Monatsarchiv: September 2011

Der deutsche Konsument – ein Jammer

Dieser Preis ist ein Armutszeugnis für den deutschen Verbraucher: Textildiscounter KIK wurde bei einer Befragung von 49.000 Konsumenten zum “Händler des Jahres 2011″ gewählt. Und zwar in der Kategorie “Herren-und Damenmode”.

“Zu diesem Ergebnis kommt das Marktforschungsinstitut Q&A Research & Consultancy, das rund 49.000 Verbraucher zu 24 Handelssegmenten und jeweils neun Einkaufsaspekten befragt hat. Der Textil-Discounter punktete vor allem in den Bereichen Preisniveau und Preis-/Leistungsverhältnis. Die Marktforscher von Q&A hatten neun Einkaufsaspekte abgefragt: Sortiment, Kundenfreundlichkeit/Personal, Preis-Leistungsverhältnis, Service, Angebote, Preisniveau, Atmosphäre, Innovation sowie Fachkundigkeit des Personals.” heißt es in der Pressemitteilung von KIK.

Das zeigt mal wieder, was der deutsche Verbraucher will. Qualität? Egal. Schlechte Arbeitsbedingungen? Egal. Modische Eleganz? Egal. Nachhaltigkeit? Egal. Beratung, Ambiente, Orginalität…egal, egal, egal…Hauptsache billig. Ich könnte schier durchdrehen – ich finde es entsetzlich, dass bei Kleidung sowie Lebensmitteln, zwei Themen, die uns jeden Tag direkt treffen, Qualität nicht zu zählen scheint. Wie kann es sein, dass viele Menschen hierzulande zwar ein Auto fahren, das weit über ihre Verhältnisse geht, dass sie Elektronik vom Allerfeinsten erwerben, aber da, wo es ums tägliche Wohlbefinden geht, da wird dann gespart. Ist es so schwer, darüber nachzudenken, was man mit diesem Kaufverhalten anrichtet? Wieso verkommen unsere Verbraucher zu teigigen GeizistGeil-Konsumenten, die ihre Fleischwurst-Wampen in die KIK-Leggings zwängen? Was läuft hier falsch?

Ja, ich weiß, ich rede mich leicht, ich kann es mir leisten, woanders zu kaufen. Ich bin kein Hartz IV-Empfänger. Aber ich bezweifle, dass all die 49.000 befragten Hartz IV-Empfänger waren.

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In der Küche bei Juan Amador

Ich bin manchmal so richtig dankbar, den Job zu haben, den ich habe – ansonsten käme ich kaum in den Himmel. Der Himmel ist in diesem Fall die Küche im 25 Stock des NEXT-Towers in Frankfurt und Gott ist nicht John Malkovitsch, sondern Juan Amador. Einem Koch-Kaliber wie diesem einmal beim Kochen über die Schulter blicken zu dürfen, ist kein kleiner Gefallen.

Und es ist eine Schau zu sehen, wie die fantastischen Kreationen aufgetürmt werden, die das Menue im Treehouse derzeit ausmachen. Interessanterweise werden die Köstlicheiten teilweise auf Campinkochern und simplen Kochplatten zubereitet, denn das Konzept des PopUp-Restaurants erlaubt natürlich keine gigantischen Kücheneinbauten. Natürlich gibt es zusätzlich exotische, aber unverzichtbare Geräte wie einen Sou-Vide-Kocher “Eigentlich nur ein sehr stylisher Tauchsieder” meine eine Köchin. In diesem Wasserbad werden eingeschweißt die Entenbrüste vom Hauptgang rosa und weich gegart, bevor sie mit einer Gewürzkruste überbacken serviert werden.Ich habe dazu nur Brot vermisst, die wunderbare Rotweinsauce aufzutunken (ein Faux-Pas, ich weiß, aber kann der Genuss von Essen ein Faux-Pas sein? Gut, den Teller ablecken mach ich nicht…)

Toll finde ich die Vorspeise, rohe Langostinos mit Apfelgelee und Speckkrusteln, Basilikum und tasmanischem Pfeffer. Das wird alles in eine kreisrunde Form gebracht, dazu quitschgrüne Apfeltupfen auf dem Tellerrand und überhäuft mit Apfelschaum. Da fehlt nur der Apfelwein… Hammer. Ebenso wie der Nachtisch, Safraneis mit Ananas und leicht warmem Creme Brulee-Schaum. Ich könnte mir das Menue super zu Weihnachten vorstellen, all die Gewürze, samtigen Texturen, all das zarte, wohlig-weiche Essen. Nur, dass ich das zu Hause niemals so hinbekäme.

