Monatsarchiv: Juli 2009

Horst Schlämmer führt die Parteien vor

Es ist zum Lachen, aber eigentlich ist es traurig. Horst Schlämmer aka Hape Kerkeling führt den etablierten Parteien vor, wie ein perfekter, moderner Wahlkampf aussehen müßte. Für seinen Film “Isch kandidiere”, in dem er mit der HSP, der Horst Schlämmer Partei,  zur Kanzlerwahl antritt,  macht er einfach alles richtig. Er sucht sich die richtigen Unterstützer wie Iris Berben, Bully und Bushido, er verlinkt seinen “Wahlkampf” auf allen Social Media Netzen. Er twittert, er hat eine Facebook-Fanseite, auf der ihn mittlerweile über 4500 Leute unterstützen, er hat einen YouTube Kanal und einen Flickr-Account. Blog und Podcast? Selbstverständlich. Klar, der Mann ist auch lustiger als Steinmeier oder Merkl. Aber dennoch sollten die mal ganz genau hingucken.

Wer jetzt sagt, mein Gott, der Kerkeling ist auch ein Medienprofi, der weiß eben, wie man sich vermarketet, der unterstellt das gleiche wie ich, nämlich dass die Parteien immer noch wenig bis keine Ahnung haben, was das Netz für sie bedeuten kann. Ich bin mir sicher, Horst Schlämmer käme über die 5 Prozent Hürde – trotz Grevenbroich als Bundeshauptstadt.

http://www.waehle-schlaemmer.de/fotos/hsp-wahlkampfmaterialien.html

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Und ihr wundert euch?

Gleich vorneweg: ich hab die Petition gegen das Verbot von Spielen unterzeichnet, weil ich es zum einen unmöglich finde, dass Erwachsenen der Spaß zensiert wird aufgrund von Jugendschutz, zum anderen, weil ich befürchte, dass dann auch wirklich tolle Spiele nicht mehr den Weg nach Deutschland finden.

ABER: Die Gamesbranche macht es ihren Kritikern leicht. Zu leicht. Ich hab gestern abend durch ein Gamingheft geblättert, das mein Freund erworben hatte. Und ich hab nur noch mit den Augen gerollt. Wer nach der Lektüre dieses Heftes glaubt, dass Gamer alle einen an der Waffel haben, dem kann ich nur beipflichten. Es dauerte bis Seite 52, bis es eine Seite gab, auf der nicht jemand grade auf die eine oder andere Art in die nächste Welt befödert wurde. Danach wieder 10 Seiten später was Ruhiges und irgendwo dann nochmal drei Seiten zum Thema Fifa 2010. Das wars mit den Nichtgewaltspielen.  Sonst quollen die Seiten über von Shootern, Zombieshootern, Kriegsspielen, Nazizombies, Zombiepiraten, Monstern, Orks, Soldaten, Einzelkämpfern, Schwertkämpfern, Attentätern…Es hat mich traurig gemacht, diese Zeitung zu lesen. Die Gamesinhalte waren so läppisch und so auf billigste Effekte gebürstet. Und der größte Käse wurde am meisten gelobt, weil die Zombies eine so tolle Graphik hatten.

Was ich mich jetzt frage:  Ist das tatsächlich eine realistische Abbildung dessen, was die Publisher produzieren? Oder sind die Redakteure, die solche Zeitungen schreiben, so begeistert von der tollen Graphik eines Shooters, dass sie dem immer mehr Platz einräumen, als einem orginelleren und harmloseren, aber nicht ganz so gigantisch graphisch aufbereiteten Adventure?

Damit man mich nicht missversteht, ich finde etwa Games wie Halflife oder Bioshock toll, Assassins Creed oder Prince of Persia. Da haben die Entwickler eine ganz originelle Welt geschaffen, die Spiele sind zwar teilweise auch blutig, aber die Stories intelligent, die Graphik großartig, die Spiele nehmen gefangen und sie bieten etwas Neues. Aber der 100. Abklatsch bringt es eben nicht mehr. Ich würde mir mehr Spiele wünschen wie Portal. Keine Angst, ich will niemand dazu verdammen, nur Hexic oder Peggle spielen zu müssen oder statt Halo ein Eyepet zu bespaßen.

Aber ich würde sagen, es wundert mich nicht, wenn – wie eben passiert – die SOS-Kinderdörfer eine Spende der Gamesindustrie ablehnen. Diese Industrie ist gerade auf der Weggabelung, sich entweder im Massenmarkt zu etablieren oder ihren Ruf nachhaltig zu verlieren. Und die Hersteller der Konsolen, die Publisher und vor allem die Redakteure, Blogger und Fans täten gut daran, sich mehr auf die Qualitätsspiele einzulassen, als die Masse an Blut und Gedärmen als Qualitätskriterium zu sehen.

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Unternehmensblog – ein Erfahrungsbericht

Es ist schon einige Zeit her, da machte ich etwas, was man heute als Firmenblog bezeichen würde. Ich arbeitete damals für einen Hersteller im TK-Markt, war verantwortlich für den Content auf der Firmen-Website. Ich sollte aus den verschiedenen Teilen des Unternehmens News sammeln, diese auf die Website stellen, dazu News aus dem Bereich des Sponsorings und weiteren, zusätzlichen Lifestyle-Content, der das “Image” des Produkts unterstreichen sollte. Interaktivität – also ein Forum – war in weiter Zukunft angedacht, aber eigentlich nicht in der Planung. Man hatte Angst vor zu viel negativen Kommentaren und zu viel Arbeit damit.

