Monatsarchiv: August 2009

Wird wer gezwungen, in den Puff zu gehen?

Ich weiß ja nicht, was Spiegelredakteure so im Internet anstellen, aber offensichtlich sind sie immer nur zwangsweise in den dunkelsten Ecken des Netzes unterwegs. Anders läßt sich der reißerische Aufmacher-Artikel samt noch reißerischerem Titelbild diese Woche kaum erklären. Was wird da nicht alles gemunkelt – von Abgründen, die auf jeder Seite drohen, Pornos, Kindsmißbrauch, Datenklau, Viren, Diffamierungen, Gewalt allerorten. Anarchie und Randale allerorten auf der Datenautobahn.

Ich bin überrascht. Es muss ein anderes Netz sein als das, in dem ich unterwegs bin. Ich bin seit zehn Jahren dabei und ich war noch nie auf einer Pornoseite, habe keine Bilder von mißbrauchten Kindern angeboten bekommen, kein Mensch beleidigt sich in meinen Accounts in Facebook oder Twitter, stattdessen bin ich Fan von Seiten wie Cuteoverload oder gofugyourself, einer Seite, die nix mit Porno zu tun hat, sondern die Modesünden von Stars karikiert. “Enlarge your penis” oder “heiße Muschi”-e-mails landen im Spam und werden unangesehen gelöscht. Gewinnspiele und andere Datensammelaktionen werden gemieden.  Ich bin nicht naiv, ich weiß, dass all der Mist existiert. Aber bin ich gezwungen, ihn anzusehen oder mitzumachen? Klar, es kann passieren, dass man im Internet gemobbt wird. Und? Haften nicht die Betreiber von Foren für die dort geposteten Inhalte? Und, solange die Zahl der Fälle noch so gering ist, dass Mobbing- Täter und Opfer Namen haben (und die Täter auch bestraft worden sind), muss man sagen, mei, ganz ist Mißbrauch nie auszuschließen.

Für mich ist das Internet wie eine riesige Stadt, von der ich weiß, dass sie dunkle Ecken hat. Und wenn ich nicht sehen will, was in diesen dunklen Ecken passiert oder ich nicht ausgeraubt werden will, dann sollte ich diese Ecken meiden. Das geht problemlos. Wenn man die Analogie Stadt und Internet weitertreibt: niemand käme auf die Idee, in Städten Straßenzüge komplett zu sperren oder Städte als solches zu verbieten. Oder in jede Wohnung einen Beamten zu setzen, der überprüft, was da vorgeht. Nein, in den dunklen Ecken wird öfter mal Streife gefahren. So funktioniert es real.

Funktioniert es so auch virtuell? Ich denke schon. Es wird nie zu schaffen sein, aus dem Internet eine Blümchenwiese zu machen. Das Netz ist eine virtuelle Abbildung der realen Welt mit all dem Schönen und all den Unzulänglichkeiten, mit denen wir eben auch real konfrontiert sind. Was sollen Sperren, Zensur und Verbote ausrichten gegen die menschliche Natur? Wenn einer etwas Illegales tun will, dann macht er das, Verbot hin oder her, real oder virtuell. Es ist eher ein philosophisches Problem, als eines, das der Gesetzgeber lösen kann.

Klar, es wäre klasse, wenn Straftaten im Netz weltweit gefahndet und geahndet würden – aber wenn wir es nicht mal hingekommen, dass die Länder dieser Welt real sich auf Umweltstandards und Menschenrecht einigen können – wieso soll das dann virtuell funktionieren?

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Nachgefragt: Kindersklaven für Kinderschokolade

Vor einiger Zeit berichtete Greenpeace ja darüber, dass die Schokolade, die wir alle so gerne essen, von Kindersklaven geerntet wird, die unter unwürdigsten Bedinungen arbeiten müssen. Link zum Bericht Die gequält, ausgebeutet und mit Pastiziden verseucht werden. Ein Produkt, das so hergestellt wird, möchte ich nicht essen. Es gibt zwar einen Liste bei Greenpeace mit empfehlenswerten Marken mit Gütesiegel – aber ich wollte mehr wissen.