Für 68 Euro ist das Ganze preiswert im besten Sinne – also sein Geld wert. Mehr Infos zur Reservierung etc hier

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Ein echtes Jodeldiplom

 „Holleri du dödl di, diri diri dudl dö“ – das lernt man, wenn man ein Jodeldiplom macht. Jedenfalls in Loriots wunderbarem Klassiker, in dem Frau Hoppenstedt auf dem zweiten Bildungsweg einen Topberufsabschluss macht, der ihrem Leben Sinn gibt, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind. „Dann hab ich was Eigenes, dann hab ich mein Jodeldiplom“ Dass man damit in der Tat nicht so schlecht fährt, sieht man daran, welche gigantischen Umsätze man als volkstümlicher Musiker erzielen kann. Vermutlich wäre Helga Hoppenstedt mittlerweile reich und gern gesehener Gast bei Florian Silbereisen. Jodeln macht reich und sexy, zumindest, wenn man aus voller Brust jodeln kann. Auch Heidi Klum hat das Jodeln zum Markenzeichen gemacht.

Um da nicht ins Hintertreffen zu geraten, kann man auch bei Jochen Schweizer sein Jodeldiplom machen. Je nach Talent ist der Nervenkitzel ähnlich wie beim Houserunning. Thema des ganztägigen Kurses ist unter anderem das „Kennenlernen unterschiedlicher Jodel-Typen wie Gipfel-, Alm-, Dialog- und Echo-Jodeln, Hintergrundinformationen zur Tradition des Jodelns” und natürlich: Die Verleihung des Jodeldiploms. Dann hat man was Eigenes.

Gebucht werden kann der Kurs über: www.jochen-schweizer.de oder in den Eventgeschäften, unter anderem im Stachus Untergeschoss oder in der My-Zeil. Es gibt auch noch weniger humorige Angebote, etwa einen bayerischen Kochkurs, ein Weißwurst- oder Brauseminar.

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Schmucklos von aussen, innen ein Juwel

Zugegeben, es braucht eine gewisse Überwindung, ins Rizwan Da Dhaba (Moselstrasse 8, 60329 FFM, geöffnert täglich 11-23 Uhr, keine Webseite )zu gehen. Aber man sollte es wagen, denn man wird mit gutem, authentischem pakistanischen Essen belohnt. Von außen kleben Bilder der Gerichte an der Schaufensterscheibe, drinnen hat der Laden den Charme einer Dönerbude, die Wände sind mit schlichten Bildern behängt, die Szenen aus dem Leben indischer Bauern zeigen. Die Gerichte werden in einem kleinen Buffet bereitgehalten und bei Bedarf portionsweise erwärmt. Jedes Essen kostet 5 Euro, dafür kann man sich auch kleinere Portionen verschiedener Gerichte zusammenstellen lassen. Das Essen wird entweder mit zwei Rotis, zwei Naan oder reis serviert. wobei die immer frisch gebackenen Naans sind ein echter Traum und sollten allen anderen Alternativen vorgezogen werden.

Die Gerichte selbst, Variationen vom Hühnercurry, Rinderfusscurry (nicht erschrecken, damit sind Beinscheiben gemeint), viele verschiedene vegetarische Spezialitäten wie Kichererbsen, diverse Linsen, Spinat mit Kartoffeln oder Auberinen und Okraschoten stammen aus der pakistanischen Küche und sind außerordentlich schmackhaft.

Die gemischten Teller sind wie kleine Thalis, dazu gibt es Joghurt-Minzsauce zum selber dazumischen, rohe Zwiebeln oder Chilli zum Nachwürzen. Alles ist gut und individuell gewürzt, nicht fettig, abwechslungsreich – extrem preiswert. Was mir daran so gefällt ist, dass man den Eindruck hat, in Indien Urlaub zu machen – udn zwar keinen Ressort-Luxus-Urlaub, sondern einen, bei dem das echte Leben dort kennenlernt. Kein schlechtes Gefühl für die Mittagspause.

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Für Schnorcheln im Wohnzimmer

Ganz klar: das einstige Opa-Hobby Aquarium ist im Trend. Aber mehr als cooler Einrichtungsgegenstand als als echtes Hobby mit Pflege, Säubern und Züchten.

Deswegen haben sich mittlerweile Rundum-Sorglos-Pakete durchgesetzt, mit denen man die Fische im Wohnzimmer halten kann, aber null Arbeit damit hat, wie ein System namens Nano Cube Marinus 60 Liter. (um 190 Euro) „Neben dem eigentlichen Aquarium enthält das Set alles, was man für den Anfang benötigt!“, verspricht der Hersteller. Das ist schön, ein Bekannter von mir hat sowas, ich kann da stundenlan davor sitzen und die kleinen Krebse beobachten.

