Monatsarchiv: Januar 2010

Bruce La Cruz – Hippiemode für Münchner Promis

Bruce La Cruz ist einer der heißesten Newcomer der Münchner Mode-Landschaft. Seine Entwürfe sind einzigartig – in jeder Hinsicht. Er näht sie selbst, jedes Stück ist ein Unikat. Das wissen Kundinnen wie Heidi Klum, Sarah Brandner, Veronika Ferres  zu schätzen. In der Szene macht der freundliche Designer derzeit mit seinen Accessoires Furore – individuell mit Nieten, Badges, Stickern, Ansteckern, Sicherheitsnadeln verzierte Kappen und Tüchern, die ein echter Renner sind. Sogar Künstler hat er inspiriert, derzeit sind seine Entwürfe in der Fotokunstaustellung „Naked Trucker“ im Colours in der Nordendstrasse zu bewundern.

1. Wie bist Du zur Mode gekommen?

Ich hatte immer das Gefühl, das, was ich anziehen will, das bekomme ich nicht. Ich hatte selbst eine Boutique, da hab ich ein Gefühl dafür entwickelt, was der Endkunde möchte. Seit 2000 hab ich dann angefangen, eigene Entwürfe zu gestalten und auch selbst zu nähen, da bin ich Autodidakt.

2. Was bedeutet denn für dich Mode?

Mode heißt, sich absetzen von der Masse, anders sein, sein Lebensgefühl mit Kleidung ausdrücken.

3. Das ist in München doch ziemlich schwierig

Das seh ich gar nicht so, ich finde, München ist ein wunderbares Pflaster für Mode. Hier zeigt sich gerne jeder von seiner schönsten Seite, da wird ausprobiert und viel Mut zum Individuellen bewiesen. In Berlin will zwar auch jeder beweisen, wie hip er ist, aber da darf es nicht rüberkommen, als ob man versucht, modisch zu sein – irgendwie sehen dann doch wieder alle gleich aus. München wurde letztens als Modestadt Nummer eins auf der Welt genannt, noch vor Tokio, New York oder London. Das finde ich nun auch etwas übertrieben, aber wir sind schon ziemlich vorn dabei.

4. Wie würdest Du deinen Stil beschreiben?

Ich bin von der Hippiekultur inspiriert, ich liebe Farben, fließende Stoffe, ich mag es wenn sich Altes mit Neuem mischt. Jedes meiner Kleidungsstücke erzählt eine Geschichte. Ich bringe immer viele Sachen von meinen Reisen mit dem Rucksack mit, Stoffe und Aufnäher aus Indien, aus Thailand oder aus Mexiko. Eine Stoffmesse hier ist nicht inspirierend, aber dort am Markt – all diese Farben, das ist herrlich! Für den kommenden Sommer hab ich antike Halsbänder in die Kleider mit eingearbeitet.

5. Sind das dann alles Unikate?

Ja, jedes Kleid wird einmal, maximal zweimal genäht. Ich näh ja alles selbst, nur zwei italienische Mamas helfen mir hier ein bisschen. Ich kann mich auch nur schwer von meinen Kleidern trennen, in jedem steckt so viel Arbeit und Herzblut. Die Einkäufer haben sich erst dran gewöhnen müssen, dass sie nicht ordern konnten – dieses Kleid 50 Mal aber nicht rot, sondern blau, sondern dass sie die Kleider nur so von der Stange kaufen mussten, wie sie da hingen. Mittlerweile gibt es meine Kleidung aber bei Beck, Pool, Off & Co und im KDW in Berlin zu kaufen –die Einkäufer haben sich dran gewöhnt.

6. Was findet man denn diese Saison von Dir in den Läden?

Zum ersten Mal hab ich auf Farben verzichtet und viel in Schwarz und Weiß gemacht. Hippie trifft Rocker in den 80ern – viel weiße Spitze kombiniert mit Strechleder und Rüschen und Nieten. Rüschen find ich großartig, die müssen überall dran. Da gibt es Westen, teils mit Fell, teils mit Nieten – die kann man aber auch wieder zu einem der Sommerkleider tragen – das ergibt eine coole Mischung.

7. Hört sich sehr gewagt an…

Klar, es gibt in jeder Kollektion Stücke, bei denen sich alle fragen – wer soll das anziehen? Das muss so sein, denn diese Stücke geben die Richtung vor, enthalten das eigentliche Modestatement, die Essenz der Kollektion. Je mehr du übertreibst, um so mehr bleibst du im Gedächtnis. Alle anderen Teile sind dann ins Tragbare abgemildert.

