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Will ich ein Kunstwerk sein? Bekleidung versus Mode

Print von Artiststylist

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Wie relevant ist Mode denn noch? Man sollte denken, extrem relevant. Jeden Tag stehen wir vor dem Schrank und denken darüber nach, was wir tragen wollen, wer wir sein wollen in unseren Kleidern. Kleider machen Leute. Stimmt ja auch. Die meisten von uns entscheiden sich praktisch. Gucken nach dem Wetter und was in ihrer Arbeitsstelle so okay ist. Wie man die Figur kaschiert – oder zeigt – je nachdem. Mit extrem modischen Gesichtspunkten hat es in den wenigsten Fällen zu tun. Eine Anna dello Russo, die postuliert, sie liesse sich vom Wetter ihre modische Entscheidung nicht abnehmen, ist selten.

Es gibt in Deutschland derzeit vier große Kategorien.

  • Jung und proll trägt meist engste Jeans mit engem Top und Lederjacke, die Haare kunstvoll geglättet. Dazu eine Louis Vuitton Speedie und High Heels
  • Jung und hip trägt das Gleiche, nur mit weitem T-Shirt, die Haare zum Dutt und Sneaker oder Birkenstock. Brille und Jutebeutel
  • Älter trägt Jeans und Funktionsjacke mit praktischer Frisur. Oder Kostüm, falls wer in der Bank arbeitet.
  • Wer noch älter ist, trägt alles in verwaschenen Beigetönen mit Stützstrümpfen.

Das wars. Fertig ist die Laube. Alles andere sind maximal Randerscheinungen, nicht mehr statistisch erfassbar.So richtig rausstechen will eigentlich niemand. Selbst in Modemetropolen kann man lange nach extrem gut und eigenwilig gewandeten Menschen suchen. Warum das so ist? Schwer zu sagen. Vielleicht hat diese Zeit des globalen Dorfes auch eine Art globale Spießigkeit mit sich gebracht. Auch die Männer sabotieren Abweichungen, denn die mögen es nicht modisch oder auffällig, lieber Sachen, die Titten und Hintern gut raus bringen. Sexy ist immer gut, wenn es nach denen geht.

Niemand fragt – wie modisch ist das? Will ich heute ein Kunstwerk sein? Und wenn ja, was für eins? Will ich heute ein Statement setzen mit mir selbst? Bin ich heute Protagonist in dem Stück “Mein Leben” und sorge dafür, dass andere zusehen dabei? Lady Gaga denkt so und die ist als extrem exzentrisch verschrieen. Mode ist Kunst und Kunst trägt niemand – außer Künstler, die dürfen das. Eine ganze Palette der Kommunikation wird gekappt. Auch wenn man nicht nicht kommunizieren kann, die derzeitige Bekleidung sagt nur: Ich bin Teil des Chors, kein Solist. Jedes Jahr bringen die Frauenmagazine Modebeilagen über die Schauen und jedes Jahr kaufen die Frauen das Gleiche mit minimalen Abwandlungen.

Durch das Desinteresse wir auch die Mode als Solches uninteressant. Was nicht getragen wird, ist nicht geeignet, den Zeitgeist zu beeinflussen. Eine Spirale der Irrelevanz. Modehäuser könnten eigentlich gar keine Mode mehr machen und ihr Geld mit Basics, Handtaschen und Kosmetika verdienen. Tun sie ja eh schon. Wenn Dior und Co keine neue Mode mehr designen würden, würde das irgendwem auffallen? Deswegen interessieren mich Schauen nur noch, wie ich eine Oper anschaue, bestimmt nicht, um dort Dinge zu erwerben, sondern als Kunstspetakel. Eigentlich schade.

Mein Beitrag zur Blogparade anlässlich der Ausstellung „Erwin Wurm. One Minute Sculptures“ im Frankfurter Städelmuseum

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Nicht Verzweifeln beim Pilotenstreik

20140402-170153.jpg Foto:Lufthansa Rund 425.000 Passagiere sind betroffen vom Streik der Piloten. Einer davon bin ich. Ich wollte eigentlich nach München zum Auswärts Schnitzel, mal wieder richtig lecker Schnitzel essen und mich mit meinen Freunden treffen. Und gleich noch ein paar berufliche Termine machen in München. Das geht jetzt nicht. Weil ich alle Termine verpassen würde und 5-6 Stunden Zug, äh, nein. Blöd, aber mei.

Denn die Lufthansa bemüht sich wirklich, die armen Passagiere nicht am Boden zu lassen. Die innerdeutschen Flüge können auf die Bahn wechseln, die anderen werden auf diverse Fluglinien umgebucht, soweit möglich. Im Ausland gibt es Hotels für hängengebliebene Urlauber. Eigentlich super.
Nur wo es hakt, ist das Info-Callcenter, bei dem ich seit zwei Tagen vergeblich anrufe. Warteschleife ist dort keine, sondern nur eine Männerstimme, die mir mitteilt, dass derzeit alle Leitungen besetzt sind. Das frustriert. Und ich hab es auch mitten in der Nacht probiert. “Wir kommen da an unsere Grenzen, natürlich haben wir die Callcenter maximal aufgestockt, aber es sind eben über 425.00 Passagiere, die alle Auskunft brauchen. Wir hoffen aber, dass der Ansturm nachlässt”, erklärt Martin Riecken von der Lufthansa Presse. Auf der Infoseite finden sich alle Informationen, die auch ständig aktualisiert werden. “Unbedingt vor der Fahrt zum Flughafen noch einmal draufschauen, das erspart womöglich Ärger” . Also lieber schauen, was man selbst machen kann. Nicht optimal, zumal die links in den Info-Emails nur auf Bahn oder Callcenter verweisen, nicht auf die Stornierung des Tickets.
Das geht nämlich auch: Wer den Flug bei Lufthansa gebucht hat (Tickets mit 220-) kann den Flug auch stornieren. Das hab ich jetzt gemacht. Schweren Herzens.

Für die Piloten fehlt mir allerdings jedes Verständnis und wenn mir demnächst einer mit seiner Uniform in der S-Bahn begegnet, dann wird er von mir was zu hören bekommen…

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Grüntee statt Kaffee

20140401-153407.jpg Es gibt ein paar Lokale in Frankfurt am Main, die ich so in München nie erlebt habe. Wirkliche multikulti. Eins davon, das Schönste von allen ist das Iimori, fast gegenüber des Römer. Dort, wo japanische und chinesische Reisegruppen ihre letzte Station haben und ihre letzten Euros ausgeben. Vielleicht hat so mancher von ihnen schon Sehnsucht nach daheim und kehrt in das wunderschöne, kleine Café ein. Es gibt dort eine wunderbare Melange aus europäischer und asiatischer Patisserie.

