Der Mythos vom Umsonstnetz

Ganz ehrlich, wo kauft der Mensch lieber ein: in einem Laden, der schick ausgestattet ist, freundlich und hell, wo man auf einen Blick findet, was man will, die beste Auswahl hat, alles ist frisch, neu und unbeschädigt. Oder in einem muffigen Store, wo ein paar ranzige Ladenhüter einer einzigen Marke herumliegen, die auch noch ans Regal gekettet und völlig überteuert sind. Hm? Ja genau, in dem ersten Laden.

Und, liebe Rechtinhaber, dieser Laden ist der, der im Internet illegal ist. Wieso? Ja, das würden wir gerne von Euch wissen, wir Konsumenten. Wie kann das sein, dass man in der rechtlichen Grau-bis Schwarzzone alles bekommt, wonach das Herz begehrt, es leicht bekommt, ohne großes Brimborium. Wo hingegen im legalen Shop die Ware – so überhaupt vorhanden – so richtig mühselig zu suchen ist, zu entsperren etc.

Ich verrate euch ein Geheimnis: Wir würden lieber legal was kaufen im Netz. Jawohl. Wir möchten nicht, dass Künstler, die wir mögen, nichts verdienen. Glaubt mir, das ist so. Aber was wir auch richtig gerne haben, ist Bequemlichkeit. Ich bin sicher, die Kunden entscheiden sich immer fürs Beste, weil bequemste Angebot im Netz. Das macht Amazon und Apple so erfolgreich. Aber auch da gibt es Hindernisse. Das, was wir uns kaufen, gehört uns gar nicht so richtig, sondern kann nur auf bestimmten Geräten abgespielt werden. Und, wir müssen bei jeder gekauften DVD einen Monolog über uns ergehen lassen, wir wären Verbrecher. Wohlgemerkt, der Monolog und die Werbung (Vorschauen und Trailer genannt) kommen nur dann, wenn wir was kaufen!

Baut ein Portal, das wirklich frische Ware anbietet, kommt, gebt euch einen Ruck, es geht nicht mehr, mit us Serien 10 Monate später auf den deutschen Markt zu kommen, und tut euch zusammen, das Angebot nur einer Firma allein reicht nicht. Auch wenn dann mal die Konkurrenz erworben wird, beim nächsten mal seid ihr wieder dran, versprochen.

Und das letzte, ganz wichtige Element zum Erfolg: seid nicht so gierig. Eine CD oder DVD ohne Rohling, ohne Hülle und ohne Booklet, ohne Extras und alles, ohne ohne Vertrieb und Geschäftsmiete muss billiger sein als die reale Version. Wesentlich.

Denkt drüber nach – auch Kim Schmitz hatte Erfolg mit seinem Geschäftsmodell. All das Geld hätte euch gehören können. Wir hätten euch geliebt dafür – und ihr hättet vermutlich noch viel, viel mehr verdient als Kim Schmitz. Weil: wir möchten gerne legal kaufen. Hand aufs Herz.

6 Kommentare

Eingeordnet unter Gesellschaft, Konsum, Medien, Musik, Piraten, Politik, Social Media, TV Serien

6 Antworten zu “Der Mythos vom Umsonstnetz

  1. Guter Artikel, dem ist nicht viel hinzuzufügen. Ich hatte mir bei der Schliessung von Megaupload auch meine Gedanken dazu gemacht: http://swingbattaswing.tumblr.com/post/16834343956/megaupload-open-access-fuer-kaufwillige

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  2. seufz

    Madame, das ist echt typisch polemisch vereinfacht. Tolles Bild mit dem verranzten Laden, ich wette, hinterm Tresen sitzen ein grimmiger Content-Mafiosi und neben ihm ein schmieriger Abmahnanwalt. Während im blitzblanken, sonnendurchfluteten Internet-Laden die Elfen der Freiheit umhertanzen.

    “Wo hingegen im legalen Shop die Ware – so überhaupt vorhanden – so richtig mühselig zu suchen ist, zu entsperren etc.”

    Die meisten Musikgeschäfte, die ich kenne, sind hell und das Personal ist manchmal sogar nett und hilft einem bei der Auswahl… der Internethandel ist von Amazon über Beatport und Itunes absolut auf den Konsumenten zugeschnitten, bietet Suchfunktionen, Kataloge (“so überhaupt vorhanden” – machen Sie Witze???) , Vorhör-Funktionen, verschiedene Bezahlvarianten, Downloads in hoher Bitqualität,
    und und und –

    Wirklich schade, dass das für Sie als Kaufanreiz nicht reicht, wo Sie doch so gern die Künstler unterstützen würden (wenn es nur ginge).
    Ich geh ja auch nicht schwarzfahren, nur weil ich für die Fahrkarte erstmal Geld wechseln und dann noch am Automaten anstehen muss.

    Zitat: “es geht nicht mehr, mit us Serien 10 Monate später auf den deutschen Markt zu kommen”

    Warum “geht das nicht”? Weil Sie ein Grundrecht darauf haben, die Leistung von anderen Menschen sofort und ohne Probleme konsumieren zu dürfen?

    “Und, wir müssen bei jeder gekauften DVD einen Monolog über uns ergehen lassen, wir wären Verbrecher.”

