Monatsarchiv: September 2010

Rund ist gesund – ein kurzer Trend oder wirklicher Wandel?

Ich mag Crystal Renn. Wenn ich das Model sehe, weiß ich, wie Kleider an mir aussehen, denn sie und ich teilen eine fast identische Figur. Und das, obwohl ich beileibe keine Modelmasse habe und nie im Leben Size Zero, weil da vermutlich sogar meine Knochen zu fett dafür wären. Dennoch muss ich mich selbst an den Anblick runderer Models in Zeitschriften gewöhnen. Zu vertraut ist die elegante, ätherische Silhuette von zarten Frauen in Größe 32 bis 36.  Diese heuschreckenartige Eleganz werden wir Runden nie hinbekommen.

Die Frage ist, ist nur dünn schön? Das haben bis jetzt alle Modefrauen mit entsetzter Miene bejaht. Dick? Das heißt dicke Muttis mit Chips vor dem Fernseher, die verblödet Spaghetti Bolo vom Wanst des Freundes fressen. Nur Unterschicht ist dick. In gewissen Moderedaktionen werden Frauen über Größe 36 nicht eingestellt, in anderen ihnen jeder Bissen vorgezählt und in der Kantine nachgerechnet, was die andere nun verputzt hat.

Aber ganz, ganz langsam und vorsichtig knospt eine neue Einstellung. Nicht eine Änderung des Schönheitsideals – da sind wir noch weit weg davon, solange sich eine Hollywoodschaupielerin vor jeder Rolle erstmal 5-10 Kilo abtrainieren muss – , aber eine Akzeptanz, dass es Schönheit jenseits Größe 38 gibt und dass sogar – welche Überraschung – der Großteil der Frauen Größe 40 und mehr trägt. Endlich haben die Designhäuser begriffen, dass auch diese Frauen sich gerne schön kleiden, dass Größe 40 noch lange nicht verfettet heißt. Karl der Große hat es als erster gecheckt, mit Beth Ditto posiert, Crystal Renn auf den Laufsteg geholt und – schwupps – seine ätzenden Aussagen über Dicke sind vergessen. Marc Jacobs designt nun eine Kollektion “Above Average”Saks kauft ein bis Größe 48. Ich als 42 finde das super.

Aber wie nachhaltig ist die Verwendung von Plus Size? Ist es nur ein kurzlebiger Trend, bis die nächste Diätwelle auf uns zurollt? Oder hat sich wirklich was getan in den Köpfen? Ich denke, es geht weniger um die Erkenntnis, dass man  42 tragen kann, sondern ums liebe Geld. Denn es ist unbestritten, dass diese gewichtigen Frauen auch das Geld haben, Mode zu kaufen, statt immer nur träumend vor Puppenjäckchen zu stehen. Denn wer die Größen einschränkt, schränkt die Kaufer ein und läßt sogar die runden Damen vom Golf, die nun wirklich Kohle haben, einsam mit ihren Designertaschen im Regen (oder besser Wüstenwind) stehen. Das kann sich derzeit niemand mehr erlauben. Selbst wenn die Mode nur als erweiterte PR-Massnahme dazu da ist, mit ihrem Image Kosmetik und Accessoires zu vertickern, kann man auf Plus Sizler nimmer verzichten. Weil die sich mit beachtlicher Renitenz weigern, die Parfums derjenigen zu kaufen, die ihnen die Kleider verweigern. Prada, Dior, Valentino – zieht euch warm an, wenn ihr noch keine Größe 42 und mehr auf Lager habt.  Wir Runde haben Modeluft und Modelust geschnuppert und lassen uns nicht mehr vertreiben! Wie seht ihr diese Frage? Ist Plus Size nur ein kurzer Trend oder ein echter Wandel?

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holy Ghost – keine Mode für brave Jungfrauen!

Was sich so heilig holy Ghost nennt, kommt ganz hübsch sündig daher: ultrakurze Minis, durchsichtige Stoffe, türkises Leder kombiniert mit nudefarbener Seide, goldene Lederkleider mit raffinierten Schulterpartien. Keine Frage – diese Mode ist hot. Perfekt für eine Nacht im Club. Eine Nacht, in der alles möglich ist…Die Mode ist gemacht für selbstbewusste Frauen, bestimmt kann sich niemand in diesen Kreationen verstecken, mit einem Kleid von holy Ghost fällt man auf.  Durchaus im Sinne der drei Erfinderinnen des Labels,  die sich aufgemacht haben, die Münchner Modeszene auf den Kopf zu stellen. Die drei jungen Frauen Sedina Halilovic, Jelena Radovanovic und Ivana Bogicevic verbindet seit über zehn Jahren eine tiefe Freundschaft. Aus ihrer gemeinsamen Liebe zur Mode wurde das Label holyGhost geboren. Das kleine Team hat sich perfekt organisiert und die Aufgabenbereich aufgeteilt: Ivana und Sedina stellen das Kreativteam und Jelena ist für die Organisation und das Marketing verantwortlich.  “Wir wollen Mode machen für die Heldinnen der Stadt und der Nacht, die nach Individualität und nach Unabhängigkeit streben. Eine Heldin steckt in jeder Frau, und die wartet nur auf ihre Entdeckung. Und unsere Mode soll helfen, diese Heldin zum Vorschein zu bringen”, so die Philosophie des Labels.
Das Label ist so brandneu, das es noch keine Geschäfte gibt, wo man es kaufen kann. Bislang geht das nur im Direktvertrieb mit den drei Designerinnen (Anfragen unter: jelena@holyghost-fashion.com, die Kleider ansehen kann man au der Website www.holyghost-fashion.de). Und die Preise sind mehr als okay: das teuerste Kleid, ein goldenes Etuikleid aus Leder mit aufwändigen Drapierungen, kostet unter 400 Euro. Dafür sieht die Trägerin aus wie eine Million. Der Direktvertrieb stellt – zumindest derzeit – noch sicher, dass nicht alle diese Kleider tragen. Exklusivität hat in München noch niemandem geschadet.