8. Was würdest Du Leuten empfehlen, im Club zu tragen?

Ich mag das Konzept des abends Aufbrezelns nicht. Ich fände es toll, wenn jemand eine langes Seidenkleid von mir zum Einkaufen in den Supermarkt tragen würde oder eine Lederleggins im Büro. Man soll sich mit seiner Kleidung ausdrücken, nicht anpassen. Idealerweise kann man Kleider, die man liebt, von morgens bis abends tragen.

9. Gibt es Promis, die deine Kleider tragen?

Ja, viele sogar. Ich habe das Finale von Germany’s Next Top-Model ausgestattet, auch Heidi Klum hatte ein buntes Minikleid aus meiner Kollektion an. Und meine Muse ist Sarah Brandner, die Freundin von Basti Schweinsteiger. Mein Ideal, Hippie, Elfe, dabei unglaublich herzlich und bodenständig.

10. Können dann nur Elfen Deine Kleider tragen?

Nö, gar nicht. Da leg ich Wert drauf. Meine Mode passt von 34 bis 46 – und schaut immer toll aus. Ich finde es wichtig, individuell zu sein, wieso sollte das bei den Massen aufhören. Alle Einheitsköper, das ist doch langweilig…

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Wenn man schon mit Mario Barth wirbt…

Bei Facebook bin ich ja Mitglied der Gruppe “Mario Barth ist nicht lustig” und das wird mir jedesmal vor Augen geführt, wenn ich die Media-Markt-Werbung sehe. Grauenvoll! Jetzt hielt sich der Media-Markt für besonders schlau und warb nicht nur mit Grusel-Barth, sondern setzte auch auf die Zockfreude der Käufer: Bei 10 Käufen gibt es einen umsonst. So haben viele Käufer 10 mal am Tag einen Fernseher gekauft, einen umsonst bekommen und machen bei den restlichen 9 vom Umtauschrecht Gebrauch. So erzählt es auf alle Fälle der Blog Informelles.de . Die sind eben nicht blöd, die Media-Markt-Käufer. Und wer mit Mario Barth wirbt, dem geschiht es ganz recht.

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Holly Golightly – ein Label ist schwer im Kommen

Ich hab letztens über Marken geschrieben, die nur ihre kleinen Größen für Größere hochrechnen. Dass es auch anders geht und dass es durchaus wunderschöne, tragbare und bezahlbare Mode für alle gibt, beweist ein deutsches Label namens Holly Golightly.

Sabine Yousefy ist ausverkauft: Gerade noch einen einzigen Rock des Labels Holly Golightly hat die Münchner Modelady in ihrem Laden am Promenadenplatz hängen. „Und das, obwohl ich wirklich viele Teile bestellt habe“. Diese Popularität hat einen guten Grund: Das Label der Stuttgarter Designerin Sabine Lang vereint alles, was Frauen an Kleidung gefällt. Die Kleidungstücke machen die Trägerin hübscher, schmeicheln mit gekonnten Schnitten und zarten Farben, sind aufwändig gearbeitet, ohne eine spurt von Kitsch und sie sind im besten Sinn des Wortes zeitlos. Also keine langweiligen Klassiker, sondern Lieblingsstücke, die man jahrelang gerne trägt. Und die Kleider funktionieren den ganzen Tag über: „die moderne Frau muss häufig mit ihrer Kleidung vom Büro auf eine Party oder ins Theater. Und hat nicht immer Gelegenheit, die Kleidung komplett zu wechseln. Unsere Entwürfe lassen sich da leicht umstylen und anpassen: also mit der groben Strickjacke zum Kleid passt es tagsüber, mit edlem bestickten Cardigan wird’s abendfein.“

Dass Sabine Lang so viel von den Ansprüchen modernen Frauen weiß, kommt nicht von Ungefähr, als Designerin war sie für die Frauen-Kollektion von Hugo Boss verantwortlich, als sie schwanger wurde, kam – etwas plötzlich – der Wechsel in die Selbstständigkeit. Der Markenname ist schnell gefunden – Holly Golightly, die Heldin aus „Frühstück bei Tiffany“ verkörpert alles, was Sabine Lang umsetzen will: einen zeitlosen Stil, Modebewusstsein, Selbstbewusstsein. Deswegen erwarb Sabine das Patent am Namen. „Nichts Ungewöhnliches für mich, mein Vater ist Erfinder“.

