Ich glaub es hackt – was für eine Kampagne!!!

So, jetzt hab ich lang nix mehr geschrieben, wie es immer bei mir ist, wenn es im Leben drunter und drüber geht… Aber mich regt gerade diese Aktion des Handelsblatts dermassen auf, dass ich was loswerden muss. Ich stehe nämlich auf beiden Seiten, bin Kreative und zugleich bin ich Piratin.

Will ich, dass die Kreativen von Luft und Liebe leben? Nein!

Will ich , dass alles, alles im Internet umsonst zu bekommen ist? Auch nein.

Ich will, dass Leute für ihre Arbeit anständig entlohnt werden. Nur, woran liegt das eigentlich, dass es vielen Kreativen derzeit nicht gut geht? Die Antwort der 100 Köpfe im Handelsblatt ist klar: an der bösen Umsonst-Kultur im Internet, wo alles geraubt und gestohlen wird, was andere mühevoll erschaffen haben. Hmmm. Stimmt das so? Ich sage nein.Wo wird denen denn was gestohlen?

Klar, die Verleger ärgern sich, dass sie ihr Zeug im Internet umsonst anbieten müssen. Was aber daran liegt, dass das, was sie da produzieren, niemandem einen Cent wert ist. Und warum? Weil es liebloses, mit Werbung, Popups und Bannern versauter Mist ist, heruntergetipselt von unterbezahlten Praktikanten, schlecht recheriert und meist aus amerikanischen Blogs zusammengeklaut. Jawohl, GEKLAUT. Warum soll ich bei xy online drei Tage später etwas lesen wollen, was Perez Hilton oder gofugyourself drei Tage früher und dazu noch besser geschrieben präsentieren? Denn wer hat je erlebt, dass Artikel geklaut werden, welcher Blogger, welcher Pirat hat sich je den teuren, ach so wertvollen Content angeeignet, den die Online-Ausgaben der Zeitungen verbreiten? Hab ich noch nie gesehen.

Freie Redakteure und Fotografen werden oft mit einem Hungerlohn abgespeist, bei Konzerten nimmt man nicht mehr die Aufnahmen eines Fotografen vor Ort, der einen besonderen Moment des tatsächlichen Konzerts einfängt, sondern nimmt den kostenlosen Promoshot des Veranstalters als Aufmacherbild – Kosten senken, Kosten senken. In den Redaktionen werden die teuren Redakteure entlassen und durch Sogutwiemsonstkräfte ersetzt, billig muss alles sein, billig und dankbar müssen die Jungjournalisten sein, dass sie überhaupt für das Blatt schreiben dürfen.

Toprecherchierte Artikel findet man heutzutage in Blogs, wo auch Guttenberg und Konsorten aufgedeckt wurden, wo heute Meinung und Politik gemacht wird. Diese Blogs verdienen Geld, weil das Publikum lesen will, was da produziert wird. Das Internet ist der Tod der Kreativität? Dass ihr es wagt, mit euren in die Jahre gekommenen Blättern von Kreativität zu reden. Habt ihr euch mal umgekuckt, was da im Internet an wirklicher Kreativität geboten wird? Und nochwas: Die Leute machen das freiwillig, umsonst – um sich und der Welt eine Freude zu machen. Und werden, wenn sie richtig gut sind, trotzdem Millionäre, wie Simon Tofield, der Erfinder von Simon’s Cat. Oder ein Mister Tutorial. Oder, oder, oder…

Klar, die Musikindustrie ist die einzige Industrie, die wirklich einen Grund hat, sauer zu sein aufs Internet, das muss ich einräumen. Ansonsten? Das Dilemma ist hausgemacht – und auch da zu lösen. Bietet etwas, was so geil ist, dass ihr es nicht verschenken müßt. Alles andere könnt ihr gepflegt vergessen.

11 Kommentare

Eingeordnet unter Gesellschaft, Konsum, Medien, Piraten, Politik, Promis, Social Media, Tu Gutes!, Uncategorized

11 Antworten zu “Ich glaub es hackt – was für eine Kampagne!!!

  1. sternensteph

    In meiner Leib&Magenzeitung, der SZ, lief die ganze Woche eine ANTI-Piraten-Kampagne. Jeder durfte mal, auch wenn er nichts zu dem Thema zu sagen hatte. Die SZ ist eine klasse Zeitung und ich kein unbedingter Fan der Piraten. Aber diese Konzertierte Aktion der Verleger war schon sehr auffälig.

    Gefällt mir

  2. Pingback: Piraten-Linkliste » Ich glaub es hackt – was für eine Kampagne!!!

  3. Verleger sind zwar nicht gerade die Mutter Theresen der Medienwelt, aber mir ist das Urteil über die Zeitungen und ihre Inhalte doch ein wenig zu radikal: Schließlich werden die weiterhin nicht von den Verlegern gefüllt, sondern von Journalisten, von denen viele ihren Job aus überzeugung und mit Leidenschaft betreiben.

