Befriedigung) Die Realität hat kaum Platz in den Magazinen, die findet sich in den Blogs und in Zeitschriften wie Brand1, die intelligent für intelligente Menschen schreiben und ihre Leser nicht für dümmer halten als sie sind.

Was sich ändern muss:

  • Aufhören mit dem Werbejournalismus in Mode und Kosmetik. Dort wird alles bejubelt, was die Anzeigenkunden befehlen zu bejubeln. Unkritisch. Damit muss Schluss sein. Wenn ein Produkt schlecht ist, sollte das auch gesagt werden. Die Leser erwarten Meinungen von Magazinen, keine weitere Werbung
  • Aufhören mit dem Gierjournalismus: Redakteure, die abgreifen, was abzugreifen geht. Und dann Berichte über Autos, teure Handtaschen und Luxusressorts schreiben, die der Blattzielgruppe ziemlich am Allerwertesten vorbei gehen
  • Aufhören mit der Annahme, alle Leser könnten sich jeden Monat Outfits im Wert mehrerer Kleinwagen kaufen. Stattdessen soll die Brigitte ran an die Realität
  • Mehr Themenvielfalt: Frau sein ist mehr als Kinder, Diät, Küche, Beziehung. Oder Promis, die als reiche Helfer durch die Elendsgebiete der Welt turnen und dort dann interviewt werden. Wo bleiben spannende Alltagsgeschichten? Wo hat man den Eindruck, dass die Redakteure das Leben der Leserinnen wirklich verstehen und nicht nur in einer erfundenen Pilcher-Zuckerwattewelt leben?
  • Noch mehr Service. Um mit den Blogs mithalten zu können, ist die ganze Kompetenz gefragt. Bessere Reisereportagen, bessere Kosmetiktests, bessere Modetipps, besser, besser besser – und nicht billig produziert mit armen freien Redakteuren, die gut über eine Destination schreiben müssen, weil sie drauf angewiesen sind, wieder eingeladen zu werden.

 

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“Auf die Haut würde ich kein Parfum mehr sprühen”

parfumIch hab ja über den (zumindest temporären) Verlust meines Geruchssinns geschrieben. Und ich will euch heute erzählen, wie wichtig dieser Sinn wirklich ist. Er ist eng verknüpft mit dem Geschmackssinn – Aromen von Kräutern, Gewürzen, Gemüsen etc – all das wird über die Nase wahrgenommen, ist die weg, bleibt nur ein sehr rudimentärer Mix aus süß, salzig, bitter, sauer, scharf – alles andere ist weg. Wie viel Spaß Essen da noch macht, kann sich jeder ausmalen. Ich war immer ein extremer Nasenmensch, der Film “das Parfum” hat mir aus der Seele gesprochen.

Deswegen war ich auch beim Vortrag von Professor Dr. Hanns Hatt von der Uni Bochum zum Thema “Wie Düfte unser Leben verändern”. Ich hatte mir Tipps für meine Krankheit erhofft (und auch bekommen)  – Aber der Vortrag war so oder so maximal spannend. Ein paar Fakten will ich an euch weitergeben.

Düfte manipulieren uns: Riecht ein Mann rosa Pampelmuse an einer Frau, schätzt er sie 6 Jahre jünger, mit Blumenparfum sogar 6 Kilo leichter. Weil er unterbewusst diese Düfte mit “jung und attraktiv” gleichsetzt. Firmen nutzen Gerüche, Mercedes und BMW verwenden spezielle Duftdesigns für Neuwagen, Geschäfte beduften sich, um unsere Kauflaune zu beflügeln. Dass die Automaten, die frisches Brot backen unseren Appetit im Supermarkt wecken, damit wir mehr einkaufen, ist mittlerweile bekannt. Aber auch Bekleidungshäuser nutzen solche Effekte, bei Abercrombie &Fitch riecht alles nach deren Parfum “Fierce”, auch noch tagelang nach dem Einkauf duftet die Ware daheim, ein kleiner Reminder für den nächsten Besuch…

Unsere Nase und der Geruchssinn sind in vielerlei Hinsicht noch ein Mysterium. Wir können einen Billion Düfte wahrnehmen. Die Riechzellen haben Rezeptoren, die bestimmte Duftmoleküle erkennen können. Die Duftmoleküle werden dabei wie Schlüssel in einem Schloss von den Riechzellen umschlossen und identifiziert. 350 verschiedene Riechzellen”Schlösser” haben wir, bei 50 davon ist bereits entschlüsselt, welche Düfte sie wahrnehmen, die anderen 300 haben ihr Geheimnis noch nicht preisgegeben. Wir wissen, wo “Banane” andockt, “Citronelle”, “Veilchen” – und diese Einzeldüfte setzen sich dann im Hirn zu einem großen Duftganzen zusammen.

Auch andere Körperzellen haben Duftrezeptoren: So “riecht” die Haut, eine Wunde heilt um ein Drittel schneller, wenn man Sandelholzparfum aufträgt. “Ich würde mir Parfum nicht mehr direkt auf die Haut sprühen, ich weiß nicht, was wir eigentlich damit anrichten”, meint Dr. Hatt. Maximal auf Kleidung und Haare. Auch Spermien haben Duftrezeptoren, mit denen sie dem Duft von Maiglöckchen folgen, den die Eizelle verströmt. Sie werden bei diesem Geruch doppelt so schnell um ihr Ziel zu erreichen…

Duft ist überhaupt ein entscheidender Faktor bei der Partnerwahl – meist unbewusst. Sind wir Frauen fruchtbar, ist der männliche Duft generell angenehmer. Würde man Probantinnen 10 T-Shirts geben, die Männer vorher getragen haben, würden sie sich anhand des Geruchs den als Sexualpartner heraussuchen, dessen Genetik am meisten von der ihren abweicht. Dessen Geruch finden Frauen am attraktivsten. Kann natürlich sein, dass einem dieser Mann optisch gar nicht gefällt – aber für den Nachwuchs wäre der am besten. Deswegen gibt es auch nicht den einen, einzigen Duft, der für alle attraktiv macht, den geheimen Liebesduft – da irrt das Buch “das Parfum”. Mäuse machen das mit dem Geruch  nicht anders – aber denen ist die Optik oder der gute Beruf des Partners wirklich egal. Vielleicht sind Mäuse glücklicher in der Liebe.

Wer mehr wissen will: Der Professor hat ein Buch geschrieben.

 

 

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