Eins steht fest, sie möchte Mode für richtige Frauen machen, von Größe 34 – 42. Dabei wird – das ist ungewöhnlich, die kleinen Größen nicht einfach hochgerechnet, sondern, weil Frauen mit größeren Größen anders aussehen, ganz neu geschneidert. „Wir können uns gar nicht leisten, dass unsere Sachen nicht gut aussehen und sitzen. Große Labels können unmögliche Farben auswählen und wilde Schnitte kreieren, die Leute kaufen es, einfach, weil der Markenname draufsteht. Uns kaufen die Leute, weil die Kleidung ihnen gefällt und zu ihnen passt“, so Lang. Die Philosophie kommt an, die Kollektion ist fast sofort ein Erfolg. „Ich mache Sachen, die die Leute schöner machen, die aber dennoch alltagstauglich sind“. Es ist halt auch eine Frage des Preises: „Wir sind nicht hochpreisig, aber auch nicht günstig. Es heißt immer, das mittlere Segment hätte es derzeit am Schwersten. Ganz so sehe ich das nicht, wenn die Leute das Gefühl haben, für Qualität zu zahlen und nicht nur für einen Namen, wird das Geld gerne ausgegeben.“ Dann schließlich sei es derzeit nicht unbedingt überall so, dass viel Geld für Mode ausgegeben werden könne: „Die Leute überlegten was sie kaufen und geben sehr rationell aus.“

Und – man muss Holly Golightly nicht komplett tragen, dass der Look funktioniert. „Jedes Stück der Kollektion muss für sich alleine bestehen können. Die Pullover dürfen nicht nur im Zusammenhang mit anderen Kollektionsteilen toll aussehen.“

Im kommenden Frühjahr kann sich die Frauenwelt auf tolle Entwürfe freuen: bestickte Seidenkleider in leuchtenden Farben, zarte bestickte Röcke, glitzernde Jäckchen. Alles miteinander kombinierbar oder auch mit Jeans. In München ist Holly Golightly bei Yousefy (Promenadenplatz) zu erwerben. Aber schnell sein, sonst ist wieder alles weg…

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Früher war die Boheme genau das, was der Berliner Bürgermeister so klasse umschrieben hat: arm, aber sexy. Kreative Köpfe, Schwärmer, Nachtgestalten – ein unglaublicher Pool an Potential, die gemeinsam träumten, tranken, philosophierten – und dabei gigantische Kunstwerke entstehen ließen. Anfang des letzten Jahrhunderts war die Hauptstadt der deutschen Boheme München. Und wir haben ganz gute Chancen, das in diesem Jahrhundert wieder zu schaffen: Die Auferstehung der bayerischen Boheme. Einer, der dieses ehrgeizige Ziel vorantreibt, ist Designer Patric Weiler. Vordergründig designt er erstmal T-Shirts. Sein neues Label „Bavarian Boheme“ ist derzeit der Renner in den Szeneclubs. Doch die T-Shirts sind mehr. Sie sind Ausdruck eines neu erwachten Bewusstseins und einer Rückbesinnung auf das, wofür Bayern wirklich steht: „Die meisten verbinden München mit Bier, Weißwurst, Lederhosen und Oktoberfest. Ein einziges Klischee – das nur teilweise stimmt. Und das Klischee wird vom Tourismusamt auch noch gefördert, weil es sich so gut vermarkten lässt“, meint Weiler im Interview, “Dabei haben wir so viel mehr zu bieten. Im Ausland werde ich immer gefragt – du stammst doch nicht wirklich aus München, du wirkst viel zu cool dafür. Da wurde mir klar, dass ich etwas für das Image meiner Heimat tun muss.“

Seine Antwort sind erstmal die T-Shirts. Aufwendig designt, cool, lässig, sehr durchdacht in der Symbolik und mit Anklängen an das Design vergangener Epochen – Rokoko, Jugendstil, Art Deco. „Eigentlich wollten wir mit den T-Shirts schon zur Wiesn starten, doch dann gab es in der Türkei, wo wir die T-Shirts produzieren lassen, einen Überschwemmung und die erste Kollektion wurde in den Bosporus gespült. Da mussten wir wieder von vorn anfangen“. So wurde die Premiere eben auf die Premiere des Vice-Clubs gelegt.