Aber ich hatte ja schon als Kind die Yps-Urzeitkrebse und die haben sich echt lange gehalten. Nicht wie bei einer Freundin, die die Hefte verwechselt hat und erst das Futter ganz reingeschüttet hat, um dann peu a peu die Krebse als Futter für die Algen ins Becken zu werfen. Irgendwie war das auch so, erst wurde alles grün und dann sind die Krebse erstickt. Unschön.  Soll aber mit den neuen Becken  nicht mehr passen. Und die Benutzer sind auch meist älter als 5.

Aber das Set scheint narrensicher:  so ist eine neu entwickelte Beleuchtung enthalten. Und es gibt den BioCirculator : Mit diesem Herzstück des Sets wird das empfindliche Meerwasser gefiltert, durchströmt, die Oberfläche wird abgesaugt und Korallen, Röhrenwürmer etc. werden 24 Stunden am Tag gefüttert. Und man selbst kommt heim und freut sich. Ich bin am überlegen, mir sowas zuzulegen…

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Nicht verpassen: John Niven liest in der Brotfabrik Hausen!

Gestern beim Webmontag in der Brotfabrik Hausen bin ich auf ein Plakat gestossen, das bei mir helle Freude ausgelöst hat: John Niven kommt am 27. 09 nach Frankfurt und liest aus seinem Buch “The Second Coming” (auf Deutsch: Gott Bewahre!) . Ich kann das Buch nur allen ans Herz legen, es ist zugleich eins der fiesesten und dabei eins der menschenfreundlichsten Bücher, die ich je gelesen habe. Und der Humor trifft auf den Punkt. Gott kommt aus dem Urlaub zurück, und er ist echt sauer als er sieht, was wir aus dem Planeten gemacht haben. In der Hölle (ein Themenrestaurant ala Planet Hollywood, in dem für alle Zeiten 80er Hits auf der Panflöte gespielt werden, es nur Budweiser gibt und MC Hammer Pants und Requistiten aus Police Academy die Wände zieren) herrscht Hochbetrieb. Jesus muss wieder runter auf die Erde – und dieses Mal geht er es eine Nummer größer an und wird TV Star…aber er trifft wen, der noch gemeiner als der Teufel selbst ist. Großartiges Buch, ich freue mich auf die Lesung!

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Promis – des samma mir auf der PR-Wiesn

Bayern, des samma mir – jawoll! Und wer ist nicht alles Bayer während des Oktoberfests: Roberto Blanko, Claudia Effenberg, Micki Krause, Anton aus Tirol…Das erste Wiesnwochenende ist das PR-Highlight der deutschen Prominenz. An fest gebuchten Tischen wird in die Kameras geprostet, dass es eine wahre Freude ist. Da wird Stimmung vorgetäuscht und mal wieder echt was fürs volkstümliche Image getan. Denn das ist ja wichtig . In 2000 Euro teuren Dirndln und Louboutin-High Heels wird – von wuchtigen Bodyguards gut abgeschirmt vom Pöbel – Volksnähe zelebriert. Ein PR-Fest vom Feinsten. Die Medien spielen nur zu gerne mit und sorgen untertänigst für die Hofberichterstattung von den VIP-Tischen.

Wer sich den Wahnsinn geben möchte, auch als Zaungast kann man viel Spaß beim Schaulaufen und Schausaufen haben. Denn die Protagonisten haben nicht so richtig viel Spaß, dazu müssen sie viel zu angestrengt aufpassen, dass sie nur ja auf jedem Foto perfekt posieren. Etwa am ersten Wiesnsamstag bei Sepp Krätz im Hippodrom, einfach dem Blitzlichtgewitter folgen. Es ist wahnsinnig komisch zu beobachten, dass die Promis ausschliesslich dann megafröhlich werden, wenn die Kamera draufhält. Da schwingen sie Maßkrüge und Henderl, knutschen, singen mit und schwenken sexy die Röcke und pressen den Ausschnitt in die Linsen. Das ist schlagartig vorbei, sobald die Kamera weg ist, und nippt man lieber wieder am Mineralwasser. Und man redet über das neueste Projekt, ob man nun eins hat oder nicht.

Immer mit dabei: Verona Pooth, dieses Jahr vermutlich im günstigen Kik-Dirndl, liebevoll von den Kindern aus dem SOS-Kinderdorf in Bangladesh für sie handbestickt, dazu Vroni Ferres mit ihrem Drückerkönig, diverse Dschungelkönige, Simon Gosejohann, der Exmann von Vroni Ferres mit neuer Blondine, Boris Becker, der FC Bayern und Christine Neubauer. Und das ist schon die A-Prominenz (was ein fürchterliches Licht auf die deutsche Prominenz an und für sich wirft).

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