Monatsarchiv: April 2012

Zwischen Rechtsstaatlichkeit und Moral – meine Gedanken zum Inzest-Urteil

Es ist schon schwierig, wenn man sich als ganz normaler Mensch in die Politik einmischt. Denn manchmal komme ich an Grenzen, die für mich nicht überschritten werden sollten. Zum Beispiel, dass die Partei, der ich jetzt angehöre, den Inzest-Paragraphen als unzeitgemäß abschaffen will. Formaljuristisch geb ich ihnen recht: klar, einvernehmlicher Sex unter Erwachsenen sollte Privatsache sein. Es geht mich nichts an, wenn es sich nicht um Schutzbefohlene handelt oder um ein Abhängigkeitsverhältnis (wobei wir uns da bei Inzest auf extrem dünnem Eis bewegen, deswegen vielleicht auch mein Bauchgrummeln). Ich lache auch über US-Bundesstaaten, die Oralverkehr unter Strafe stellen wollen oder sogar jeden Sex, der nicht der Fortpflanzung dient, verbieten. Dennoch tue ich mich extrem schwer mit dem Okayfinden von Inzest.  Ich weiß, das ist mein privates Dilemma, das aus uralten moralischen Tabus rührt.Es ist mir auch klar – jedenfalls vom Kopf her – dass man nicht mit Gefühlen und Empfinden Politik und Gesetze machen kann, sonst hätten wir fix die Todesstrafe für Kinderschänder, was ja  wirklich niemand wollen kann. Aber trotzdem…

Ich kann nun auch besser das Unglück von christlichen Piraten nachfühlen, die sich bei den Tanzdemos am Karfreitag wohl so gefühlt haben wie ich jetzt. Aber das ist der Preis der Freiheit und der Preis der Rechtsstaatlichkeit, dass ich auch Dinge akzeptieren muss, die mir völlig gegen den Strich gehen.

Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so berührt.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft, Medien, Piraten, Politik

Mein erstes Interview auf RTL Hessen

Man ist zwar immer völlig entsetzt, wenn man die eigene Stimme zum ersten Mal hört, aber so isses eigentlich ganz cool geworden. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass andere Aussagen von mir auch noch genommen werden, aber das ist eben Fernsehen.  Ach ja, ganz vergessen zu erwähnen, worüber es ging: natürlich zum Thema Piraten

2 Kommentare

Eingeordnet unter Frankfurt, Gesellschaft, Medien, Piraten, Politik

Label of Love – Frieden zum Umhängen

Label of Love find ich toll: Das Label verbindet die Symbole von Judentum, Christentum und Islam zu einer Einheit. Ein tolles Signal in dieser Zeit. Was es bislang nur als Schmuck in Gold oder Silber gab, gibt es auch als Tuch – mal was anderes als ein Pala…: Mit dem Symbolwurden Halstücher in verschiedensten Farben und Motiven aus Seide oder Baumwolle kreiert. Das Ergebnis: Das Markenzeichen mit den Symbolen der drei Weltreligionen (Christentum, Judentum und Islam) bildet geometrische Muster, die Blumen lassen die Tücher verspielter aussehen. So wird mit dem Tuch von LABEL OF LOVE jeder Look zu einem Hingucker!

Viel Liebe steckt im Design genauso wie hinter der Marke: LABEL OF LOVE symbolisiert mit dem 3er-Zeichen den Glauben an Respekt, Liebe, Frieden und Gemeinschaft. Die Marke steht ebenso für Rebellion gegen veraltete Dogmen und Regeln. Es ist eine Marke für die neue Generation im 21. Jahrhundert, die Menschen mit unterschiedlichen Religionen, Nationalitäten oder Hautfarben nicht verachtet, sondern mit ihnen tolerant und respektvoll umgeht.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft, Konsum, münchen, Mode, Tu Gutes!

Der Mythos vom Umsonstnetz

Ganz ehrlich, wo kauft der Mensch lieber ein: in einem Laden, der schick ausgestattet ist, freundlich und hell, wo man auf einen Blick findet, was man will, die beste Auswahl hat, alles ist frisch, neu und unbeschädigt. Oder in einem muffigen Store, wo ein paar ranzige Ladenhüter einer einzigen Marke herumliegen, die auch noch ans Regal gekettet und völlig überteuert sind. Hm? Ja genau, in dem ersten Laden.

Und, liebe Rechtinhaber, dieser Laden ist der, der im Internet illegal ist. Wieso? Ja, das würden wir gerne von Euch wissen, wir Konsumenten. Wie kann das sein, dass man in der rechtlichen Grau-bis Schwarzzone alles bekommt, wonach das Herz begehrt, es leicht bekommt, ohne großes Brimborium. Wo hingegen im legalen Shop die Ware – so überhaupt vorhanden – so richtig mühselig zu suchen ist, zu entsperren etc.

Ich verrate euch ein Geheimnis: Wir würden lieber legal was kaufen im Netz. Jawohl. Wir möchten nicht, dass Künstler, die wir mögen, nichts verdienen. Glaubt mir, das ist so. Aber was wir auch richtig gerne haben, ist Bequemlichkeit. Ich bin sicher, die Kunden entscheiden sich immer fürs Beste, weil bequemste Angebot im Netz. Das macht Amazon und Apple so erfolgreich. Aber auch da gibt es Hindernisse. Das, was wir uns kaufen, gehört uns gar nicht so richtig, sondern kann nur auf bestimmten Geräten abgespielt werden. Und, wir müssen bei jeder gekauften DVD einen Monolog über uns ergehen lassen, wir wären Verbrecher. Wohlgemerkt, der Monolog und die Werbung (Vorschauen und Trailer genannt) kommen nur dann, wenn wir was kaufen!