20140401-154002.jpg Benannt ist das Cafe nach seiner Besitzerin. Die Japanerin hat alles über europäische Backkunst gelernt und verbindet diese mit japanischen Geschmäckern und dem japanischen Sinn für Ästhetik.
Grüntee bildet dabei die auffallendste Färbung der Kuchen, es gibt Grünteerührkuchen, Grünteecremeschnitten und natürlich Grüntee Latte. Himbeer und Banane machen die Rührkuchenampel komplett. Wegen der Grüntee-Spezialitäten besuche ich das Iimori immer wieder gerne. Ins japanische Restaurant im ersten Stock hab ich es leider

nie geschafft. Ich habe mir immer wieder vorgenommen, aber keine Begleitung gefunden. Frankfurt isst Schnitzel.
So war ich ab und an im Cafe. Auf eine Grüntee Latte. Dazu Macarons oder pikant gefüllte gedämpfte Brötchen. Für Asiaten normal, für Europäer echt exotisch. Und alles sehr lecker.
Das Ambiente verströmt den Charme der 50er Jahre, Antiquitäten gemixt mit Flohmarkt – aber weit ab vom Hipster Interieur.

20140401-154906.jpg die Bedienungen tragen süße altmodische Schürzen und alle finden das sehr “kawaii”. Wer Frankfurt besucht, sollte nicht auf einen Besuch verzichten. Ein paar Meter weiter ist auch die Schirn und der schönste Schokoladenladen in der mainmetropole. Davon aber ein andermal…

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Neues heißes Eisen im Bahnhofsviertel

20131206-173554.jpgDie Jungs vom IMA haben ein neues Eisen im Feuer: Das Maxie Eisen in der Münchner Strasse 18 im Bahnhofsviertel.  Ein sehr cooler Neuzugang im Stile eines amerikanischen Deli. Deswegen mischen sich auch jüdische Spezialitäten in die Karte. Matzo Ball Soup, Kreplach, Pastrami Sandwich. Ein guter Mix im Multikulti des Bahnhofsviertels. (Auch wenn mich dessen Ur-Einwohner nun schelten werden, sehen sie jedes coolere, schickere Lokal doch als weiteren Beleg der Gentriinfizierung)

20131206-173603.jpgDie Küche ist offen, das schafft Vertrauen. Ich habs heute nur gesehen und wollte euch mitteilen, dass es existiert, testen gehe ich ein andermal. Es ist noch so neu, dass die Speisekarten erst heute geliefert wurden und auf der Webseite noch nichts zu sehen ist. Aber ich bin ziemlich sicher, das kann was. “Gute Zutaten, frisch auf den Punkt gekocht, ein gemeinsames Essen, ein Lokal zum Treffen und Wohlfühlen”. So das Konzept. Fein.

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Das Beste vom Frankfurter Weihnachtsmarkt

Das Kinderkarussell ist auch bei Erwachsenen beliebt

Das Kinderkarussel ist auch bei Erwachsenen beliebt

Ich mag den Frankfurter Weihnachtsmarkt. Er ist irgendwie luftiger als der Münchner, bei dem sich in engen Reihen Stand an Stand quetscht. Es gibt neben dem Touristenkitsch wunderhübsche Stände wie etwa die “Puppenstube”, die alles im Miniaturformat anbietet, von winzigen Adventskränzen bis zu winzigen Torten und Möbeln. Ein Kinderwunderland – aber wohl eher was für erwachsene Kinder, die Dinge sind kleine Kunstwerke. Der Stand befindet sich auf dem Platz vor der Paulskirche, ziemlich in der Mitte einer der Budenstrassen.

Nette Figürchen am Töpferstand

Nette Figürchen am Töpferstand

Zwei Stände weiter finden sich süße handgetöpferte Tassen, die erst auf den zweiten Blick ihr Geheimnis freigeben: In der Tasse mit der Katze sitzt eine Maus, in der mit dem Huhn am Henkel liegt ein Spiegelei.

Die Hauptattraktion für die meisten ist vermutlich jedoch das Essen. Gleich vorneweg, es ist meine sehr private kulinarische Auswahl an Lieblingsständen des Frankfurter Weihnachtsmarktes. Ich kann mich dort weder für ein Nierenschaschlik noch für das Käsefonue begeistern. Oder für die belgischen Pommes neben dem einrichtungsladen butlers, für die einige Kolleginnen meilenweit laufen. Ist nicht meins. Dafür müssen es für mich immer die Poffertjes sein, die es an einem Stand in der ersten Reihe, gleich nach der Ampel über die Berliner Strasse gibt. Pur mit Apfelmus oder gefüllt mit je einer Kirsche (eine Spezialität in Frankfurt) sind sie die Wucht. Üppig, fluffig wie ein bayerischer Kaiserschmarrn. Manchmal lass ich mir auch Eierlikör drüber geben. Ich finde es größtartig. Frau Kaiser ist mit ihrem Stand seit 27 Jahren eine Institution. Nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt, sondern auch auf der Dippemess oder dem Wäldschefest.

Ein anderes kulinarisches Muss sind der heiße Äppler oder der Winzerglühwein, den Liebling in den Arkaden gegenüber der Schirn aussschenkt. Ich weiß nicht, was die machen, aber deren Glühwein ist immer um Klassen besser als an allen anderen Ständen. Das ist leider kein Geheimtipp mehr, deswegen ist dort jeden Abend das Gedrängel riesig. Aber es lohnt. Ich trink nirgends anders mehr meinen Wein.

Ich fühl mich von dem kulinarischen Angebot oft ein wenig erschlagen. Es gibt mittlerweile fast alles, Bratwürste, die bei den Deutschen zum feiern einfach dazugehören, Grillsteaks, Maiskolben, ungarische frittiere Fladen namens Langos, asiatische Nudeln, Kartoffelpuffer, Brezen, Quiche Lorraine (schmeckt so lala) Chilli con Carne, unendliche Variationen des Glühweins vom heißen Caipi bis zum Weißweinglühwein. Meist kaufe ich mir (neben den Poffertjes) dann noch eine Tüte Maroni und das wars. Maroni erinnern mich an meine früheste Kindheit, damals standen Maroniverkäufer noch neben qualmenden mobilen Öfen, einen Stand darum gab es nicht. Ich liebe den Geschmack, das mehlig-süße der Maronis einfach.

