Monatsarchiv: Oktober 2010

Promis und Presse – der Pakt mit dem Teufel

Es wird viel gewitzelt, was die Promintenten, die für die Bild in ihrer Plakat-Kampagne werben, wohl für Leichen im Keller haben, dass sie da mitmachen. Vielleicht mögen sie die Zeitung ja wirklich. Vielleicht sehen sie auch, dass ihnen diese Kampagne viel bringt und sie in Zukunft des Wohlwollens der Bild sicher sind. Gut für jemanden wie Ex-Handballer Kretschmer, der sich auf Feten schon mal angeschickert mit Lorielle London ablichten läßt. Vielleicht…

Das Geflecht von Prominenten, PR-Agenturen, Agenten und Medien wird immer komplizierter. Es ist ein Geflecht gestrickt aus Geld und Geltungssucht, Auflagensteigerung und Eitelkeit. Medien brauchen Inhalte, Promis (oder solche, die es werden sollen) brauchen Presse. Die Bunte bringt es in ihren Eigenanzeigen auf den Punkt: “Ohne Bunte wäre es bloss eine weitere dumme Kuh” – um die Kampagne mal ein bisserl abzuwandeln. Die Promis wollen, dass die Presse im Karriereaufzug nach oben mitfährt und freuen sich, wenn sogar noch einige Knöpfchen gedrückt werden, die alle Beteiligten noch ein paar Stockwerke höher bringen. Aber wehe, der Aufzug geht nach unten – da hat ma aber als Presse ganz schnell wegzubleiben. Wer das erwartet, ist naiv, denn die Geschichten speisen sich vor allem aus “großen Emotionen” und die gibt es nur bei großen Freuden – Hochzeit, Baby, Oscar – oder eben bei großen Tragödien – Pleite, Unfall, Krankheit, Tod.

Dennoch muss man sich bei den Geschehnissen der letzten Tage fragen, wie weit die Presse gehen darf. Ich finde, bei  Ottfried Fischer hat sie eine klare Grenze überschritten. Ich vermisse die Zeiten, als noch dezent über die stadtbekannte Homosexualität des beliebten Volksschauspielers Seldmayr geschwiegen wurde – weil es eben keinen was anging – so dachte man damals. Heutzutage würde wahrscheinlich über kurz oder lang ein Strichervideo auftauchen, dass genüßlich ausgeschlachtet würde – da bin ich sicher. Fischer ist eine tragische Figur, ein beliebter Schauspieler, ein geschätzter Kabarettist – ich persönlich finde dessen Demontage zum Kotzen. Dass seine Presseagentin bie der schmuddeligen Affäre billigend zugestimmt hat um Schlimmeres abzuwenden – keine gute Entscheidung. Ich sehe auch nicht die Pressefreiheit gefährdet, wie Bild gleich pathetisch aufjault, sondern ich sehe denGeschmack gefährdet. Muss man denn alles schreiben, was man weiß? Zumal man bei anderen Größen des Showbiz weitaus sensibler ist – vielleicht, weil diese Größen mächtiger sind und nur unbeschadet Quote versprechen. Der Showmaster, von dem ebenfalls Bordellbilder kursieren – da schreibt niemand…aber mit Otti Fischer, schwer krank, da kann mans ja machen.

Ich bin nicht dafür, alles in Watte zu packen und nach Art der Mongeassen nur glamouröse Momente an die Presse zu geben – aber den Müll extra durchwühlen oder  – bildlich gesprochen – in die Klokabine folgen muss man als Presse nun auch nicht.

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Zuckersüßes München

Eigentlich bringen Touristen München stets mit äußerst deftigen Spezialitäten wie Schweinsbraten, Haxe oder Weißwürsten in Verbindung. Doch das Gegenteil schien richtig zu sein: Münchner lieben es süß. Überall in der Stadt finden sich wunderschöne Süßwarenläden und Cafes mit besonderen Spezialitäten..

Ein besonderer Neuzugang für Schokoholics ist das Chokoin im Lehel. (Triftstraße 4, 80538 München, Tel.: +49 (89) 452 166 52, lehel@chokoin.de, Montag bis Freitag 10:00 – 19:00 Uhr, Samstag 10:00 – 16:00 Uhr, Sonntag 14:00 – 17:00 Uhr). Dort werkelt Sandra Wirth, eine Pattissière, die aus der Spitzengastronomie kommt und sich mit dem eigenen Laden einen Traum erfüllt. Und ein Traum ist auch das, was sie so herstellt: allerfeinste Pralinen und Törtchen, gefüllt mit zarten Cremes, exotischen Fruchtmousses und natürlich mit duftenden Schokoladen-Kreationen. Ergänzt werden die selbstgemachten Köstlichkeiten durch handgeschöpfte Tafel diverser Manufakturen. Der Laden ist ganz puristisch und schlicht gehalten, nur die bunten Pralinenschachteln sorgen für Farbe.