Als „Paten“ hat Weiler den glamourösesten Bayern aller Zeiten gewählt: Kini Ludwig II. „Der war ein echter Rockstar auf dem Thron. Exzentrisch, romantisch, geheimnisvoll, eigenwillig, mit fantastischen Visionen. Er war radikal für Frieden, er hat absolutistisch seinen Willen durchgesetzt, seine Bauprojekte verwirklicht. Dem war egal, was die anderen gedacht haben, der wollte seine Träume verwirklichen“, so Weiler. „Der verkörpert für mich Bayern.“

Moderne Testimonials sind Münchner Originale wie Ali Khan, Musiker, Designer, Schauspieler wie Doreen Dietel – es soll rund um die Idee „Bavarian Boheme“ ein ganzes Netzwerk entstehen, Parties, Kunstprojekte, Konzerte. „Die T-Shirts sind nur ein Ausgangspunkt, die Idee ist, Bavarian Boheme immer weiter voranzutreiben, etwas ganz Besonderes zu schaffen und damit ein Gegengewicht zu schaffen zu dem lahmen Bild als konservativer Bierdimpfl, das die Welt von uns hat.“

Den Coolness-Test haben die T-Shirts schon bestanden. Beim Shooting in Los Angeles wurden die T-Shirts auch an diverse Originale vom Venice Beach verteilt – und die liebten sie „Das war cool: alte Bodybuilder, Surfer, Stripperinnen, Tätowierer – alle waren begeistert.“

Einen Vergleich hört Weiler allerdings nicht so gern: den mit Ed Hardy. „Derzeit werden ja alle bedruckten T-Shirts mit Ed Hardy verglichen. Der macht viel einfachere Motive, Tattoos sind jedermann leicht verständlich, da ist die Botschaft ganz einfach. Aber das ist mir viel zu grell, zu bunt, zu beliebig. Es gibt Prominente, die viel mit Ed Hardy gesehen werden, die möchte ich nicht so gerne in meinen Shirts sehen.“

Man darf gespannt sein, was von Bavarian Boheme so in Zukunft kommt – ich bin sicher, so einiges…

http://www.bavarian-boheme.com/

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Deutschland sucht die Superpeinlichkeit?

Was sucht RTL eigentlich? Einen Superstar oder möchte der Sender ein Panoptikum eröffnen? Vielleicht, nachdem sich nach diversen Staffeln herumgesprochen hat, dass ein Superstar diese Sendung nur sehr unwahrscheinlich verlassen wird, setzt die Sendung jetzt voll auf den Peinlichkeitsfaktor. Während der Gewinner der letzten Staffel seine Tour wegen Misserfolg wesentlich zusammenstreichen muss, wird emsig neu gecastet und dabei fallen alle Schamgrenzen.

Bislang gab es nur merkwürdige Selbstdarsteller wie Menderez, denen man einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen konnte. Die wußten, auf was sie sich einlassen. Und sind trotzdem immer wieder gegen das Bollwerk dieser Talentshow angerannt. Das hatte was.  Doch wenn im Fernsehen zu sehen ist, wie sich ein Bewerber vor Angst in die Hose pinkelt – das geht zu weit.  Pipiunfall wird das dann getauft, etwa im Blog von Promipranger oder bei Bild.de. Ich finde, RTL hat die verdammte Pflicht, die Leute vor sich selbst zu schützen. Wenn wer nicht singen kann und zum Casting geht – der ist selbst schuld. Aber irgendwo muss doch mal Schluss sein.

Stars, die sich zum Affen machen beim Känguruh-Hoden-Verspeisen oder die sich in sowas wie der Alm oder der Burg einschließen lassen, denen gehört es nicht anders. Die sollten ihr Business kennen. Aber ein armes Opfer vor der ganzen Fernsehnation zum Gespött zu machen, ist Ekel erregend. Ich hoffe, die Sendung wird mit kollektivem Abschalten bestraft und Bohlen sitzt einsam im Studio und kann sein “Scheiße”-Schwein mit Euros füttern.

Nachtrag: der Vater des Pinkelkandidaten will den Fernsehsender jetzt verklagen.

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Mode und Kleidung – ein deutsches Mißverständnis

Niemand käme auf die Idee, dass die Kochkreationen, die Ferran Adria molekular zelebriert, irgendetwas sind, was eine Hausfrau täglich auf den Tisch bringen kann. Es sind Ausnahmen von der Regel, Spielereien, Vorstöße, Versuche.

Genausowenig kommt man in Frankreich auf die Idee, dass all die Mode, die auf einem Laufsteg zu sehen ist, auch tatsächlich getragen werden soll. Nein, auch das sind Ideen, Inspirationen, das ist im besten Fall nicht Kleidung, sondern Kunst. Natürlich gibt es Leute, die das dann auch tragen – alltagstauglich ist es kaum. Und soll es ja auch gar nicht sein. Maximal Lady Gaga trägt sowas in ihren Videos.  Deswegen ist es nur logisch, dass die Nicht-Alltagsmode auch an nicht Alltags-Frauen gezeigt wird. Alles, was zu erdnah ist, was beult und wackelt, stört nur den Fall des Stoffes. Das mag sich gemein anhören – aber so ist es eben. Auf Modenschauen zeigen Kleiderständer Kreationen der Meister. Eigentlich wäre es völlig konsequent, auf menschliche Models zu verzichten und die Mode dafür an Puppen zu zeigen – was einige Modeschöpfer schon praktiziert haben. Aber das kommt halt ziemlich langweilig daher.