Für meine Familie in Bayern kaufe ich immer Bethmännchen, das traditionelle Frankfurter Weihnachtsgebäck.

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Rosi besucht uns im Büro

rosi

Heute hatten wir wieder niedlichen Besuch im Frankfurter Büro von Brandzeichen PR. Mops Rosi beehrte uns mit ihrer grunzenden Anwesenheit. Das Tierchen gehört Freunden einer Kollegin, die im Urlaub drauf aufpasst. Rosi muss dann erdulden, dass 10 Leute sie abwechselnd streicheln oder mit Sachen füttern. Wir freuen uns halt immer, wenn der Mops anrückt. Tipp: Keine Mandarinen füttern, wie Herr Trattnig das gemacht hat, um das Bild aufzunehmen.

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20. November 2013 · 2:35 nachmittags

Wie man die perfekte Wohnung findet

Man muss ja nicht gleich übertreiben

Man muss ja nicht gleich übertreiben – Wir sind ja nicht mehr der Sonnenkönig in Versailles

Jetzt, nachdem die Tinte unter meinem Mietvertrag trocken ist, teile ich gerne meine “Perlen der Weisheit” mit euch. Meine 7 Regeln eine Wohnung zu finden.

1. Sei unbescheiden
Was willst du gerne in deiner Wohnung haben? Wannenbad, Kamin, Dachterrasse, große Küche? Blick ins Grüne? Frisch renoviert? Und das alles für wenig Kohle? Gib es bei Wohnungsbörsen im Internet gnadenlos an. Wer glaubt, so eine Wohnung kann es nicht geben – ich zieh gerade ein.

2. Man sieht nur bei der Besichtigung gut
Viele Leute lassen Angebote ohne Bilder im Internet links liegen. Mächtig großer Fehler. Denn gerade Wohnungen ohne Bilder stammen von älteren Menschen, die sich im Internent nicht so auskennen und viel Wohnung für faires Geld zu vergeben haben. Ansehen muss man die Wohnung eh (Bilder können sooo lügen) – gerade ohne Bilder wartet das Schnäppchen.

3. Fuck the Inviertel
Alle in Frankfurt wollen ins Nordend, alle in Düsseldorf nach Flingern, alle in München nach Haidhausen oder ins Glockenbach. Warum denn das? Um mitten in der “Action” zu sein? All diese Viertel lassen sich von anderen, weniger “Innen” Viertel easy erreichen. Dafür hat man woanders seine Ruhe in der Nacht und die Chance, noch eine bezahlbare Wohnung mit Dachterrasse, mehr Wohnung fürs Geld und sonstigem Komfort finden. Und nie vergessen: Wer jetzt eine Traumwohnung in einem Inviertel zu einem günstigen Preis besitzt, hat dort vermutlich schon gewohnt, als das Viertel noch nicht in war. Das sollte zu denken geben.

4. Spann deine Freunde ein
Die sozialen Netzwerke sind ein idealer Raum zu Wohnungssuche. Viele Topangebote gehen sofort unter der Hand weiter und landen gar nicht erst im offiziellen Wohnungsmarkt. Streu emsig, dass du suchst und sag, was und wo. Mach das auf Facebook und Twitter unter dem Hashtag #Followerpower bekannt, dann wird deine Message weitergetragen.

5. Xing und LinkedIn sind ein Top Wohnungsmarkt
Auf Xing und LinkedIn sind Geschäftsleute mit Zugang zum schwarzen Brett ihrer Firmen, Leute, die gerade umziehen aus geschäftliche Gründen – da eine Wohnung zu finden ist gar nicht so unwahrscheinlich. Das kann man auch direkt ins Profil reinschreiben – als Extrabonus gibt es schon Kontakte in die künftige Heimatstadt.

7. Lass den Makler was tun für sein Geld
Ein Makler soll die perfekte Wohnung finden, nicht nur aufsperren und Interessenten durchlotsen. Spannt ihn oder sie ein fürs Geld und fragt nach, was sonst noch bei seiner Firma im Angebot ist. Möglich, dass da noch eine viel, viel bessere Wohnung auf ihren Mieter – und damit dich – wartet.

Habt ihr noch mehr Tipps? Immer her damit!

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Tribute von Marant: Hunger Games bei H&M

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Auch im Internet heißt es – in der Schlange einreihen

Da sitzen sie. Mit Thermobechern, auf Campingstühlen, in Schlafsäcke eingerollt, bibbernd in der Kälte auf der Zeil. Neben sich das Buch “Die Tribute von Panem” eine gute Lektüre als Vorbereitung für den gnadenlosen Kampf, der nun gleich folgen wird. Denn es ist wieder Designertime bei H&M. Und dieses Mal hat eine besonders beliebte und besonders tragbare Modeschöpferin, Isabel Marant, die Designs entworfen. Grund genug, eine Nacht lang auf der Zeil zu campieren. Hey, es ist Mode! It’s Hunger Game Time! Wer von den Männern jetzt lacht, dem zeige ich gleich Bilder der letzten iPhone-Warteschlange.

Wir sind so gegen 6.30 Uhr da. Ich war eh wach, also egal. Da reicht die Schlange schon um den halben Blog, langsam schält sich das Bild aus dem Nebel, als ich aus der S-Bahn komme. Die Männer von der Müllabfuhr, die die noch dunkle Zeil bereitmachen für den Müll des kommenden Tages, schauen genauso ungläubig wie ich. Doch, es gibt noch viele, die genauso doof sind wie ich.

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Mir gehören jetzt Pullover und Hose!

Im Schaufenster die begehrte heiße Ware. Graue Sweatshirts, graue Jogginghosen. Nie war Lagerfelds Satz wahrer: Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Was sagt das über Menschen aus, die sich um 6.30 Uhr vor den H&M stellen, um so eine Jogginghose zu bekommen? Ich will unbedingt eine silbergraue Paillettenhose. Es beunruhigt mich, dass viele in der Schlange die cool finden. Ich dachte…Ah! eine Bewegung geht durch die Menge – die Bändchen werden ausgegeben. Die Bändchen der h&M Hungerspiele, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, über Kaufen oder Nichtkaufen. Wir sind in der vierten Gruppe, eigentlich ein guter Platz, da könnte noch alles da sein (um es vorwegzunehmen, es ist fast alles weg).