Auf der anderen Seite der Altstadt, in der Maxvorstadt, werden die Münchner Doughnutfans happy. Im Doughnuts und Candies (Georgenstrasse 41, 80799 München, Telefon: 089 / 288 07 116) gibt es im quietschrosa Ambiente quietschbunte Kringel: Mit Pistazienfüllung, mit Orangencreme oder mit Ananas-Kokos-Glasur- jeden Tag etwa 20 Varianten. Wer Salziges bevorzugt hat die Wahl unter reichbelegten Bagels nach originalem New Yorker Rezept. Die unglaublich gute Laune des freundlichen Personals gibt es gratis dazu.
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 07.00 – 22.00 Uhr. Sonn- und Feiertags geschlossen

Das Glockenbach-Viertel pilgert zu einem sehr französisch-verspielten Laden namens Götterspeise (Jahnstraße 30, 80469 München, Tel.: 089 / 23 88 73 74, info@goetterspeise.info, Öffnungszeiten Mo. – Fr 8:00 – 19:00 Sa. 9:00 – 18:00) trinkt dort Chai und Schokolade oder kauft Lemon Tart, exklusive Tee-Sorten, Pralinen und Schokolade. Niedliche Schüsseln, Spielzeug und Kochbücher sollen den Götterspeise-Flair auch nach Hause transportieren. Götterspeise bietet auch Seminare an für alle, die alles über den Genuss von Schokolade wissen wollen. Auf den kleinen Hockern und Bänkchen vor dem Laden sitzen schicke Szenefrauen mit ihren Begleitern, reden über ihre Kurse an der Schauspielschule und die Bedingungen an der Waldorf-Schule.

In Haidhausen dagegen kommt niemand am Cafe Solo an der Preysingstrasse 42 (Mo-Sa 8-22 Uhr) vorbei. Montag bis Samstag sitzen dort die Nachbarn, aber auch Kunden, die für die Kuchen und Quiches der Besitzerin Kristin durch die ganze Stadt fahren. Der Käsekuchen ist vermutlich der beste der Stadt, so cremig, saftig, käsig-süß kommt sonst keiner daher. Sogar Touristen aus New York haben durch Foodblogs von dem Kuchen erfahren und pilgern zum Solo. Dazu wirklich guter Kaffee aus speziellen Sorten wie Blue Elefant – da macht Frühstücken Spaß. Der Wirt ist Graphiker und verkauft sehr sehr süße Postkarten. Eben alles süß, nicht nur die Kuchen!

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Heute: Ich kaufe meinem Freund ein Männermodeheft

Es ist so sinnlos. Ich hab ja viel in der Modebranche zu tun, liebe Mode über alles und pflege mit Inbrunst meinen etwas eklektischen Modestil. Deswegen bemühe ich mich, den Jeans – und Pullover oder T-Shirt dazu-Träger an meiner Seite ein bißchen mehr für Mode jenseits des Praktischen zu begeistern. Ich bin bisher gescheitert. Mein letzter Versuch war gestern, als ein Modeberatungsheft (Instyle) mit Promibeispielen auch einen auf Männer ausgelegten Beileger hatte. Das bring ich ihm mal mit, hab ich mir gedacht, obwohl das Titelbild nicht sehr vielversprechend war – ein etwas dämlich lächelnder Bradley Cooper mit Jeans und T-Shirt – aber – vielleicht ist sowas ja vertrauensbildend. Zugegeben, besonders innovativ war das Heft nicht – Jacket zur Jeans oder mal eine graue Mütze – Respekt. Aber mei, vielleicht muss man ja bei Männern kleinere Schritte gehen und nicht gleich mit grünen Cowboystiefeln ins Haus fallen…
Es war ein Reinfall. Er blätterte es durch und meinte, dass man für das Geld für das Heft locker zwei Päckchen Fußballbilder bekommen hätte. Aber die Parkas seien schön. Wie  gut, dass er schon zwei olivfarbene Jacken hat.  Betrachten wir also auch den Versuch als abgehakt.

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Deutsche Prominenz – ein Trauerspiel