Doch diese Tatsache scheint sich hierzulande nicht herumgesprochen zu haben. Immer noch hörte ich bei Schauen “Wer soll das denn tragen?” “Die sind ja alle viel zu dünn.” Niemand soll das tragen -und, nein, das passt schon so so. Wenn es um Mode geht.

Anders verhält es sich mit Kleidung. Das ist das, was man täglich trägt – das muss nicht unbedingt modisch sein, sondern trägt viel mehr dem individuellen Empfinden Rechnung. Kleidung ist das, was S.Oliver oder Esprit machen. Und hier ist es schon sinnvoll, dass die Designer und Schnittmeister sich angucken, wer das tragen soll. Aus Kostengründen wird bei diesen Marken etwa eine Größe 36 nur hochgerechnet – aber das Frauen mit Größe 40 und mehr andere Proportionen haben, dem wird nicht Rechnung getragen. Hier sollte die Modeindustrie ansetzen. Ich bin gespannt, wann sich die neuen Vermessungen des deutschen Durchschnittskörpers auch bei den Schnitten niederschlagen. Wenn ich nun lese “Gelten Frauen mit Größe 38 bald wieder als normal?” dreht es mir die Fußnägel hoch. Normal ist 40 und drüber.  Wer durch eine Fußgängerzone geht, der weiß, dass die meisten Menschen vom Magerwahn so weit weg sind wie  Rainer Calmund von Karl Lagerfeld.  Magerwahn ist nicht das Problem, meist eher das Gegenteil.

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Ohne Models – doppelt frustrierend?

Was haben die Macher der Brigitte nicht alles versprochen – ein Heft ganz ohne Models, sondern mit Frauen wie du und ich. Wie du vielleicht, denn so wie ich sind sie nicht. Gut, es kann niemand gezwungen werden, unfotogene Anfangsvierziger abzulichten, aber ein bißchen realer hätten die Frauen schon sein dürfen. Mir ist ziemlich egal, ob es ein Model ist, das nebenbei studiert, oder einen Studentin, die nebenbei modelt. Auch die Teilnehmerinnen bei Germanys next Topmodel sind ja meist auch nicht von Anfang an professionelle Abgelichtetwerderinnen. Dass es jetzt alle reale Menschen sein sollen, erhöht den Druck auf uns Realos, den die Zeitung ja eigentlich brechen wollte.  SO haben Frauen auszusehen – alle schlank, alle topgestylt, ganz natürlich und trotzdem höchst modellike. Ich finde, Magermodels machen keinen Druck, denn die sind weit von der Realität entfernt. Aber die Bilder in der Brigitte nehmen für sich in Anspruch, das ganz normale Leben abzubilden – für mich sehen die meisten Menschen in der Realität anders aus. Und das frustiert.

Aber damit wir auch alle so unnormal normal aussehen sollen, hat die Brigitte auch gleich eine Diät als zweites “fettes” Hauptthema. War das Absicht oder einfach nur unfassbbar unsensibel? Was soll das alles? Ich fühle mich von Brigitte und der Kampagne veralbert. Für wie dumm hält diese Zeitung ihre Leserinnen? Wie reale Leute aussehen – attraktiv, aber eben dennoch nicht genormt, sieht man an der mehrseitgen Dove-Werbung am Anfang des Heftes. Da wurde dieser Gedanke ja schon vor einiger Zeit umgesetzt und – zumindest für mich – wesentlich glaubhafter und konsequenter.

Bei den erkennbar irrealen Bildern der Hochglanzmagazine wie Vogue oder Elle kann man träumen. Bei der Brigitte bleibt nur ein schaler Nachgeschmack. Hergott, traut euch doch mal, Mode tatsächlich denen anzuziehen, die sie tragen sollen – Frauen mit Größe 40 und drüber. Oder bleibt bei Models – da hab ich auch kein Problem. Aber Frauen zu casten, die genausogut Models sein könnten und es nur zufällig nicht sind (aber nach ihrem Auftritt in der Brigitte bald werden) – das ist Beschiss.  Auch die Horizont sieht es mit gemischten Gefühlen.

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