Baut ein Portal, das wirklich frische Ware anbietet, kommt, gebt euch einen Ruck, es geht nicht mehr, mit us Serien 10 Monate später auf den deutschen Markt zu kommen, und tut euch zusammen, das Angebot nur einer Firma allein reicht nicht. Auch wenn dann mal die Konkurrenz erworben wird, beim nächsten mal seid ihr wieder dran, versprochen.

Und das letzte, ganz wichtige Element zum Erfolg: seid nicht so gierig. Eine CD oder DVD ohne Rohling, ohne Hülle und ohne Booklet, ohne Extras und alles, ohne ohne Vertrieb und Geschäftsmiete muss billiger sein als die reale Version. Wesentlich.

Denkt drüber nach – auch Kim Schmitz hatte Erfolg mit seinem Geschäftsmodell. All das Geld hätte euch gehören können. Wir hätten euch geliebt dafür – und ihr hättet vermutlich noch viel, viel mehr verdient als Kim Schmitz. Weil: wir möchten gerne legal kaufen. Hand aufs Herz.

6 Kommentare

Eingeordnet unter Gesellschaft, Konsum, Medien, Musik, Piraten, Politik, Social Media, TV Serien

Ich glaub es hackt – was für eine Kampagne!!!

So, jetzt hab ich lang nix mehr geschrieben, wie es immer bei mir ist, wenn es im Leben drunter und drüber geht… Aber mich regt gerade diese Aktion des Handelsblatts dermassen auf, dass ich was loswerden muss. Ich stehe nämlich auf beiden Seiten, bin Kreative und zugleich bin ich Piratin.

Will ich, dass die Kreativen von Luft und Liebe leben? Nein!

Will ich , dass alles, alles im Internet umsonst zu bekommen ist? Auch nein.

Ich will, dass Leute für ihre Arbeit anständig entlohnt werden. Nur, woran liegt das eigentlich, dass es vielen Kreativen derzeit nicht gut geht? Die Antwort der 100 Köpfe im Handelsblatt ist klar: an der bösen Umsonst-Kultur im Internet, wo alles geraubt und gestohlen wird, was andere mühevoll erschaffen haben. Hmmm. Stimmt das so? Ich sage nein.Wo wird denen denn was gestohlen?

Klar, die Verleger ärgern sich, dass sie ihr Zeug im Internet umsonst anbieten müssen. Was aber daran liegt, dass das, was sie da produzieren, niemandem einen Cent wert ist. Und warum? Weil es liebloses, mit Werbung, Popups und Bannern versauter Mist ist, heruntergetipselt von unterbezahlten Praktikanten, schlecht recheriert und meist aus amerikanischen Blogs zusammengeklaut. Jawohl, GEKLAUT. Warum soll ich bei xy online drei Tage später etwas lesen wollen, was Perez Hilton oder gofugyourself drei Tage früher und dazu noch besser geschrieben präsentieren? Denn wer hat je erlebt, dass Artikel geklaut werden, welcher Blogger, welcher Pirat hat sich je den teuren, ach so wertvollen Content angeeignet, den die Online-Ausgaben der Zeitungen verbreiten? Hab ich noch nie gesehen.

Freie Redakteure und Fotografen werden oft mit einem Hungerlohn abgespeist, bei Konzerten nimmt man nicht mehr die Aufnahmen eines Fotografen vor Ort, der einen besonderen Moment des tatsächlichen Konzerts einfängt, sondern nimmt den kostenlosen Promoshot des Veranstalters als Aufmacherbild – Kosten senken, Kosten senken. In den Redaktionen werden die teuren Redakteure entlassen und durch Sogutwiemsonstkräfte ersetzt, billig muss alles sein, billig und dankbar müssen die Jungjournalisten sein, dass sie überhaupt für das Blatt schreiben dürfen.

Toprecherchierte Artikel findet man heutzutage in Blogs, wo auch Guttenberg und Konsorten aufgedeckt wurden, wo heute Meinung und Politik gemacht wird. Diese Blogs verdienen Geld, weil das Publikum lesen will, was da produziert wird. Das Internet ist der Tod der Kreativität? Dass ihr es wagt, mit euren in die Jahre gekommenen Blättern von Kreativität zu reden. Habt ihr euch mal umgekuckt, was da im Internet an wirklicher Kreativität geboten wird? Und nochwas: Die Leute machen das freiwillig, umsonst – um sich und der Welt eine Freude zu machen. Und werden, wenn sie richtig gut sind, trotzdem Millionäre, wie Simon Tofield, der Erfinder von Simon’s Cat. Oder ein Mister Tutorial. Oder, oder, oder…

Klar, die Musikindustrie ist die einzige Industrie, die wirklich einen Grund hat, sauer zu sein aufs Internet, das muss ich einräumen. Ansonsten? Das Dilemma ist hausgemacht – und auch da zu lösen. Bietet etwas, was so geil ist, dass ihr es nicht verschenken müßt. Alles andere könnt ihr gepflegt vergessen.

11 Kommentare

Eingeordnet unter Gesellschaft, Konsum, Medien, Piraten, Politik, Promis, Social Media, Tu Gutes!, Uncategorized