Ich startete also eine Anfrage bei den großen Herstellern, deren Produkte ich eigentlich gerne gegessen habe. Ich wollte wissen, wo ihre Schokolade herkommt, was sie tun, um sicherzustellen, dass kein “Blutkakao” in ihr Produkt gelangt. Von Milka und Ferrero bekam ich keine Antwort – was in diesem Fall auch eine Antwort ist. Bei Stollwerck und Lindt bekam ich dagegen seitenlange Auflistungen der Herkunftsländer, in denen mir versichert wurde – und das glaubhaft – dass in ihrer Schokolade dieser Kakao von der Elfenbeinküste keine Verwendung findet.  Man hat sich sehr viel Mühe geben, meine Bedenken als Verbraucher zu zerstreuen. Bei den Firmen ist wohl auch je eine Website in Planung, die die Herkunft des Kakaos offenlegt. Das finde ich gut und ich hoffe das kommt bald – solche Infos sollte man nicht nur auf Anfrage bekommen, sondern automatisch.

Ich würde mir wünschen, dass die vielen Möglichkeiten des Netzes auch verstärkt dazu genutzt werden, die Ansprüche von uns Verbrauchern stärker durchzusetzen. Foodwatch bietet gute Vorlagen, aber das allein reicht nicht, ich will mich nicht drauf verlassen, dass immer nur die anderen für bessere Produkte kämpfen. Man soll den Unternehmen klar sagen, wenn einem ein Produkt “stinkt”, warum es einem stinkt und dass man es deswegen beim nächsten Einkauf links liegenläßt. Wenn das erstmal ein paar Tausend Verbraucher machen – da ist schnell was dran geändert. Wir haben alle Macht, wir sollten sie nutzen.

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Ihr vergesst schon wieder die Frauen!

Wenn sich die “Social Media Specialists” ihre Erkenntnisse über das Netz gegenseitig um die Ohren hauen, wird viel geredet über Twitter, über PR und Möglichkeiten des Netzes, über technische Fortschritte, Twitterwalls, Twitterrankings oder Googlewave. Das ist ja alles schön und gut und richtig und bestimmt auch richtig wichtig – vor allem bei den Social Media Specialisten. Nur: die breite Masse interessiert das (noch) nicht. Auch wenn Knuewer und Konsorten in ihren Blogs postulieren, Iphones wären in der breiten Masse angekommen – da werden die leider enttäuscht. Das ist ist alles noch extremes Spartenprogramm.

Und eine Zielgruppe, eigentlich so wichtig für die Industrie,  interessiert das alles zweimal nicht: die Frauen. Die vernetzen sich nämlich in Foren – eine Kommunikationsform, die fast völlig aus dem Blickwinkel der Spezialisten gerückt ist – sie geben sich dort Tipps, tauschen sich aus, ratschen, verabreden sich und empfehlen sich dort gegenseitig alles vom Buchtipp bis zum Dampfkochtopf. Es gibt Rezeptzirkel, Starfanclubs, Tipps für eine ökologischere Lebensweise und viele Tipps für Mütter etc. Da sind weniger die Early Adopter oder Meinungsmacher. Das heißt, in den Zirkeln gibt es wohl Meinungsführer, aber die haben nichts mit dem Konzept zu tun, dass sich die Experten sonst so ausmalen. Überhaupt sind diese Welten nicht unbedingt kompatibel. Was passiert, wenn man eine Protagonistin der Frauenszene in die “Männerdomäne”  schubbst, hat das Beispiel Schnutinger gezeigt. Die hat so gebloggt, wie sie immer bloggt – und wurde dafür so zerlegt,  dass sie nun völlig aufhört, im Netz zu schreiben.

Aber wie erreicht man nun die Frauen im Netz?  Wie und wo platziert man seine Produkte, damit sie von der Zielgruppe wahrgenommen werden – und dann auch akzeptiert und gekauft? Auch hier gilt die Devise – nicht von oben herab, sondern teilnehmen. Das ist allerdings bei Foren keineswegs leicht.  Wer wie ich schon seit Jahren in dieser Sphäre unterwegs ist, weiß das.

Deswegen täten Unternehmen, vor allem in der CE Branche, gut daran, statt Twitterkanäle und Corporte Blogs einzurichten, sich zu überlegen, ob vielleicht ein eigenes Forum nicht der bessere Weg wäre, mit der Zielgruppe in Kontakt zu treten. Frauen lieben es, sich miteinander auszutauschen, nicht nur auf vorgegebene Beiträge in einem Blog zu reagieren. Dabei kann man clevere Querverbindungen schaffen: Ein Haushaltswarenhersteller mit Rezeptforum voller Tipps zur Verwendung der Geräte, ein Gameshersteller mit Elternforum, wo Tipps zum Umgang mit Games geliefert werden – das ist der Mehrwert, den Frauen schätzen.

Damit ist das Thema nur angerissen, klar – ich werde mich in Zukunft  weiter damit befassen, weiter Tipps geben. Wer genaueres wissen will, kann mich auch direkt fragen.  Ich freue mich im übrigen auf Input der Social Media Experten.

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