Wir gehen erstmal frühstücken, stehen bei Starbucks mit den gleichen Menschen an wie eben noch bei h&m. Irgendwie lustig. Irgendwie verzweifelt. Wir schwören uns, dass bis zum kommenden Jahr unsere Blogs wichtig genug werden (meiner wird es nie werden, fürchte ich, nur 500 Leute pro Tag), um zum Präkauf eingeladen zu werden. Aber macht die Mode dann noch so viel Spaß, wenn man nicht mit Zähnen und Klauen darum kämpfen muss? Wenn man alles von der stange kaufen kann?

Die Verkäuferin macht wenig Hoffnung: “das Meiste ist weg”, glückliche Übernachterinnen tragen die Trophäen raus, einige eindeutig, um sie sofort bei Ebay einzustellen. Sie werden wütend gemustert. Und die Mitwartenden der gleichen Zeitgruppe mißtrauisch beäugt. Wer hat die gleiche Größe? Wer will auch die letze Paillettenhose? Wo hängen die Sweater? Die Stimmung ist auf Kampf. ICH WILL DIE HOSE! Ich bin total paillettenfixiert. Ich bekomme noch eine, in meiner Größe. Und die Jogginghose auch. Das Leben ist wieder schön. Ich gehe in die Arbeit – es ist erst neun und doch schon ein urbanes Abenteuer vorbei.

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Herrenwitz auf Speed: Steel Panther sind Sex, Drugs und Spandex

Steel Panther im Gibson

Steel Panther im Gibson

Es war Ende der 80er, Anfang der 90er – ich trug ein “Kill your Idols”-Shirt, ein rotes Bandana oder manchmal eine Jeansweste oder Karohemden. Die perlentragenden Komilitoninnen vom kunsthistorischen Institut waren entsetzt. Aber das war mir egal – ich war nun mal Freund der Musik von Bands wie Guns’n’Roses, Motley Crue, Def Leppard, Poison, Twisted Sister und anderen Bands des Hair-Metals. Die Musik hat Spaß gemacht, die Klamotten haben Spaß gemacht, die anderen Fans haben Spaß gemacht. Ja, es war und ist uncool, Fan dieser Musik zu sein. Und?

20131105-134035.jpgWährend sich die anderen zu softer Lounge-Musik langweilen, packe ich immer noch lieber die Luftgitarre aus und hopse über einen Dancefloor. Es scheint vielen anderen genauso zu gehen, denn nur so ist der Erfolg von Steel Panther zu erklären. Steel Panther ist eine Gruppe, die wie durch ein Wurmloch aus der Zeit des Hair Metal gekrochen gekommen scheint. Spandex Hosen, lange Wallemähnen, unfassbare Bühnenoutfits. Und die Musik ist mindestens genauso hinterher. Da dröhnen und wimmern die Gitarrenriffs wie bei den Scorpions, da ruckeln die Bässe wie bei Motley Crue und der Sänger legt seine ganze Leidenschaft in Powerballaden vom Allerfeinsten. Nur: nichts daran ist echt.

Keine Frage, Steel Panther hat höchst talentierte Musiker, Gitarrist Satchel im besonderen, oder Sänger Michael Starr. Aber die ganze Band ist so etwas wie Amerikas Antwort auf Guildo Horn. Denn hört man genauer auf die Texte, die Sex, Drugs und Rock’n’Roll glorifizieren, wird einem schnell klar, dass da was nicht stimmen kann. “My cock is community poperty” ist kaum das Liebeslied, auf das Frau in romantischen Stunden hofft, oder “I like drugs but they don’t like me”, “Fat girl – thar she blows” sind auch nicht wirklich die harten Metalhymnen. Zwei Platten gibt es mittlerweile: “Feel the Steel” und “Ball’s out” – Message angekommen. Aber großartig. Saukomisch. Und guckt man genauer hin, sind die langen Haare nur Perücken, die Beulen in den Spandexhosen Socken. Es ist eine sehr…ähm…platte Form des Humors, ein bißchen wie ein vertonter Herrenwitz auf Speed, aber ich steh drauf.

Auf dem Weg zum Steel Panther Konzert - moi

Auf dem Weg zum Steel Panther Konzert – moi

Besonders genial ist das Ganze live, ich war mittlerweile zweimal bei Steel Panther und solche Konzerte sind selten geworden. So viel Spaß, Stimmung, Mitsingen und Rumblödeln mit den anderen Konzertbesuchern hat man sonst fast nirgends mehr. Sehr viele haben sich genauso aufgetakelt wie die Band auf der Bühne (ich auch). viele Mädels kommen sexy gekleidet, ziehen blank oder werfen Unterwäsche auf die Bühne (ich nicht) Ich bin im Februar in Köln sicher wieder da. Da kommt auch das neue Album raus “all you can eat”. Ich hätte jetzt gerne die neue Single daraus verlinkt, aber da hat die GEMA was dagegen. Ich habe auch bei der Pledge für das Album mitgemacht. Steel Panther tun was gegen die Konformität und die Langeweile – ein hehres Ziel, das ich gerne unterstütze. Keep on Rocking!

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Dim Sum löst Sushi ab?

Frühlingsrollen sind das bekannteste Dim Sum

Frühlingsrollen sind das bekannteste Dim Sum

Gestern hab ich bei MoschMosch in Frankfurt eine kleine Tafel auf dem Tisch gesehen: Wir haben jetzt auch Dim Sum. Da war für mich der Fall klar, das wird (oder ist schon?) der nächste heiße Scheiss. Dim Sum hätten das Zeug, Sushi als Hippsternahrung abzulösen.

Was sind Dim Sum? Im Prinzip kleine Häppchen, gedämpft oder frittiert, in China werden sie zum Frühstück oder als Nachmittagsimbiss zum Tee gegessen. Es gibt Hunderte von Varianten und Formen. Gefüllt mit allem, was die chinesische Küche so zu bieten hat. Und das ist, wie wir wissen, eine ganze Menge. Auch die beliebten Frühlingsrollen sind ein Dim Sum. Dimsum 2Am bekanntesten sind Jao Zhi, eine Art chinesische Ravioli, die erst in der Pfanne angebraten und dann gedämpft werden. Bei den Dim Sum wird auf die Konsistenz viel Wert gelegt. Knusprig frittierte Hüllen umschliessen samtige Füllungen oder umgekehrt bekommen knackige Garnelen -Wolkenohrfüllungen eine weiche, gedämpfte Nudelhülle. Serviert werden die Dim sums mit unterschiedlichsten Saucen.