Die Problematik, die dann auf mich zukam, unterscheidet sich nicht im Mindesten von dem, was heutzutage die Menschen erleben, die sich das Ziel gesetzt haben, das Unternehmen nach außen zu vertreten.

Was ist eigentlich spannend für Leser eines Herstellerblogs? Sie wollen News über neue Technologien, kommende Produkte, sie wollen einen Einblick hinter die Kulissen. Und das ist etwas, was kaum ein Hersteller gerne nach draußen gibt. Denn wozu dann noch teuere Messen, Pressekonferenzen, wenn man schon auf der Website zu viel verrät? Außerdem könnte ja die Konkurrenz Wind davon bekommen. Deswegen gab es keine News über Geräte vor dem offiziellen Release – erst dann, wenn alle anderen das auch hatten, durften wir – genau abgestimmt – die Marketingtexte auf die Website holen. Mehrwert für den Nutzer? Gleich null.

Andrere Abteilungen, z.B. die Gamesentwickler für das Handy, hätten gerne mal hinter die Kulissen blicken lassen – alle, bis auf den Chef der Abteilung. Deswegen kam auch von dort nichts. Und viele Abteilungen waren nicht begeistert von der “Mehrarbeit” auch noch laien-verständliche News für die Firmenwebsite bereitzustellen – deswegen war ich damals gezwungen, den Content immer wieder einsammeln zu gehen – also nachzufragen, ob was Veröffentlichenswertes da ist – gut mühsam, wie man sich vorstellen kann…Überhaupt mußte jede News über viele Hierachie-Ebenen mehrfach freigegeben werden – diese Prozesse konnten sich Wochen ziehen – wie gut das einer “News” bekommt, kann man sich vorstellen.
Im Sponsoring hatten wir damals sehr hochkarätige Vereine und ein Formel1-Team am Start. Genug Futter, sollte man meinen, um das Image, das dieses Sponsoring fördern sollte, auch auf die Website der Firma abstrahlen zu lassen. Doch so einfach ist das nicht. Wir waren zwar Trikotsponsor eines Fußballvereins, dennoch hatten wir keinerlei Rechte an den Bildern – wir durften auch von dpa keine ankaufen und auf die Website stellen, denn das wäre Werbung gewesen und das war in dem 2-stelligen-Millionen-Vertrag nicht vereinbart. Genau das Gleiche galt für die Formel1. Also auch hier war es nicht möglich, mehr als allgemein zugängliche News auf die Seite zu stellen – noch dazu ohne Bilder. Das Experiment wurde nach drei Jahren beendet, denn die neue Marketingstrategie benötigte gar keine Website mehr und bald darauf gab es auch die Firma nicht mehr.

Ich kann deswegen die Nöte derjenigen nachvollziehen, die jetzt für “Social Media” auf Unternehmensseite sorgen sollen. Selbst wenn dieses Projekt zur Chefsache erklärt wird (was schon mal zwingend Grundbedingung ist, damit überhaupt was geht) – es gibt in vielen Abteilungen immer noch Bedenkenträger, die es fast unmöglich machen, wirklich nützlichen, informativen Content zu sammeln und auf eine Website zu stellen. Zumal – jetzt kommt noch die Dimension der Rückmeldung der User dazu – und davor haben Unternehmen große Angst.

Wie ist das heute zu lösen? Darüber wird ja noch hetig debattiert im Netz und der heilige Gral ist noch nicht gefunden. Deswegen nur ein paar kleine Anregungen von mir – aus den Erfahrungen der Praxis raus. Der erste, wichtigste Schritt ist, der Firma – von der Chefetage bis zum Entwickler – die Angst vor Öffentlichkeit zu nehmen. Es muss jedem klar sein, welchen Mehrwert und welchen Nutzen für die Kundenbindung diese Art Offenheit bietet. Es ist notwenig, in der internen Kommunikation dieses Tools zu verwenden, um allen Abteilungen klarzumachen – dies ist kein Hexenwerk. Erst dann kann man mit der Kommunikation nach außen beginnen. Dann sollten vor dem Start klare Richtlinien existieren, wer welche Inhalte weitergeben darf. Ich halte es für ziemlich sinnlos, nur die Kommunikationsabteilung als Sprecher nach draußen zu senden, es sollten auch Entwickler, Produktmanager und andere Abteilungen zu Wort kommen – denn die bringen den Mehrwert. Vorbildlich ist Boris Schneider-Johne, der Produktmanager der xbox360 in Deutschland, der mit seiner Community einen regen Austausch praktiziert. Hier spricht der, der sich auskennt, der Spannendes zu berichten hat. http://www.dreisechzig.net/wp/ Er spricht zwar in einem “privaten” Blog, steht aber offen zu seiner Funktion bei Mikrosoft. Er kommentiert keine Gerüchte, auc das macht er klar. Geflame und Gespamme hält sich in Grenzen.

Ich würde mich über Erfahrungen und Meinungen anderer Leute freuen.

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Hello world!

Hallo auf meinem Blog. In einem hat die derzeitige Vodafone-Kampagne recht. Wir sind nicht da, um zu schweigen. Und, da mir mittlerweile 140 Zeichen nicht mehr ausreichen und ich keine Lust habe, immer nur die Posts anderer Menschen zu verlinken, hab ich mir selbst einen Blog angelegt.  Hello World!

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