    Gefällt mir

    • katrinhilger

      Klar. Aber ich habe so überspitzt geantwortet, wie die Kampagne gewesen ist. Außerdem: auf die meisten onlineangebote der Verlage trifft genau das zu, was ich geschrieben habe. Leider.

      Gefällt mir

  4. Turboheizer

    Ganz klare Absage zu der Meinung die Piraten wollen den Künstlern Ihr geistiges Eigentum rauben. Also ich bin schon ein so altes Semester das mich diese Sängergilde nicht mehr interessiert. Ein gutes Buch ist da schon etwas anderes. Seitdem ich auch Bacardi-Cola abgesagt habe lade ich schon mal für 30-40 Euro im Monat Ebooks runter.Man gönnt sich ja sonst nichts. Aber auch als Pirat zahle ich treu und brav alles was ich im Netz lade.Das gehört eigentlich zu meinem Verständnis zum Leben. Leben und leben lassen ist meine Devise.

    Gefällt mir

  5. hendrik

    Schoen auf den Punkt gebracht!

    Gefällt mir

  6. ich hab jetz gehört, diese hb-aktivisten sind alle chip-implementiert, deshalb auch das copyright-zeichen im wort ‘kopf’! blöd gelaufen, wenn man diesen nicht mehr selbst benutzen kann…

    Gefällt mir

  7. C.K.Nock (der Beobachter der Gesellschaft)

    HE HE HE … Sau-Geil ^_^
    Normalerweise würde ich wie jeder andere einfach nur meinen Senf dazu geben, aber wen schon alles so treffend gesagt wurde, wieso sollte ich es dann nochmal wiederholen?

    Gefällt mir

  8. awmrkl

    Schöne Replik! Dennoch kleine Korrektur:

    “Die Leute machen das freiwillig, umsonst – um sich und der Welt eine Freude zu machen”

    würde ich anders bezeichnen:

    Die Leute machen das freiwillig, (weitgehend) kostenlos, aber NICHT umsonst …

    Wie auch zB Open Source …

    Gefällt mir

  9. seufz

    “Ich stehe nämlich auf beiden Seiten, bin Kreative und zugleich bin ich Piratin.”

    Kreativ sind wir doch alle und jeder von uns hat mal in einer Schülerband gespielt oder ein paar Blogeinträge geschrieben. Die “Kreativen” um die es in der Diskussion geht, sind aber von ihren erbrachten Leistungen finanziell abhängig. Glauben Sie mir, Sie stehen definitiv NICHT auf unserer Seite, auch wenns gut klingt, das zu behaupten.

    “Bietet etwas, was so geil ist, dass ihr es nicht verschenken müßt. Alles andere könnt ihr gepflegt vergessen.”

    Warum?
    Der Koch kriegt Geld – egal, ob es mir besonders geschmeckt hat.
    Der Arzt kriegt Geld – egal, ob er mich geheilt hat.
    Der KFZ-Mechaniker kriegt Geld – egal, wie gut er gearbeitet hat.
    Der Kassierer kriegt Geld – egal, wie unfreundlich er ist
    Der Manager kriegt Geld – egal, wie der Laden läuft
    (es folgen so gut wie alle anderen Berufe)

    Langfristig wird jeder von denen bei schlechter Leistung Kunden verlieren und pleite gehen, aber die unmittelbare Entlohnung für geleistete Arbeit steht niemals in Frage.

    Warum soll ich, wenn Sie meinen Song geniessen, an dem ich Wochen gesessen bin, nur eine freiwillige und gnadenvolle Gegenleistung Ihrerseits bekommen?
    Das ist schlicht unfair!

    Sie können jederzeit drauf verzichten und sich an der Hobbyband im Nachbarort erfreuen oder das ganze selbst in die Hand nehmen, sich Instrumente kaufen, jahrelang üben, Musik studieren, etc..
    Sie haben aber keinen Anspruch darauf, von mir und meinen Kollegen kostenlos musikalisch oder künstlerisch unterhalten zu werden.

    Gute Musik = hohes Niveau = professionelle Künstler = hoher Energie und Zeitaufwand = kein anderer Job möglich = finanziell abhängig = Konsument bezahlt = Kühlschrank voll

    Konsument bezahlt nicht oder sehr wenig = alles identisch, nur Kühlschrank leer

    Gefällt mir

    • katrinhilger

      Also erstens bin ich Redakteurin, also betrifft mich die Diskussion genau. Außerdem hab ich die Musikindustrie ausgenommen, die hat vergleichsweise recht, auf “Umsonst im Netz” sauer zu sein. wie kommen sie darauf, dass ich fordere, dass Künstler nicht entlohnt werden sollen? Ganz ehrlich, ich verstehe Ihre Argumente, was aber nicht bedeutet, dass ich der gleichen Meinung bin. Wenn Musik gut ist und den meisten Menschen gefällt, verdient man damit Geld. Unsummen. Das ist okay, weil wer Millionen Freude macht, kann auch Millionen verdienen. Aber wenn Musik keiner hören will, verdient man damit kein Geld. Die lädt dann aber auch niemand illegal runter.

      Gefällt mir

Bitte hinterlasse einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s