Ich liebe Dim Sums sehr. Bislang gab es sie aber kaum in den Restaurants. Dafür in riesiger Auswahl in Chinasupermärkten tiefgefroren. Im Markt an der Kaiserstrasse kann man locker 30 verschiedene Sorten kaufen. Und die Deutschen entdecken die Dim sums – bislang allerdings zaghaft. Das scheint sich gerade zu ändern. Ich warte jetzt gespannt, wann die ersten reinen Dim Sum-Läden die Sushiläden ablösen. Die kleinen Häppchen mit den verschiedenen Geschmäckern wären das perfekte Konzept.

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Auswärtsschnitzel in Wien

Original Wienerschnitzel Foto: kobako

Original Wienerschnitzel Foto: kobako

In Frankfurt gibt es seit einigen Jahren eine Twitterrunde namens #SchnitzelFFM, die sich regelmäßig zum Schnitzelessen trifft. Frankfurter Schnitzel wohlgemerkt, mit grüner Sauce. Und irgendwann kamen wir auf die Idee, wie genial wäre das eigentlich, sich in die Heimat des Wiener Schnitzels aufzumachen und vor Ort die Besten auszutesten? Gesagt, getan – wir sind kommendes Wochenende in Wien und gehen zu Figlmüller und Plachutta. Beide Gaststätten gelten als Topadressen für perfekten Schnitzelgenuss und wir sind gespannt.

Es wird eine kulinarische Reise, wir besuchen den Naschmarkt, den Meindl, das Sacher, den Demel…und natürlich wird alles gebloggt. Wenn ihr noch weitere Tipps für mich in Wien habt, dann freue ich mich!

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Manchmal muss es einfach ein Burger sein

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Ich hab schon mal reingebissen, bis mir eingefallen ist, dass der Burger ja für den Blog fotografiert werden sollte. Ich bitte um Verzeihung :)

Ich geh ganz gerne zur “Kuh, die lacht”. Das ist wider Erwarten kein Vegetarier, sondern im Gegenteil ein Burgerrestaurant. Allerdings Burger von glücklichen Kühen. Bio und so. Einige mögen die Burger nicht, weil sie nicht so überbordend belegt sind wie anderswo. Ich finde sie genau deswegen grandios. Das Ketchup ist hausgemacht und die anderen Saucen sind ebenso. 20131101-103838.jpgNirgendwo quillt irgendetwas über, ganz im Gegensatz zu den üblichen Burgerbratern mit dem Mc oder dem King im Namen. Bei den Brötchen kann man zwischen Vollkorn und Weißmehl wählen, ich nehme meist Vollkorn, es schmeckt einfach besser. Für die Lowcarbfreunde gibt es die Möglichkeit, sich den Burger in Salat einwickeln zu lassen. Aber wer macht denn sowas? Meine Freundinnen machen sowas und mir umgehend ein schlechtes Gewissen.
Früher musste man an der Kasse bestellen, das hat sich geändert, mittlerweile kommt die Bedienung einen Tisch, das entspannt das ganze Lokal wesentlich. Nachtrag: dieses Statement gilt nur am Abend. Tagsüber, wenn am Mittag die Banker jeden Burger mit Kreditkarte zahlen, wird die Umstellung auf das neue System langwierig und nervig. Es gibt in Frankfurt zwei Filialen der “Kuh, die lacht”. Ich mag beide gerne, sie haben ein schönes, gemütliches Ambiente, aber öfter gehe ich ins Lokal am Willy Brandt Platz, weil es einfach näher an meiner Arbeit liegt.
20131101-104737.jpgWer die Preise beim Mac und Burgerking gewohnt ist, hat bei der lachenden Kuh nichts zu lachen; Wirklich günstig ist es nicht, aber der Qualität, die dort serviert wird, angemessen. Jeden Monat gibt es Specials, die ich besonders gerne esse. Ansonsten mag ich den klassischen Cheeseburger, mit Ruccolasalat statt dem normalen Eisberg. Und immer mit dabei: die selbstgemachte Limonade mit Minze. Herrlich sauer. Auch Vegetarier und Veganer werden happy, es gibt einige Burgervarianten mit Falafel oder Tofu.

Ich bedaure, dass es keine Süßkartoffel-Pommes gibt, die hab ich erst neulich im Luna Burger (auch sehr, sehr gut) für mich entdeckt, die sind wirklich ungeschlagen großartig. Ansonsten sind die ganz gewöhnlichen Pommes in der “Kuh” o. k.. Mir persönlich ein bisschen zu dick geschnitten, aber ich weiß, es gibt viele Leute, die es genauso mögen.

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Bollywood in der Küche

Bollywood-Hindi-movie-still-ft.-Rani-Mukherjee-01Meine Schwägerin Susanne und ich teilen ein schmutziges Geheimnis. Wir beide kucken gerne Bollywood Filme. Und zwar die richtig schlimmen mit Gesang, Tanz, Kitsch und allem Pipapo was dazugehört. Wir bekommen jedes Mal Lust, mitzuhüpfen.
Und die Filme machen Lust auf indisches Essen. Aber ich hab sowieso fast immer Lust auf indisches Essen. Es ist größtartig würzig, scharf, sahnig. die Saucen sind dick vor Nüssen und Gewürzen. Einfach alle Geschmacksrichtungen vereint in einer wunderbaren Komposition – wenn es gut gemacht ist. Bislang ist mein Lieblings-Inder, das Safran in München, noch ungeschlagen. ich habe einige sehr leckere indische Gerichte in Frankfurt gegessen. Aber nie ganz so gut wie das Safran. Es gibt noch einen Geheimtipp in Offenbach, den werde ich demnächst besuchen und berichten.
BollywoodWenn es etwas nicht gibt, muss man es eben selber machen. Zum Glück hat mir mein guter Freund Josef, (den ich jetzt auch dieser Stelle herzlich grüßen möchte) ein wunderbares Geschenk zum Geburtstag gemacht (zusammen mit seiner Gattin Bernadette) und zwar das Bollywood Kochbuch. Jawohl, zwei Sünden auf einmal. Aufgemacht ist es so bunt wie ein Bollywoodfilm in rosa-orange mit vielen Bildern aus Bollywoodfilmen.
Das Buch enthält die Lieblingsrezepte der Bollywood Stars wie Shahrukh oder Aschwari Rai. Alle Rezepte sind relativ leicht nachzukochen, wenn man die Zutaten erst mal daheim hat. Das kann bei den Gewürzen eine Menge sein.