    Sorry, aber wie polemisch kann man sein?
    Da wird nur gesagt, dass das Aufführen ausserhalb des privaten Rahmens verboten ist und geahndet werden kann. Was machen Sie beruflich? Gibts da keine klaren Regelungen, die Ihnen im Zweifelsfall helfen, zu Ihrem Recht auf Entlohnung zu kommen?

    “und tut euch zusammen, das Angebot nur einer Firma allein reicht nicht. Auch wenn dann mal die Konkurrenz erworben wird, beim nächsten mal seid ihr wieder dran, versprochen.”

    Ach ja, die Piraten und ihre nettgemeinten “Hey, das wird schon irgendwie”- Ratschläge.

    “Denkt drüber nach – auch Kim Schmitz hatte Erfolg mit seinem Geschäftsmodell.”

    Cool, ein internationaler Verbrecher als Vorbild. Guter Tipp, einfach an den Leistungen anderer verdienen, ohne denen was abzugeben… das merk ich mir.

    “Und das letzte, ganz wichtige Element zum Erfolg: seid nicht so gierig.”

    Das möchte ich der Piratenpartei und all denen, die unsere Arbeit in Zukunft legal kostenlos konsumieren möchten (Recht auf freie Privatkopie würde genau das bedeuten) auch mal sagen.
    Seid nicht so gierig.

    Bitte mal mehr mit den Kreativen unterhalten, anstatt sich die Welt irgendwie hinzurechtfertigen.

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    • katrinhilger

      Ich würde ja wahnsinnig gerne wissen, was sie beruflich machen- Musiker, denk ich mir, aber in welcher Kategorie. Ich finde es klasse, dass Sie eine Erwiderung bringen, danke dafür. Mag sein, dass ich polemisch bin, aber es ist das, was ich denke. Und die Unterhaltungswelt ist im Wandel, alles wird immer schneller weltweit verfügbar – ja da möchte ich als Kunde davon profitieren. Ja, ich will konsumieren.
      Ich hab übrigens auch nicht gesagt, dass man klauen sollte wie der Schmitz, aber er hat gezeigt, die Leute sidn bereit, für Inhalt zu zahlen – und darum geht es doch, oder?

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    • Dr. Lieschen Mueller

      Leider ist auch Ihr Beitrag nicht völlig frei von der Polemik, die Sie Frau Hilger hier vorwerfen. Und ehrlich gesagt ist das genau das, was mir an der ganzen leidigen Diskussion am allermeisten auf die Nerven geht: Dass man sich ständig gegenseitig mit Strohpuppen bewirft und einander Extrempositionen vorwirft, die in der Realität nur von einer Minderheit an Wirrköpfen vertreten werden.

      Es ist richtig, dass die Musikindustrie inzwischen (gezwungenermaßen) durchaus kundenfreundlich agiert, für andere Medienbranchen gilt das aber nicht. Ehrliche Film- Games- und E-Book-Käufer müssen immer noch teilweise abstruse Registrationsprozesse und haarsträubende Nutzungsbeschränkungen hinnehmen, nur um sich anschließend trotzdem noch öffentlich beschimpfen lassen, sie seien irgendwelches Pack, das sowieso immer nur alles umsonst will. Ich kann kaum der einzige sein, dem das gehörig auf den Keks geht.

      Ihr Ratschlag, sich nicht immer die Welt irgendwie hinzurechtfertigen, ist ein guter, gilt aber in gleicher Weise für die Kreativen und ihre Vertreter.

      Wenn irgendwo ein Schwarzmarkt entsteht ist es legitim, dass der erste Gedanke dessen Schließung gilt. Gleich der zweite und dritte Gedanke sollte aber die Fragen “Warum ist der überhaupt entstanden?” und “Wie kann ich diese Erkenntnis nutzen und in mein eigenes Geschäftsmodell überführen?” streifen.

      Und, nein, einer bestehenden Nachfrage ein entsprechendes Angebot erst mit erheblicher Zeitverzögerung (oder nach Gutdünken evtl. auch gar nicht) gegenüberzustellen, das geht heute tatsächlich nicht mehr, jedenfalls nicht, wenn man für sich das Recht beanspruchen möchte, lautstark über entgangene Umsätze zu klagen. Dass Sie darin kein Problem auf der Anbieterseite sehen, sondern lediglich eine überzogene Anspruchshaltung seitens der Kunden, finde ich ehrlich gesagt besorgniserregend.

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  3. Pingback: Immer dieses “alles umsonst” « dem alex sein digitales universum || alexander schnapper

  4. Danke Katrin für den tollen Beitrag. Ich möchte auch legal gerne was kaufen, nur meistens nicht das, was die Musikindustrie verkauft haben möchte.

    Zum Beispiel möchte ich nicht Justin Bieber oder Blödsternchen aus Amiland unterstützen, nur weil die anscheinend “in” sind, sondern Musik, die von wirklichen Musikern mit echter Leidenschaft produziert wird. Und dann möchte ich auch die Musik hören, wann wie und wo (und unabhängig vom Musikabspielgerät) hören und Leuten davon erzählen und wenn es gute Songs sind, die dafür zu begeistern.

    Nur leider sieht die Realität anders aus. Ich kaufe hin und wieder legale Musikstücke und auch hin und wieder CDs (also diese Scheiben, die man in ein CD-Player [oldschool] schiebt). Hoffentlich merkt die Musikindustrie, dass wir (und viele andere) das ernst meinen.

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