holy Ghost Show, Foto Tim Köck

Auch bei der Präsentation ihrer Kreationen machte holy Ghost alles richtig: die Mode wurde am Baby! Sommerfest präsentiert, und zwar im kleinen Park vor dem Club. Der Effekt mit den uralten Bäumen und barocken Treppen, die als Laufsteg dienten, war im Kontrast mit der ultramoderen Mode atemberaubend. Dem Label sage ich eine große Zukunft voraus, zumal die Designerinnen dem Baby! freundschaftlich verbunden sind und die Macher dieses Clubs wohl das beste Händchen dafür haben, Mode sehr, sehr erfolgreich mit Party zu kombinieren und unters Feiervolk zu bringen. Ihr eigenes T-Shirt-Label Distorted ist der beste Beweis. holy Ghost wird sicher die nächste Erfolgsgeschichte.

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Bangladesh unterdrückt Textilgewerkschaften

Ich stelle eine Mail von CCC (Clean Clothes Campaign) hier in meinen Blog.

Ich stelle eine Mail von CCC (Clean Clothes) in meinen Blog, denn ich denke, es ist wichtig, sich nicht nur über Kik aufzuregen, sondern an dem Thema dranzubleiben. Derzeit befinden sich Indien, China und Bangladesh in einem wüsten Preiskampf – mit welchen Mindestlöhnen kann man die Konkurrenzländer unterbieten, damit westliche Investoren ihr Zeug hier produzieren lassen und nicht beim Nachbarn? Da kommt es natürlich ein bisserl ungelegen, dass die Arbeiter nicht gerne verhungern wollen, obwohl sie täglich 10 Stunden und mehr in ihren Sweatshops sitzen.

Einschüchterungen gegen das Zentrum für Arbeitersolidarität in Bangladesch

Da s Zentrum für Arbeitersolidarität in Bangladesch (Bangladesh Centre for Worker Solidarity – BCWS) ist Opfer zunehmender Schikanen und Einschüchterungen seitens der Regierung geworden. Die anerkannte Arbeitsrechtsorganisation hatte ihre Registrierung verloren, ihr Eigentum wurde konfisziert und ihre Konten eingefroren. Ihre MitarbeiterInnen wurden massiv bedroht. Die Direktorin Kalpona Akter und ihr Stellvertreter Babul Akhter sind Mitte August verhaftet worden und befinden sich weiterhin in Haft. BCWS wird vorgeworfen für die schweren Unruhen in der Bekleidungsindustrie verantwortlich zu sein.

Die Kampagne für Saubere Kleidung fürchtet um die Sicherheit der Angestellten des bangladeschischen Zentrums für Arbeitersolidarität.

Unterstützen Sie die Eilaktion und schreiben Sie Protest-Mails an die bangladeschischen Behörden: www.inkota.de/protestmail

Hintergrund ist die unzureichende Erhöhung des Mindestlohns auf lediglich 3000 Taka (ca. 32 EUR), welcher jedoch nicht die Forderungen der Gewerkschaft erfüllt, da dieser nicht annähernd für die Deckung der Grundbedürfnisse ausreicht. Die ArbeiterInnen führen deshalb ihre Straßenproteste weiter. Gegen Hunderte von ArbeiterInnen sowie mehrere ArbeitsrechtlerInnen wurden in der Zwischenzeit Haftbefehle erlassen.

Mehr Informationen unter www.inkota.de/bcws


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Jungdesigner Peter Pilotto designt für Kipling

Immer mehr Firmen setzen auf Kooperationen mit noch unbekannten Designern. Gut für die Kunden, gut für die Firmen, gut für die Designer: die Kunden bekommen ein Designstück sehr günstig, die Firmen werten ihr Image auf und die Designer werden endlich der breiten Masse ein Begriff. Nachwuchsdesigner Peter Pilotto und Christopher de Vos haben jetzt für das Taschenlabel Kipling – das Kultlabel mit dem Äffchen dran – eine wunderbare Kollektion designt. Immer dran denken: Vielleicht hat man mit so einer Tasche das Frühwerk eines zukünftigen Lagerfelds im Kleiderschrank … Aber egal: Schön sind die Taschen sowieso, sie werten simple Outfits auf, machen Jeans stylish oder geben zu Desinerteilen einen gewiisen ironischen Twist. Die Kipling-Kollektion besteht aus ausgefallenen Taschen, auf denen Galaxien sich drehen, die Milchstraße blinkt und rote Riesen und blaue Zwerge strahlen und innen drinnen verschwindet all der Kleinkram, den man so braucht, im schwarzen Loch der Damenhandtasche.

Kipling macht so die Entwürfe von zwei Designvisionären für die breite Masse zugänglich. „Als wir uns daranmachten, diese Taschen zu entwerfen, dachten wir an einen Wanderer zwischen den Sternen, eine Art außerirdischer Nomade, der forscht und entdeckt. Dank dieser Kooperation können wir ein ganz neues Publikum erreichen.“, freut sich Peter Pilotto.  Die Taschen gibt es ab September  in allen Größen, Shopper, Rucksäcke, Geldbeutel und sogar die –leider – wieder angesagten Hüfttaschen, ab ca 50 Euro aufwärts bei http://shop.kipling.com/

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