Interessant ist das Buch auch deswegen, weil viele Rezepte der “Hausmannskost” beschrieben werden, die sich normalerweise nicht auf den Speisekarten der üblichen Restaurants finden lassen. Geräuchertes Dal, gebackene Auberginen – spannende Rezepte. Und dass man Ente und Fleischklößchen als Beilage zu einem Lamm-Linsengericht namens Dhansak Dal serviert, ist für mich auch neu gewesen.
Zusätzlich erklärt das Kochbuch die typischen Straßen-Imbisse, die auf den Straßen von Mumbai zu kaufen gibt. Ich weiß nicht, ob ich je den Mut hätte, ein Rühreigericht oder Kartoffelpfannkuchen an einem Strassenstand von Mumbai auszuprobieren, aber für zuhause sind es schnelle und leichte Abendessen. Garniert ist das Buch mit vielen Bildern und Informationen rund um die Stars und den indischen Film. So verrät zum Beispiel Shahrukh Khan sein Lieblingslokal, das Masala Bay im Lands End Mumbai. Ich wusste gar nicht, dass der Übersuperstar Indiens normal in einem Lokal essen kann… für jeden Fan der Bollywood Filme ein echtes Muss.

Wer noch Tipps in München, Düsseldorf, Köln oder Frankfurt für gute indische Lokale hat, bitte immer her damit!

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Mode wie Müll

Foto: @Marv2punkt0

Foto: @Marv2punkt0

Wenn ich durch die Frankfurter Fußgängerzone gehe, gruselt es mich jedesmal. Jede zweite Frau, die an mir vorbeigeht, hat eine hellbraune Packpapiertüte von gigantischen Ausmassen dabei. Manchmal auch zwei oder drei davon. Oder noch mehr. “Primark” steht hellblau auf der Tüte. Ein Modegeschäft aus Irland. Lange gab es Primark nur im Nord-West-Zentrum, abgelegen. Da waren die Tüten nicht sichtbar. Jetzt gehören sie fest zum Stadtbild. Denn Primark ist billig. Extrem billig. Hosen kosten unter 15 Euro, Kleider unter 20, T-Shirts meistens 2-3 Euro. Noch billiger als ein Kaffee bei Starbucks. Da scheint dann beim Einkäufer eine Schraube locker zu werden, denn plötzlich ist beim sonst so sparsamen Käufer Massenshoppen angesagt. Vielleicht liegt das auch an den chemischen Gerüchen, die einem beim Besuch entgegenschlagen. Gesund kann das nicht sein. Und das Gedränge ist unbeschreiblich: da quetschen sich Frauen mit Kinderwägen durch die Gänge, ganze Teenager-Rudel kaufen sich ihre Justin Bieber T-Shirts und Großfamilien aus dem Umland bestaunen die Etiketten der Billigmode. Da wird in die Einkaufstüte gestopft, was reingeht. Wer trägt das eigentlich alles? Wer braucht denn so viel Modemüll?
Wäre nicht ein teureres T-Shirt besser angelegtes Geld als 5 billige? Oder warum auch bei Primark eben nur eins kaufen? Weil Primark ist auch nicht schlechter als all die anderen Billigmarken, nur irgendwie noch billiger. Klar, dass das auch zu Lasten der Arbeiter in Asien geht, auch wenn Primark das verneint. Ab und an, ich gestehe es, hab ich mir dort auch was erworben, Socken oder mal einen witzigen Rock. Aber nie Mode als Massenkauf. Und ich will auch keinen Fuß mehr dort hinein setzen.

Wir sollten unseren Konsum überdenken, etwas besonnener kaufen, nicht jedes Wochenende eine neue Fuhre Klamotten aus Primark schleppen, zweimal tragen, wegwerfen. (Gerade, als ich diesen Artikel schreibe, hab ich gesehen, dass das ZDF vor kurzem eine Reportage zum “Prinzip Primark” gedreht hat) Noch nie wurde so viel Mode weggeworfen,

Mode ist was Tolles, aber nur dann, wenn wir sie wertschätzen. Wer sich mit Gerümpel behängt, das zwei Tage später im Müll landet, kann nicht viel Respekt von sich haben.

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Schnell was Gutes – dann zu PazzaPazza

Klein, aber cool: das PazzaPazza

Klein, aber cool: das PazzaPazza

Ich mag meine Pizza dünn, knusprig, nicht mit Belag überladen. Das vorneweg. Weil es ja so wahnsinnig hilfreich ist, in Kritiken zu sagen “die Pizza ist voll super da” ohne zu erklären, dass man auf die Version von Pizza Hut steht (das passiert bei mir ziemlich genau ein, zwei Mal im  Jahr bei akuten Fressattacken).

Im PazzaPazza ist die Pizza voll super. :) Weil sie dünn, knusprig und nicht mit Belag überladen ist. Ich empfehle allerdings, sich eine ganze frische Pizza zu bestellen, anstatt sich eins der fertigen Stücke aufwärmen zu lassen. 20131017-122123.jpgFrisch aus dem Ofen ist sie noch um ein, zwei Klassen besser. Beides geht relativ schnell, der Laden ist ideal, wenn man einfach nur Hunger auf Pizza hat. Ein paar Plätzchen zum Sitzen gibt es auch, passt also für die Mittagspause. Im Sommer kann man auf den Bänken draußen vor der Tür das Treiben an der Kreuzung Münchnerstrasse/Moselstrasse beobachten – da gibt es immer viel zu sehen. Versprochen.

Meine Frage: Wo gibt es eurer Meinung nach die beste Pizza in Frankfurt? Wo in München?