Jetzt, nachdem das Oktoberfest wieder vorbei ist, muss mal eine Bestandsaufnahmen zum Thema Prominenz gemacht werden. Viele Leute fragen mich: Warum sind denn immer die gleichen Hanseln in den Medien und wieso ausgerechnet die? Dann muss ich sagen – das sind die, die eben in den Medien stehen möchten.
In den Zeiten, als Baby Schimmerlos noch durch München streifte, gab es eine Handvoll Medien. Die hatten Zugang zu Promis und Partys, man kannte sich, schätzte sich und wußte, dass, wenn mal was Brisantes zu klären wäre, das auch auf dem kleinen Dienstweg erledigt werden kann. Dann wurde es geschrieben oder  mal nicht. Heutzutage gibt es dank Privatfernsehen, Internet und Zeitschriftenschwemme eine Unzahl von leerem Papier, Platz udn Sendezeit die gefüllt werden müssen. Schnell und bunt und effektiv. Da bleibt kaum Zeit für Recherche oder für den sorgfältigen Aufbau tragfähiger Beziehungen – abgesehen davon, dass der Societyposten nicht unbedingt mit guten Redakteuren besetzt wird, sondern immer häufiger mit der Betriebsnudel, die sich danach sehnt, selbst ein wenig Glanz abzubekommen.
Deswegen wird oft der schnellste Weg gewählt – die Spalten werden mit bewährten Gesichtern gefüllt, die zwar nicht viel mehr anzubieten haben außer sich selbst, aber die eben überall zu sehen sind und deswegen bestimmt nicht so falsch sein können. Wer wirklich rein will in die Medien, die optischen Voraussetzungen mitbringt oder operieren läßt und bereit ist, das mit entsprechendem Druck und Aufgabe der eigenen Persönlichkeit zu unterstreichen, dem gelingt das erschreckend einfach. Und schwupps haben wir eine neue Prominenz: Gina Lisa, Daniela Katzenberger, Tatjana Gsell, Verena Karth oder Verona Pooth sind die Rollenmuster.
Da wenden die, die wirklich was können, sich mit Grausen. Wer will als ernstzunehmender Schauspieler, Künstler, Schriftsteller, Industrieller oder Regisseur sich mit solchen Leuten auf einer Stufe stehen, im selben Artikel erscheinen? Nicht so viele. Deswegen beißt sich die Katze in den Schwanz, mit zunehmender Nullnummerndichte werden die echten Schwergewichte seltener und machen sich noch rarer. Dann müßte man eben als Redakteur ran und nachforschen – aber das kostet wertvolle Zeit.  Zu recherchieren, was derzeit Oscargewinner Florian Gallenberger macht? Unwichtig, die Brüste von Daniela Katzenberger sind doch abendfüllend. Was machen die deutschen Großinstustriellen? Egal, Tatjana Gsell macht Werbung für irgendeine Sexmesse. Die ernsthaften Leute lassen sich in dem Zirkus nur noch widerwillig blicken, wenn gerade ein neuer Film oder ein Buch ansteht. Es wird bedauert, deutsche Promis hätten keinen Sinn fürs Leichte – ja wie denn, wenn man dann in einer Schublade mit Teppichludern, Halbprofessionellen oder Liliana Mattäus steckt?

So graben sich die Medien langsam aber sicher das Wasser ab, von dem sie leben. Weil irgendwann der dümmste Leser checkt, dass nur noch purer Schaum geschlagen wird, ohne Substanz und Gehalt. Dass, wenn man mit nix ein Star werden kann und jeder einer ist – eben keiner mehr einer ist.

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Das deutscheste Kleidungsstück – die Funktionsjacke

Es heißt ja immer, die Deutschen würde man an weißen Socken in Sandalen erkennen. Das ist falsch – woran man den typischen Deutschen überall erkennt – das ist die Funktionsjacke. Von The North Face, Jack Wolfskin oder Patagonia , farbenfroh, aber nicht besonders formschön, praktisch, aber völlig unelegant, sind diese Jacken überall. Man erklimmt damit Berge, wo die Jacken ja auch eigentlich hingehören, aber durchwandert ebenso unverzagt wie unmodisch die Fußgängerzonen dieser Republik oder die Piazza und Avenues ferner Länder. Wer in Paris einen Träger einer North Face Jacke sichtet, darf ihn getrost auf Deutsch ansprechen, eine andere Sprache ist unvorstellbar. Gemäß dem Pfadfindermotto „Allzeit bereit“ ist der Träger dieser Jacken gegen die Elemente gefeit. Er schützt sich, sollte plötzlich eine Lawine am Stachus abgehen, eine Flut kommen, oder er kann sich doch schnell entschließen, statt dem Einkauf bei Aldi eine Nanga Pharbat-Expedition zu unternehmen.

Warum die Deutschen diese Jacken so lieben? Nun ja, vielleicht deswegen, weil sie ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Weil sie das Gefühl geben, immer richtig angezogen zu sein. Dem Wetter entsprechend, ohne Schnickschnack. Gut angezogen können andere Völker sein, wir doch nicht. Viel zu exaltiert. Werden die Italienerinnen in ihren schicken Mänteln schon sehen, was sie davon haben, wenn der Deich bricht oder  plötzlich ein Windstoß kommt und sie keine atmungsaktiven Windstopper an haben! Oder die Britinnen und ihre T-Shirts bis November! Ohne Soft Shell drüber! Darf man das denn überhaupt?

Deutsche wollen das auf alle Fälle nicht. Wird der Preis ab 50 Euro für einen Handtasche beim Durchschnitt als schwindelerregende Extravaganz gewertet, darf so eine Jacke nicht zu billig sein, da wird geklotzt und nicht gekleckert und die starkfarbigen, aber geschmacksarmen Jacken können gerne schon mal 400 Euro und mehr kosten. Es dient ja der Sicherheit. Eigentlich wundert es mich, dass es nicht einen ADAC für Funktionsjacken gibt, einen Verband, der das Tragen dieser Jacken unterstützt, Pannenhilfe (klemmender Reißverschluss!) leistet und sich für die Träger im täglichen Leben einsetzt.

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