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Kantonesisch Kochen kommt von Können. Petit Lam Freres kann’s

Das Interieur des Petit Lam Freres ist hübsch und modern. Foto: Lam Freres

Das Interieur des Petit Lam Freres ist hübsch und modern. Foto: Lam Freres

Ich habe es mir immer gewünscht: ein kantonesisches Restaurant, dass mir nicht die gleiche Taiwan-Plirre serviert wie ca 55.000 andere Chinesen in Deutschland. Und, wo isses? Im Bahnhofsviertel natürlich! In der Neueröffnung Petit Lam Freres gibt es das, was ich schon so wahnsinnig lange vermisst habe: all die gedämpften und gebratenen Köstlichkeiten, von denen ich oft gelesen hatte, aber selten zu essen bekommen hatte, denn Hongkong und die Londoner oder New Yorker Chinatown sind weit. Jetzt gibt es sie ums Eck. Hurra! Ich muss gestehen, ich könnte mich reinlegen in Köstlichkeiten wie Siu Mai, Teigtaschen mit Schweinefleischfüllung oder Har Kau mit Krabben, saftig gedämpft . Die Sauce kann sich jeder selbst anmischen mit chinesischem Essig, Sojasauce und Siracha. Wunderbar. Oder die fluffigen Buns – das sind weiche, gedämpfte Hefeknödel mit einer Füllung aus Garnelen und kleingehacktem Schweinefleisch – so genial. Wenn man das mit einer Wonton-Nudel-Suppe ergänzt, fühle ich mich mitten in Hongkong. Das Essen macht mich regelrecht glücklich. Ich mag ja eh alles, was in Teighüllen daherkommt.petit5

Und jetzt auch mal was Positives über das Ambiente: Das ist allerliebst und gar nicht schmucklos, so wie sonst die Asiaten im Bahnhofsviertel daherkommen. Im Petit Lam Freres ist alles liebevoll hergerichtet und dekoriert. Sehr geschmackvoll. Obwohl der Laden erst seit kurzem auf hat und auch nicht in der allerbesten Ecke liegt (Weserstrasse Ecke Taunusstrasse), ist er mittags schon gut besucht. auch viele Chinesen kommen, das ist ein gutes Zeichen. Abends war ich noch nicht da, will aber unbedingt mit einem ganz besonderen Menschen dort hin. ;)

Ich möchte das Petit Lam Freres jedem und jeder ans Herz legen, der gerne mal die ausgetretenen Pfade des “Schwein süß-sauer Nummer 43 mit Bratreis” verlassen will und sich auf eine neue Spezialitätenküche aus dem Küchenkontinent China einlassen möchte. (derzeit sind Testwochen mittags – nicht verpassen!) Die Besitzer sind übrigens megafreundlich und erklären die für viele noch unbekannte Küche!

Das ist die Abendkarte, die wird aber noch übersetzt - keine Bange!

Das ist die Abendkarte, die wird aber noch übersetzt – keine Bange!

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Burrito to go, Mexiko! – Das Yumas am Baseler Platz

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Der lachende Maya an der grünen Wand ist das Symbol des Yumas

Mexikanisch ist irgendwie keine Küche, die je so richtig Fuß gefasst hat in Deutschland. Anfang der 90er war TexMex mal hip, aber außer überbackenen Nachos ist von dem Trend wenig geblieben. Und authentische mexikanische Küche kann man eh mit der Lupe suchen. Das hat sich ein wenig gebessert: es gibt zwei Läden in München, La Taqueria Milagros (großartiges Essen) und das Taco Libre, (mein Tipp für Essen am Hauptbahnhof)  die sehr ordentliche Burritos servieren.

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Jeder Gast kann selbst bestimmen, was und wieviel auf seinen Burrito soll

Jetzt hat auch Frankfurt zwei Taquerias, die Burritos, Quesadillas und Tacos servieren: das Yumas und das Chipotle, beide in Gehnähe des Frankfurter Hauptbahnhofes. Heute werde ich die etwas ältere, das Yumas am Baseler Platz kurz vorstellen. Gleich vorweg: Ich esse die Burritos immer als Burrito-Bowl, also ohne den Teiglappen drumrum, als warmer Salat, weil das bei mir sonst immer zu einer Riesensauerei führt.

Irgendwie braucht jemand für die saftigen Ungetüme eien größeren Mund, als ich ihn habe.  Aber ich frag mich ja auch immer, wer eigentlich einen Tipple-Whopper verzehren kann…Die Burritos werden üppigst belegt: mit mariniertem Fleisch, verschiedenen Bohnensorten, Tomatensalsa scharf oder mild, Maissalsa, Koriander, Reis, Käse, Salat  – was drauf soll, kann sich der Gast selbst bestimmen. Das Ergebnis ist yummi: würzig, ein tolles Zusammenspiel unterschiedlicher Nuancen. Und es ist gesund, alle Zutaten sind bio. Das Yumas ist super für die Mittagspause geeignet, er ist kein, aber gemütlich mit grünen Wänden und hellem Holz, fern von allem Mexikokitsch. Der Laden hat nur bis 14.30 Uhr geöffnet.

Aber seit neuestem kann man sich die Gerichte auch liefern lassen, das geht dann bis 21 Uhr!

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I’m a Barbie Girl

braut braut2Traum: einmal in den türkischen Brautladen in der Münchnerstrasse gehen und all die Kleider anprobieren – da kommt die Barbiespielerin in mir wieder hoch.Damals konnte mir ein Kleid nicht rüschig und glitzerig und fummelig und pink genug sein. Ich dachte mir damals (ich war 5), wenn ich groß bin, will ich einmal so ein Kleid haben. Die mode hat sich doch etwas gewandelt, trotzdem täte es mich mal reizen…Aber ich traue mich ja nicht mal rein.

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10. Oktober 2013 · 3:00 nachmittags

Moseleck mon Amour

“Memories of Heidelberg sind Memories of you”, dieser schöne Schlager in einer beliebten Frühform des Denglischen erinnert an einen der lustigsten Abende, die ich je hatte. Ich sass mit Freunden, einem Künstlerpaar aus dem Bahnhofsviertel, diversen anderen Zeichnern, Lyrikern etc mal wieder in einem unserer Stammlokale, dem Moseleck. Eine Dame, die Haare in lebhaftem Schwarz, hatte Geld für viele Schlager  in die Jukebox geworfen und nutzte die Lieder für einen Karaokeauftritt, wobei die Dame fast jeden Mann im Raum zu einem Tänzchen aufforderte. Die meisten kamen schwankend der Forderung nach. Das Moseleck ist wie eine gute Party, man weiß nie, was passiert von 6 Uhr morgens bis 4 Uhr nachts.

Wir sitzen gerne vor oder im Moseleck. Das tun wir schon, bevor es ironisch cool geworden ist, Milieukneipen zu vereinnahmen und sich dort mutig und echt independent underground zu fühlen. Das machen auch im Moseleck immer mal wieder Leute, die von der Bergerstraße oder dem Westend runterkommen ins Bahnhofsviertel, um mal “was Authentisches zu erleben”. Aber meist bleiben die nicht lange in der Kneipe, in der das Rauchen noch erlaubt ist, sondern ziehen weiter ins Plank oder “Walon und Rosetti”, um dort besoffen auf der Strasse mit Bierflaschen zu werfen, was man sich im eigenen Viertel nicht trauen würde. Im Bahnhofsviertel glauben sie, das gehört dazu. Um hier mal aufzuklären: nein, tut es nicht.

Das Moseleck gibt es seit 113 Jahren, um 1900 wurde die Wirtschaft gegründet, fast so lange gibt es auch die Bäckerei Heidinger schon. Mehr Tradition geht nicht. Deswegen finden sich im Moseleck die Einheimischen wieder, am Samstag kommen die Fans der Eintracht, um auf der Großleinwand die Spiele zu verfolgen und nachher gemeinsam auf Sieg oder Niederlage anzustoßen. Andere Gäste spielen Dart, an der Theke ein buntes Gemisch aus Künstlern, aus Milieu und Bankern. Die Mischung kann durchaus explosiv werden. Manchmal wird es brenzlig, wenn etwa sich ein schwerer angetrunkenes Mitglied eines Rockerclubs in Gesprächsrunden einbricht, aber am Ende erzählt dann auch so ein Typ Anekdoten aus seinem Familienleben und seiner Zeit bei der Fremdenlegion – wenn man ihn respektiert und freundlich bleibt. Was mich so fasziniert, sind die Menschen, die man dort trifft und ihre Geschichten. Wer vorurteilsfrei reingeht, wird mit wirklich spannenden, tiefen Gesprächen belohnt. Im Tatort Frankfurt wurde die Kneipe zum Treff des übriggebliebenen Gesindels, dass auch um vier Uhr nachts noch einen Doppelkorn reinstellt, was sie nicht ist.

Das Moseleck ist 113 Jahre alt

Von sechs Uhr morgens bis 4 Uhr früh hat die Kneipe geöffnet

Zumindest nicht nur.

Es ist der Gegenentwurf zu den schicken gentrifizierten Kneipen, die jetzt im Bahnhofsviertel wie Pilze aus dem Boden schiessen, bevölkert von Hippstern in Schlumpfmützen, die dort teures Bier aus Flaschen trinken. Das kann niemand wollen, dass bald jedes Viertel aussieht wie das Nordend, wo sich Biobürgerbude an Biobäcker und Bioveganer reiht. Doch die Chancen stehen schlecht, es wird auf Altmieter komm raus luxussaniert, die Mieten an der Münchnerstrasse oder den Flussstrassen schiessen in ungeahnte Höhen. Ein grosser Äppler auf das Moseleck, solange es noch existiert.

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Puris, Dhosas, Vada – südindisch für Vegetarier

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Vorspeise mit Vada (der Doghnut im Vordergrund aus Linsenmehl)

Es gibt Restaurants, die sehen wirklich nicht wie Kettenläden aus, sind es aber doch – wie jetzt das erste und einzige Saravanaa Bhavan in Deutschland, direkt beim Hauptbahnhof in der Kaiserstrasse. Bis diesen Sommer war in dem Restaurant der Milieutreffpunkt “Acapulco” untergebracht, wo sich alle Schichten friedlich zu ganz ausgezeichneten Spaghetti Arrabiata trafen. Das Acapulco ist Geschichte, die bulgarischen Gunstgewerblerinnen, die Zuhälter, Hehler, Touristen und Künstler des Bahnhofsviertels mußten sich eine andere Bleibe suchen (es wird noch gefahndet nach einem stilvollen Treff)  und jetzt hat in den historienreichen Räumen klammheimlich ein Geheimtipp aller Veganer und Vegetarier eröffnet. Ein südindisches Lokal, eben das Saravanaa Bhavan. Dass sich ein Stück Fleisch hinter den geheimnisvollen Namen auf der Karte verbirgt, braucht im Saravanaa niemand fürchten. Ich umschlich das Lokal immer, studierte die Karte, aber viele der Gerichtenamen sagten mir nichts und ich bin ja ein bißchen heikel (ich hasse zum Beispiel Blumenkohl). Um so erfreuter war ich, als eins meiner liebsten befreundeten Paare (danke an Jürgen Eichholz für die Fotos) das Lokal entdeckt hatte und auch unbedingt hin wollte – die Gelegenheit wurde genutzt.

Der südindische Thaliteller

Der südindische Thaliteller

Offensichtlich gibt es bei originalen Asiaten nur die Wahl zwischen gutem Essen und hübschem Ambiente, beides gleichzeitig ist nicht. Vom Ambiente her hat das Lokal wenig zu bieten. Traumhafter Brathendlbudencharme in 70er Optik, das Essen auf Blechtabletts. Na gut, die Blechtabletts sind original indisch, das wird da auch so serviert, und das Essen ist ebenso authentisch wie das schicke Servierarrangement. Dafür schmeckt es umso besser.

Das Saravanaa ist den Besuch wert und ich werde oft wiederkommen, um mich durch die komplette Karte zu testen. (Findet auch das Genussmagazin) Es gibt ganz andere Dinge als bei den sonstigen indischen Lokalen, die meist von Nornindern oder Pakistanis betrieben werden. Die Saucen sind dünner, weniger fettig, es fehlt auch der Geschmack von Knoblauch und KarIMG_4242damom. Aber dafür warten neue Geschmackswelten darauf, entdeckt zu werden. Vorsicht: Scharf sollte man mögen, sonst sieht man schnell alt aus. Und jede Art Hülsenfrüchte: Bohnen, Kichererbsen, Linsen, Erbsen. Und interessante Brotsorten wie Puri (frittiert), Bathura (fittierter), Roti, Dhosa oder Chapatti. Die Nocarb-Fraktion weint leise.
Besonders genial sind die Vorspeisenteller mit Saucen in grün (irgendwas mit Koriander), weiß (irgendwas mit Kokosnuss) und diversen anderen Saucen, die sich unserer genauen Identifizierung verwehrten. Egal. Einfach rein, probieren, schiefliegen geht nicht. Viel Spaß dabei – und wer immer eine Begleitug sucht, das Lokal mal auszutesten, ich bin dabei. Denn günstig isses auch noch.

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